Tretmühle 

Die Anzahl der Drogentoten in Deutschland hat 2015 um gut 18% zugenommen. Ein Skandal. Ein weiterer: Die Anzahl der Krankschreibungen wegen des sog. Burn-out Syndroms hat seit 2004 um gut 7,5%  zugenommen. 

Der eigentliche Skandal: Leben in Deutschland macht ganz offensichtlich krank, und das nicht erst seit gestern. Denn die Zahlen sprechen keineswegs nur eine Altersgruppe an, nein es werden schlicht alle krank. Die Gründe hierfür sind vielfältig und  fast jedem logisch nachvollziehbar, kennt es doch jeder der in der Tretmühle: ‚Leben und Arbeiten in der BRD‘ lebt.

Schon in der Schule müssen unsere Kinder höher, schneller und weiter. Sie werden zu Höchstleistungen getrieben, ohne Rast. Die wertvollen Jahre der Pubertät verbringen sie auf dem Gymnasium zwischen Klausuren, Training und Geigenunterricht. An den Unis geht es dank Bologna im Dauerstress weiter. 10 Semester lang auswendiglernen und bitte keine Interessen oder Persönlichkeit. Kein Zeit, kein Platz. Danach werden sie mit 24 Jahren auf den Arbeitsmarkt gekotzt. Von da an heißt es: Schaffen! Die 40 Stunden Woche, seit langem widerlegt als ungesund und ineffizient, ist Programm, dazu Personalmangel und Überstunden. Erreichbarkeit und Bereitschaft sind selbstverständlich. 

Und da denkt man sich: Wer da nicht pimpt ist selber Schuld. Denn wer diesem Druck auf Dauer standhalten möchte, dem bleiben zwei Modelle: 

1. Der langsame und unauffällige Weg in den Abgrund: Das wenig heldenhafte Burnout 

2. Das Nachhelfen; mit allem was der Markt so hergibt. Das macht dann kurz leistungsfähig, führt aber allzu oft in den anderen Abgrund, eben die Sucht. 

Gesund bleiben, das ist der dritte Weg. Was so logisch und einfach klingt, ist in Wirklichkeit immer schwieriger. Ich selber habe das Gefühl seit Jahren um mich herum Menschen abstürzen zu sehen. Manchmal frage ich mich: Wann bin ich dran? Und manchmal denke ich, ich mache alles richtig. Ich werde es erleben, und hoffentlich begreife ich es, bevor es zu spät ist. Und wenn nicht ich, dann hoffentlich jemand der mich mag. 

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