Weiterführende Schule

Das A-Hörnchen kommt im Sommer in die 5. Klasse. In einer großen Stadt wie Bremen gibt es 1000 Optionen, wie das Kind beschult werden könnte; für jeden was dabei, sollte man denken. Die Realität sieht so aus, dass die Eltern  in einigen Stadtteilen schon Monate im Voraus in Aufruhr sind, weil die zur Verfügung stehenden Optionen leider alle schlecht sind. Unsere zuständige, nahe gelegenste Schule hat einen entsetzlichen Ruf. Auf ein Lob folgend drei Horror-Geschichten. Das Klima sei Rau, die Gewaltbereitschaft hoch. Zudem seien die Schüler nach der 10. klasse weit zurück, so dass sie es schwer hätte aufzuholen und ein Abitur zu machen. Nichts für mein kluges, interessiertes und zart besaitetes Kind.

Es gibt eine hand-voll Gymnasien in Bremen, vielleicht wäre das eine Option, wenn auch eine schlechte. Viel Druck, wenig Zeit und ein enormes Pensum. Wirklich sehen tue ich mein Kind auch da nicht. Unter Stress macht er dicht, und stressen will ich ihn sowieso nicht, ist doch das Leben nach der schule stressig genug.

Waldorfschulen und freie Schulen stellen weitere Optionen dar. Schulgeld ist nicht schön aber im Notfall zu verknusen. Hinderlicher sind die Wartelisten von erheblicher Länge. Eine Schule macht uns gar keine Hoffnung, eine weitere allenfalls sehr geringe. Die dritte ist erst seit einem Jahr existent und ich weiß nicht, ob ich es wagen würde in diesen Testballon zu steigen.

Was bleiben sind die weiteren Oberschulen im lande. Es gibt viele, sehr viele. Etwa 3/4 fallen raus weil sie einfach zu weit weg sind. Ein Schulweg von 50 Minuten ist nicht erstrebenswert. Die restlichen Schulen kommen zT. durchaus in Frage, die eine mehr, die andere weniger. Und hier greift dann die Tücke des Bremischen Schulsystems. Von den eh schon raren Oberschulplätzen gehen zunächst 1/3 an die Schüler mit Gymnasialempfehlung (welche mein Hörnchen eher nicht bekommen wird). Weitere 10% werden an Härtefälle vergeben. Die restlichen 60% der Plätze gehen an Kinder aus dem Umfeld und nur die aller restlichsten Restplätze an die anderen. Und genau diese Plätze stellen unsere (haha) Chance dar. Da 2007 weiterhin ein sehr geburtenstarker Jahrgang war, ist das ganze Drama perfekt. Wir denken seit Wochen in alle Richtungen und kommen doch zu keinem klugen Schluss.

Ich finde das ganze System unsinnig und ungerecht. Die eh schon schwachen Schulen bekommen keinen einzigen Leistungsstarken Schüler. Wie in einem Sammelbecken für bildungsfernes Publikum hocken alle die zusammen, deren Eltern sich keine Gedanken gemacht haben. Die jenigen aber, die denken, könnten zwar das Ruder rumreißen, in dem sie ihre gut sozialisierten Kinder dort anmelden, tun es aber nicht. Denn wer will denn sein eigenes Kind opfern? Ich nicht, das ist klar. Und so komme ich mir vor wie eine Forelle im Netz. Ich zappen und zucke in alle Richtungen und doch scheint es nichts zu bringen. Keiner versteht. Oder keinen interessiert.

Schule ist halt doch irgendwie… scheisse!!

Den Bach runter

D-Hörnchen ruft gern seine Oma an und lädt sie zum Spielen ein. Manchmal lädt er auch sich selbst zu Oma ein oder erzählt von einem wichtigen Ereignis. Oma und D-Hörnchen freuen sich dann und sind schrecklich niedlich. Auch heute wollte D-Hörnchen Oma anrufen. Wie immer wählte ich die Nummer, drückte den grünen Knopf, schaltete den Lautsprecher ein und gab dem Hörnchen das Telefon. Der kleine Kerl hielt es sich erwartungsvoll ans Ohr und wartete. „Tuuuut“ sagte das Telefon. D-Hörnchen blickt gespannt in den Höhrer. „Tuuuut“ sagt das Telefon erneut. D-Hörnchen zweifelte, vielleicht ist Oma nicht da? „Tuuut“ sagt das Telefon ein drittes Mal. Und dann geht Oma dran. D-Hörnchen sagt schüchtern „Hallo!“ Und Oma freut sich seine kleine Stimme zu hören. Oma erkundigt sich was er denn möchte und das zarte Stimmchen spricht leise aber bestimmt:

„Oma, ich möchte mit dir den Bach runter gehen.“ 

Oma verstummt, ich bekomme einen Lachanfall. 

Wir hatten zuvor über diese Redewendung  gesprochen und ich hatte dem kleinen Hörnchen erklärt, dass ein Bach ein kleiner Fluss ist. Alles was das D-Hörnchen wollte war mit seiner Oma am Fluss spazieren zu gehen. Vollkommen logisch. 10 Minuten später war Oma da, und dann sind die beiden gemeinsam den Bach runter gegangen. Schön!! 

David Brighton’s Kostümfest

Vielleicht war es eine, von vornherein, dumme Idee zu dem Konzert eines David Bowie Doubles zu gehen. Andererseits habe ich schon großartige Doppelgänger auf der Bühne gesehen, so zum Beispiel das Rat Pack oder einen Robbie Williams. In beiden Fällen nahm mich die Show perfekt mit, es war egal, ob da ein Original oder ein Double auf der Bühne steht. 

Gestern Abend trat David Brighton auf die Bühne. Angekündigt als großer Bowie-Freund und Wegbegleiter war ich in freudigster Erwartung. Der erste Eindruck war verstörend. Brighton wirkte verloren und verunsichert. Die Gesten einstudiert und künstlich. Ich war unsicher, ob er angetrunken tat oder es war. Brighton gab eine lasche Version des „Thin white dukes“ und überzeugte mich nicht. 

Im zweiten Akt huschten Blitze über die Bühne und die kostümierten Musiker ließen  die Ankunft von Ziggy Stardust verheißen. Auf die Bühne trat ein kleiner, glam-loser Mann, der beinahe phlegmatisch immer wieder seine Jacke und die Perücke  richtete. Die Mimik war verunsichert und fast fragend. Keine Spur des charismatischen und unantastbaren Bowie. Die Kostümierung, die Bowies Originalen recht nah kam, wirkte lächerlich an dem Mann, der sich scheinbar schämte. 

Wo Bowie in seinen Titeln Geschichten erzählte und den Zuhörer durch seine minimalistisch Art an seine Lippen fesselte, konnte man Brighton schlecht verstehen. Die Musik war zu laut, der Gesang zu undeutlich. Es kam nichts an, keine Party, kein Emotionen und damit keine Authentizität. 

Nach 60 Minuten folgte die Pause; und unser Abgang. Die top-Plätze in der 3. Reihe blieben im zweiten Akt des Damas leer. Ich mochte nicht mehr; hatte er mit im ersten Akt „Major Tom“ versungen, waren meine Bedenken zu groß, er würde im zweiten auch noch „Heroes“ oder „live on mars“ versauen. Ich fand die Show traurig. Ich hatte einen Ode auf David Bowie und sein Lebenswerk erwartet. Was ich bekam war das ungute Gefühl, dass sein Tod vermarktet und ausgeschlachtet wurde. Hoffentlich musste der Arme Mann nicht dabei zugucken. 

Ge-dümmelt 

Dienstags gucken wir gern „Die Höhle der Löwen“. Dort können Unternehmer ihr Unternehmen pitchen und von zahlkräftigen Investoren Geld kassieren. Dort sitzt ein Jochen Schweizer, der kauft Events und kluge Drinks, dort sitzt Judith Williams von QVC & HSE und ersteht Mode und Haartrockner und dort sitzt Ralf Dümmel. 

Ralf Dümmel handelt mit allem, womit man so handeln kann. Er betreibt ein Alles-Imperium und macht alles zu Geld. Überhaupt kauft Ralf Dümmel einfach alles. Und dann läuft das in etwa so: Dienstags strahlt VOX die Sendung aus, in der der Dümme das Produkt einkauft. Mittwochs gibt’s das bei Karstadt und sechs Wochen später bei Zimmermann. Und damit ist das Produkt offiziell ge-dümmelt. Das bedeutet, das vormals hochwertig anmutende Produkt, das Exklusivität und Klasse ausstrahlte, ist sechs Wochen später zwar zu tausenden produziert aber halt irgendwie … ge-dümmelt. Schade!

Easter Egg an Halloween 

Ich mag kein Halloween; jetzt da es vorbei ist, kann ich das ja sagen, ohne das mir was schlimmes zustößt. Ich bin schreckhaft und in Sachen Grusel leicht zu beeindrucken. Ich mag keine verkleideten Menschen, das gruselt mich auch. Am aller wenigsten mag ich jedoch bettelnde Kinder. Vor zwei Wochen sind die Blagen beim alljährlichen Festumzug mit Kiloweise Bonbons beworfen worden, an Halloween rennen sie schlecht geschminkt von Tür zu Tür und schreien „Süßes oder Saures“ und in fünf Wochen rennen sie mit Nikolausmützen auf ihrem dummen Schädeln umher und leiern unmotiviert Gedichte herunter. Und wer bitte frisstbdad ganze Zeug??? 

Zu allem Übel lagen wir gestern spät abends auf der Couch, endlich Ruhe, da beginnt das Handy meines Mannes undefinierbare Laute von sich zu geben. Geisterhaft, gruselige Stimmen. Ich verkrampfte mich sofort und hatte WIRKLICH Angst. Der Gatte hingegen quiekte laut und erfreut auf und krähte:“Ein Easter egg!!“ Tolle Sache, und das an Hallowenn. 

Nächstes Jahr ummantle ich Rosenkohl mit Schokolade und schenke es den bettelnden Blagen! Vielleicht lassen Sie mich dann im Jahr darauf in Ruhe! Und ganz genau genommen macht es mir vielleicht auch ein bisschen Spaß den einen oder anderen Kürbis auszuhöhlen. Aber ohne Betteln eben.