Ich muss Aa

Heute luden Onkel und Tante uns ins Restaurant ein. Mit alle natürlich. Es sei gesagt, mit unserer Meute kann man das gut mal machen. Alle sind wirklich gut im Futter und können sich recht gut benehmen.

So saßen wir also im gut besuchten, großen Lokal. Gerade fertig mit dem Essen und die drei Großen gingen raus zum Spielen (praktischerweise verfügt der Laden über einen Innenhof in dem keiner saß). Wir ganz Großen saßen am Tisch und klönten, als ich es von hinten laut und deutlich und peinlich rufen hörte:“Ich muss Aa!“ Was soll ich sagen? Der kleinen Drei- jährigen  hätte man das allemal verziehen, vielleicht auch der süßen fast Sechs-jährigen. Aber der acht Jahre alte, große Junge war einfach nur sau peinlich. Er stand direkt neben einem Tisch fremder Leute und schien nicht einmal zu raffen, dass es echt… peinlich war.

Nichts-desto-trotz lobte die Kellnerin beim Abgang unsere DREI lieben Kinder. Als das Tantchen auf VIER korrigierte, sagte sie:“Sehen sie. So lieb waren die vier, wären glatt als drei durchgegangen!“

Interne Umbaumaßnahmen

Mein C-Hörnchen ist drei Jahre alt und wird im Juli vier. Im vergangenen Jahr war sie so drei, wie man nur drei sein konnte. Laut, frech, trotzig, rasend vor Wut, impulsiv, verständnislos, gnadenlos niedlich und total toll. Mit aller Macht hat sie sich vor vielen Monaten daran gemacht, das ‚ich‘ in sich zu finden, und die Mama ‚Mama‘ sein zu lassen.

In der Tat habe ich keine Ahnung, wie oft ich in den vergangenen Monaten zu ihr gesagt habe:“Geh wieder ins Bett“ oder „Nein, mit Springseil im Bett darf man nicht schlafen.“ Endlose Diskussionen und Schreianfälle über das korrekte Benutzen von Zahnbürste und Ampel sowie Debatten um nächtliches Aufstehen oder früh-morgendlichen Terror trieben uns an den Rand des Wahnsinns; aber sie ist ja nun mal drei.

Und nun plötzlich wird mein kleines Mädchen scheinbar vier. Sie wird jeden Tag selbstständiger. Plötzlich hat sie Verständnis für den kleinen Bruder und akzeptiert was ich sage; zumindest gelegentlich. Sie lässt mit sich reden und hatte schon seit ein paar Tagen keinen schweren Wutanfall mehr. Im Gegenteil. Sie verbalisiert Missstände und umschifft den Wutanfall somit aktiv.  Mein Baby wird groß. Und ich?

Ich werde erleichtert. Hat sich das alles doch gelohnt? Das viele Verständnis, die viele Konsequenz? Das viele Zweifeln an sich selber? Puuu! Wieder eine Trotzphase überlebt. Und die letzte schaffe ich auch noch. Bevor ich es dann mit vier Pubertären aufnehmen muss.

Unten ohne

Großes Wagnis heut: Schwestern zum Kiga bringen, unten ohne.
Nicht ich. Das D-Hörnchen. 
Ohne Kinderwagen. Ohne Buggy. Eben unten ohne. Nur mit Hilfe seiner kleinen, süßen Füße. 
Nix besonderes denkt ihr? Oh doch!! Ich habe in den letzten acht Jahren fast immer immer immer eine Karre mit mir geführt. So ein Ausflug ohne meinen ‚Rollator‘ ist bahnbrechend und neu. Und cool!!!

Easier every  day 

Es gibt hier, in unserer schönen Stadt, einen wunderschönen Abenteuer-Wildnisspielplatz, an dem wir uns, seit wir Kinder haben,gern und oft aufhalten. So wunderschön wie es dort aber auch ist, so anstrengend waren diese Tage aber auch meist. Kind nass, Kind matschig. Kind verlaufen, Kind weg. Kind fällt vom Baum,… Irgendwas war immer. Und entweder hatte ich ein Baby dabei oder eins im Bauch. 

Nun ist alles anders. Das zweite Lebensjahr meines Kleinsten neigt sich dem Ende zu und ich bin nicht schwanger. Nicht schwerfällig, nicht unbeweglich und nicht langsam. Tatsächlich voll einsatzbereit. Sowas gab es noch nie. Toll. 

Heute habe ich dann jedenfalls einfach so fast 2,5 Stunden am Stück so dagesessen. Alle haben vor sich hin gespielt, die Großen haben sich um die Kleinen gekümmert und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl: Alles wird einfacher!! Vielleicht hat es doch einen Vorteil, nicht immer gleich das nächste Kind zu bekommen. Was für eine Erkenntnis. 

Gnadenlos; beim Einkaufen

Shoppen mit Hörnchen macht Spaß. Besonders wenn die Hörnchen sich alle Mühe geben, Mama bloßzustellen. 

Auf dem Weg zum Supermarkt schenkte uns ein Nachbar zwei Gurken aus dem eigenen Garten. Ich legte diese unten in den Kinderwagen und wir zogen weiter. Im Geschäft lud ich dann noch einiges auf, und tüddelte zur Kasse. Alle Einkäufe kamen auf das Band. Schon im Vorfeld hatte ich beruhigt festgestellt, dass das Geschäft nur gerade, hübsche Gurken in Plastik führte, somit war ich mit meinen Öko Bio Naturgurken also fein raus. Nichts-desto-trotz ließ es sich das damals drei jährige B-Hörnchen nicht nehmen, durch den ganzen Laden zu brüllen:“Und im Kinderwagen klaut Mama noch zwei Gurken!“, welche sie dann triumphal hoch hielt.

In der Umkleide bei H&M probierte ich eine zugegeben etwas enge Hose an. Mein A-Hörnchen stand neben mir und grinste breit als es schallte:“Mama!! Mit der Hose sieht dein Popo aber dick aus!“ Im ganzen Laden hörte man Gelächter und ich dachte, ich müsste für immer in der blöden Umkleide bleiben…

Mein Highlight war der Kauf eines Badeanzugs ,mit damals drei Kindern. Ich suchte aus und setzte A-und B-Hörnchen mit einem Lolli bewaffnet hinter mich auf eine Bank. Vor der Umkleide Stand der Kinderwagen mit einem zum Glück schlafenden Baby. Ich zog mich todesmutig aus und dann kam der Moment. Der Moment- nur mit Schlüpfer und Socken in der Umkleide. Vor der Umkleide miepte es im Kinderwagen. Ich hatte nur noch einen Plan:Schnell in diesen Badeanzug und dann zum Baby. Doch hatte ich diesen Plan ohne A-Hörnchen gemacht. Er riss den Vorhang auf und stürmte zu seiner kleinen Schwester. Und ich stand dann mal so da. Mit Socken und Schlüpfer. 

Balsam salabunde 

Nach einer Veranstaltung kam heute eine Kommilitonin zu mir und sagte:“Darf ich dich mal was fragen?“ Ich war erstaunt und bejahte. Sie fragte mich, wie alt ich wäre. 

Auf meine Antwort hin reagierte sie erstaunt:“Wahnsinn. Erst mal hätte ich dich auf höchstens 28 geschätzt, außerdem; das ist echt Wahnsinn was du schon alles erreicht hast.“ 

Ich? Ich?? Ich, die sich selbst eher als Langzeitstudentin oder Berufsversagerin bezeichnen würde. Uff. „Danke!“ , habe ich gesagt. So habe ich das noch gar nicht gesehen. 

Und du willst mal Kinder haben?

Im Rahmen eines anderen Seminars, durfte ich heute meine Interessen auf einen Zettel schreiben. Hierbei sollte durchaus sorgfältig vorgegangen werden. Ich schrieb also gewissenhaft ca. 30 Dinge untereinander, die mich irgendwie interessieren. Alles mögliche halt. Fast logischerweise standen auf der Liste auch etliche Dinge, die mit Kindern zu tun haben. 

Im nächsten Schritt sollten diese Listen mit den Listen der Nachbarn abgeglichen werden; warum weiß ich nicht. Meine Sitznachbarin, Mitte 40, schaute über meine Liste und klopfe mit lachend auf die Schulter:“Na, und du willst wohl mal Kinder haben?

Ihren dümmlichen Gesichtsausdruck habe habe ich sehr genossen, als ich sie über den Ist-Stand in Kenntnis gesetzt habe. 

Cloud Atlas

Gestern Abend landete ich unverhofft auf einem mir bis dahin fremden Fernsehsender. Auf ‚einsFestival‘ lief ‚Cloud Atlas‘. Ein Film den ich nicht kannte, bei dem ich aber irgendwie stecken blieb. 

Und so steckte ich, wie gefesselt und herumgeschubst, in verschiedenen Szenarien und Zeiten. Zwischen Staunen und Entsetzen versuchte ich über zwei Stunden zu verstehen, was der Film von mir will. Nur langsam kam ich der Sache auf den Grund. Noch dominierte Planlosigkeit und ich war gespannt. 

Dann, das Ende war ganz nah..

Da kotzte das D-Hörnchen. 

Ich weiß nicht wie alles zusammen gehört. Nie werde ich hinter das Geheimnis kommen. Bedenke ich aber, wie gut der Film schon ohne Sinn und Verstand war, dann muss er ‚mit‘ geradezu großartig sein.