Noch einmal schlafen, und dann beginnt ads, was wir bis März diesen Jahren als „Normalität“ bezeichnet haben. Regelbeschulung. Die Hörnchen sind not amused, schon ein krasser Gedanke dieses Fünf-Tage Woche- Ding“. Und so taten wir in den vergangenen tagen das, was wir jedes Jahr tun: Hefte und Mappen kaufen, Kleber Buntstifte und co natürlich auch. Die Füllungen der Brotdosen diskutieren und most of all: Viel zu spät ins Bett gehen.

Am ersten Schultag nach den Ferien herrscht dann, wie jedes Jahr, Zombie-Alarm – in diesem Jahr allerdings mit Maske. Denn an den weiterführenden Schulen gilt Maskenpflicht. Die Hörnchen sind auch hierüber not amused. Noch ein Fashin-Detail, das bedacht werden muss und überhaupt. Für die Lehrer ein potentieller Vorteil; sie müssen nur knapp 1/3 der leichenblassen, übermüdeten Gesichter bestaunen und auch sonst haben Masken ihre Vorteile. Die Fraktion „Zähneputzen mach ich nicht“ stinkt sich selbst voll, Lehrer mit feuchter Aussprache sind keine Bedrohung mehr und nie aßen sich Knobi und Zwiebel so sorglos. Dennoch, die Hörnchen… nun ja.

Ich starte mit wenig Elan und noch weniger Überzeugung in das neue Schuljahr. Ob es sinnvoll ist 25 halbstarke Hormon-Schlumpies in eine Klasse zu setzen? Zugegeben, das ist es nie, aber unter virologischen Gesichtspunkten betrachtet; nein. Hinzu kommt, dass ab Oktober eh immer einer schnieft, einer hustet (und die Grundschule Läuse hat). Die Situation droht überzeugend, meinem Arbeitszeitkonto, meinen Nerven und dann irgendwie ja auch der Gesundheit eines jeden. Ich mag das nicht mehr.

Lösungen? Keine, ganz klar. Ich persönlich hätte die Welt gern auf Pause gesetzt. Ein Jahr mit alles nix. Keine Schule, keine Arbeit, keine Minusstunden. Keine verpassten Unterrichtsstunden, kein vermasselter Stoff. Jeder macht was er kann, alle geben das, was eben geht. Der Rest ist eben Zauberei. Mene mene, hex hex und alles ist gut. Ich Weißbuches, dass das so einfach nicht ist, dennoch… ach man!

Und so warten wir es mal ab, wer wie lange zur Schule darf. Wer wann den ersten positiven Fall hat, welches meiner Kinder zuerst Husten hat und wie viele Wochen uns das kosten wird. Warten wir es ab, ob Kind-krank Tage, Überstunden und Urlaub am Ende reichen um Corona gerecht zu werden und ob meine Nerven stark genug sind um den ganzen Scheiß noch einmal ein paar Monate standzuhalten. Muss ja, … muss ja. Corona fick dich!

Primäre Bezugsperson ersten Grades

Man sagt, Entenküken folgen in ihrer Kindheit der Person, die sie nach dem Schlüpfen zuerst gesehen haben – in den meisten fällen ihrer Mutter. Bei Menschenküken ist das ähnlich, sie binden sich an eine Primäre Bezugsperson, bauen Urvertrauen auf und legen, besonders in den ersten 24 Monaten, ihr Leben in die Hände dieser. Bei den meisten Kindern wird diese Rolle durch die Eltern erfüllt; logisch. Heute geht man vollkommen logisch und emanzipiert davon aus, dass Väter und Mütter diese Rolle gleichermaßen erfüllen und die Kinder, ohne jeden Zweifel, an beide Eltern gleichermaßen gebunden sind. Ausgenommen sind hier die Kinder, die nach ihrer Geburt zunächst in Pflegestellen o.ä.Verharren müssen, auch sie binden sich auf die eine oder andere Weise an Bezugspersonen, durch die fehlende Konstante neigen sie jedoch zu Bindungsstörungen – das ist ein wichtiges aber anderes Thema.

Heute möchte ich über die herausragende Bindung meiner vier Hörnchen an mich – ihre primäre Bezugsperson – schreiben. Und ich möchte die Frage diskutieren, ob der Vater tatsächlich genauso unabdingbar ist wie die Mutter – und vor allem: ist er genauso gut sichtbar! Ihr seht, es wird hoch wissenschaftlich und bietet Konfliktpotenzial.

Ich habe meine Kinder ausgetragen, sie gestillt und monatelang auf mir schlafen lassen. Tagsüber trug ich sie und als sie krabbeln lernten, bot ich ihnen Raum für Autonomie. Ich stand immer, zu jeder Zeit, als Bezugsperson und Basis zur Verfügung, habe über Jahre hinweg jede Träne getrocknet und jedes Lachen geteilt. Ich war da. Inzwischen sind die Hörnchen groß. Mit 13 und 11 sind A- und B-Hörnchen unabhängig. Sie können sich nach der Schule etwas zu essen machen, sie gehen allein shoppen und verabreden sich ohne meine Hilfe. Wenn was ist, kommen sie zu mir. C- und D-Hörnchen nutzen meinen Support noch viele Male am Tag. Sie suchen wesentlich aktiver meine Nähe und zeihen ihre Kreise zwischen Autonomie („Ich gehe noch raus!“) und Nestschutz („Kann ich kuscheln?). Sie machen das gut und ich begleite alle vier gern auf ihrem Weg. Dennoch stehe ich immer wieder vor einem großen Rätsel: Warum immer ich?

Emanzipatorisch betrachtet ist mein lieber Mann ebenso bindungsrelevante, wie ich es bin. Zugegeben, in den ersten neun Monaten beschränkte sich der Kontakt auf Handauflegen und „Hallo“ rufen. Ja, und in der Zeit danach waren es die Zeitfenster zwischen den Stillphasen, die ihm zur Verfügung standen – zumindest dann, wenn er nicht arbeitete. Wir verbrachten die Wochenenden zusammen, die Urlaube. Und als C-Hörnchen neun Monate alt war, nahm er drei Monate Elternzeit. Selbstverständlich brachte er alle Kinder ins Bett, nachdem sie soweit abgestillt waren, wechselte Windeln und betreute die Kleinen, wenn ich Termine hatte. Er war immer das, was man einen modernen Vater nannte; jeden Tag zwischen 17 und 19.00.

Ins echte Leben übertragen heißt das, dass der Mann ohne Probleme mit den Kindern alles kann. Bedingungslos alles. Dies Regel setzt in dem Moment aus, in dem ich das Haus (oder den Garten oder was auch immer) betrete. Denn sobald das so ist, bin ich die bedingungslose Person of Interest. Allein bei einer einzigen Mahlzeit bringe ich es auf 20-30 Ansprachen. „Guck mal, mein Käse!“, „Mama, ich schmiere Brot. Guck mal wie mein Brot ist..“, „Mama kann ich dies, Mama kann ich das..“. Der Mann sitz dann natürlich bei uns, Bilderbuchfamilie und so, aber selbst wenn ich mich an einem Brotkrumen so verschlucken würde, dass nichts mehr gut, würden sie zunächst mich ansprechen.

Duschen zu gehen heißt in der Welt einer primären Bezugsperson offenbar, beim rasieren der primären Beine ungefähr sieben Rücksprachen mit dem Volk darüber treffen zu müssen, ob es wirklich nötig ist, dass ich allein im Bad bin. Ebenso verhält es sich beim Toilettengang oder wenn man einen Magen- Darm Infekt hat. „Was machst du daaaa?“ ist ein geflügelter Begriff und jeder der schon mal auf dem Scheißhaus saß sollte annehmen, dass diese komplexe Tätigkeit für Außenstehende durchaus zu erkennen ist. Nun ja.

Eben mähte ich den Rasen. D-Hörnchen saß ununterbrochen im Kletterbaum und laberte auf mich ein, C-Hörnchen kam in den 15 Minuten 3x weinend mit Pipapo und B-Hörchne stand vielfach neben mir und fragte… was ich da mache. Der Mann, der Vater der Kinder, stand währen der ganzen Zeit im garten, frei. Und so ist es eben.

Mama, kann ich was Süßes?

Mama, wollen wir was spielen?

Mama, guckst du dir meine Höhle an?

Mama, guck mal den schönen Kackhaufen?

Mama mein Computer ist komisch (haha, und da fragst du mich???)

Mama, wann ist Abendbrot?

Mama, wie viele Tage noch bis Weihnachten?

Mama, Mama, Mama, Mama,…

Papa, wo ist Mama?

Ganz bestimmt kann ein Kind mehrer primäre Bezugspersonen haben. Primäre Bezugsperson ersten Grades und eben die anderen.

Die im Text als „Mama“ bezeichnete Person kann selbstverständlich auch jede andere Person im Leben eines Menschen sein. Ihre Rolle wird nicht durch die biologische Verwandschaft oder das Geschlecht bestimmt. Außerdem bitte ich darum, meine Worte mit Humor zu lesen und sich nicht auf den Schlips getreten zu fühlen (oder den BH). Ich schätze und würdige meinen Mann, das was er tut und tat und weiß, dass er für die Kinder bedingungslos wichtig ist. Dennoch mag ich zB allein auf Klo gehen total. Echt, TOTAL!!

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Des deutschen höchstes Gut – Neues aus der Biotonne

Ab etwa 20 grad ist es warm genug. Dann bilden sich aus den Eiern, die die dicken, schwarzen Fliegen gelegt haben, kleine weiße Maden. Zunächst ganz unscheinbar, wie Reiskörner, bald dann aber fetter und vor allem agiler. Sie sind flink und suchen das Licht. Öffnet man den Deckel unvorsichtig, fallen sie einem buchstäblich auf die Füße. Wer weiß, vielleicht kitzelt es zwischen den Zehen, wenn sie sich in der Sandale winden.

Die Biotonne, das geheime Battle des deutschen Vorstädtlers. Wer was auf sich hält, der hat eine, ganz klar. Der Müll wird getrennt und ja, das ist auch gut so. Dennoch, am Abfuhrtag, oder eher in den Stunden davor, trennt sich am Straßenrand die Spreu vom Weizen (oder dem was davon übrig blieb). Seit 14 Tagen gärte dann der peinliche Überrest einer jeden Mahlzeit, zusammen mit Gartenabfall und dem einen oder anderen Fremd-Akteur in der Tonne und tat das, was er tun musste: autonom stinken.

Die akribischen unter den Tonnen-Besitzern reinigen die Tonne nach jeder Leerung mit Wasser und Seife. Die Hinterlassenschaften werden penibel in Zeitungen gewickelt, oder in Bio-Beutel. Zwischen die einzelnen Portionen kommen weitere Zeitungen, so dass auch der letzte Tropfen Saft aufgefangen und verborgen bleibt. Fliegen sucht man hier vergebens, die stehen nicht auf den guten Frosch. Zitronenreiniger. Das klinische Objekt könnte glatt in der Küche oder besser noch neben dem Esstisch wohnen – wäre sie nicht so hässlich.

Die meisten stinken so dahin, sauber macht man sie mal, ja. Die erste Woche nach der Abfuhr ist es noch ok, danach sollte es kühl bleiben. Hier und da kriecht mal was, dann wird peinlich berührt was gemacht. Was, was man dann so macht, wenn die halb volle Tonne beginnt ein nicht akzeptables Eigenleben zu führen. Kalk soll helfen, oder Katzenstreu. Oder beides. Oder eben auswaschen, aber mal im ernst. Wer hat denn am Tag der Abfuhr zeit, die versiffte Tonne zu waschen und vor allem sind die Gefahren ja nun mal auch nicht zu unterschätzen. Denn wenn man den Gartenschlauch all zu schwungvoll in den Morast hält, dann ist er ganz bald überall, der Morast der vergangenen Zeiten, in all seiner Pracht. Also schnell eine Lage Katzenstreu, drei Seiten Zeitung vom Nachbarn drauf und auf auf in die nächste Runde.

Die eigentlichen Helden der Tonne sind die, die den ganzen Scheiß einfach blanko rein werfen. Sie beeindrucken in ihrer Dominanz, ihrem Durchhaltevermögen und der grenzenlosen Fähigkeit, Leid zu ertragen. Ab ca. 17. April stinkt die Tonne zum Himmel, ab Mai muss man die Straßenseite wechseln, um an betroffenen Häusern vorbei zu kommen.

Dann kommen die Fliegen. Nicht drei oder fünf, nein! Sie kommen in Scharen und legen was zu legen ist. Corona hin oder her, an einem solchen Objekt kommt man nur mit Maske vorbei. Schon ohne jede Aufmerksamkeit kriechen dutzende fette gelblich schimmernde Maden auf dem fettig glänzenden Rand der Tonne entlang. Hie und da kommt ein Spatz des Weges und bedient sich am reichhaltigen Buffet; den Tonnenbesitzer juckt es nicht. Der wirft weiter beharrlich seine Hinterlassenschaftenin den Schlund – irgendwann dann eben auf Distanz, manchmal in einer Plastiktüte.

Schlimm wird es bei Regen. Da suchen die Tierchen das Weite. Zurückhaltend aber zielsicher verlassen die fetten weißen dann ihr stinkendes zuhause und suchen nach einer neuen Zuflucht. Gegen diese Völkerwanderung kommen auch die Spatzen nicht an, und auch nicht das Katzenstreu. Die einzige Macht, die das agile Volk zu unterdrücken weiß, ist die Kälte.

Ab Oktober herrscht Ruhe. Dann ist auch die letzte Made erfroren, kein Ei kommt mehr nach und die Fliegen sind .. da wo Fliegen im Winter sind. Jetzt gilt es den wichtigsten aller Momente nicht zu verpassen: Den ersten Frost. Denn wer jetzt nicht auf der Hut ist, dem friert die ganze Suppe in der Tonne fast. Der unattraktive Eiswürfel bleibt dann, bis zum ersten Abfuhrtag nach dem Frost. Mit dem wiederum beginnt es von vorm, das geheime Battle des Deutschen. Der Kampf um die Tonne, die epische Schlacht zwischen Vernunft und Ignoranz, zwischen Sorgfalt und Lassy fair. Und ein kleines Bisschen auch der, gegen den eigenen Schweinehund und die Scham.

P.S. Seit Tagen sind über 30 Grad. Ich möchte meine Tonne nicht auf der Terasse haben, sollte es regnen, brauche ich mich (glaube ich…) dennoch nicht zu schämen

P.P.S. Ich schmeiße keine Plastiktüten in meine Tonne

P.P.P.S. Wer kompostiert, dem nichts passiert.

Wenn Frauchen eine Panne hat

Eben machte ich den Motor im Auto an und A-Hörnchen teilte mir beiläufig mit, dass wir einen Platten hätten. Vorschriftsgemäß schaltete ich den Motor wieder ab, schließlich weiß ich, dass man mit einem platten Reifen nicht fahren darf.

Tatsächlich, der Reifen ist platt, ganz und gar platt. Keine äußeren Beschädigungen erkennbar, dennoch: Platt. Kurzerhand pfiff ich die Bande zurück und rief den ADAC an.

Der vermutlich ältere Herr am anderen Ende sprach hoch empathisch in einer ruhigen Stimme mit mir. Sehr betroffen und langsam eröffnete er das Gespräch mit den Worten: “Bleiben Sie erstmal ganz ruhig Frau Hörnchen. Und jetzt erzählen Sie mir mal ganz genau was passiert ist. “ Bis zu dieser Frechheit war ich ausgesprochen Ruhig. Im übrigen bin ich nicht dumm, hysterisch oder so, ich bin lediglich mir zwei X-Chromosomen ausgestattet, dennoch kann ich alles was meine artverwandten Y-Chromosom-Träger können. Und um es vorweg zu nehmen: Ich kann göttlich gut parken! Ich kann sogar tanken!!

Ich teilte dem Alten Sack freundlich mit, dass der vordere Reifen platt sei, das Auto zu Hause stünde und ich kein Ersatzrad hätte. “Verstehe!” Sagte er betont langsam und ruhig. “Ich werde Ihnen jetzt einige leichte Fragen stellen.” Kündigte er an und ich atmete schwer und vernehmbar. Mein Geduldsfaden spannte sich zunehmend. “Keine Angst, Frau Hörnchen! Das bekommen wir hin.” Fuhr er fort. Letztlich wollte er den Fahrzeugtyp (Groß), die Marke (Sternchen) und die Farbe (schön) wissen. Komplexe Fragen, zugegeben. Zum Glück gab er mir den wertvollen Hinweis, zur Not im Fahrzeugschein nachzusehen. Nachdem ich die Infos weitergegeben hatte, beschwichtigte er mich ungefragt zum Abschied mit der Weisheit, dass es völlig in Ordnung sei, dass man nicht über alles Bescheid wisse. Mein Mann kümmere sich gewiss um alles und jemand müsse ja auch bügeln und waschen. Genau Arschloch.

Im nächsten Schritt gelang es mir selbstständig und aus eigener Initiative, eine Autowerkstatt anzurufen. Ich weiß, trotz meiner Brüste, dass man Autoreifen nicht bei Rossmann oder Rewe bekommt, deshalb wollte ich den attraktiven Mann in blau bitten, mir einen klarzumachen. Gar nicht so leicht. Der junge Bursche war unsicher, ob ich ihm die Daten auf dem Reifen korrekt am Telefon durchgeben könnte und bat mich schnell herzukommen, damit er sich aufschreiben konnte, was er für einen Reifen er bestellen müsste. Mein Argument, dass ich grad nicht fahren konnte weil platt, fand er nur halb gut. Die Tatsache, dass ich vor meinem Auto saß und die Zahlen auf dem Reifen nur vorlesen müsste, ließ er nicht gelten. Wixxer.

Wir einigten uns darauf, dass ich ein Foto vom Corpus delikti schicken darf und er dann mal guckt, ob das damit geht. Sonst müsste ich aber wirklich eben herkommen, so einfach ist das ja gar nicht. Genau, Fick dich! Gleich kommt noch der Mensch vom ADAC, ich bin schon jetzt total gespannt…

Genau hingesehen

Oh du kleines Männlein! Wie du da sitzt, in deinem PIKAchu-T-Shirt, von dem ich schon weiß, dass es dir eines nicht mehr fernen Tages zu klein sein wird. Fast ehrfürchtig umfassen deine schmuddeligen kleinen Finger einen Donald Duck Comic, aufmerksam und hoch konzentriert inhalierst du Sprechblase für Sprechblase. Erst seit kurzem ergeben die Buchstaben in den Blasen einen Sinn und ich sehe jedem Muskel in deinem Gesichg an, wie beeindruckt du von dieser Tatsache bist.

Dein Gesicht, wie du so in dich gekehrt da sitzt, ist nich hochrot gefärbt, der Schweiß eines verstrichenen Schultages mischt sich auf ihm mit Staub und Sand. Es ist heiß draußen, Reste von Sonnencreme unterstreichen deinen rot-braunen Teints. In der Pause habt ihr eine Höhle gebaut, mit ausgedachten Wänden und einem ausgedachten Dach, und Liam wollte die dann kaputt machen und Noel und Paul haben sie verteidigt und wir waren ganz laut.

Es ist ein zauberhaftes Alter, wenn die Welt nich voller Zauber und Magie ist, alles möglich ist und man in jeder Sekunde mit einem Wunder rechnen darf. Und dann keimt da die Vernunft, Begabung bahnt sich ihren Weg und lässt sich leiten von der Phantasie. Nicht mehr ganz aber dennoch zu großen Teilen lebst du im hier und jetzt, die Tage sind endlos und schaffen es immer wieder, auf wundersame Weise, all deine Bedürfnisse abzudecken. Und doch lebt in dir auch das morgen; an immer mehr Tagen auch das übermorgen.

Denn wenn du noch zwei mal schläfst, dann ist übermorgen. Und übermorgen, da warten ganz neue Abendteuer auf dich, ganz neue Herausforderungen und ganz ganz viele Sprechblasen. Vielleicht, wenn du Glück hast, sogar ein Eis. Oder ein Bonbon. Und wie an jedem Tag, warte ich auf dich! Wie an jedem Morgen werde ich meine Arme ausbreiten, dir einen dicken Kuss geben und dich begrüßen, als hätten wir uns wochenlang nicht gesehen.

(Guckt euch eure Kinder mal genau an! Sie sind wundervoll!!)

#blacklivesmatter

„Was machst du da, Mama?“ fragt vorhin ein vergnügtes C-Hörnchen. Ich saß am Küchentisch und zeichnete auf schwarze Pappe große Buchstaben.

BLACK LIVES MATTER

C-Hörnchen half mir auszuschneiden und wie klebten die Worte ins Küchenfenster.

Warum mache ich das? Irgendwie um kindgerechte Aufmachung bemüht, erklärte ich C- und D-Hörnchen das, was da in Amerika passiert ist – und immer wieder passiert.

Ein Mensch ist umgebracht worden, weil er schwarz ist.

Die Wahrheit ist so absurd, wie sie alltäglich ist. Menschen werden erschossen weil sie joggen, weil Fenster geöffnet sind oder weil sie im Auto nach ihren Papieren greifen. Sie werden getötet weil sie anderen helfen, weil sie leben, existieren, atmen. Menschen werden getötet, weil andere Menschen Rassisten sind, weil sie sich selbst privilegieren, sich als was besseres sehen, als weiß eben. Klingt scheiße? Ist aber so!!

„Aber hier gibt’s das nicht!“ protestierte das D-Hörnchen und führte seinen Freund Simon an, der auch schwarz ist und dessen Mama das auch ist und der Papa auch. „Die werden hier nicht geschlachtet!!“ schrie er mich an und traf den Nagel traurig gut auf den Kopf.

Recht hat er wohl. Hier wird keiner ungebracht, zumindest ist das sehr selten. Dennoch ist Alltagsrassismus auch hier bei uns allgegenwärtig. Er beginnt im Kopf eines jeden, führt sich beim einkaufen, spazieren gehen, arbeiten, tanzen, leben und sterben fort. „Ich bin ja kein Rassist, aber…“ ist nur ein banales Beispiel und durch mein privilegiertes weiß-sein kann ich weitere Beispiele nur aus dem Erleben anderer wiedergeben.

Ich werde nie im Supermarkt unbeholfen in leichter Sprache gefragt, ob ich deutsch spreche, ich wurde, obwohl ich täglich am Hauptbahnhof rumrenne, noch nie von der Polizei kontrolliert. Keiner fragt mich verlegen „wo ich denn in Wirklichkeit herkomme“ und wenn ich etwas gebraucht verkaufen will, zweifelt keiner an, ob ich sorgsam im Umgang war. Meine Nachbarn betiteln meinen Garten zwar ggf. als chaotisch, fügen jedoch nicht die „Ungeübtheit mit der Zivilisation“ als absolut abartigen Grund mit an. Ich kann mich frei bewegen, überall. Ich kenne keine Diskriminierung. Und obwohl ich in mitten einer bunten Großstadt aufgewachsen bin, politisch engagiert und all das, bin ich noch heute seltsam überrascht wenn ich sozusagen „in echt“ von Rassismus im Leben meiner Lieben hört. Gibt es das also echt in echt? Ja – überall!

Um Rassismus loszuwerden, muss er zunächst enttarnt werden. Dann angeprangert und dann muss, Zug um Zug, gegen ihn gekämpft werden. Schreit laut, mischt euch ein und most of all: reflektiert euch selbst! Wir sind alle aus dem selben Holz geschnitzt, alle aus dem selben Ei. Und es ist unser aller aller Pflicht, gegen diesen Wahnsinn aufzustehen, laut zu sein und Schulter an Schulter zubkämpfen! Jeden Tag, in Supermarkt, in der Bahn und abends auf dem Sofa.

Baumarkt, Alter!

Nachdem wir in den vergangenen acht Wochen schick vier Hochbeete zwei mal gebaut haben, den halben Garten saniert und eine 10m Hecke entfernt, einen Zaun bestellt und 1 Kubikmeter Erde verteilt haben, hat das A-Hörnchen nun begonnen, sein Zimmer zu renovieren. Die alten Möbel sind verkauft, die Butze leer. Bei Ikea ist eine Vollausstattung „Teenie-Imperium“ bestellt – Alles macht sich gut an, die Sache flutscht, dennoch wurde eins ganz klar: We need to Baumarkt. Fuck.

Die Horrorgeschichten um diese letzte Bastion der zivilisierten Gesellschaft hatten auch mich längst erreicht. Der geheime Treffpunkt der ganz Verzweifelten, eine Art rechtliche Grauzone, ein Freistaat, ein Moloch. Von florierendem Schwarzmarkt mit Einkaufswagen sprach man da und von kilometerlangen Schlangen, von schreienden Kunden und weinenden Mitarbeitern und und und. Allein der Gedanke dort hin zu gehen kam mir schäbig vor. „Muss das denn sein?“, hätte mein beherrschtes Ich sicherlich zum anderen gesagt, „kann Das nicht warten?“. Nein, kann es nicht. Und so sammeln wir alles was so an den verschiedenen Baustelen aufgelaufen war, schrieben eine akribische, lange Liste und heute früh (ja Samstag, ha ha ha) zogen das D-Hörnchen und ich los.

Ja, ich nahm auch noch eine Vierenschleuder mit zum einkaufen; ein Kind, das in den vergangenen acht Wochen praktisch nie das Grundstück verlassen hat und einfach so gern mal seinen hippen Krabbelkäfer-Mundschutz ausprobieren wollte. So zogen wir also los: Das Kind, meine Schuldgefühle, das schlechte Gewissen und ich.

An der Einfahrt zum Parkplatz standen wir zunächst mal in einer nicht näher definierten Schlange. Stoßstange an Stoßstange, 200 rein, 150 raus. Alles sah nach einem gewaltigem Chaos aus und ich mochte es nicht. Nun ja.. nützt ja nix. Irgendwann war klar, wir stehen in der KFZ-Schlange für den Drive-In des Baumarktes. Ja, sowas vornehmes gibt es hier. Nach gut 10 Minuten gelang es mir den unfreiwilligen Aufenthalt in der Schlange zu beenden und versuchte nun also den Parkplatz als solchen zu benutzen. Dies stellte sich als nicht einfach heraus. Zwar waren an sich viele Plätze frei, jedoch stauten sich überall Autos die werden ein noch aus konnten, durchzogen von einer endlosen Schlage von wartenden Fußgängern.

Wir nahmen den ersten Parkplatz links und stiegen aus. Wagen gibt es nicht, die werden zZt. streng limitiert am Eingang zugewiesen, ach ja. Also ab in die Schlange. Etwa 100-120 Personen standen vor uns. Nach einer langen, langen Phase auf allen Bereichen des Parkplatzes kamen wir nach 30 Minuten in den eigentlichen Wartebereich. Mit Hilfe von Paletten hatten man hier so Freizeitpark-ähnliche Kaskaden abgesperrt und das D-Hörnchen wurde ganz aufgeregt. Ob man da Karussell fahren kann?Langsam aber stetig ging es voran, Meter für Meter. Gleich kommt das Karussell, sagte mein Hirn immer mal wieder und freute sich zunehmend auf die Fahrt im Colossos. Nun ja.

Nach 45 Minuten nahmen wir unsern frisch desinfizierten Gebrauchtwagen in Empfang und ab ging die Fahrt. Das D-Hörnchen nahm auf der Ladefläche Platz und wir begangen zügig und diskret, wie auf den Hinweisschildern gefordert, unseren Einkauf zu absolvieren. Zaunpfosten, Einschlaghülsen, Farbe, Rollen, Pinsel, Abdeckplane… Im Turbo-Gang zogen wir unsere Bahnen durch den immer noch vollen und irgendwie unfreundlichen Laden. Dann kamen die Schrauben. Der Gang war eng und ich eher planlos. Schrauben, viele. Nicht zu dick, nicht zu dünn, eher kurz aber auch nicht zu kurz, für Holz. Ich brauchte einen Moment und einen Anruf zu Hause um dem Rätsel zwischen Senkkopf und Klopfkopf, zwischen Spax und Torx auf die Spur zu kommen. Während ich in dem Gang stand konnte kein anderer rein und so kippte die Stimmung latent. Um nicht loszuheulen kaufte ich dann halt Schrauben; so güldene, hübsche. Damit wird der Zaun sicher halten.

Eins war klar, niemand wollte in diesem Baumarkt sein, am wenigsten ich selbst. Jeder hasste jeden, es hatte etwas von Krieg. Jeder hatte den besten Grund der Welt um da zu sein, und jeder wusste, dass die anderen ihn nicht haben. Es begann zu regnen, laut trommelten dicke Tropfen auf dem Blechdach des Marktes. Ich war froh, nicht mehr draußen zu stehen, die die jetzt rein kamen waren nass. Ihre Laune machte das nicht besser. Mit eigezogenem Kopf packte ich noch ein paar Blumen auf den inzwischen vollen Wagen. Blumen, das Symbol des unnötigen Einkaufes, das geheime Erkennungszeichen der Egoisten und Nichtsnutze der Gesellschaft. Hoffentlich konnte man meine Einschlaghülsen sehen, und die Zaunpfosten; die sind legitim. Mit eingezogenen Kopf schob ich zur Kasse.

An der Kasse machte ich alles falsch, was man so falsch machen konnte. Ich stand an der falschen Stelle, ich kontaminierte die Ablagen an der Kasse mit meinen ekelhaften Waren und zu guter letzt nahm ich mir eins von den bereitgestellten Wattestäbchen zum Geheimzahl-eingeben, obwohl ich eigentlich mit dem Jedermann-Stift unterschreiben sollte. Um diese Untat zu toppen, legte ich das kontaminierte Wattestäbchen zurück in den Behälter für saubere Wattestäbchen, worauf hin die gesamte obere Lage weg musste. WEGEN MIR!!

Menschen dieser Welt! Geht nicht in den Baumarkt. Nichts auf der Welt ist so wichtig, als das man DAS tun sollte. Meidet den Baumarkt, Stay Home!!

Die Einschlaghülsen btw. waren gar keine. Müssen wieder hin, alles Mist. Das aber mache ich nach Corona, 2022, falls ich sie dann noch umtauschen kann. Fuck!

Denn wie man sich bettet..

Seit gut fünf Wochen sind die Hörnchen nun zu Hause, alles ging so seinen gang. Der Menne deckte die ersten fünf von fünf Wochen ab, beschulte vier Kinder, schmiss den Haushalt und hatte gute Laune – fünf Wochen lang. Er fühlte sich wohl in seiner Rolle als Full-Time-Daddy und füllte diese herausragend aus. Ich selbst genoss den riesen Luxus, zur Arbeit gehen zu dürfen. Morgens um neun verließ ich das Haus, tat was zu tun war, und kam gegen vier wieder. Wenn ich das Haus betrat, empfing mich der liebliche Duft von Waschpulver und Frosch Neutralseife, der Menne saß als gutgelaunt herum und die Hörnchen waren ausgeglichen am spielen. Es war himmlisch, fünf Wochen lang.

Am Donnerstag vor Ostern wurde klar, dass ich nach Ostern werde einspringen müssen. ICH!! In meinem Kopf explodierten Horror-Szenarien von schreienden Kindern, Dreck, Homeschooling in der versauten Küche, Schlafmangel und Streit; jeder Menge Streit. Ich schrie, ich heulte. Um keinen Preis wollte ich meine Freiheit – meine Arbeit aufgeben; für keinen Tag. Ohne Haftausgang würde ich dieses Corona nicht überleben, soviel war klar. Gnadenlos steigerte ich mich in das Drama hinein und erreichte am Abend des Ostersonntag, also des dritten schrecklichen Tages zu Hause, das Unvermeidliche: Ich bekam eine Migräne, die sich gewaschen hat. Glückwunsch Mutti!

Ostermontag war ich kaputt, lag jammernd im Bett. Am Dienstag durfte ich noch ein letztes Mal zur Arbeit und verabschiedete mich wortreich, als ob ich Monate lang weg sein würde. Mir blühte Schreckliches, ich werde Zeit zu Hause verbringen müssen.

Mittwoch begann das Endzeit-Szenario. Schlecht gelaunt fuschte ich Frühstück daher, hasst das Homeschooling, grummelte hier und da was ins Diensttelefon und beantwortete zu Tode gequält Emails. Mein Leben war zu Ende. Wir spielten ein doofes Spiel, wir malte ein doofes Bild und am Nachmittag kochte ich eine doofe Suppe. Beinahe hatte ich versehentlich etwas Spaß, als ich am Abend mit dem B-Hörnchen etwas bastelte – aber nur beinahe. Ich benahm mich wie eine pubertäre blöde Kuh und schaffte es erfolgreich, jeden Fokus auf mir selbst und meiner schlechten Laune zu behalten. Unreflektiert wie ein Stuhlbein kackte ich alle an, nicht ahnend, dass die anderen Stuhlbeine auch viel zu tragen haben und, dass Sitzfläche und Lehne ebenfalls leiden. Man kann es nicht anders sagen, ich war ein Arschloch. Ein leidendes, trauriges, jämmerliches – aber ein Arschloch!

Heute begann der Tag anders. Also, prinzipiell ähnlich – ich lag im Bett, es war hell, überall waren Kinder. Aber etwas war anders: Ich hatte gute Laune. Ich machte Porridge zum Frühstück ohne zu jammern und das Homeschooling danach machte sogar Spaß – hopsalla. Und dann, plötzlich beim sortieren der Dreckwäsche, fiel mir etwas ein, das ich bei lauter Drama, Chaos und Panik fast vergessen hatte: Ich liebe es doch Mutter zu sein!!

Mein Frontallappen schrie so verflucht laut nach Struktur und Stagnation, dass ich das zaghafte Klopfen der Amygdala fast überhörte. „Mach´s doch mit´m Herzen!“ sagte sie, erst ganz leise und dann immer deutlicher. Und da hatte sie so recht. Rein logisch mach ich einen verdammt wichtigen Job im Job. Vor allem aber ist es sehr „wie immer“, wenn ich da morgens hin gehe und nachmittags weggehe. Die Kinder machen was anderes, wie immer. Der Mann auch, und der macht es sogar noch schön, er putzt. Rein logisch war es eine gute Lösung, eine ungefährliche und eine harmlose. Keine Veränderungen, kein Corona. Kein Problem.

Seit heute 11:00 löse ich das Problemchen nun mit dem Herzen, nicht mit dem Doofen Verstand. Es gibt Corona, alles ist anders und es gibt ein Problem. Um das Problem zunächst vor der eigenen Haustür bewältigen zu können, tue ich das, was ich am aller besten kann: Ich bin Mama. Das konnte ich viele Jahre lang enorm gut. Ich war der Inbegriff einer Vollzeit- Mama, konnte alles schaffen und beruhigte nicht nur mich selbst sondern auch die Hörnchen immanent. Angst ist ein schlechter Berater, das gilt nicht nur im Krieg sondern auch zu Zeiten von Corona – und auch sonst. Und wenn einen doch mal die Panik überkommt heißt es: Back to basics – was war denn das letzte was mal funktioniert hat. Wenn man das erreicht hat kann man mal gucken was man zur Lösung der anderen Probleme beitragen kann. Und wenn das nichts ist, ist es immer noch ein großer Erfolg in all dem Corona nicht zum dämlichen Arsch mutiert zu sein und einfach nur Mutti (oder Vati oder Schatzi oder Frauchen der,…) zu sein.

Bleibt gesund, und Mensch!

Weitwinkel

Einkaufen ging, keiner rückte mir auf die Pelle und an der Kasse war nix los. Dennoch Zweifel; kaufe ich hier grad überflüssig ein. Frisches Obst, Eis. Beides nun mal wirklich nicht wichtig und am Ende hebt es sich ja auch auf wenn man erst besonders gesund und dann Eis isst und überhaupt. Mache ich mich da verrückt? Ob ich jetzt Laufen gehen soll, weiß ich auch nicht. Einzeln sportlich aktiv werden ist erlaubt. Aber andererseits entscheidet sich doch heute ob die Schotten dicht gemacht werden. Ratze fatze dicht übrigens, dann geht man nicht mal mehr zu Mc Donald und haben die eigentlich noch offen?

Ich bin nicht laufen gegangen. Im nahen Kleingartengebiet patrouilliert ein Polizeiauto und eliminiert Gruppen. Ich habe es selbst gesehen, auf dem Weg zum Einkaufen. Und am See, da steppt der Bär. Alle gehen sie raus, in Kleingruppen versteht sich. Es ist erbärmlich, aber die 1,5m Grenzen zwischen den einzelnen Familien werden so penibel eingehalten, dass man als einzelner Läufer keine andere Wahl hat als zu nahe zu kommen. Ich verzichte und werde fett. Na danke!

Allgemein ist es erstaunlich, was die Einschränkungen für Begehrlichkeiten wecken. Ich habe um Punkt Sofa-Uhr Hunger auf allerlei was man nicht kaufen kann, würde so wahnsinnig gern am Weserufer sitzen und Bier trinken, sehne mich nach Menschen und Kontakt. Was ist man doch für ein soziales Wesen. Bei all dem ist zu erwähnen, dass ich zu denen gehöre, die nach wie vor täglich arbeiten gehen. Ich sehe Kollegen, komme raus, tanke Licht und muss nicht 24/7 vier Kinder versorgen; noch. Aktuell macht das der Menne, der meinen ganzen Respekt verdient. Homeschooling, wer hätte gedacht, dass das seine heimliche Passion ist. Alles läuft friedlich und beschaulich vor sich hin. Auch die Kinder sind nach 8 Tagen insinde Entspannt und schaffen es nach wie vor gut, sich zu beschäftigen. Ein großer Sympathieträger hierbei ist zweifellos unser Garten. 250 Quadratmeter Luxus und neben Seife, Wasser und Klopapier grad unser Lebenselixier.

Anderen geht es da anders. Manchmal genehmige ich es meinem Hirn in die dunklen Abgründe der Corona-Affäre zu blicken. Viele Kinder werden nicht das Glück haben, mit besonnenen, liebevollen Eltern in ihren 55 m2 Wohnung zu sitzen. Fünf Wochen können lang werden und desaströs, wenn man als einzigen Verbündeten den Fernseher hat. Und was ist eigentlich mit den Kindern, die vom Jugendamt 8h am Tag in die Kita geschickt werden? Schnell komme ich an die Grenze dessen, was ich mir vorstellen kann oder möchte. Hilflosigkeit und große Betroffenheit machen sich breit; Hilflosigkeit gewinnt – haushoch.

Im Job sind es die Obdachlosen und Süchtigen, die schwere Kämpfe kämpfen. Weniger Passanten bedeutet weniger Geld bedeutet weniger Stoff – und Essen. Die Hilfseinrichtungen schließen alle nach einander und die Dealer haben zum Teil keinen Nachschub mehr. Und was kommt mit der Ausgangssperre? Werden Substitutionsprogramme aufrechterhalten? Wer süchtig ist hat keine Wahl, von jetzt auch gleich den Konsum einzustellen ist schlicht lebensbedrohlich und stellt allein dadurch keine Option dar. Lösungen gibt es noch keine, allenfalls Ideen. Woher denn auch, sowas hatten wa noch nie.

An den feinsäuberlich abgeriegelten Grenzen sitzen Tausende in Lagern und während wir uns über Familien im Park ärgern, hocken da alle in Zelten, zumindest die, die noch nicht erfroren sind. „Vorerkrankt“ bekommt hier eine neue Dimension, denn nach Monaten in Dreck & Kälte, Mangelernährung und maximalem Stress ist garantiert keine Reserve mehr vorhanden um Corona zu besiegen. Dennoch gibt es Menschen in Deutschland, deren Fokus auf den Spargelfeldern liegt und was für eine Katastrophe das doch ist, wenn ein Stück deutsche Kultur unter den Planen der Agrarwirtschaft verkommt.

Die Gewinnerin in der Sache ist ganz klar die Erde. Keine Kreuzfahrten, kaum Flieger. Die Leute lassen ihre Autos stehen und die großen Fabriken machen mal ne Pause. Einmal durchatmen und bei all dem Gejammer um Wirtschaft und Existenz, die meisten (oder zumindest viele von uns) trifft es zunächst moderat. Ganz automatisch detoxen wir sozial, Entschleunigen maximal und gucken mal ein bisschen nach links und rechts. Ein ganz bisschen zumindest, so weit wir es eben aushalten können. Traut euch Leute, ein bisschen Weitwinkel kann nicht schaden. Einkaufen für die Omi nebenan ist super, den Beitrag der Musikschule weiterzuzahlen, obwohl sie keine Leistungen erhält auch. Sprecht mit euren Mitmenschen und erkundigt euch, wie es den Selbstständigen, den Freiberuflern geht. Was noch? #staytheFuckhome und holt dieLeute aus den Scheiß Lagern und von der Straße. Die Hotels sind leer – also rein da mit den Leuten.