In fremden Schuhen

Nach zwei Tagen hinter dem Herd bin ich platt. Wir gebügelt bin ich heute nach weiteren sechs Stundnen und 10 kg Milchreis aus der Küche gekorochen. Kochen ist ja das eine, Geschirr spülen, Aufräumen, Putzen und den Müll wegschaffen das andere. Mein kleines Abendteuer „Grossküche“ lässt mich nur zu einem Schluss kommen: Hut ab vor denen, die das täglich machen! 

Wie praktisch es doch ist mal in fremden Schuhen zu laufen. Der eigene Job kommt einem manches Mal ungerecht und anstrengend vor, ich habe deutlich gesehen, dass zumindest meiner es nicht ist. Denn dank der perfekten selektiven Wahrnehmung, die wir Menschen haben, sehen wir vor allem die positive Seiten fremder Jobs. Barkeeper haben es gut, die können den ganzen Abend klönen und Bier trinken, Stewardessen können umsonst fliegen und Ärzte verdienen ein Schweinegeld! Ich habe selber solche Gedanken und versuche mich hierbei zu zügeln. Alles hat zwei Seiten. 

Barkeeper haben es laut und chaotisch. Sie haben mit Besoffenen zu tun und werden angepöbelt wenn es mal 5 Minuten länger dauert. Stewardessen sind nie zu Hause und haben einen vollkommen verdrehten Tag-Nacht-Rythmus und Ärzte schieben höllische 48 Stunden-Dienste und sollen nach 37 Stundnen im Dienst noch akkurat operieren. Klingt plötzlich alles nicht mehr besonders attraktiv. So komme ich zu dem Entschluss, dass einfach jeder was anderes gut kann und jeder was anderes gut ertragen kann. Sätze wie: „Das du das kannst!“ Oder „Das könnte ich ja nicht!“ sagen jedoch nichts über die Härte oder die Qualität einer Arbeit aus. Sie zeigen nur, dass nicht jeder alles kann. Am Ende zählt es, dass jeder das macht was er kann und vor allem mag. Denn alles andere macht krank. 

Power Couple

Victoria und David Backham sind ein Power Couple, das lehrte mich das Fernsehen. Und so wie es aussieht sind mein Menne und ich auch ein Power Couple! Ja, die Parallelen sind verblüffend! Ebenso wie sie sind wir seit fast 20 Jahren zusammen und gehen durch dick und dünn. Genau wie die Backhams haben wir vier Kinder und erziehen diese total gut und gleichberechtigt. Außerdem sehen wir, genau wie die Backhams, irre gut aus und sind steinreich..

… ach nee, da hörten die Gemeinsamkeiten auf. Und genau da werden wir zum richtigen Power Couple! Wir sind nicht stinkreich, nicht berühmt und vielleicht auch nicht markellos schön, dünn und perfekt. Aber wir sind glücklich, zufrieden mit dem was wir haben und schätzen die wichtigen Dinge im Leben. Das Dasein als Familie, das Glück uns gegenseitig zu haben und die Hörnchen aufwachsen zu sehen. 

Und plötzlich gibt es doch wieder enorme Gemeinsamkeiten. Die Liebe und das Familienbewusstsein und der Blick auf’s Wesentliche. Denn am Ende ist es eben scheiss egal, wie reich man ist, wie gut der Körper trainiert und wie oft man in der Presse ist. Beisammen sein und die Kinder aufwachsen sehen, darum geht es am Ende. Und wahrscheinlich, zumindest gehe ich davon aus, ist ein Päckchen Kekse im Sommer im Park auf dem Spielplatz einfach das Größte; egal wie dick das Portemonnaie oder von welcher Marke die Klamotten sind. Denn Geld macht vielleicht einiges leichter, hat aber mit Glück nix zu tun. 

Großer Staatsakt 

Kochen find ich gut und durch das tägliche Kochen für die Familie bin ich auch gut in Übung. Ja, ich denke ich kann ganz gut kochen. Heute habe ich mich selbst übertroffen. Auf meiner Arbeit sind Koch und beide Küchenhilfen erkannt und so bin ich todesmutig als Suppentante eingesprungen. 50 Essen und 60 belegte Brötchen galt es zu bewältigen. Ich entschied mich für Kartoffensuppe mit Mettenden. Überschaubar Aufwand und gute Gelingchancen. Und zu legte ich los.

Schibbeln und schälen und braten und brutzeln; und da ich ein sehr strukturierter Mensch bin, alles nach Plan. Schnibbeln von 9-9.45 Uhr, danach Töpfe auf den Herd, Öl erhitzen und alles vorbereiten bis 10. Anbraten und Löschen des Ansatzes bis 10.30 Uhr, nebenbei Brötchen schmieren. Kartoffeln schälen bis 11.00. Zwischen 11 und 11.40 Uhr Kochen der Kartoffeln und während dessen Vorbereitungen für die Essensausgabe treffen. 11.40 – 11.55 Uhr abschmecken und stampfen der Suppe, 11.55 Uhr umfüllen in die Wärmebatterie und ab 12.00 Ubr Essensausgabe.   

Was soll ich sagen; Planung ist alles! Hat gut funktioniert, hat gut geschmeckt und genug war es auch. Zugegeben, es war ein wenig mehr als genug, aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Und Suppe ist ja eh am 2. Tag noch besser!

Kleiner Staatsakt 

Heute eilte ich mit drei Gesandten zu einem wichtigen Termin. Ich hatte eine Unterschrift zu leisten, eine dieser wichtigen Unterschriften, die von bestimmen Personen an bestimmten Tagen geleistet werden müssen. Da die Staatskarosse den Kanzler persönlich kutschierte, blieb mir nur der städtische Gesindelexpress; wir fuhren Bahn. Es regnet und der Weg hatte es in sich. Fußwege, Umsteigen und Wartezeiten. Es war kein Vergnügen. 

Angekommen am Ort des Geschehens lief alles glatt. Problemlos durchliefen wir dem Epfang und die Gesandten wurden als seltener Besuch freudig begrüßt. Meine Ankunft wurde an der entsprechenden Stelle kund getan und so gelangten wir mittels eines Aufzugs in das  4. Obergeschoss. Laues Licht und seichte Musik machte das ankommen zu einem angenehmen Gegenprogramm und brachte uns in Stimmung. Die Gesandten waren in spannender Erwartung und sprachen kaum vernehmbar. Dann traten wir durch die Tür in dein besetztes Großraumbüro. Man begrüßte erst die Gesandten, dann mich. Wir nahmen Platz; zwei von uns am Tisch und zwei darunter. Die Gesandten bekamen Lollis und ich einen Stapel Papaier. 

Personalbogen, Schweigepflicht, Ärztliche Anweisungen, Führungszeugnis, Betriebssport, Zusatzrente und dann, nach 20 Minuten lesen und ausfüllen endlich – mein Arbeitsvertrag! Ich unterschrieb während die Gesandten die Personaltante bequatschten und war erleichtert, glücklich und zufrieden. Ab 1. Februar werde ich meine erste Stelle als Psychologin antreten. Wow! Keiner der Gesandten hatte auch nur die leiseste Ahnung davon, wie wichtig dieser Termin für mich war, für Sie zählte der Lolli. Für mich war es die Bestätigung all meiner Mühen. Es hat sich gelohnt, all das lernen, das Pauken. Das Lesen, das Schreiben und die Qualen. Nun ist es fast geschafft. Am 31.1. ist ein letztes Referat an der Uni und am 1.2. beginnt dann der nächste Abschnitt. 

Nicht mehr übers essen streiten

Die Essgewohnheiten des C-Hörnchens sind von jeher kompliziert. Zwar isst das Kind prinzipiell alles was der Markt hergibt, jedoch in einem erbärmlichen Tempo. Mal mangelt es an Konzentration und das Essen wird vergessen, mal hat sie zu viel zu erzählen und hat schlicht keine Zeit zum Essen. Bei fast jeder Mahlzeit kommt es zu Streit. Wir Eltern drängen zum schnelleren essen und zum Aufessen und das Hörnchen versucht irgendwie ihre eigenen Vorstellungen zu verdeutlichen. Das Ergebnis: Streit ums essen. In den letzten Monaten haben sich zu dem sehr hässlichen Muster in das beidseitige Verhalen eingebaut. Wir versuchen durch immer mehr Sanktion und Kontrolle das Kind in die bin uns gesetzte Norm zu bringen und C-Hörnchen rebelliert. Es war madig und sinnlos. 

Gestern fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Wir basteln ein echtes Problem. Kontrollverlust, Zwang und Identifikationsprobleme; das sind die klassischen Vorläufer der bekannten Essstörungen. Übermächtige Eltern, die alles kontrollieren und den Kindern keinen Raum lassen sich selbst zu verwirklichen. Als letztes Mittal dann der Schritt in die Krankheit. Die Betroffenen wollen Kontrolle Erlangen; über sich und ihren Körper. Schrecklich! 

Bei uns bestimmt jetzt wieder jeder selbst. Gestern habe ich mir mein kleines Mädchen zur Seite genommen und ihr erklärt, dass ich ihr in Zukunft glauben werde wenn sie satt ist. Ich vertraue ihr und den Bedürfnissen ihres Körpers. Die beiden, Körper und Kopf des Hörnchens, machen das schon. Und ganz bestimmt schmeckt es doppelt und dreifach so gut, wenn man einfach nur so, mit Lust und Appetit essen kann bis man satt ist. 

Guten Appetit! 

Klassisches Neujahrsessen

Seit Jahren essen wir an Neujahr fast das gleiche. 

Reste! 

Denn an Silvester gibt es Raclette und so kommt es, dass wir an Neujahr einen Kühlschrank voller Gutem von Gestern haben. Alles ist dabei. Das heutige Menü enthält:

Eisberg mit Dressing

Gemischter Gemüseauflauf mit Falaffeln, überbacken mit Mozarella, Gouda und Weichkäse 

Wraps mit Hummus; gefüllt mit Oliven, Feta und Salatvariationen. 

Ich finde es gut; vor allem für ein sogenanntes Resteessen! 

Blöder Rutsch

Es ist vollbracht, das neue Jahr hat begonnen; ganz ohne mein Zutun! Tatsächlich habe ich in diesem Jahr alles gegeben das große Ereignis wegzuignorieren. Trotzdem, 2017 hat pünktlich und wie geplant begonnen. Frohes Neuse also allerseits. 

Wir haben die Party um 17.30 Uhr mit einem ersten Knalldurchgang gestartet. Weiter ging es mit Raclette und einer Parade von „ich mag das nicht!“, gefolgt von mieser Laune mütterlicherseits. Nichtsdestotrotz wurde um 19.30 die zweite Knallrunde eingeläutet. Hörnchen und Halter waren zunächst wieder zufrieden und so ging es um 20.30 ans Bleigießen. Mehr oder weniger erfolglos gossen und interpretierten die Hörnchen ihre Aliens um dann endlich mit dem TV Programm starten zu können. CARS 2 sollte es geben; ins besondere auf Wunsch des D-Hörnchens. 

Der Film startete pünktlich um viertel vor neun. Mit ihm begann ein Dauerregen aus Streit, Mecker und Motz. Chips zu weit weg, Bruder zu laut, Sofa zu ungemütlich, Fanta zu orange und So weiter. Um halb zehn platzte mir der Kragen. Die Hörnchen wanderten ins Bett und ich frustriert auf’s Sofa. Zu null Uhr schleifen alle außer dem A-Hörnchen schon lang. So haben wir mit dem Großen am Fenster gesessen und das Feuerwerk bestaunt. Immerhin etwas!