6 Mütter 

Auf VOX kommt demnächst die Sendung :6 Mütter. In der werden sechs Promi-Muttis durch ihren turbulenten und aufopferungsvollen Alltag begleitet. Spannend, bestimmt. Oder zumindest sowas ähnliches. Prinzipiell finde ich es eine gute Idee Mütter in ihrem Leben zwischen Beruf und Kindern zu begleiten. Sofort würde ich mich selbst begleiten lassen und gern würde ich anderen Mamas zugucken. 

Auch bei genauerem Überlegen fallen mir viele Settings ein, die ich gern kennenlernen würde, schon einfach um mir mal ein sinnvolles Bild davon machen zu können. Was läuft in einer wirklich großen Großfamilie, wie geht so ein ganzes langes Wochenende bei Alleinerziehenden. Wie ist der Alltag mit Zwillingen oder Drillingen und wie lebt es sich mit zwei Vollzeitjobs und ner Nanny. Alles interessant und bestimmt wäre es auch ein sinniges Format um Vorurteile abzubauen. Aber wozu denn soll ich diesen Promi-Mamas zugucken?

Ohne es bisher gesehen zu haben wächst der Verdacht in mir, dass diese Mütter ein Leben führen, dass mit dem der deutschen Durchschnittsmutter wenig zu tun hat. Das mag zwar auch spannend sein, jedoch liegt der Fokus der Sendung hierdurch definitiv nicht auf der Tatsdache, dass diese Damen Kinder geboren haben. Es fehlt eine Identifikation; wir Otto-normal-Frauen haben nicht so ein Leben, Job, Haus und vor allem nicht diese Möglichkeiten. Wir leben viel rustikaler und haben in der Mehrzahl vor allem eins: Existenzielle Sorgen. Und die, so würde ich vermuten, haben diese Damen nicht. 

Wer bracht denn bitte Zeitumstellung 

Winterzeit ist, wenn wir eine Stunde länger schlafen können, sagen die einen. 

Winterzeit ist, wenn das Kind statt um 6 schon um 5 aufsteht, sagen die anderen. 

Und ich sage: Dieses Zeitumgestelle ist der letzte Mist. Ich vermag wirklich nicht zu beurteilen, ob diese Umstellung wirtschaftlich jemals sinnvoll war, was ich aber beurteilen kann ist, dass der menschliche Organismus nicht dafür gemacht ist, sich ständig umzustellen. Wir bekommen regelmäßig Hunger, wollen regelmäßig schlafen und erkennen intuitiv den Feierabend. Menschliche Gehirne mögen Gewohnheit und einen monotonen Trott. Was sie nicht mögen ist, wenn man ihnen zum Mittag sagt: Noch nicht. Und insbesondere für Eltern ist es ein Kampf gegen Windmühlen. Wann immer man einen Rythmus gefunden hat, die Zeitumstellung weiß es besser. 

Klingt total albern wenn man keine Kinder hat. Hatman aber welche, weiß man, dass eine Verschiebung um eine Stunde über das Gelingen des Mittagschlafes entscheiden kann, ebenso wie über einschlafen oder aufdrehen. Und eben, wie eingangs erwähnt, über die Frage: Aufstehen um 5 oder um 6. Denn Kinder leben nach ihrer inneren Uhr und nicht nach der Zeit. Diesen stoischen Rythmus umzustellen dauert lange, sehr lange. Fast bis zur nächsten Zeitumstellung. Und von da an müssen wir die lieben kleinen dann wecken. Denn wenn die endlich wieder auf 6 anstatt 5 sind, schaltet die Ihr auf 7 anstatt 6; und das ist zu spät für Kita und Schule. 

Schwachsinn! 

Bücher bilden

Wieder einmal ein Ausflug in die Bücherei. Drei Rucksäcke voll als Ausbeute und das wohlige Gefühl von Büchern umgebe zu sein. Und plötzlich die Erkenntnis: Die Bücherei ist ein gradezu abartiger Micokosmus, der ein vollkommen verklärtes und perfides Bild der Eltern in Deutschland wieder gibt. 

Die Kinderabteilung der Bücherei ist modern. Lauschige Ecken und Hängematten laden zum Verweilen ein. Es ist eine angenehme Akustik und man fühlt sich, dank Klettermöglichkeit und Spielzeug, auch mit kleinen Kindern willkommen. Überall sitzen junge und hippe Eltern und lesen ihren, andächtig dreinschauenden, Kindern vor. Sie trinken stilles Wasser aus Glasflaschen, tragen selbstgenähte Kleidung und essen Bio-Snacks aus sündhaft teuren Edelstahldosen. Auf eine kleine Elise kommen zwei Elternteile, die gern und entspannt ihren Samstag Vormittag mit ihrem Kind verbringen. Es fällt kein Lautes Wort, alles ist ruhig. Keiner hat Zeitdruck oder ist gestresst. Alle sind so glücklich. 

Es ist ein seltsames Schauspiel, das sich immer und immer wieder abspielt. An diesem Ort, an dem sich die High-Society der Eltern versammelt um frühkindliche Bildung zu vermitteln und die Entwicklung zu fördern. Es sind die, die es sich leisten können, einen haben Samstag einfach so unterwegs zu sein, die, die Wert auf Bildung und frische Luft legen, und auf Bio. 

Meiner Meinung nach vermittelt die Bücherei eins der falschesten Bilder, das man von Eltern in Deutschland haben kann. Denn die meisten Eltern arbeiten wie die blöden um die Kasse wenigstens ausreichend voll zu bekommen. Sie sind chronisch angespannt und  die Kinder sind es auch. An den Wochenenden heißt es: Einkaufen, putzen und angefallenes nachholen. Ein lümmeliger Tag in der Bücherei oder auf dem Spielplatz bedeutet Rückstand und dann, am Ende, noch mehr Stress. 

Und dann sind da noch die, die nicht arbeiten wie blöde, nicht putzen und doch keinen Wert auf Bücher legen. Auch die bleiben fern von diesem Microkosmus „Bücherei“. All das ändert nichts daran, dass ich die Bücherei mag, jedoch finde ich es mit jedem hippen Wohlstands-Elternpaar ein wenig trauriger, dass sie das Bild so sehr bestimmen. Und wieder einmal zeigt es, dass wir von Chancengleichheit und Bildungsfreiheit in Deutschland weit entfernt sind. 

Die Tut

Wir haben ein neues Familienmitglied. Die Tut. Sie ist eine etwas bullige und sehr laute Mitbewohnerin. Aber wunderschön, das ist sie. Und vor allem macht sie meinen Gatten glücklich, und das sollte sie auch. Denn von ihr hat er schon in seiner Kindheit geträumt, trotzdem fanden sie nie zusammen. Eine Art heimliche Liebe, die nun endlich öffentlich gemacht werden soll.

Die Tut ist ein Saxophon. Mein Mann hat als Kind kein Instrument gelernt. Das was er durfte, wollte er nicht, das was er wollte, durfte er nicht. Und so siegte die Sturheit und er ging als musikalischer Analphabet aus der Schule. Schon seit ich ihn kenne wünscht er sich ein Instrument spielen zu können und trauerte der verpassten Chance hinterher. Nun hat er sich getraut. Uns seit ein paar Tagen hört es sich jetzt bei uns im Haus an, als würde jemand versuchen einem sehr großen Elefanten einen Knoten in den Rüssel zu machen. Motiviert tutet der Menne vor sich hin, mal mit Flötenbegleitung vom B-Hörnchen, mal nach dem Gitarrenbuch des A-Hörnchens. Geduldig lässt er sich Noten, Takt und all das von seinen Kindern erklären und ist so engagiert wie ich ihn selten erlebt habe.

Ich finde das so gut! Träume muss man machen. Punkt. Was man hat, das kann einem keiner mehr nehmen. Und warum denn nicht mit 38 noch Saxophon lernen. Wieso denn nicht mit 33 anfangen Ballett zu tanzen und weshalb denn nicht mit 60 Studieren. Der richtige Zeitpunkt ist der, zu dem man etwas macht. Nicht davor und nicht danach.

 

Durchgelesen 

Vor den Herbstferien sagte die Lehrerin der zweiten Klasse den Kindern, sie sollen mehr lesen. Dann relativierte sie die Aussage und sagte:“Außer B-Horn!“. Denn wenn B-Hörnchen mehr lesen würde, würde sie nicht anderes mehr tun. Und das nennt man dann Verwahrlosung. 

Gestern kam mein Kind nach Hause und jammerte sie würde die Lesezeit in der Schule nicht mehr mögen. Überrascht erkundigte ich mich nach dem Grund; dieser war banal. Sie hat alles gelesen was die Klasse hergibt. Jedes Buch der Leseecke hat sie durch, aus Klasse 1 und 2. Nun soll sie Bücher von zu Hause mitbringen. Leicht gesagt, denn unsere Hausbücherei hat sie längst durch. So heißt es also noch mehr Schleppen. Denn alle 2-3 Wochen fahren wir in die Bibliothek. Dort leihen sich alle Hörnchen 3-4 Bücher aus und eine CD aus.  Außer B-Hörnchen. Die leiht sich so viele Bücher  aus wie wir gemeinsam tragen können. Dann legt sie sich auf ihr Bett und liest. Bis sie alles gelesen hat. Wenn wir jetzt zusätzlich für die Schule Bücher beschaffen müssen, wird es nicht lange dauern bis B-Hörnchen auch die Bibliothek durch hat. Und was kommt dann? 

Angstschweiß 

Die Sache muss in etwa so sein: Informatiker sind ein grundböses Volk! Sie programmieren in Computer etwas ein, das es wittert wenn der User unsicher ist oder Angst hat. So ähnlich wie es angeblich bei Hunden ist; zeig keine Angst, sonst beißt er dich. Und dann beißt der Hund. Beim Computer ist das dann der Moment, in dem der Computer anstürzt oder alles kaputt macht. Schluss Ende aus. 

Ich formatiere derzeit meine Bachelorarbeit. Nun bin ich eh nicht gut in sowas, gerate schnell in Panik und stinke bestimmt schlimm nach Angstschweiß. Und der Computer  wittert das.  In Wahrheit nämlich, haben die Gurken von Apple die Macs mit boshaften Raubtierprogrammen gespickt, deren einziges Ziel es ist mich und meine Existenz zu vernichten. Ich hasse euch!!

Der Radkurier

Ich fahre auf einem Deich. Langsam und wenig motiviert. Plötzlich brettert mit hoher Geschwindigkeit ein Radkurier an mir vorbei. „Den krieg‘ ich!“ schießt es mir durch den Kopf und ich gebe Gas. Nach einigen hundert Metern habe ich ihn fast eingeholt, da hört er auf zu treten. „Na toll!“ denke ich noch, da holt der Kurier sein Handy bei immer noch rasanter Fahrt raus und beginnt die Landschaft zu filmen. Ich säufze innerlich auf und ziehe mit ihm gleich. 

Voller Euphorie juble ich ihm entgegen:“Radkurier überholt!!!“ Dieser lacht sehr, hält mir das Handy entgegen und spricht:“Ich hab ein Handycap!“ dann gibt er Gas. Einige hundert Meter fahren wir zusammen; locker, ich durchaus angestrengt. Dann biege ich ab. Wir wünschen uns einen guten Weg und das war’s. 

Bewusster leben

Vor fünf Jahren sprach ich in meiner Mutti-Gruppe über Bio-Lebensmittel und kam zu dem knappen Fazit: Ist bestimmt toll, kann ich mir aber nicht leisten. Im Prinzip habe ich an diesem Tag begonnen über Bio, Müllverzicht und Plastikvermeidung nachzudenken. An unserem Nettohaushaltseinkommen hat sich seit dem nicht viel verändert, wohl aber an unseren Prioritäten und vor allem an unserem Einkaufsverhalten.

Wir sind es langsam angegangen. Der erste, totalitäre Versuch, nur noch im Bio-Laden zu kaufen, scheiterte kläglich. Gegen Discounter-Hausmarken ist das ganze Demeter-Zeugs unendlich teuer und kam nicht in Frage. Um irgendwo anzufangen haben wir damals das Fleisch umgestellt; der Tierhaltung wegen. Bald folgte die Milch. Wenige Wochen später kaufte ich auch den Joghurt Bio. Auf diesem Level blieben wir eine ganze weile, begonnen aber zB. bei Getränken darauf zu achten, dass die Flaschen aus Glas sind. Es folgte die Umstellung auf einen SodaStream mit Glasflaschen (das Leitungswasser in Bremen ist ganz hervorragend). Als nächstens wagte ich mich an Obst und Gemüse. Pestizide will ja eigentlich keiner essen, und da es in immer mehr Supermärkten auch Bio-Obst und Gemüse gab, fiel es mir leicht. Parallel haben wir unseren Fleischkonsum drastisch verringert. Ausschlaggebend hierfür war, dass das A-Hörnchen Vegetarier wurde und ich es schnell leid war doppelt zu kochen. So essen wir inzwischen maximal 2x die Woche Fleisch, dafür aber hochwertig und gern vom Öko-Bauern aus der Region. Seit einigen Jahren beziehen wir Rindfleisch vom Bauern uns kennen quasi die Kuh, die wir essen persönlich.

Nach einer langen Rewe-Lieferservice Episode ging ich nun mal wieder im Bio-Laden um die Ecke. Maßgeblicher Grund waren die Unmengen an Plastikverpackungen, die das Bestellen mit sich bringt. Ich ging durch die Reihen und staunte nicht schlecht. Die regionale Bio-Milch in der Glasflasche kostet 1,29 €. Was mir vor fünf Jahren völlig absurd vorkam, ist inzwischen ok. Der Milchpreis ist eine Katastrophe und ich unterstütze gern mit ein paar Euro die Woche die regionalen Bio-Bauern. Da die Milch zusätzlich in der Pfandflasche kommt, bin ich bereit 1,29 € zu zahlen. Ähnlich sieht es mit dem Joghurt aus, auch mit der Auflage. Die Prioritäten haben sich verschoben. Ich kaufe viel bewusster, gebe lieber mehr Geld aus um dann mit besserem Gefühl zu essen. Zuletzt habe ich begonnen Reis, Müsli, Getreide,… unverpackt zu kaufen. Inzwischen ist dies in vielen Bio-Läden möglich und ich freue mich riesig über einen leerer werdenden Mülleimer. Und das viele, schöne Geld? Das kommt da an, wo es gut aufgehoben ist; bei denen, die Gutes  damit tun. Und um genau zu sein, was hätte ich mit den paar Kröten im Monat schon wichtiges angestellt. Das 2987. Spielzeug oder Pixibuch? Ein 7. Paar Schuhe für mich? Ganz genau genommen haben wir von allem genug, leiden alles andere als Not und können uns an dem erfreuen was wir der Umwelt geben können. Das macht, zumindest mir, sogar mehr Spass als das Gegenteil zu tun!

Ein Wochenende auf dem Land

Freunde luden zum gemeinschaftlichen Saftpressen. Es war ein Fest! Zwei Tage mit vielen Kindern auf dem Land. Äpfel, Birnen und Quitten schreddern und pressen, Lagerfeuer, Stockbrot, Höhlen im Wald und Trecker fahren. Besser geht es kaum!!


Wir bedanken uns für die wunderschönen Tage!!