Murmelgetier

Früher, bevor ich Kinder hatte, habe ich gern lange geschlafen. Der Menne auch, ohne Probleme haben wir am Wochenende bis zwölf, eins oder Montag geschlafen. Mit den Kindern kam der Umbruch. Irgendwer stand immer früh auf und schnell wurde acht das neue zwölf. Wir wechselten uns an den Wochenenden ab, so dass jeder an einem Tag ausschlafen konnte und irgendwie gewöhnten wir uns daran, wenn auch es nie schön war! 

Seit einigen Tagen ist alles anders. Die Hörnchen haben sich zu Murmeltieren verwandelt und wir bekommen mehr Schlaf denn jeh! Zehn, halb elf – plötzlich wieder realistisch. Selbst die kleinen Hörnchen, die sonst um halb sieben das Bett verließen, schlafen ewig. Erstaunlich! 

So werden wir heute best-ausgeschlafen in unseren Silvesterabend starten. Lecker essen, etwas fernsehen und dann alle das tun, was wir am besten können: Schlafen!! 

Gute Nacht

äh! Guten Rutsch! 

Silvester Raketen und Feuerwerk 

Ich habe dem A-Hörnchen vorgeschlagen 10€ Scheine zu verbrennen, die brennen schließlich bunt. Wollte er aber nicht. Ich habe ihn auf Umweltverschmutzung und Tierschutz hingewiesen und ihm die Option genannt, das Geld für Knaller zu spenden. Nichts half, nichts nützte. Eben hat er stolz 10 gesparte Euros für Knaller ausgegeben; zusammen mit Papa. Denn der hat beschlossen lieber kontrolliert mit Hörnchen zu knallen als ihn in wenigen Jahren unkontrolliert knallen zu lassen. Vielleicht hat er recht. 

Ich hasse Knaller. Ich habe ordentliche Angst vor dem ganzen Zeig, nicht zuletzt weil mit vor Jahren mal eine Rakete die Stahlkappe meiner Rangers verbogen und meinen Fuß zerschossen hat. Ich finde sie doof, laut, hässlich und traurig. Unsere eigenen Katzen haben große Angst an Silvester, an die armen Tiere die draußen Leben gar nicht erst zu denken. Der Dreck ekelt mich an und überhaupt. Ich kann es nicht anders sagen, ich scheisse auf Silvester! Jede Silvesterparty ist mir ein Graus, das penetrante warten auf null Uhr und die aufgesetzte Euphorie. Scheiss doch drauf, 2016,2017,… Ändert das denn was? Nicht die Bohne. Spätestens am 2. Januar geht alles da weiter, wo es heute aufhört. Ganz sicher, nur mit neuem Datum. 

Ein Weihnachtswunder

In der kleinen Stadt Ringkøbing hatte am 2. Weihnachtstag kein Geschäft offen. Ein eisiger Sturm tobte in den verlassenen Gassen und es regnete. Den vier Hörnchen fiel es nicht leicht den Spaziergang zu genießen und umso willkommener war das Spielwarengeschäft am Straßenrand. Die Hörnchen drückten sich die kalten Nasen am Schaufenster platt und ins besondere das D-Hörnchen war ganz gefesselt. Im Fenster des geschlossenen Geschäftes stand ein roter Truck von Cars. Mack; der Transporter von Lightning McQueen! D-Hörnchen war hin und weg und konnte sich über eine lange Zeit nicht vom Schaufenster lösen. Immer wieder bat und bettelte der Zwerg doch bitte den Laden aufzumachen und den Mack zu kaufen. Unter Tränen trennte ich irgendwann Zwerg und Mack – was blieb mir anderes übrig! 

Gestern feierten wir Weihnachten mit Oma und Opa nach. Die kleinen Hörnchen wussten, dass der Weinachtsmann die Geschenke zu den Omas und Opas gebracht hatte, weil wir ja nicht da waren und so war die Vorfreude groß. Freudig zerpflückten die Hörnchen Papier und Band und fanden Legos und Puzzles. Das D-Hörnchen öffnete sein Päckchen und war wie versteinert. Voller Ehrfurcht und schaudernd von Staunen hielt er sein Geschenk in den kleinen Händen. Ungewohnt leise und zaghaft brachte er die Worte: „Das ist mein Mack!“ hervor und hielt den Schatz in die Luft. Das Weihnachtswunder war geschehen. Der Weihnachtsmann wusste was das Hörnchen braucht und brache genau den Mack aus dem Schaufenster! 

Ich selbst habe die Weihnachtsgeschenke im Oktober gekauft. Ich habe unromantisch eine lange Liste mit Wünschen abgearbeitet und einen vollen Einkaufswagen durch die Gänge geschoben. Da das D-Hörnchen keine konkreten Wünsche hatte, versuchte ich es irgendwie richtig zu machen. Anschließend verteilte ich die Päckchen unter den Groseltern und vergaß was drin war. Als wir am 26.12. in Ringkøbing am Schaufenster standen, wusste ich nicht, dass das Hörnchen so bald diesen sehnlichen Wunsch erfüllt bekommen würde. Somit war ich mindestens genauso verzaubert und erstaunt wie der kleine Kerl. 

Urlaubshörnchen

Familie Hörnchen war im Urlaub über Weihnachten. Das erklärt die Stille hier im Blog und meine dauerhaft laufende Waschmaschine ab heute. In Dänemark waren wir, eine Woche. Ein hübsches Haus mit alles was man braucht und einem kleinen aber feinen Highlight: Einem Pool! 

So haben wir die Feiertage zusammen mit meiner Schwester und Ihrer Familie zwischen Pool, Whirpool, Dünen und Sturm verbracht und es genossen dem Trubel entkommen zu sein. Minimalistisch war es, und gemütlich. Anstatt eines Pompösen Baumes hatten wir einen stylischen Vorhang mit Tannenbaum-Druck, jedes Kind bekam ein Geschenk und zu essen gab es Kekse. Als Weihnachtsessen hatten wir Dänischen HotDog und alle waren glücklich und zufrieden. 

Zeitalter 

Gesten fragte mich das A-Hörnchen, wie wohl die Menschen in 2000 Jahren die Zeit nennen werden, in der wir jetzt leben. Coole Frage, schwierige Frage! Wir haben lange überlegt und gegrübelt und dabei festgestellt, dass selbst die 20 Jahre Altersunterschied zwischen dem Hörnchen und mir die Antwort vollkommen verändern. Während mein Zeitempfinden etwas mit aufkommender Digitalisierung und Mobilität zu tun hat, ich das Leben als schneller und rasanter empfinde, als es es früher war, ist die Sache für das neunjährige Kind eine andere. 

Handy, Smartphone, Internet, iPad und all das sind normal und nicht nennenswert. Zeitgenössische Errungenschaften sind Roboter oder Raumfahrt. So ist es für das A-Hörnchen eine vorstellbare Variante, dass unser Zeitalter das wird, in dem die Menschen das Weltall bevölkert haben. Spannend! Meine Äußerungen zum Thema Tempo und Mobilität könnte das Hörnchen nicht verstehen; alles normal. „Das wird keiner besonders finden.“ Beruhigend, dass er das so sieht. 

Am Ende des Gesprächs einigten wir uns auf das „Apple Zeitalter“; zugegeben, mit einem kleinen Zwinkern. 

Ziele des Terrors

Stunden nach dem Unglück in Berlin will das Land geschützt werden. Poller sollen um die Weihnachtsmärkte, und Polizisten. Am besten Polizisten mit Pollen. Und Maschinengewehren. Und Hunden! Vergesst nicht die Hunde. Möglicherweise, so kommt es einem vor, ist doch die mangelnde Sicherheit an allem schuld, oder wer? In Zeiten von Angst, Panik und Unsicherheit werden Lösungen gesucht und zur Not an den Haaren herbei gezogen, aber helfen Poller gegen Terror? Und wenn nicht, was hilft denn dann gegen den Terror?

Terror ist ein Machtmittel. Das Ziel des Terrors ist es das Sicherheitsgefühl der Menschen anzugreifen, sie aus der Reserve zu locken und somit für einen so empfundenen Missstand zu sensibilisieren. Die Toten und Verletzten bei den Anschlägen sind nur Beiwerk, quasi ein Kolateralschaden der Aufmerksamkeit. Die Ziele, also das World Trade Center, der Marathonlauf oder die Promenade in Nizza, werden ausgewählt, weil sie eine breite Fläche bieten und besonders schockieren. Es geht viel weniger um die Anzahl von Toten und Verletzten, vielmehr sind diese das in Kauf genommene Resultat der getroffenen Wahl. Die entführten Flugzeuge vom 11. September folgen nicht aus dem Grund in die Twin Towers weil dort besonders viele Menschen sterben würden. Die vollbesetzten Flugzeuge wurden zur besten Geschäftszeit in die Türme geflogen, weil die vielen Toten, Verletzten und die allgemeine Katastrophe besonders viel Aufmerksamkeit erregen würde. Die Gestorbenen und Verletzten werden somit zum Mittel zum Zweck, sie werden eingesetzt um uns abzuschrecken, uns Angst zu machen und uns davon abzuhalten unbeschwert zu leben. Wir selbst halten den Terror so am Leben, wir lassen ihn Teil unseres Lebens werden, Teil unseres Alltags und füttern ihn somit jeden Tag.

Was hilft also gegen den Terror? Poller und Polizisten sind es ganz bestimmt nicht! Gegen den Terror hilft es, ihn am Arsch zu lecken, ihn zu mißachten und ihn verhungern zu lassen. Angst sollen wir haben, starr sollen wir sein, zu erschrocken um zu denken, zu furchtvoll um zu leben. Unser Weihnachten will man uns verderben und uns in Trauer fangen. Drauf geschissen! Liebe Menschen, lebt weiter. Trauert um die Toten, pflegt die Verletzten und feiert das Leben. Wir sind freie Menschen und haben nichts zu verstecken. Geht auf Konzerte, besucht Weihnachtsmärkte und Einkaufszentren und lebt das Leben. Liebt eure Lieben und seit einfach besser.

Der Terror ist offenbar Teil unseres Lebens, so wie Zahnschmerzen und Norovieren. Aber mal im Ernst, denken wir an Wurzelbehandlung und Magen- Darm- Infekte wenn wir grade gesund sind? Haben wir jeden Morgen Angst davor Zahnschmerzen zu bekommen oder Spucken zu müssen? Im Leben nicht. Lasst uns unsere Wunden lecken, die Krankheit auskurieren und dann weiter leben. Und der Terror, dieser fiese Infekt, schlägt eh wieder dann zu, dann wenn wir ihn nicht erwarten. Denn Terror ist kreativ! Und wenn wir jetzt alle Weihnachtsmärkte mit Pollen umstellen, dann wird das nächste Ziel ein anderes sein. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Der nächste Anschlag wir kommen. Trotz aller Vorkehrungen, trotz Hände waschen und zähne putzen. Keiner weiß wann, was oder wo. Er wird Menschen töten, verletzten und in Angst und schrecken versetzten. Er wird uns schockieren und wir werden trauern. Und dann sollten wir weiter leben. Frei und unbeschwert.

Berlin 

Nun also Berlin. Die Gerüchteküche kocht. Terror, überall Terror, zumindest heißt es das. „Der Terrot ist in Deutschland angekommen!“ heißt es, ebenso wie neulich in München. Und wieder erhält man den Eindruck es wäre gradezu schick auch endlich Terror zu haben. Denn Terror gehört jetzt dazu. 

Um die wesentlichen Fakten zusammenzufassen: Was auch inmer, warum auch immer; es ist schrecklich. Menschen sterben, andere sind verletzt. Kinder verlieren Eltern, Eltern verlieren Kinder,  Freunde verlieren Freunde. Die Gedanken sollten den Betroffen und den Verletzten gehören, nicht dem Terror. Denn genau das ist die Nahrung des Terrors: Angst und Entsetzten! Terror muss im Gespräch sein, Terror muss präsent sein und er muss Angst machen. Je größer und lauter die Angst, desto größer die Panik, desto perfekter der Terror. 

Letztlich spricht ebenso viel für Terror wie für zwei 15-jährige, die nen LKW geklaut haben. Ebenso viel spricht für einen betrunkenen Fahrer, der aus Angst vor den Koseqzenzen geflohen ist. Auch ein Amok sollte wieder in Betracht gezogen werden, und die Dummheit. Vergesst niemals die Dummheit, denn ihr habt es mit Menschen zu tun. 

Baumeister 

C-Hörnchen hat sich erstaunlich geschickt angestellt beim Bauen unserer Lebkuchenhäuser. Mit gekonnten Griffen und gezieltem Auftragen des Zuckergusses war ihr Haus schnell zusammengebaut. Auch das Verziehren ging ihr leicht von der Hand und das Ergebnis kann sich sehen lassen. 

B-Hörnchen ist akribisch. Fast pedantisch manövrierte sie den Zuckerguss auf den Lebkuchen und versuchte ganz  akkurat zu arbeiten. Leider trocknete der Guss ihr dadurch immer wieder, so dass es viel mütterliche Intervention brauchte, das Haus irgendwie stabil zu bekommen. Die Trockenbauweise eignete sich nicht; leider war sie mit dem Ergebnis, das ich erzielen konnte, auch nicht wirklich zufrieden und versuchte es beim Verziehren wieder gut zu machen. Das Leben ist nicht leicht wenn man alles perfekt machen will. 

D-Hörnchen ließ das Haus von Mama aufbauen. Seine Feinmotorik und vor allem seine Geduld erlaubten es nicht anders. Beim Verzieheren des Häuschens machte er es sich einfach. Er aß einen Großteil  seiner Süßigkeiten und damit der Guss nicht ganz umsonst gemacht wurde, futterte er ihn anschließend mit dem Löffel. Mjammmi

Und während wir so bastelten, sang das C-Hörnchen fröhlich ein Lied: „Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald. Es war so finster und auch so bitterkalt. Sie kamen an ein Häuschen von BUTTERKUCHEN fein…“ Herrlich! Dort wohnt bestimmt eine Hexe mit Geschmack!! 

Vom Glück gesunde Kinder zu haben 

Die letzten drei Tage hat das A-Hörnchen im Krankenhaus gelegen. Mit seinen neun Jahren war er alt genug Nachts allein zu bleiben und zu jung um tagsüber solo zurechtkommen. Somit haben wir uns aufgeteilt, einer hier, einer da. Schichtübergabe zu Hause; dann was das Hörnchen jeweils eine Stunde allein. Nach wenigen Stunden im Krankenhaus dachte ich regelmäßig verrückt zu werden – trotz bester Nachbarn und einer vielversprechenden Diagnose. Zu jeder Zeit war klar, dass er bald wieder gehen könnte und keinen bleibenden Schäden haben wird. 

Nach drei Tagen Expedition ins Reich der kranken Kinder stelle ich mehr denn jeh fest, wie dankbar ich bin vier gesunde Kinder zu haben. Wie entsetzlich muss es sein sich über Monate in so einer Klinik aufzuhalten. Sich aufteilen zu müssen und keine Privatsphäre zu haben. Und dann dieses ständige warten, diese Ungewissheit. Wie zermürbend und Kräfte zehrend muss es für die betroffenen Eltern sein, sich über Monate zwischen Krankenhaus, Haushalt, Job, gesunden Kindern und krankem Kind aufzuteilen. Nach nur drei Tagen fällt unsere Bilanz mies aus. Der Haushalt ist zum Erliegen gekommen , die drei Kleinen sind zu kurz gekommen und wir großen sind emotional platt.

Meine Gedanken sind bei den ernsthaft kranken Kindern und ihren Familien. Das was sie leisten ist unglaublich stark und grausam zugleich. Ich ziehe meinen Hut!