Bis einer kotzt

Ich höre Schreie aus dem Kinderzimmer. Auf der Treppe kommt mit ein weinendes C-Hörnchen entgegen; von oben bis unten vollgekotzt. Wärend der Menne das Kind ins Bad führt um es zu waschen, beginne ich das Bett zu inspizieren. B-Hörnchen, die der Tage bei ihrer Schwester geschlafen hatte, erklärt mir dann:

„Sie wolle ausprobieren, wie tief die ihre Hand in den Hals schieben kann. Ging ziemlich tief!“ 

Was für eine Erleichterung! Kein Magen-Darm. Was für eine Dunnheit…Und was für eine Erkenntnis! Wenn man das mit fünf schon weiß, dann muss man das mit 14 nicht mehr machen. 

The person between the lines 

In einem Kommentar schrieb man mir folgendes:

…mich stimmt das dann doch ab und an traurig, dass Du Dich selbst so sehr über Deine Rolle als Hausfrau und Mutter definierst. Wo bist Du eigentlich? Was bleibt von Dir, wenn man die Familie mal abzieht? 

Ich habe in den letzten Tagen viel über diese Worte nachgedacht und habe folgendes festgestellt: Ich habe in den vergangenen 10 Jahren einen Prozess durchlaufen, der mein ‚Ich‘ einmal komplett überarbeitet hat. Aktuell befinde ich mich in einer spannenden Phase der Wieder-Findung. Was genau im Moment übrig bleibt, wenn man die Hörnchen subtrahiert, das weiß ich nicht. 

Vor 10 Jahren war ich das, was man mit Anfang 20 so ist. Ich war interessiert, war viel aus und genoss mein freies Leben. Ich feilte an meiner Unabhängigkeit und erstellte so etwas was ich ‚mein eigenes Leben‘ nannte. Eines Tages beschlossen der Menne und ich eine Familie zu gründen. Bis zum Tag der Geburt vom A-Hörnchen dachte ich, dass danach alles bleibt wie immer, nur eben plus Baby. Ganz schnell wurde mir bewusst, dass das nicht so ist. In meinem Muttiwahn warf ich mich über Bord. Viele Jahre lang brauchte ich keine Hobbys, keine Freunde (außer anderer Muttis) und keine Interessen. Ich war tatsächlich recht zufrieden in meinem Mikrokosmos aus Hormonen, Schlafmangel, Schwangerschaften und Kindern. Es war gut so wie es war. 

Nun ist seit etwa 1,5 Jahren wieder alles im Umbruch. Ich habe quasi einen Entzug von Schwangerschafts- und Stillhormonen gemacht und so erwachte ich selbst wieder in der Mutti-Hülle. Seit dem sortiere ich. Ich habe mein Studium wieder aufgenommen, finde wieder Freude am Ausgehen (was sich teilweise schwer gestaltet wenn man alle Freunde ohne Kinder verbannt hat…) und merke zunehmend, dass mein Hirn wieder beginnt zu arbeiten. Was jetzt spannend ist, ist die Tatsache, dass mein altes ‚ich‘ von vor 10 Jahren mit nicht mehr passt. Ich kann es nicht einfach wie eine alte Hose wieder anziehen. Ich muss neu definieren, alles neu anprobieren. Ich tue dies mit viel Freude, leider auch immer wieder sehr verunsichert. Es ist ein vollkommen neues Parkett. Ein paar Jahre wird dieses Definieren  noch  dauern. Vor mir liegen der Abschluss meines Studiums, Jobsuche und all das, von dem ich noch gar nichts weiß. 

Scare-Maschiene

Ist euch mal aufgefallen, was für tolle Wesen Kehrmaschienen sind? Sie kehren die Straße und irgendwie könnte man sie auch Care-Maschienen nennen. Und was das D-Hörnchen angeht, für den sind es Scare-Maschienen. 

Versteht das nicht falsch, D-Hörnchen liebt Kehrmaschienen! Am aller aller aller liebsten mag er sie von ganz ganz weit weg. Von ganz weit weg sind sie auch noch zu ertragen, danach wird es kritisch. Neulich wollte ein Scare-Maschienenfahrer besonders lieb sein und hielt neben uns an. Das war übel. Scary eben. Aber nett. Nur nicht besonders careful. Aber irgendwie ja doch. 

Familienrat

Das A-Hörnchen schlug vor, in Zukunft einen Familienrat zu halten. Immer Freitags!  Heute war es dann soweit, der erste Familienrat tagte, ausnahmsweise an einem Dienstag; letzten Freitag hatten wir es vergessen. 

Ich eröffnete also feierlich den Rat und fragte das A-Hörnchen, was es zu beratschlagen hätte. Er wusste nichts. Auch B- und C- Hörnchen hatten keine Themen für den Familienrat. Und dann kam das D-Hörnchen an die Reihe. Er meldete sich angestrengt und tat dann folgendes kund:“ Heute sollen alle fernsehen bei der Mittagsruhe!“ Das wichtige Thema wurde demokratisch abgestimmt und der Familienrat wurde geschlossen. Ende. 

Fernsehen. 

 

Gräfin Zahl

Unser B-Hörnchen hat ein neues Hobby:


Sie verbindet Zahlen, weil zählen nämlich so Spaß macht. Zum Geburtstag gab es ein Malbuch mit diesen Zahlen, die verbunden werden sollen. Bis 350 geht es rauf und sie ist mit Feuereifer  dabei. Beeindruckend fand ich es ohnehin. Noch viel mehr jedoch als ich es heute einmal selbst versucht habe. Zwar ist es mir gelungen, das Bild in gut 25 Minuten fertigzustellen, jedoch hat es mir gewaltig Konzentration abverlangt. Hut ab also vor meinem kleinen Mädchen, das so viel Ruhe und Grips aufbringt, und dann auch noch Spaß daran hat. 

Sand


Wir sitzen in dieser riesen Sanddüne. Die drei Hörnchen spielen begeistert. Ganz oben, an einer kleinen Hütte, steht das B-Hörnchen und gibt Kommandos. Ein lautet:“C-Hörnchen! Bring mal Sand hier rauf!“ Das Kind steht umringt von Sand. C-Hörnchen jedoch reagiert versiert und tut das einzig richtige: Sie schleppt schaufelweise Sand den steilen Hang hinauf. Wird schon stimmen; wenn B-Hörnchen Sand will, dann bekommt B-Hörnchen Sand.

Manchmal ist selber-denken total schlau. Manchmal macht es Sinn, ein und dasselbe Problem von zwei Seiten zu betrachten. Aber klar, warum einfach wenn es auch kompliziert geht.

Was ich dir noch sagen wollte

Eben traf ich eine Nachbarin auf der Straße. Eine ältere Frau, Mitte sechzig. Selber Kinder großgezogen, Enkelkinder, das normale Programm. Wir sprachen über Ferien, Urlaub und über ein kommendes Straßenfest. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, rief sie noch einmal nach mir. Ich drehte mich um und hörte Folgendes:

„Was ich dir noch sagen wollte, du hast ganz tolle Kinder! Wirklich, die sind alle vier ganz toll und ihr macht das so gut. Und es ist toll wie du das alles managest!“ 

Wow! Wie gut das tut! Sowas ist eine Wohltat für die Seele einer Mutter. So oft weiß man nicht was gut und was richtig ist. So oft verlässt man sich auf sein gestresstes Bauchgefühl; und die Unwelt ist leider viel besser darin, zu sagen was man alles nicht optimal löst. Umso wertvoller die ehrlichen und netten Worte dieser Nachbarin. 

Jungs in deinem Alter

A-Hörnchen trägt zur Zeit fast rund um die Uhr einen Strohhut; so wie Papa. Leider verstarb der Hut gestern, so dass A-Hörnchen und ich heute in die Stadt fuhren einen Neuen zu besorgen. Im ersten Geschäft gingen wir in die Abteilung für Teenies und suchten. Es gab viele Strohhüte. Mit Blumen, mit rosa, mit Glitzer und sogar mit Anna & Elsa. Neutrales war nicht zu finden. An der Kasse erkundigten wir uns nach Strohhüten für Jungs. Die Verkäuferin schaute etwas zweifelnd und sagte:“Sowas tragen Jungs in deinem Alter nicht!“ Schluck! Das gesessen; dachte ich. Wir zogen um in die Damenabteilung, in der es leider auch nichts passendes gab. Im nächsten Geschäft ein ähnliches Schauspiel in der Abteilung für Teenies: Pink und Rosa wohin man schaut, nicht neutrales, nicht jungenhaftes. Wieder fragten wir eine Verkäuferin, wieder gab man uns eine vernichtende Antwort:“Sowas trägt man nicht als junger Mann.“ Die Frau bot meinem Hörnchen Cappys an und zog von dannen. Ich stand neben meinem Hörnchen und schaute ihn fragend an. Er aber hatte Kampfgeist im Blick und sagte:“Lass uns mal bei den Männersachen gucken! Vielleicht tragen kleine Männer ja Strohhüte!“

Gesagt getan. In der Herrenabteilung gab es etwa 10 verschiedene Modelle. Die kleinste Größe passte gut und so verließ mein Hörnchen stolz und zufrieden das Geschäft; mit Hut! Ich war ebenfalls stolz! Auf mein selbstbewußtes Hörnchen, das unbeirrt nach dem fragte und suchte was er wollte, auch wenn gesagt wird, dass es angeblich das Falsche wäre. Draußen, vor dem Laden, nahm ich ihn in den Arm und sagte ihm, dass ich stolz auf ihn bin. Wenn man zu sich selbst steht und einen Schei** drauf gibt was andere sagen, dann ist man echt ein toller Typ!!

Waschnüsse 

Da ich unser Waschmittel plötzlich nicht mehr vertrug, habe ich es zum Anlass genommen grundlegend etwas zu verändern. Anstatt weitere konventionelle Waschmittel mit Parfum und Tensiden auszuprobieren, suchte ich nach einer nachhaltigen Lösung. 

Mein erster Blick fiel auf Waschnüsse aus Indien. Die Nüsse wachsen am Soap-Nut Baum und ihre Schalen enthalten extrem viel des waschwirksamen Stoffes Saponin. Die Schalen der Frucht würde man einfach zur Wäsche geben, waschen, fertig. Die Wirkung sei sowohl reinigend als auch schwach desinfizierend. DasErgebnis  solle überzeugen. Interessiert las ich noch ein wenig weiter. 

Die Produktion der Nüsse, also Anbau, Ernte und Weiterverarbeitung finde zu ganz und gar nicht fairen Bedingungen statt. Da der Bedarf so rapide angestiegen sei, sei der Preis für die Nüsse massiv angestiegen, so dass die Einheimischen auf billige, konventionelle Waschmittel zurückgreifen müssten, die dann direkt am Fluss gebraucht würden. Ohne Klärung und Filter versteht sich. Bedenkt man dann noch, dass die Nussschalen nach dem Knacken und Verpacken noch verschifft und  weitertransportiert werden müssen, vergeht mir die Lust. 

Manchmal ist es so schwer alles richtig zu machen. Je mehr man denkt, desto komplizierter werden die einfachsten Dinge. Wer nicht denkt dem nichts passiert… Oder so. Ich habe mich jetzt für ein Baukasten-Waschmittelsystem einer einheimischen Firma entschieden. Etwas teuerer, dafür abbaubar, natürlich und aus der Region. Ich denke das ist mein persönliches Optimum. Außer ich habe was überlesen oder nicht bedacht…