Tagenbaren

In der Katergorie „putzige Worte“ begegnete mir kürzlich der Begriff des tagenbaren Bremers. De Fraag ob ik een tagenbarn Breemer bün, kann ik fortsen mit ja beantwoorden. Denn mien Öldern un mein Grootöldern komme von Breem un ok bün ook hier grootworden.

Der Begriff „tagenbaren“ ist sein dem 15. Jahrhundert bekannt und bedeutete zunächst „als freier Mensch von freien Menschen geboren“. Hierbei war nicht etwa nur gemeint, dass jemand nicht im Kerker geboren ist, vielmehr ging es darum nicht als Kind von Sklaven oder aber einem Herren verpflichteten Bauern zur Welt gekommen zu sein. Mit dem 19. Jahrhundert verschwand der Begriff zunehmend, was man mit dem Verschwinden der Leibeigenschaft in Verbindung bringt.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts taucht der Begriff „tagenbaren“ im bremischen Platt auf, als Bezeichnung für einen Ur-Bremer, dessen Eltern und Großeltern schon in Bremen gelebt haben. „tagen“ leitet sich vom „Verbringen der Tage“ ab und „baren“ ist das Geboren-werden. Ich kann somit verkünden eine tagenbare Bremerin zu sein; glaube ich.

Advertisements

Ehrliche Worte

Gesten schüttete ich an dieser Stelle mein Innenleben aus, machte meiner Überforderung Luft. Einige von euch schnekten mir Mitgefühl, andere boten Hilfe an. Dafür bin ich dankbar. Der Grund mich derart offen darzulegen ist jedoch nicht der, dass ich Mitleid oder so möchte. Viel mehr fände ich es schwer sinnvoll wenn viel mehr von uns gelegentlich zugeben würden, dass sie an ihre Grenzen gestoßen sind.

Wir leben in einer schnellen, perfektionieren und effizienten Gesellschaft. Erfolg, Prestige und all das gehörten dazu, und selbst die Bescheidensten unter uns schwimmen irgendwie mit dem Strom und tragen das System. Denn eines ist in unserem Leben nicht erlaubt: Kaputt sein! 40 Stunden die Woche zu arbeiten ist nix und im Zeitalter von Waschmaschine und Trockner ist es jawohl keine Zumutung ein bisschen zu arbeiten – auch als Frau. Die Anzahl der Stunden, die man im Büro zugebracht hat, gelten vielerorts als Ausdruck von Erfolg und wahre Härte zeigt sich im Auslassen der Mittagspause. So ein Blödsinn, sage ich heute, nachdem ich erst gestern wieder einmal eingeklappt bin.

Immer mal wieder sollte man darauf hinweisen, dass das Leben kein Wettbewerb ist. Das Erreichen von möglichen Zielen sollte sich dringend auf persönliche Ziele und Wünsche beschränken und nicht darauf möglichst oft Mitarbeiter des Monats zu werden. Wir haben ein einziges Leben von vielleicht 80 Jahren. In diesem einen Leben haben wir abermillionen Möglichkeiten glücklich oder unglücklich zu werden. Ist das nicht eine Chance, die man nutzen sollte? Ich kann mir vorstellen, dass es wesentlich einfacher wäre schwach zu sein, wenn auch andere mal schwächeln. Anstatt Durchhalteparolen zu heucheln, könnten wir uns zum Break motivieren. Liegen lassen was nicht geht, ausruhen wenn nötig und Überforderung unbedingt benennen. Wenn alle um einen herum Superhelden sind, ist es so verdammt schwer zuzugeben, dass man nicht fliegen kann. Also bitte, Capes wegwerfen, Panzer ablegen und alle zusammen verkacken. Danach geht es einem gleich viel besser.

Der Aufstieg und Fall…

„Vier Kinder, Haushalt und dann noch arbeiten, toll wie du das alles schaffst!“

Ich weiß nicht wie oft ich dieses Satz schon gehört habe, hunderte Male bestimmt, vielleicht mehr. Der Grund ist banal: Offenbar bin ich enorm gut darin, es aussehen zu lassen als würde ich alles gut schaffen. In Wahrheit gibt es verschiedenste Phasen und ich durchlaufe sie zyklisch.

Phase eins: Alles ist gut.

Ich arbeite ein wenig nebenher, so 20h die Woche schaffe ich gut. Im Haushalt hilft mir eine Putzhilfe, die Kinder machen wenig Ärger, wenn aber doch etwas anfällt, habe ich Zeit um aufkommende Probleme aufzufangen und alles zu lösen. Ich bin zufrieden und habe alles unter Kontrolle.

Phase zwei: Ein bisschen geht noch

Ich entlasse die Putzhilfe weil ich mir komisch dabei vorkomme gelegentlich nichts zu tun zu haben. Selber putzen ist cool, ich mache das gern. Ich hab ja schließlich alles unter Kontrolle und was macht schon ein bisschen Haushalt. Easy

Phase drei: Noch ein bisschen

Ich bin nach wie vor nicht überlastet und komme so auf die gute Idee auf der Arbeit Stunden aufzustocken. Ein paar mehr, vielleicht 5 oder sieben. Ich gelobe wie sehr ich meinen Job liebe und wie gut es mir tut etwas eigenes zu haben.

Phase vier: Auslastung

Ich bin bis zum Ärgsten ausgelastet. Das System läuft. Wie ein Uhrwerk balanciere ich 28,5 Wochenstunden, Überstunden, Haushalt und all das große drumherum. Ich verfalle in den Zombie-Modus, funktioniere unter Hochdruck und lächle diverse Probleme geschickt weg. Nach außen habe ich alles unter Kontrolle, innen beginne ich schlecht zu schlafen, höre auf zu essen und bekomme Magenschmerzen.

Phase fünf: Ende

Der Heldenmodus ist nicht mehr aufrechtzuerhalten, ich knicke ein. Diese Phase dauert zwischen drei Stunden und mehreren Wochen. Ich verliere den Überblick, habe allen Fraktionen gegenuber ein schlechtes Gewissen. Die Kinder kommen zu kurz, der Job auch. Das Haus verdreckt und ich kacke körperlich ab. Geht es dann aufs Finale zu, bin ich ein weineneder Haufen Fleisch, der gerettet werden muss.

Heute ist Ende 5. Ich habe in den vergangenen Monaten einige Stunden für eine Kollegin in Elternzeit übernommen, nebenher geht es in der A-Hörnchen Schule heiss her. Energie leer, bitte um Rettung. Und nein, ich schaffe das nicht alles; zumindest nicht lange.

Johnny Thunders

Grad schenkte mir die Shuffle-Funktion von Spotify „Das Wort zum Sonntag“ von den Toten Hosen. Lange nicht gehört, ganz lang! „So lange Johnny Thunders lebt, so lange bleib ich ein Punk…“ singt Campino und gibt mir das Gefühl alles sei gut.

Johnny Thunders, denke ich. Wer ist das eigentlich? Und so Google ich mich schlau. Amerikanische Punk-Ikone der 70er und 80er Jahre. Bis 1975 Gitarrist der „New York Dolls“, bis 1978 bei den „Heartbreakers“ und danach solo unterwegs. Großer Einfluss in der Punk-Szene, viel zitiert, Heroinabhängig und dann das! Johnny Thunders ist tot! 1991 verstorben, an den Folgen seines Konsums.

„Ich bin noch keine 60 und ich bin auch nicht nah dran.. und wenn ich wirklich einmal anders bin, ist mir das heute noch scheiss egal.“

Johnny Thunders lebt gar nicht mehr, die Hosen machen keinen Punk und was ist eigentlich mit mir? Immerhin, die Vorstellung alles sei gut, so lange Johnny Thunders lebt, stammt in meinem Fall aus den mittleren 90ern, aus einer Zeit, in der Er schon tot war. Somit war also noch nie alles ok – oder eben doch schon immer. Alles ist gut, ich bin noch keine 60 und eines Tages werde ich es dennoch sein. So oder so.

Bildung für alle

Nach einem Jahr „ich mach das schon“ und einem wahren Gewitter aus Fünfen und Sechsen habe ich in Sachen Schule nun das Ruder übernommen. Selbstständiges Lernen stand in den Klassen 1-4 nicht auf dem Lehrplan und mein Irrer Gedanke, er würde es in der 5. durch Versuch und Irrtum lernen hat sich selbst ad absurdum geführt. Irre und vollkommen und unschaffbar, ich gebe es zu. Was einem keiner zeigt, das keiner lernt. Und so ist es nun an uns beiden, die Versäumnisse aufzuarbeiten und das Lernen zu lernen.

Tja, und wie heißt es so schön: Bildung ist für alle da. Endlich kann ich die Dritte Deklination Akkusativ Plural in den Nominativ umwandeln, auch das auffrischen der Vokabeln tut gut und bringt ganz neue Einblicke – oder wusstet ihr, dass das englische Wort für Schluchtklettern „gorge climbing“ ist? Wahrscheinlich nicht. Auch die Erkenntnis, dass die Hauptstadt von San Marino San Marino heißt hatte ich zwischendrin vergessen. Primfaktorzerlegung hingegen klappte noch ganz gut.

Immerhin bin ich mit diesen Erkenntnissen alles andere als allein. Unter den Eltern der Klasse herrscht ein reger Austausch über Hausaufgabenaufkommen, zu lernende Vokabeln und Inhalte von Referaten. Keiner lernt dort selbstständig, jeder einzelne unterliegt Muttis oder Vatis Management. Das Bestehen der Kinder ist, bis auf wenige Ausnahmen, vom Engagement, Zeitkontingent und Können der Eltern abhängig. Wer nicht mitzieht, der lässt sein Kind auf der Strecke. Mein Kind möchte nicht auf der Strecke bleiben, und so halftern wir gemeinsam durch den Stoff, hecheln Lektion für Lektion ab und recherchieren den Verlauf des Limes. Wie ich das finden soll weiß ich nicht. Klar lerne ich mit ihnen Vokabeln und erkläre mal die Hausaufgaben. Der Eindruck aber, dass alle Eltern praktisch immer mit ran müssen, ist irgendwie befremdlich.

Ändern werde ich das nicht, tatsächlich kann ich nicht mal eine Kritik formulieren. Und da ich nicht die Mama sein will, die ihr Kind auf die Nase fallen lässt, ziehe ich eben mit; und versuche ihm irgendwie trotzdem selbstständiges Lernen beizubringen. Denn bis zum Abitur … ist es noch lange hin.

Hambacher Forst

Und plötzlich, so gegen 5 vor 12, fällt den Menschen auf, dass es eine komische Idee ist einen Wald gegen Braunkohle einzutauschen. Da hinkt doch was, sagt der grüne Aktivist und die RWE kontert geschickt: Ist mir egal.

Der Braunkohle-Ausstieg in Deutschland gilt als sicher. 2030 ist als Sollmarke genannt, realistisch könnte es bist zum endgültigen Ausstieg auch noch 10,15 oder 20 Jahre länger dauern. Trotz dessen, dass der Abbau die Landschaft killt und die Emissionen sowohl für Klima auch Bevölkerung nachweislich schädlich sind, scheint es schwer den Break zumachen. Die Politik wirkt beinahe willig, jedoch ist das Problem hinter dem Gebilde ein ganz anderes. Die RWE zum Beispiel ist eine gigantische Aktiengesellschaft, in der dutzende Landkreise buchstäblich ihre Aktien haben. Das Interesse daran, den profitablen Braunkohleabbau zu erhalten ist also kein bundespolitisches sondern ein wirtschaftliches. Denn jeder Landkreis, jede Kommune ist an den Erfolg der AG gebunden.

Nichtsdestotrotz ist es ein Wahnsinn was dort im Hambacher Forst passiert. Bäume sind die einzige Instanz auf diesem Planten, die es schafft läuft zu säubern und Sauerstoff zu basteln. Das nervige Thema Photosynthese, das uns alle in der 6.,8.,10 und 12. Klasse nervt, ist tatsächlich so relevant wie es und verkauft wurde. Bäume sind der Kracher, echte Helden! Wir alle brauchen Bäume, je mehr desto besser. Wenn überhaupt, dann sollte die RWE für jede gewonnene Tonne Braunkohle einen Baum pflanzen. Oder einen Quadratkilometer Bäume; oder eben aufhören Baunkohle zu fördern. Es könnte so einfach sein.

Wusstet ihr,

Wusstet ihr, dass das deutsche Wort mit der längsten Konsonantenfolge mit acht Konsonanten das Wort „Angstschweiß“ ist?

Angstschweiß jedenfalls ist eine Reaktion, die, eben wie alle anderen vegetativen Flucht- und Notfallreaktionen, im Hypothalamus gebildet wird. Ursprünglich waren „Flucht“ und „Kampf“ die vordersten Panik-Mechanismen. Da beides anstrengend ist, wurde der kühlende Schweiß gleich mitgebildet. Heute ist er oftmals sinnlos; ins besondere in Vorstellungsgesprächen oder Prüfungen könnte man auf das peinliche Rinnsal gut verzichten.

„Angstschweiß“ ist übrigens in fast allen Sprachen ein zusammengesetztes Wort. So heißt es im englischen fear sweat, im spanischen sudor miedo, im dänischen frygt sved und im niederländischen angst zweet. Mein Favorit ist das isländische òtti sviti, das irgehdwie zumindest niedlich klingt.

Der Deutsche und die Angst; eine lange Geschichte..

Gedächtnis und so

Das A-Hörnchen hat es nicht leicht grad. 120 Vokabeln in englisch, 40 in Latein und dann noch 23 EU Länder und ihre Hauptstädte. Das alles soll zügig in seinen Kopf, ohne sich zu verknoten und irgendwie gegen seinen Willen. „Mein Kopf will das nicht“ argumentiert er klug und trifft damit den Nagel auf den Kopf. So kommen wir zu einem kleinen Exkurs über das Gedächtnis und seine Funktionen.

Der Cortx, also unser Hirn, hat verschiedene Eingänge. Populär sind der visuelle und der akustische Zugang, eben Augen und Ohren. Aber auch über Mund (gustatorisch) und Nase (olfaktorisch) erreichen uns Informationen und ganz viel Input bekommen wir zusätzlich auf dem sensorischen Weg, über unsere Haut nämlich. All diese Infos werden in der Regel nicht seperiert abgespeichert sondern zu einem Paket geschnürt. Stehe ich zum Beispiel auf dem Deich am Meer, hinterlegt mein Hirn ein Erlebnis, das aus dem Bild (Meer, Möwen, Strandkörbe, Menschen, Sand,…), der Akustik (Meeresrauschen, Stimmen, Wind,…), dem Geruch des Meeres, dem Salz auf der Zunge und dem Wind auf der Haut zusammengesetzt wird. Auch Besonderheiten wie zB. der Geruch von Pommes, eine laut kreischende Möwe oder Schmerzen, weil ich barfuß in eine Muschel getreten bin, werden abgelegt und an den Moment geheftet. So wie das Paket dann ist, wird es in den Eingangsbereich gelegt.

In aller erster Instanz bewertet das Hirn, ob es die Erinnerung überhaupt haben möchte. Irrelevantes wird an dieser Stelle aussortiert und das Paket deutlich komprimiert. Die Farben der Badeanzüge der anderen Leute werden aussortiert, die eine oder andere Stimme und die Schriftzüge der Namen vorbeifahrender Boote. Alles was mein Hirn für mich persönlich als banal ansieht, fliegt raus (möglicherweise wurden die Badeanzüge und die Namen der Boote versehentlich bleiben…). Diese Auswahl ist sehr individuell, so dass zwei Personen, die nebeneinander am Deich stehen, durchaus stark unterschiedliche Erinnerungen haben können. Ist dann durch die verschiedenen Bereiche des Cortx eine Bewertung erfolgt, gelangt das Paket ins Kurzzeitgedächtnis.

Im Kurzzeitgedächtnis kann das Hirn Informationen zwischenlagern, die es gleich nochmal braucht, so kann es zB. an der Bushaltestelle die Info „Linie 33!“ vorhalten bis der richtige Bus kommt. Auch kann es die Haltestelle „Postweg“ merken und dafür sorgen, dass wir pünktlich aussteigen. Ist die Information alt und wird als unnötig eingestuft, verschwindet sie binnen etwa 7 Minuten. Mein Paket mit den Erlebnissen am Deich liegt zunächst oben auf und wird durchaus noch verändert solange die Situation anhält. Um nicht allzu viel Platz im Kurzzeitgedächtnis zu blockieren, hat das Hirn eine Art Zwischenablage; das Arbeitsgedächtnis, dort legt es laufende Prozesse hin.

Erkläre ich die Situation „Deich am Meer“ dann für beendet, verlasse den Ort und wende mich andern Dingen zu, beginnt das Arbeitsgedächtnis abermals das Paket zu komprimieren. Sein Ziel ist es, relevante Informationen ins Langzeitgedächtnis zu überführen und die anderen zu vergessen. So wird wieder bewertet, und neben den Parametern „wichtig“ und „unwichtig“ kommen nun noch neue Parameter wie „schön“ oder „traurig“ oder „überraschend“ hinzu. Das Hirn hinterlegt das Ereignis mit Emotionen und sortiert dann aus. Alles was genug emotionale Bedeutung zugewiesen bekommen hat, wird gespeichert. In diesem Speichervorgang gold die strikte Regel: Emotional vor Rational! Völlig irrelevanter Scheiss, der aber soooooo schön war, wird gern ganz oben gut sichtbar abgelegt, wohingegen die Öffnungszeiten des Restaurants zwar gespeichert aber dann gern verdeckt werden. Der Rest, eben alles was nicht wichtig und nicht aufwühlend war, wird nach und nach verblassen. Eine Ausnahme machen die soganannten traumatischen Erlebnisse, Dinge, die sehr belastend für uns sind. Die nämlich kann das Hirn einsperren, wir nennen das dann verdrängen. Diese Taumata, die Menschen bei Unfällen oder zum Beispiel Überfällen erleben sind nie weg. Weil das Hirn aber im ihre immense Bedeutung und Kraft weiß, versteckt es sie gut.

Informationen, die im Langzeitgedächtnis angekommen sind, haben prinzipiell gute Chancen dort auch zu bleiben. Es gilt, je emotionaler (positiv als auch negativ) etwas abgelegt ist, und je öfter es gebraucht wird, desto länger bleibt es oben auf. Je weiter etwas in Vergessenheit geraten ist, desto mehr Aufwand ist nötig, die Info wieder zu finden. Ein Trick, den das Hirn gern anwedet, sind sogenannte Flashbacks. Hierbei nutzt es bestimmte Erinnerungsreize, wie zB. Orte, Gerüche oder Lieder um Ereignisse wieder präsent zu machen. Jeder von uns hat zB. Plätze im Kopf, die er mit traurigen oder großartigen Erlebnissen verbindet. Trifft einen diese Erinnerung unerwartet, spricht man von einem Flashback.

Soweit zum Prinzip „Gedächtnis“. Bezogen auf Informationen, die sich den ganzen Tag lang nebenbei auf unsere Festplatte spielen, klingt das alles ganz easy. Was aber ist mit A-Hörnchens Vokabeln und all dem andern Mist, den wir lernen müssen. Dieser geht den selben weg. Das Problem, gegen das wir kämpfen, sind die Bewertungen. Je mehr man eine Information nicht haben möchte, desto leichter passiert es, dass diese schon in der ersten Bewertungsrunde rausfliegt. Hat es dann eine Vokabel immerhin ins Arbeitsgedächtnis geschafft, braucht es hier in etwa sieben Runden um endlich als wichtig wahrgenommen zu werden. Je größer der innere Widerstand, desto schlechter die Bewertungen. Und selbst nach der Ankunft im Langzeitgedächtnis haben es Formeln, Hauptstädte und Vokabeln nicht leicht. Denn das Gehirn empfindet sie als Ballast, gibt alles um sie nach unten durchzureichen. Um den Ballast an der Oberfläche zu halten, hilft nur eins: Benutzen! Vor allem aber ist es eine Frage der ehrlichen Motivation. Alles das, was wir aufrichtig lernen möchten, durchläuft spielend alle Bewertunsrunden und bleibt uns für wenig erhalten. So weiss ich noch heute wann alle Mitglieder von „Take That“ Geburtstag haben und wie deren Geschwister heißen. Manch anderer Input aus dieser Zeit wurde hingegen als vollkommen unwichtig bewertet; Mathe und so.

Verteidigung

9/11 – man hatte kein pathetischeren Datum finden können um die Erhöhung des Verteidigungshaushaltes zu beschließen. 4 Milliarden mehr für’s Militär. Das seien rund 2% wirbt die Regierung.

2% also, aber wovon eigentlich. Naheliegend wäre ja der gesamte Haushalt, der jedoch stellt sich ganz anders dar:

Satte 38,5% des Gesamthaushaltes veranschlagt die Bundesregierung 2018 für Verteidigung. Das klingt viel, und natürlich viel mehr als 2%. Eine höhere Zahl müsste also her und was liegt da näher als das Bruttoinlandsprodukt zu bemühen – liegt doch der Zusammenhang zum Volk und seiner Produktivität quasi auf der Hand.

Das Bruttoinlandsprodukt ist der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb des Landes binnen eines Jahres produziert werden; also all das, was die Bewohner des Landes herstellen, investieren, von ihrem Geld in alles mögliche umsetzen usw. Ein Wert also, der deutlich machen soll, wie erfolgreich ein Volk so ist und wie produktiv die Wirtschaft ist. Tatsächlich ist das BIP ein träger Wert. Hohe Krankenstände zB wirken sich zwar in den Betrieben stark aus und erzeugen hohen Leidensdruck, im BIP ist das Bundeweite Desaster jedoch nicht zu sehen. Die Kompensation der Missstände findet im kleinen statt, in Betrieben, in Familien und vielleicht in der Kommune. Eine Zahl wie das BIP misst nur die schiere Masse, nicht den Preis, den ein Volk dafür gezahlt hat.

Und was das nun alles mit dem Verteidigungshaushalt zu tun hat? Nichts! Natürlich hat der Bundeshaushalt das Potential das BIP zu steigern, sicher haben auch viele Haushalte das Potential die Menschen zu stärken, es ihnen zu erleichtern Leistung zu erbringen, jedoch hakt es hier ungemein. Soziales, Familien, Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft,… Jeder der Bereiche hat zu wenig, weist ein enormes Entwicklungspotenzial auf und eben die Möglichkeit den einzelnen zu stärken. Statt aber in die gefühlte Sicherheit, die individuelle Lebenssituationen der Menschen zu investieren, hat man sich für die Verteidigung entschieden. Vor wem? Nun ja, die Frage bleibt letztlich offen. Terror, Menschen auf der Flucht, den anderen eben. Vor all denen, die wir nicht kalkulieren können, vor denen wir uns schützen sollten. Und so triggers die Regierung weiter die Angst, die Hikflosigkeit und all das und unterstreicht die Tatsache, dass wir am Arsch sind.