117 Monate

Dieses Jahr im April wohnen wir ganze 10 Jahre in unserem Haus. Eine wirklich lange, lange Zeit. 

Vor etwa neun Jahren bekamen wir unser erstes Kind, das A-Hörnchen. Und ich erinnere mich noch wie heute, wie ich das kleine Wesen eines Tages zum ersten Mal oben, im kleinen Bad, in der Duschwanne hatte und feststellte, dass diese total undicht ist. Von dem Tag an duschte ich regelmäßig das A-Hörnchen und später auch seine Geschwister und feudelte anschließend das ganze Bad. 

Mein Mann postulierte lange, dass ich einfach unfähig wäre und beim Duschen rumsauen würde; bis er im vergangenen Herbst zum aller ersten Mal selber dort oben duschen musste, da im Hauptbad ja renoviert wurde. Und da fiel es ihm auf: Die Dusche ist ja total undicht!! 

Seit dem sind weitere Monate vergangen und heute dann kam ich nach Hause, er strahle mich an ich teilte mir mit, er habe mir einen großen Wunsch erfüllt! Tatsächlich, nach nur 117 Monaten in diesem Haus ist die Dusche abgedichtet. Das ging ja mal flott. 

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Sisyphus 2.0

Unser Haus hat viele Treppen. 48 Stufen auf drei Treppen um genau zu sein. Und wie das dann so ist, steht meistens an jeder Treppe etwas, das in irgend eine Andere Etage transportiert werden soll. Was runter soll, steht am oberen Treppenabsatz, was rauf soll am unteren. 

Der Menne und ich verstehen dieses komplexe System und nehmen halt mit was mit will. A- und B-Hörnchen ignorieren alles was an den Treppen steht, und steigen zur Not auch drüber. D-Hörnchen muss nix mitnehmen, der braucht seine zwei Hände um selbst heil anzukommen. Und C-Hörnenchen, die hilft wie sie kann!

C-Hörnchen nimmt alles mit, wan an irgendeiner Treppe steht; zur Not sogar das D-Hörnchen. Nur leider ist ihr unser richtungsweisendes Sytem nicht im Geringsten vertraut. So kann man sich im Moment fast sicher sein, dass alles was man irgendwo hin transportiert haben wollte, auf einer der anderen Etagen angekommen wurde, und dort nach Kräften weggeräumt worden ist. Somit erreicht sie durch pures Mithelfen, dass wir nicht nur jeden Gang mehrfach machen, sondern auch noch alles suchen dürfen. Tolles Kind! Und so schön wenn sie freiwillig im Haushalt helfen. 

Da war was

C-Hörnchen sitzt im Flur. Sie soll sich Regenhose und Stiefel anziehen. Wir so oft dauert es lange und ich entscheide sie nicht zu drängen. So tüddel ich also auch noch zwischen Bad und Küche und lasse dem Kind die Zeit, die es zu brauchen scheint. 

„Mama!“ ruft es mich plötzlich. „Da war was an mein Schuh! Ist aber nicht schlimm, hab ich abgepult.“ Was ich nicht für wahr haben wollte bestätigt sich schnell: Im tiefen Profil der Winterstiefel war Hundekacke. C-Hörnchen hatte sie pflichtbewusst rausgepult und zu einer Kugel geformt. Ich wollte am liebsten sterben. 

*Blogparade* Rauchen vor Kindern

Ich bin gefragt worden, mich an der Blogparade *Rauchen vor Kindern* zu beteiligen. Hier also mein Beitrag:

Vorweg, ich habe vor meiner ersten Schwangerschaft schon geraucht, habe vor jeder Schwangerschaft rechtzeitig aufgehört, dann fleißig gestillt und wenige Tage nach dem Abstillen die erste Zigarette geraucht. Bei allen guten Vorsätzen, ich kann es nicht besser. Trotzdem habe ich einige Prinzipien, an die ich mich halte. 

Es ist ganz einfach: Meine Person spaltet sich einfach in zwei! Mein Mutti-ich raucht nicht. Ich rauche also auch nicht auf dem Weg in die Kita oder heimlich im Gebüsch auf dem Spielplatz. Mama raucht nicht. Und zumindest die Mama von den vier kleinen Kindern riecht auch nicht nach Rauch oder so. Nie. 

Tatsächlich aber gibt es inzwischen, zumindest beim A-Hörnchen, einige geringe Ausnahmen. Irgendwann fragte er ob ich rauche und ich fand es einfach daneben, ihn anzulügen. Also sagte ich wie es ist: Ich rauche ganz selten. Ich rauche wenn ich Abends ausgehe, mit anderen Erwachsenen. Es ist dann immer noch ungesund und stinkt, aber ich möchte das manchmal.

Ich habe mich für einen offenen und vor allem ehrlichen Umgang entschieden, da ich es schräg fände die Kinder anzulügen und ihnen eine Heilige vorzuspielen. Ich rauche manchmal, ich trinke auch manchmal Alkohol. Beides ist ungesund und dumm. Aber manchmal entscheide ich mich dafür, ungesunde, dumme Dinge zu tun. Manchmal; nicht jeden Tag. 

An-Schlämmen 

Was bei andern das Angrillen, das ist bei uns, jedes Jahr mit den ersten Sonnenstrahlen, ein Ausflug in unseren geliebten Abenteuerspielplatz. 

Dieses Jahr war das Motto: Better than Woodstock. Alle vier Hörnchen haben sich im Schlamm gesuhlt, glücklich und zufrieden. Der Heimweg mit dem Rad, einmal durch’s Naherholungsgebiet, belustigte dutzende Passanten. 

Und nun ist Baden. Dringend. Und warm! Denn überraschenderweise ist es nach Sonnenuntergang im Januar doch noch recht frisch in den Matschlöchern der Nation. 

   
    
 

Bäume

Ich gehe mit den Hörnchen durch den Park. C-Hörnchen fragt:“Wie sehen eigentlich Bäume mit drei aus?“ Ich suche etwas und zeige ihr einen jungen, vielleicht 3-4 Jahre alten Baum. C-Hörnchen fragt weiter:“Wie sehen Bäume mit fünf aus, wie mit sechs,…?“  Den ganzen Weg über vergleichen wir Bäume. So finden wir Baby-Bäume, Mama-Bäume und sogar Oma- und Opa-Bäume. Plötzlich hielt C-Hörnchen inne:“ Mama! Aber die Babys sind gar nicht bei ihren Mamas!“ 

Da wurde mir klar, dass mein kleines Mädchen keine Ahnung hat, wo die kleinen Bäume herkommen. Also gab es etwas Nachhilfe in Baumkunde. Kastanien werden zu Kastanienbäume, Eicheln zu Eichen und aus Apelkernen werden Apfelbäume. Und dann war es dem Hörnchen auch ganz klar, warum die Babys so weit weg von den Mamas wohnen; eben weil die Menschenkinder immer alles wegtragen. 

Anschließend haben wir einen Apfelbaum im Topf gepflanzt. Hoffentlich glückt das Projekt. 

Todesfuge 

  Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts 

wir trinken und trinken 

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng 

Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt 

der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete 

er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei 

er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde 

er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts 
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends 

wir trinken und trinken 

Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt 

der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete 

Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt 
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau 

stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts 
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends 

wir trinken und trinken 

ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete 

dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen 

Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland 

er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft 

dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts 
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland 

wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken 

der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau 

er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau 

ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete 

er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft 

er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland

dein goldenes Haar Margarete 

dein aschenes Haar Sulamith

Paul Celan
Ich gedenke den Opfern des Nationalsozialismus. Heute und an jedem Tag

Ballett II

Es war so herrlich. Ich habe mir meinen großen Traum erfüllt und Ballettstunden genommen. Das Richtige zu finden, war gar nicht so einfach. Ich weiß ziemlich genau, was ich alles nicht mag. Alles was hüpft oder rhythmisch tüddelt kann ich nicht leiden. Ich bin nicht synchron und bei der Step Aerobic war ich immer dann oben, wenn alle unten waren. Auch allzu Eso oder Yoga darf es nicht sein. Ich interessiere mich nicht für mein Chi oder eine innere Mitte.  

Was ich gesucht hatte, war klassisches Ballett an der Stange. Klavier, Konzentration und Ruhe. Und das hatte ich gefunden. 

Vorübergehend 

Nun ist meine Ballettlehrerin weg. Weit weg und tanzt im Theater. Und wir habe eine Vertretung.  Die Stunde begann mit Atemübungen. Wildes Armewedeln und Röcheln. Ganz schlimm. Aber es kam noch besser. Als nächstes betrieben wir rhythmische Sportgymnastik. Überall im Raum und im Kreis, zu modern Pop. Ein einziges Gehüpfe und Gehampel. Schlimm. Tatsächlich an der Stange waren wir 15 Minuten, und auch da haben wir nur gehopst. Schlimm 

Schlimm 

Aber bald ist März. Und dann ist alles wieder gut. 

Hops

Hüpf

HipHip Hurra 

So gut ich kann

A-Hörnchen schreibt heut eine Englischarbeit. Er ist gut vorbereitet und alles sollte gut klappen. Beim Frühstück fragte ich ihn, ob er eigentlich vor einer Arbeit aufgeregt wäre oder Angst hätte. Er sah mich überrascht an und sagte:“Nee! Gar nicht!“ Ich erläuterte noch, dass manchen Menschen Angst hätten zu versagen, da führte er fort:“ Mama! Ich mach das genau so gut, wie ich es kann. Und besser wäre es dann ja eh nicht geworden!“ 

So ist es wohl, großartig, wenn man das so sehen kann. Ich persönlich bin immer entsetzlich aufgeregt; und mache es dann so gut, wie ich es eben in diesem Zusand noch kann. Ein wenig von seinem Selbstvertrauen könnte mir da auch nicht schaden.