Alle Jahre wieder

Es weihnachtet ganz passabel, die Vorzeichen sind klar. Die Adventskalender haben nur noch 10 Tütchen, an diversen Stellen im Haus sind Geschenke versteckt und inzwischen sprechen wir täglichen über den Tannenbaum (der dieses Wochenende einzieht). Ein weiteres untrügerisches Zeicher dafür, dass es bald so weit ist, ist dass die Kinder kaputt gehen. Denn während allerorts von aufgeregten, überdrehten Zwergen die Rede ist, habe ich es primär mit rotzigen, hustenden, fiebrigen Menschlein zu tun. „Alle Jahre wieder“, hallt es in meinem Ohr, und „Last Christmas“.

Es begann in der letzten November-Woche. Ich freute mich auf den ersten freien Tag seit Menschengedenken und das C-Hörnchen wurde krank. Nach einer Woche war sie saniert und ich atmete auf; kurz und etwas hilflos, denn meine Lunge war dicht. Es hatte mich selbst erwischt. Eine weitere Woche zog sich dahin, ich kampierte im Bett und war nutzlos. Weihnachtsfeiern kamen und gingen, ich blieb. Am Freitag ging es besser und nahtlos reihte sich eine Mandelentzündung im Halse des A-Hörnchens an. Eine weitere Woche verbrachte ich im Krankenlager, pflegen, trösten und m mich selbst bemitleiden. Am kommenden Montag kann er nun endlich wieder zur Schule; und wonder what: Das B-Hörnchen begann gestern den internen Ofen hochzuheizen. Einer raus, einer rein; nächster sein.

Nun ja, Wetten werden angenommen. Werde ich es schaffen bis Heilig Abend vollständig kuriert zu sein? Wer hängt fiebernd unter’m Baum und wer mit Kotzschüssel? Und wen erwischt es im Urlaub zur Jahreswende? Fragen über Fragen, und eine die bleibt: Wieso ist Weihnachten eigentlich nicht im August?

Human Rights

Der 10. Dezember ist seit 1948 der „Tag der Menschenrechte“. Etwas genauer hingeschaut, beginnt die Geschichte der Menschenrechte nicht 1948 und noch genauer hingeschaut, sind wir vielerorts noch heute weit entfernt von dem, was die Human Rights deklarieren.

Die ersten Menschenrechte wurden im Jahr 538 v.C. von den Persern erlassen. Im sogenannten Kyros Zylinder, einer Tonrolle, sind sie eingebrannt und deklarieren Freiheit für alle Menschen der bekannten Welt, Freiheit der Sklaven sowie eine freie Wahl der Religion. Diese weitreichende und liberale Erklärung war in der Antike nicht üblich und konnte sich nicht durchsetzen. Zwar haben beispielsweise auch die Römer Rechte für die Menschen verlesen, jedoch galten die nur für den freien Menschen. Die jenigen, die keine Bürgerrechte hatten, waren von den Menschenrechten ausgenommen. Hiervon Betroffen waren natürlich Sklaven aber auch Frauen und Kinder.

Die Christen verfassten die 10 Gebote als Leitlinie für menschliches Miteinander, jedoch gab es auch hier große Ausnahmen. Sklaven waren zwar zur Einhaltung der Gebote angehalten, standen jedoch nicht unter ihrem Schutz. Außerdem war die „Vertreibung und Ausrottung von Völkern anderen Glaubens“ gewollt und legitim. Allgemein ging man bis ins Mittelalter von einer naturgegebenen Verteilung der Menschen in Freie und nicht Freie aus. So war es nur logisch, dass einige Über andere verfügten und diese, Unfreien eben ohne Rechte waren.

Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts setzte sich der Engländer Thomas Hobbes mit dem Begriff der Freiheit und dessen Bedeutung für den Menschen neu auseinander. Er kam zu dem Schluss, dass der Schutz des Menschen beim Staat läge und hiervon keine ausgeschlossen sind. Ein Staat, der die Sicherheit seiner Menschen nicht sichern könne, müsse seine Legitimation verlieren. Hobbes erschuf den Gedanken der Gewaltenteilung zwischen Legislative, Judikative und Exikutive und machte hiermit noch deutlicher, wie sehr der Schutz der Menschen unabhängig und gleich für alle vom Staat sicher gestellt sein müsse.

Im Zuge der Aufklärung deklarierten etliche Staaten ihre Menschenrechte. Als bekannteste Fassung wurde 1789 in Frankreich die „Erklärung der Menschenrechte“ erlassen, die durch den Marquise de La Fayette in Zusammenarbeit mit Thomas Jefferson, einem der Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, erstellt wurde. Zahllose Philosophen haben davor und danach über die Freiheit des Menschen, seine Gleichheit und seine Rechte gedacht und geschrieben. Ein jeder Krieg brachte neue Verletzungen der Menschenrechte und nach jedem wurden sie neu verfasst.

Die 1948 erlassenen UN-Menschenrechtskonventionen sind das Resultat der Menschenrechtsverletzungen des 2. Weltkrieges und noch heute werden sie diskutiert und angepasst. Erst seit 1979 ist die „Beseitigung der Diskriminierung der Frau“ in den Konventionen enthalten und seit 2010 gibt es ein Recht auf sauberes Wasser. Die Todesstrafe beweist nach wie vor an vielen Orten der Welt, dass eben nicht alle Menschen gleich sind und während man über Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit diskutiert,

ersaufen im Mittelmeer weiter Menschen,

verhungern sie im Jemen,

werden sie in halb Afrika von Waffen erschossen, die unser sauberes System zur Verfügung stellt,

fliehen, fürchten und verstecken sich Millionen. Ungleich, unfrei und alles andere als brüderlich.

Wusstet ihr…?

…dass der erste Adventskranz 1839 von Hinrich Wichern, dem späteren Mitbegründer der Inneren Mission, gefertigt wurde?

Wichern, der Theologe und Pädagoge war, betreute damals im Rauhen Haus Strassenkinder und Waisen aus den Armenvierteln Hamburgs. Wie alle Kinder, fragten die Kinder des Hauses in den Tagen vor Weihnachten immer und immer wieder, wie lange es noch bis sei. Wichern nahm, um die Zeit zu verdeutlichen, ein Wagenrad, legte es auf die Seite und stellte Kerzen drauf; für jeden Tag bis Weihnachten eine. Die Adventssonntage kennzeichnete er mit je einer größeren Kerze.

Seit etwa 1860 wird der Adventskranz aus Tannengrün und mit vier Kerzen gefertigt. In einigen Kirchen sowie im Rauhen Haus, das nach wie vor als Diakonische Einrichtung in Hamburg besteht, wird jedoch bis heute der traditionelle Wichern-Kranz aufgehängt. In einer Katholischen Kiche wurde zuerst 1925 in Köln ein Adventskranz aufgehängt. Erst 1930 folgte ein weiterer in München. Während des Nationalsozialismus wurde der Adventskranz durch den sogenannten „Lichterkranz“ ersetzt, der mit Sonnenrädern geschmückt die vier Jahreszeiten symbolisieren sollte. Erst nach 1945 konnte der Adventskranz, wie wir ihn kennen, sich in ganz Deutschland etablieren.

Mein Lieblingsduft: Buch

Wenn der Aschenbecher voll ist, braucht man ein neues Auto, und wenn das Bücherregal voll ist, braucht man; na ja. Zumindest ein besseren, größeres Regal. Den heutigen Vormittag habe ich meinen Büchern gewidmet. Nachdem alle ein mal raus waren und das Regal gründlich geputzt, sortierte ich sie voller Hingabe nach Thema, Autor und Farbe.

Bücher sind schon lange meine große Leidenschaft. Seit der Grundschule lese ich viel, so viel, dass meine Mama auf Reisen die Bücher rationieren musste; 2 pro Woche. mehr passte nicht ins Gepäck. Am aller alle liebsten mochte ich schon immer eigene Bücher. Büchereien sind super, vor allem die Kinder lieben es sehr. Ich jedoch mag es Bücher auszupacken, den Duft des Neuankömmlings zu inhalieren und sie dann zu behalten. Ich erinnere mich an einen Großteil, habe an viele von ihnen bestimmte Erinenrungen, wann und in welcher Phase meines Lebens ich sie gelesen habe. Weggeben kommt nicht in Frage.

Mit 12 bekam ich das Buch „Christiane F.“ von meiner Mama. Was mich abschrecken sollte, stellte in Wahrheit die Weichen für meine heutige Berufswahl. Ich las es viel viele Male, kann es immer noch auszugsweise Auswendig und war von Anfang an hoch inspiriert von dem Thema Sucht und Suchtentwicklung. Heute sind es viele Bücher zu diesem Thema und es werden mehr werden.

Ebenfalls früh begann ich mich für das Thema „Drittes Reich“ und die Shoah zu interessieren. Mein erstes Buch zu diesem Thema war „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, es folgten Dutzende. Inzwischen horte ich Unmengen von Augenzeugenberichte, Studien, Analysen und allem anderen zu diesem Thema. Die Resilienz des Menschen ist es, die mich hier besonders interessiert, ebenso wie der Blick in Abgründe des menschlichen Seins.

Meinen dritte Leidenschaft ist der alte Goethe. Ich kann den gut leiden, so wie einige seiner Kollegen auch. Und so gibt es bei mir einiges von Goethe aber auch gern Brecht. Ein wenig Kafka und dann die alten Russen; Bakunin und Tolstoi. In anderen Phasen waren es die RAF und Che Guevara, die mich faszinierten. Wirklich wenig vertreten sind klassische Romane oder Krimis. Selten gelingt es mir einen Roman anzulesen ohne ihn bald gelangweilt wegzulegen.

Meiene Leidenschaft teilt vor allem das B-Hörnchen. Sie liest ganz ganz viel, liebt ihre Bücher und träumt davon, ein mal in einer Buchhandlung eingeschlossen zu werden. Jeder Einkaufsbummel mit ihr endet in einem Buchladen und mit mindestens einem Buch – das sie dann liebevoll an sich drückt und den Duft inhaliert.

Safer use

„Safer use“ könnte man im Prinzip mit einer Aussage wie „wenn du das schon machen musst, dann wenigstens so sicher wie möglich“. Im Bereich des Drogenkonsums ist die Bandbreite an Safer use Empfehlungen riesengroß und deckt weit mehr als das Bestreben ab, kein HIV durch dreckige Spritzen zu bekommen. Safer use ist heute Bestandteil jeder Drogenberatung und ein elementarer Teil der Gesunderhaltung der Klienten. Die Ausgabe sauberer Materialien ist ein Bestandteil, die Aufklärung ein weiterer. Beratungen können in verschiedensten Settings stattfinden. Auf der Straße, im Konsumraum oder bei einem Kaffee im Büro.

Die Tatsache, dass gebrauchte Spritzen gefährlich sind und Hepatitis und HIV sich darüber spielend leicht verbreiten können, ist spätestens seit der Aids-Welle Anfang der 90er überall bekannt. Tatsächlich sind es aber weit mehr Kleinigkeiten die beachtet werden sollten um Schlimmeres zu vermeiden. Es gibt zum Beispiel sog. Drug Check Programme, in denen die Konsumenten ihren Stoff analysieren lassen können. Der stark schwankende Wirkstoffgehalt und die vielen Streckmittel sind eine große Gefahr. Auch sind bei weitem nicht nur „Fixer“, also die jenigen, die intravenös konsumieren, betroffen. Auch beim Rauchen oder dem nasalen Konsum gibt es vieles was man beschaten kann und sollte.

Die Grundfesten jeder Beratung sind letztlich die Hygiene und das Setting. Jede Komponente des Konsumvorganges sollte sauber und unbenutzt sein, denn infizieren kann man sich zB. auch an einem dreckigen Geldschein, den man zum sniffen benutzt. Auch Körperhygiene und der Ort, an dem man konsumieren möchte, spielen eine Rolle. Neben dem sauberen Setting, sind auch der Konsum in Ruhe und nicht allein absichernde Komponenten. Je besser man sich auf den Konsum konzentrieren kann, je sorgfältiger man arbeiten kann, desto geringer ist die Gefahr von Infektionen oder einer Überdosis.

Die genannten Bedingungen sind für die meisten Betroffenen schwer herzustellen. Parks, Hinterhöfe oder Toiletten sind häufige Konsumorte. Werder Hygiene noch Ruhe sind hier zu finden. In immer mehr Städten gibt es deshalb inzwischen Konsunräume, in denen unter hygienischen und kontrollierten Bedingungen konsumiert werden kann. Medizinisches Personal agiert hier im Notfall – nicht das Gesetz der Astra. Diese Räume retten in jedem Jahr tausende Leben – und ermöglichen den Konsumenten ein Stück Leben zurückzubekommen. Denn der elende Konsum in Toiletten und Gebüschen ist immer nur die Notlösung. Niemand will das; leider bleibt oftmals nichts anderes übrig.

Schwellenabbau und Akzeptanz

Die Schwelligkeit eines Hilfsangebots beschreibt, wie viel Aufwand und Struktur ein potentieller Nutzer mitbringen muss, um Hilfen zu erhalten. Ein hochschwelliges Angebot ist zum Beispiel das Job Center; der Nutzer muss einen Termin erbitten, diesen einhalten, ggf. lange waren. Er muss Formalien wie Fristen einhalten und Formulare ausfüllen. Für Menschen, die sich in prekären Lebensverhältnissen befinden, ist dies kaum zu schaffen. Frustration, Misstrauen sowie dir Hürden des Alltags machen es um ein Vielfaches komplizierter als es eh schon ist.

Niedrigschwellige Angebote versuchen genau an diesem Punkt anzusetzen und dem Nutzer das Nutzen so leicht wie möglich zu machen. Die Einrichtungen haben zu bestimmten Zeiten geöffnet, je länger desto besser, und nehmen die Nutzer wie sie kommen. Zusätzlich arbeiten viele Einrichtungen mit Streetworkern, die auf der Szene versuchen Kontakte zu knüpfen und Ängste abzubauen. Wichtig ist, zu jederzeit im Kopf zu haben, dass die potentiellen Nutzer in aller Regel schwer traumatisiert sind und viele eine enorme Furcht vor dem Hilfesystem haben. Fingerspitzengefühl ist angesagt!

Die Comeback gGmbH in Bremen ist ein solches niedrigschwelliges Angebot. Die Zielgruppe sind Drogenabhängige, die Leistungen vielfältig. Der Kern der Einrichtung ist ein Café in dem man sich aufhalten kann. Die Nutzer können hier zur Ruhe kommen, für ein paar Stunden dem harten Leben „da draußen“ entkommen. Es gibt kostenlosen Kaffee, ein günstiges Frühstück und mittags frisch Gekochtes für 1,50€. Viele kommen um zu plaudern, andere suchen Ruhe. Neben dem Aufenthalt im Café kann man Wäsche waschen, duschen, Lebensmittel von der Tafel bekommen oder sich in der Kleiderkammer ausstatten. Auch der Erwerb sauberer Spritzen und Verbandsmaterialien gehört dazu. Ein wichtiger Bestandteil der Einrichtung ist die medizinische Ambulanz, in der neben Wundversorgung zB. auch EKGs geschrieben werden können. Täglich sind hier ein Arzt und eine Krankenschwester im Einsatz und versorgen die jenigen, die es in einer Hausarztpraxis schwer hätten.

Natürlich sind es nicht das Mittagessen und die frischen Klamotten, die langfristig helfen. Die Problemlagen der Nutzer sind vielfältig und so arbeiten in jeder Schicht Sozialarbeiter, die sich den Problemen und Nöten annehmen. Mit viel Zeit und einem feinen Händchen für zwischenmenschliche Beziehungen gelingt es dann, einen Draht zu den Nutzern aufzubauen und die wirklich pikanten Theman anzugehen. HIV und Hepatitis, Wohnungslosigkeit, Strafverfolgung gehören dazu, ebenso wie der Wunsch nach „Entgiftung“ und Therapie. Die Palette ist schier unendlich und jeder einzelne hat sein eigenes Päckchen zu tragen.

Manche Meschen begleitet man über Jahre, andere sind nur auf der Durchreise. Einige schaffen den Weg raus, in ein geregeltes Leben; viele nicht. Sucht ist eine schwere chronische Erkrankung. Das Leben, dass die Nutzer führen, ist hart, schmerzlich und nicht immer für uns Helfer nachvollziehbar. Deshalb ist eine wichtige Säule der Arbeit in diesem Bereich die Akzeptanz. Ich kann nicht alles verstehen, aber ich kann es akzeptieren!

Übrigens, die Drogenhilfe ist spärlich finanziert. Über Geld- und Sachspenden freuen sich Einrichtungen in jeder Stadt.

Mehr als nur ein Job

Eine Freundin und Leserin stieß vor einigen Tagen auf diesen Beitrag vom Juni 2016:

https://muetterchenfrost.wordpress.com/2016/06/22/letzte-tage/

Ich hatte mein Praktikum in der Drogenhilfe beendet und war beflügelt und inspiziert. Für mich war klar, da soll es hingehen!

Heute, zweieinhalb Jahre später, bin ich angekommen. Auf einigen Umwegen hat es am Ende geklappt. Seit Juni 2018 fahre ich jeden Morgen an den Ort, an den ich fahren möchte – in die Drogenberatungsstelle. Erst kürzlich sprach ich in einem Gespräch mit der Chefin aus wie es ist: Das war ich mache ist weit mehr als nur ein Job. Es ist Leidenschaft, Passion, Hingabe! Das Thema „Sucht“ fasziniert mich, die Menschen mit denen ich arbeite, ihre Geschichten, ihre Schicksale, motivieren und beeindrucken mich immer wieder und mein Antrieb ist nicht stumpf zu helfen, sondern etwas zu verändern.

In den kommenden Tagen werde ich mich der Drogenhilfe widmen, ihren Aufgaben, Klienten und ihren Problemen. Falls ihr Fragen habt, rund um die Themen: Sucht, Droge, Substitution – fragt bitte.

Liebe.

„Clementinen sind so unglaublich lecker!“, Sagt das B – Hörnchen und hat dabei eine kleine Orange Kugel in die Luft.“ Können wir am Montag Clementinen mit in die Schule nehmen?“ fügt sie der Aussage hinzu und sieht auffordern in die Runde. Ihre Geschwister stimmt ihr zu, und besprechen sofort, wer wie viele Stückchen haben möchte, wer eine geschälte und wer eine ungeschälte Clementinen möchte und in welchem Behältnis diese am besten aufgehoben sein könnte.

Natürlich freut es mich exorbitant, dass meine Kinder gern Clementinen essen. Obst ist super, Vitamin C ist großartig und somit stimme ich den banalen Plänen natürlich kopfnickend zu.

“ Leider ist das hier die allerletzte!“, stellt das B-Hörnchen weiter fest und schnell ist klar, dass eine einzelne Clementine nicht über’s Wochenende, und schon gar nicht bis in die Brotdose reicht. Wir haben einen ausgesprochenen Notstand.

Einkaufen – klar. Kein Problem soweit. Somit schlage ich vor: “ Ich fahr einfach noch mal eben einkaufen.“, verkünde ich und denke mir nicht allzu viel dabei. Das Völkchen jubelt.

Nach einem fürchterlich anstrengenden Tag schleppe ich mich also zur Garderobe. Ich zieh mich an, ziehe mich sehr warm an und mache mich bereit das Haus zu verlassen. Draußen ist es 1° kalt. Es regnet, nicht zu knapp. Zu dem, dass es Stock dunkel ist, ist es einfach nur fürchterlich ungemütlich. Nicht ohne laut und deutlich zu klagen schleppe ich mich also zur Tür um noch einmal kund zu tun, dass mir das was ich jetzt tun werde wirklich nicht leicht fällt. “Du musst das nicht machen, Mama!“, sagt das B – Hörnchen und ich drehe mich noch einmal zu ihr um.“Ich tue das gerne für euch!“, antwortete ich und verlasse das Haus.

Ich steige auf’s Fahrrad und schnell ist meine Hose klatschnass. Der Regen ist eiskalt und peitscht mir ins Gesicht. Weder Mütze noch Handschuhe erfüllen ihren Dienst, alles geht direkt durch. Auf jedem der 500 m bis zum Geschäft bete ich mir wie ein Mantra vor: “Alles aus Liebe! Ich tue das alles aus Liebe! Und ich tue es gern!“. Und wenn alles was ich tun muss, um zu beweisen, wie lieb ich diese kleinen Menschen habe ist, dass ich abends im Regen Clementinen kaufe, dann hab ich es doch irgendwie gut getroffen.

Was bist du denn für einer?

Kennt ihr die Geschichte vom kleinen Tag? Die Idee ist, dass jeder Tag eine Persönlichkeit ist, jeder einzelne Tag bei uns von einem Tag ausgestaltet wurde und dessen Wünsche, Inhalte und Ziele wiederspiegelt. Ich bin ganz verliebt in den Gedanken. Und so mancher völlig chaotischer Tag lässt sich gleich viel besser ertragen, wenn man sich den Innitiator dazu vorstellt.

Manche Tage haben schon einige Jahre auf dem Buckel. Sie bewegen sich langsam und versuchen unnötiges zu vermeiden. Ihr Haar ist silbergrau und trotz der scheinbaren Tristesse, sind sie auf ihre Art und weise schön. Sie beginnen gemach, schleichen sich so dahin und enden ebenso.

Andere Tage sind dynamisch und gut strukturiert. Sie scheinen in ihrem ersten Semester an der Uni zu sein, hoch motiviert und voller Energie. Sie haben all ihre Unterlagen sortiert, schreiben sauber mit und genießen die letzten sonnigen Oktober Tage, während sie Kaffee auf dem Campus schlürfen und mit ihren Kommilitonen fachsimpeln.

Noch andere Tage sind scheinbar schwerfällig. Als würden sie von einer fetten Erkältung gequält, schleppen sie sich dahin und alles ist schwer. Immer wieder legen sie, in einen dicken Schal gehüllt und mit einem Taschentuch in der Hand, Pausen ein, sitzen auf Bänken und verpassen dadurch den Bus. Kommt dann endlich der nächste, sind die durchgefroren. Die Luft im Bus ist verbraucht, es ist überfüllt und kaum auszuhalten. Zu Hause angekommen ist der Kühlschrank leer. Die bestellte Pizza kommt nach über 1,5 Stunden und der Tag ist zu geschafft sie zu essen. Viel zu früh schläft er erschöpft auf dem Sofa ein.

Und dann gibt es diese Tage, die scheinbar von einem ADHS belasteten 15 jährigen gestrickt wurden und uns killen wollen. Alles kommt anders, alles ist schnell. Jeder Gedanke wird von einem weiteren in der Luft zerfetzt. Der Tag verschläft kolossal und streitet in der Haustür mit seinen besorgten Eltern. Er kommt zu spät zur Schule und stellt erst in der 1. Pause fest, dass er noch seine Pyjama-Hose trägt. Er raucht heimlich auf dem Klo, Kifft im Park und hat 10.000 Freunde. Den ganzen Tag über springt er von einem Schauplatz zum nächsten, eckt überall an und kommt abends zu spät nach Hause. Der Teenie-Tag liebt sich in seiner Rolle und hasst es zugleich, er ist alles oder nichts.

Genießt eure Tage. Jeder einzelne hat etwas besonderes und bestimmt einen guten Grund dafür, genau so zu sein wie er ist.