Überdurchschnittlich gesund

Ein Termin beim Betriebsarzt stand an, TÜV sozusagen. Nachdem die vergangenen Monate sehr stressig waren und ich mich zwischenzeitlich gar nicht gut gefühlt habe, war ich nicht sicher, ob dies sich in den Blutwerten spiegeln würde. Somit sah ich die umfassende Untersuchung als gute Gelegenheit. 

Schon im Vorgespräch war der Arzt ganz begeistert. Sport, gute Ernährung und kaum Alkohol, das hört er gern. Dass ich dann noch keine Allergien, Chronischen Krankheiten oder sonstige Probleme habe konnte er kaum glauben. Der Blick auf meine Blutergebnisse machte ihn dann vollendet zufrieden. Blutfette, Leber,- Niere und auch alle anderen Werte sind nicht nur ok sondern hervorragend. Ich bin in bester Verfassung, in topform quasi. 

Für mich wirklich schön zu hören, bin ich doch wirklich bemüht in Sachen Ernährung alles gut zu machen. Und auch wirklich erfreulich, dass der blöde Stress keine sichtbaren Spuren hinterlassen hat. Erschreckend hingegen ist die Tatsache, dass ein Arzt von einem Allergie- und Krankheitsfreien Menschen so überrascht ist.  Eigentlich, so hätte ich es erwartet, sollten kerngesunde Menschen Mitte dreißig keine Ausnahme sein. Im Gegenteil, wann wenn nicht jetzt. Welche Altersgruppe ist denn dann geeignet um kerngesund zu sein? Eine verwirrende Welt! 

Harry

Was man doch alles in nur 45 Minuten lernen kann! 

Katzen fangen Mäuse, manchmal lassen Sie die am Leben. Manchmal bringen sie die auch mit rein. 

Manchmal, also wirklich selten, sitzt dann die Maus in der Küche und noch seltener gelingt es einem, die Maus von der Katze zu separieren und unter einer Salatschüssel zu fangen. 

Soweit so erfolgreich. Da Mäuse keinen Winterschlaf halten (google) sollte unser Harry schnell wieder raus. Und da wir ihn kaum sehen konnten, wolle ich schnell die blaue Schüssel durch eine durchsichtige ersetzen. Logisch! 

Von da an scheiterte das Unterfangen kläglich. Harry wollte nicht gesehen werden und war schnell mal weg. Sehr weg. 45 Minuten später hatten die Hörnchen und ich alle Möbel des Esszimmers rausgestellt, die Schränke abgerückt und die unteren Ragalböden geleert. Wir haben die Blenden der Küche entfernt und lagen nun bei geschlossenen Türen mit Schüssel, Taschenlampe und einem Stock zum treiben auf dem Bauch um Harry zu fangen. Der Kater lachte. 

Am Ende war es das D-Hörnchen, der die Maus fing. Er saß auf dem Boden und spielte seelenruhig mit seinem Bagger. Harry lief schnurstracks zwischen seine Beinchen und ich konnte ihn endlich mit der durchsichtigen Schüssel einfachen. Schnell ein Foto, eine kurze Debatte über Wildtierhaltung und dann.. die Maus aus dem Haus. 

Das nasse Gold

Vor einigen Tagen schrieb ich einen Beitrag über den Alkohol, in dem ich erklärte nicht mehr zu verstehen, wieso ich früher durchaus gern etwas trank. Seitdem ich diesen Text verfasst habe quält mich ein Ohrwurm des Nassen Goldes von Udo Lindenberg. 

Das Lied handelt vom Nassen Gold, von der geistigen Welt, die sich durch Alkohol und anderes erst eröffnet. Von Erkenntnis, von Kunst und von Kultur. Und nun muss ich es eingestehen, der Udo hat recht! Das Nasse Gold ist es, was das trinken früher liebenswert gemacht hat. Nächtelanges Philosophieren; vom 100tel ins 1000tel und Erkenntnisse, die nüchtern nicht zu erlangen sind. Keine Sekunde dieser Nächte möchte ich missen, keinen der Mitstreiter. 

So möchte ich dem bösen Alkohol nicht alle Berechtigung absprechen. Danke Udo für diese Erkenntnis. Die deiner Musik und die in meinem nüchternen Kopf. Und danke den Philosophen der Nacht, ich würde es jeder Zeit wieder tun – wenn die Kinder am nächsten Morgen nicht das sind:)

Stopp, schwere Not!

Das Prüfungsamt hat heute einen Anschlag auf mein Leben verübt. Ich lag gerade auf der Liege der Betriebsärztin meines neuen Arbeitgebers und bekam den einen oder andern Liter Blut abgenommen. Da ich bis spätestens heute die Nachricht vom Amt erwartete, zu wann meine Abschlussarbeit nun genehmigt werden würde, und bisher nicht gehört hatte, hatte ich heute morgen eine E-Mail an meinen Sachbearbeiter geschrieben um Klarheit zu bekommen. Die Antwort kam und war erschütternd! 

Ich wäre noch gar nicht zulassungsfähig. Mit würden noch vier Module, das seien zwei Semester, fehlen! Ich wiedersprach deutlich aber es half nichts. Keine Prüfungen aus den betreffenden Semestern im System; ich war geliefert. 

Nachdem die Nadel mich verlassen hatte, verließ ich die Praxis. Schwankend und mit rasendem Herz. Schnell nach Hause, schnell an den Rechner und schnell nachsehen was da los ist. Ich starb innerlich langsam und qualvoll! Zu Hause angekommen bestätigte sich, was ich eigentlich eh sicher wusste: Ich habe alle Prüfungen abgelegt und bestanden. Leider sah der Mann vom Amt das nach wie vor anders. Mein Hirn lief auf Hochtouren. Wie soll das mit dem Job gehen, was heißt das jetzt. Muss ich das wirklich alles nochmal machen? Kann das wirklich passiert sein? 

Dann das große Hopsalla: Der Mann vom Amt schreibt mir die nüchternen Worte: „Wir hatten ihre Leistungen im Sysem falsch abgelegt. Ihr Antrag wird nun bearbeitet.“ Ich glaube dem Menschen dort im Amt war nicht bewusst, dass er mich um ein Haar getötet hätte. Auch nicht, dass ich um ein Haar meinen brandneuen Job abgesagt hätte und nach Kurdistan ausgewandert wäre. Nix weiß der. Nichtmal entschuldigt hat er sich. Hässlich!

Der Schnee

Schnee ist das größte! Ja, das wirklich bedingungslos beste auf Muttererde. Schnee ist friedlich, langsam und beschaulich. Schnee bringt Ruhe und Gelassenheit und Schnee macht hässliches schön. Er bedeckt alle Markel und ist einfach ein himmlisches Geschenk. Und manchmal, ganz manchmal, da verfluche ich ihn. 

Nämlich an den Tagen, an denen der Menne arbeitet, alle Hörnchen zu Hause sind und der Schnee mir mal zeigen will, wer die Hosen an hat. Dann sieht die Sache nämlich so aus:

Ein Hörnchen will raus. Ich baue Schneehose, Mütze, Schal, Handschuhe, warme Jacke und Schuhe an das betreffende Kind und erkundige mich, ob noch wer mit raus will. Keiner will. Fünf Minuten später beklagt sich das Kind, das allein im Schnee ist, über Langeweile und kommt wieder rein. Ich pelle also alles wieder ab vom Kind und stelle fest, dass fünf Minuten Langeweile ausreichen um alles nass zu machen. In dem Moment, in dem alles aufgehängt ist, will ein weiteres Hörnchen raus. Während ich beginne es anzuziehen (oder ihm dabei zu assistieren) fällt dem eben reingekommenen Kind ein, dass es jetzt auch lieber wieder raus will. Das Spiel geht also von vorn los. Die Tür fällt ins Schloss und zwei Hörnchen sind draußen. Zwei Hörnchen, von denen eins jetzt Pipi muss. Also begleite ich das Hörnchen mit Lappen an den Schuhen zum Klo und helfe ihr dabei mit voller Mount Everest Ausrüstung aufs Klo zu gehen. Ist das Kind dann endlich wieder draußen, will garantiert ein drittes raus. 

Anziehen, dann wieder einer Pipi. Dann wieder einer rein, dann der vierte raus. Dann der zweite Pipi und der dritte rein, aber dann wieder raus. 

Nach einer Stunde sieht mein Flur aus wie eine Cross Rally-Strecke und ich bin schweißgebadet. Nun gilt es einen Wascheständer bereitzustellen, denn schon bald werden. Ist kalte und nasse Kinder rein kommen, nacheinander versteht sich. 

Nun sitze sie in der Wanne. Das Esszimmer ist voller nasser Klamotten und gleich muss nur noch das Bad trockengelegt werden. Alles easy also, und es geht doch nichts über Schnee. 

Alkohol

Mit dem Alkohol ist es komisch. Früher hab ich gut und gern getrunken, am Wochenende versteht sich. Wenn es mir am nächsten Morgen elend ging war das nie cool, aber toleriert habe ich es dennoch. Welchen Gewinn ich vom Alkohol hatte? Keine Ahnung! Genau genommen zeigt die Bilanz hauptsächlich Verluste: Geld, Wohlbefinden und Kontrolle machen sich von dannen während die Seele glaubt sich was gutes zu tun. 

Heute trinke ich fast leinene Alkohol mehr. Gelegentlich ein Bier, wenn ich Appetit drauf habe. Wirklich betrunken war ich seit Jahren nicht mehr. Und je weniger ich trinke, desto weniger verstehen ich warum ich es jeh getan habe. Erst gestern war ich auf einer auf einer Feier, auf der etliche es deutlich krachen ließen. Und dann, wenn man da so nüchtern zwischen sitzt ist es wirklich erschreckend. Während die einen mehr stolpern als gehen und das Klo dekorieren, leisten andere einen seelischen Striptease und kauen mir ein Ohr ab. Früher war alles besser und hoffentlich ist mein Leben gut so, wie es ist. Immer wieder die Geschichten von gesellschaftlichen Zwängen, Unzufriedenheit und Frustration. Ein Elend! 

Ich bin nicht unzufrieden, auch nicht frustriert. Mein Leben läuft in etwa so, wie ich es will. Und wenn es mal Schieglage bekommt, dann korrigiere ich es nach meinen Vorstellungen. Ich Gefälle nur mir, ich genüge mir selbst und verstelle mich nicht. Und vielleicht sind das die Gründe, warum ich es heute nicht vermisse gelegentlich die Kontrolle durch Alkohol abzugeben. Ich lebe in der Wirklichkeit und diese liegt imme an der Oberfläche. Ich verberge nichts und habe somit auch keinen Dang etwas raus zu lassen. 

Von großen Kindern

Die Lebensphase, In der ich mich befinde, würde ich als so etwas wie qualvoll überlastet bezeichnen. Ich bete Durchhalteparolen an mich selbst herunter und versuchen nicht den Kopf zu verlieren. Wenn nicht Uni dann Arbeit und wenn beides fertig ist warten die Kinder   Sind die am Abend im Bett quält mich mein Kopf mit einem beispiellosem Denkmarathon. Erholung ist bitter nötig und rar. 

Heute sind die zwei kleinen Hörnchen bei Oma und Opa. Und ich fiese Unter-Mama habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Eine Stunde Baden gegen eine Stunde Fernsehen. Und so kommt es, dass ich mitten am Tag mutterseelenallein in der Wanne liege, zufrieden nichts tue und A- und B-Hörnchen zwei Treppen über mir auf dem Sofa hängen und glotzen. Egal. Und doch irgendwie cool. 

Weight watchers 

Wie jedes Jahr bin ich auch in diesem Januar zu einer guten, alten Ttadition zurückgekehrt; ich habe mich im Januar bei Weight watchers angemeldet. Ganz ohne gute Vorsätze und all sowas, einfach nur weil es mir jedes Jahr gut tut! 

Zum ersten Mal habe ich mich vor drei Jahren, in der Abstillphase des D-Hörnchens, angemeldet und war schnell überzeugt. Eigentlich muss ich immer noch über mich selbst lachen, denn genau genommen bietet das Programm nichts, was ich nicht auch mit meinem Kopf könnte. Ich weiß genau was ich gutes esse, weiß genau was ich an Mist in mich rein stopfe. Ich weiß, dass Sport gut ist und kein Sport schlechter. Trotzdem nützt mir diese ganze kluge wissen gar nichts. Denn am Abend auf dem Sofa weiß ich vor allem, dass ich kaputt bin und meine geschundene Seele belohnen muss – mit Schokolade. Und so futtere ich mich Abend für Abend glücklich; oder auch nicht. 

Weight Watchers ist für mich wie ein Weckruf. Ich besuche keine Treffen oder so, alles was ich mache ist mein Essen im Handy zu protokollieren. Die App zeigt mir dann an, wieviel ich noch essen darf. Peng, das ist das ganze Geheimnis. So nutze ich das Programm wie ein Lesezeichen im Hirn. Die ersten Monate eines jeden Jahres protokolliere ich streng und verliere ein paar Kilo. Den größten Teil des Jahres zehre ich dann von den strengen Anfangsmonaten. Das regelmäßige Ins-Gedächtnis-Rufen der Mengen und die Auseinandersetzung mit Ernährung und Bewegung hält eine Weile an, so dass ich problemlos einige Monate einfach so vormochhin esse und lebe. Gegen Ende des Jahres kehrt dann der Schledrian ein. Ich scheisse auf das gesunde Leben und finde wieder jeden Tag einen guten Grud meine geliebte Schokolade zu essen. In dieser Endphase des Jahres futtere ich mir dann meine Kilos vom Vorjahr wieder rauf und so ist im Januar alles beim Alten. 

Nun heißt es auf ein Neues. Ich bin motiviert und habe Lust zu meiner gesunden Form zurückzufinden. Desillusioniert und in vollem Bewusstsein, dass ich weiß, wie ich es nutzen werde, fällt es mir leicht dem Konzern WW ein paar Euronen in den Rachen zu schmeißen. Schließlich bekomme ich ja auch was dafür: Das gute Gefühl! Zumindest ein dreiviertel Jahr lang. 

Skandal – Pflaster!!

Boulevardpresse ist ein ein Phänomen. Das Sommerloch legänder und auch zu Weihnachten steht nur Mist drin. Dazwischen auch. Eben ist mir der wohl verzweifelte Akt einer Boulevardzeitung begegnet. Die Gala schreibt: Schon wieder ein Pflaster! 

Der unglaubliche Skandal hinter dieser Meldung: Herzogin Kate hat ein Pflaster am Daumen. Es gibt sogar ein Beweisphoto! Und der eigentlich skandalöseste Skandal ist nicht dieses Pflaster sondern das aus dem November. Also, beide zusammen. Damals im November also trug sie nämlich ein Pflaster am Zeigefinger. Unfassbar. Denn eine Frage drängt sich unweigerlich auf: Was um alles In der Welt treibt die Herzogin, wobei sie sich regelmäßig (also jetzt und im November) so verletzt, dass sie ein Pflaster braucht?!? Kann das mit rechten Dingen zugehen? Ist das Royal? 

Mein persönlicher Skandal ist die Tatsache, dass eine Redaktion so verzweifelt sein kann, dass sie über so einen Müll schreibt. Und was für Menschen schreiben über sowas? Für wen sind diese Meldungen verfasst, was sind das für Menschen? Und wem überhaupt fällt sowas irrelevantes überhaupt auf? Ich glaube mir wurde selbst bei meinen Arbeitskollegen kein wiederkehrendes Pflaster auffallen; und das ist auch gut so! Denn den Blick fur’s Wesentliche kann man kaum haben wenn man auf Pflaster an royalen Daumen achtet.