Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen

Es ist Nacht. Draußen schreit ein Kind. Ein kleines Kind. Mein Kopf fährt Achterbahn. Ich muss das Kind retten, tausend Szenarien durchlaufen in wenigen Sekunden mein Hirn. Ich eile an die Tür, bereit diesen schlechten, verantwortungslosen Eltern ihr Kind zu entreißen. Wie oft wohl meine Nachbarn schon meine Kinder nachts gehört haben, was sie wohl gedacht haben. Ob es wahrgenommen wurde wenn A-Hörnchen Stunde um Stunde vor Wut schrie? Ob jemand B-Hörnchens Kreischen hörte, wenn sie Nachts Pipi musste und es selber nicht verstand und hilflos in meinen Armen schrie.. Ob jemand mein Schreien hörte, wenn ich in der 4. schlaflosen Nacht in Folge morgens um fünf ein heulendes Baby an den Menne übergab weil ich dachte ich müsste es .. 

Wann mischt man sich ein? Wann hört man genug, wann zuviel, wann zu wenig? Hätte in all den genannten Situationen ein Nachbar geklingelt; ich wäre warscheinlich ausgerastet. Andererseits hätte es schon viele Kinder gerettet wenn jemand geklingelt hätte. Manchmal wünschte ich mir ich wäre stumpf. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Wie glücklich müssen dumme sein. 

Schönheit liegt im Auge des Betrachters

A-Hörnchen hat einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik und Ordnung. Ganz besonders ordentlich und ästhetisch findet er es wenn man den Boden nicht sieht, alle Regale vollgestopft sind und der Schreibtsich mindestens 50 cm hoch mit Dingen bedeckt ist. Absolution erhält dieses ästhetische Bollwerk wenn es zudem unangenehm müffelt und mit Geschirr und Essensresten versetzt ist. 

Außerhalb der Ferien funktionierte es mit wöchentlichem Pflichtaufräumen das Chaos in wenigstens hygienischen Bahnen zu halten; in den Ferien ist diese Struktur verloren gegangen und zurück blieb ein … vollkommen wunderschönes Kinderzimmer zum nicht-Spielen und nicht-Ausruhen und nicht-Wohlfühlen. Es musste aufgeräumt werden, keine Frage. Da dies mit einer einfachen Bitte nicht zu erreichen war, fuhr ich nach drei Tagen bitten und betteln schweres Geschütz auf und gab ihm 36 Stunden. Danach Müllsack; welche Mutter kennt das nicht. 

In den vergangenen 36 Stunden wurde ich nun 12 mal nach oben gerufen. „Fertig!“ lautete die Diagnose des Ästheten. Mich traf, zumindest die ersten 9 Male der Schlag. Denn die einfache Taktik des Hörnchens: Schiebe Haufen A auf Stelle B; entferne vorher Haufen B von Stelle B und mische Haufen C und Haufen A. Taktik Nummer zwei: Schiebe alles Unters Sofa, dich gefolgt von Taktik Nummer drei: Kloppe alles in Kiste X. So fand ich ein und das selbe Stück Holz mit Nägeln drin an fünf verschiedenen, nicht akzeptablen Orten, bis es endlich seinen Weg in den Garten fand. Selbiges ereignete sich mit endlosen anderen Gegenständen und einigem Müll. 

Im 12. Anlauf war dann alles ok. Lediglich ein großes Lego-Reservoir befand sich noch unter dem Teppig; aber ich will nicht kleinlich sein. Und nun bin ich gespannt, wie lange es dieses Mal hält. Eine Woche wäre toll!

Zielgruppe gefunden

Gestern Abend haben wir mit dem A-Hörnchen ‚Scary Movie‘ geschaut. Er hatte ein Mal Fernsehen gut und es lief nichts. So kam es dazu. Wärend wir noch zweifelten, ob der Film nicht zu dumm wäre, lachte das Hörnchen sich schon tot. 

Und er lachte und lachte und lachte. Ultra-stumpfe Witze, eingebettet in irgendwelche Horrorfilme, die wir nicht kennen. Keine drei Minuten war es lustig, aber das A-Hörnchen hätte sich fast nass gemacht vor lachen. So haben wir also endlich die Zielgruppe für diese Art Film ausgemacht. 9 jährige Jungs; passt super!! Nur erschreckend, dass diese Art Film so wahnsinnig erfolgreich ist, und dass der große Erfolg warscheinlich nicht ausschließlich auf neun jährige zurückzuführen ist. Lässt also irgendwie tief blicken, auf das Niveaus der Zuschauer. 

Da-‚ain 

C-Hörnchen konnte früher nicht ’nackedei‘ sagen. Ihr Wort dafür war „da-‚ain“. D-Hörnchen kann ganz hervorragend ’nackedei‘ sagen. Tut er aber nicht, denn hier sagen immer alle da-‚ain; weil es so niedlich ist. 

Nun ist es aber so, dass D-Hörnchen nicht da-‚ain sagen kann. Da er aber ’nackedei‘ für albernen Unfug hält, benutzt er den Ausdruck ‚a-dein‘. Damit wäre die Verwirrung dann komplett, denn ich finde ‚a-dein‘ durchaus auch niedlich und weiß gar nicht mehr was ich denken soll. Außer, dass es unter Umständen klug wäre dem Kind das echte Wort beizubringen. 

Welches war jetzt noch gleich das echte?

Kinderbetreuung oder auch nicht

Im Internet stieß ich auf eine Diskussion über Kinderbetreuung. Überzeugter Krippen-Papa gegen Kindergartenverneinerin. Die ganze Debatte ergab im Grunde nur eins: Jeder hatte gute Gründe, jeder fand er tut das Richtige. Ich habe mich irgendwann mit folgendem Kommentar an der Debatte beteiligt 

Ich habe mein erstes Kind bis zum 3. Geburtstag zu Hause gehabt und es was grässlich. Ich war unzufrieden, er dadurch erst recht. In aller erster Linie brauchen Kinder verlässliche und authentische Ansprechpartner. Eine genervte Mutter, die gern wieder arbeiten würde, ist bestens durch eine engagierte und liebevolle Tagesmutter zu ersetzen. Eltern in ständiger Finanznot, die ihre Kinder die Sorge aus Verzweiflung spürten lassen, sind gut durch eine solide Krippe zu ersetzten. Andererseits sind zufriedene Eltern, die stimmig und gern ihre Kinder zu Hause betreuen bestimmt eine gute Lösung. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Pauschalisieren kann man da nix.

Kinderbetreuung in Deutschland (und sicher nicht nur da) ist schwierig. Denn selbst wer ganz genau weiß was er will, der ist in Finanzdruck, Erwartungen, Angst um den Job und Generationskonflikte verstrickt. Selten treffe ich Familien, die es ganau so machen wie sie es mögen; alle. Denn manchmal mögen auch die Kinder nicht so wie die Eltern. Am Ende kann man nur sehen wo der eigene Schwerpunkt liegt und dann versuchen so zu handeln wie man es am ehesten mit sich selbst vereinbaren kann. Kompliziert und nicht immer schön. 

Genderdebatte

C-Hörnchen ist schon voll in der Genderdebatte, ich staune. Wir laufen so an ’ner Klohausanlage vorbei und C-Hörnchen fragt wofür denn welche Tur wäre. Ich erkläre:“Die Tür mit dem D ist für Damen, also für Frauen; die mit dem H ist für Herren, also Männer.“

C-Hörnchen  denkt kurz nach und erklärt mir dann:“Dann müsste es aber auch ein Klo geben für Jungs, die Mädchen sein wollen wir Elsa; und ein Klo für Mädchen, die ein Junge sein wollen!“ Und noch bevor ich ihr zustimmen konnte  ergänzte sie:“Und eins für Kinder die denken, dass sie ein Stein sind!“ 

Wie recht sie doch hat. Anstatt aber dutzende Klotüren zu haben würde ich kreativ vorschlagen, dass man einfach Klos macht. Klos mit Tür und Klo und fertig. Und na ja, vielleicht noch eins für Männer die glaube sie wären ein Marmeladenbrot. Aber für alle anderen sollte doch eine Tür reichen. 

Vom Einschlafen und Aufwachen

Obwohl unsere Hörnchen prinzipiell gute Schläfer sind und bisher überall irgendwie geschlafen haben, ist dies immer der spannendste Teil am Urlaub. Wer mit wem, wann und wie überhaupt? Zuhause haben wir den großen Luxus, dass jedes Hörnchen sein eigenes Zimmer hat. Im Urlaub gibt es das nicht. Die Konstellationen sind jedes Jahr andere; die kleinen Tücken bleiben die selben! Wenn nachts einer brüllt, werden alle wach, wenn morgens einer früh aufsteht, tuen es alle usw. 

Dieses Jahr ist alles plötzlich einfach. Die Abende sind friedlich, offenbar hat endlich jeder verstanden, dass es keinen Sinn macht Theater zu machen. Die nörgelnde sind harmonisch, wer wach ist verhält sich ruhig und die anderen schlafen weiter. Es ist ganz wunderbar!! Und heute morgen wurde der Menne um 5.30 Uhr kurz geweckt, vom Geschrei eines Babys, das von einem warscheinlich übermüdeten Vater umher geschoben wurde; damit es nicht das ganze Haus weckt. Und der Menne hat es sehr genossen es zu hören und sich noch einmal unzudrehen und zu wissen, dass es dieses Mal nicht sein Problem ist.  

Gewalt erzeugt Gegengewalt 

Grad fand ich im Imbiss eine Bild. Auf sieben Seiten zermalmt das Blatt den Terror der vergangenen Tage. München, Würzburg, Ansbach. Und überall waren es die Ausländer. Episch wird über die Unkalkulierbarkeit der Zuwanderung geschrieben; der Held, der einen der Täter überfuhr, wird heroisch gefeiert.

Ich bin entsetzt. Nicht dass die BILD jemand besonders sachlich oder fair berichtete hatte; nicht dass ich ernsthafte und informative Berichte erwartet hätte. Aber das was dort auf sieben Seiten steht, ist einfach nur menschenverachtend und gefährlich. Menschen werden brachial sortiert, Hass wird geschührt. Und ich frage mich, wie soll denn die Welt besser werden, wenn die einzigen Mittel gegen Hass und Gewalt Hass und Gewalt sind?  Wie soll das gehen? „Gewalt erzeugt Gegengewalt..“ sangen die Ärzte in den 90ern. Und dagegen hilft nur eins: Aufhören! 

Ich denke an einen Raucher der Angst vor Krebs hat weil alle sagen:“Rauchen erzeugt Krebs!“ Was hilft ihm also? Aufhören! Immer mehr rauchen hingegen beschleunigt den Vorgang und facht den Krebs an. Würden nun alle mitrauchen und gegenan rauche, würde das die Ängst des betroffenen sogar noch steigern, warscheinlich sogar eine Erkrankung begünstigen. Es wäre lediglich so, dass dann ja alle rauchen würden und es somit legitimiert wäre. 

Wenn ihr also Angst habt, dann kippt doch kein Öl ins Feuer und hasst mit. Seit nicht schlimmer als die, vor denen Ihr Angst habt. Schürt nicht Gewalt und Misstrauen! Die einzigen die ihr ändern könnt seit ihr selbst. Also hört auf!  

Urlaubsfieber

Kaum war der erste Urlaubstag um, da hatte C-Hörnchen hohes Fieber. Da die Nacht alles andere als lustig war, und das Hörnchen zunehmend abbaute, gingen wir am nächsten Morgen zum Arzt. Dreieinhalb Stunden später verließen wir die Praxis schon wieder. Mit drei Rezepten und arg dünnen Nerven. Dicke Mandeln aber nichts Schlimmes. Super! Und für diese Erkenntnis haben wir einen ganzen Urlaubstag gegeben. 

Doch wir heißt es so schön:Ein Reisefieber kommt selten allein. Am 2. Tag der C-Hörnchen’schen Krankheit kam die D-Hörnchen’sche noch dazu. Gleiche Symptome, gleiches Resultat. Es gab jeden Tag eine Krankenwache und eine Aktionsteam. Traurig aber wahr, so kann Urlaub auch gehen.