Fasching 2.17

„Liebe Eltern, bitte beteiligt euch an unserem Faschingsbuffet. Jedes Kind soll etwas gesundes und etwas ungesundes mitbringen, bitte achten Sie darauf, dass die mitgebrachten Leckereien keine Nüsse, rohen Produkte wie Ei oder Hack, keine Milchprodukte und wenig Zucker enthalten. Wir freuen uns auf ein abwechslungsreiches Buffet!“

Wisst ihr, wenn ich das schon lese, habe ich schon keinen Bock mehr auf Fasching. Hinzu kommen die Anweisungen über mitgebrachte Accessoires: „Natürlich soll ihr Kind sich an diesem Tag voll ausleben können. Bitte beachten Sie trotzdem, dass Spielzeug-Waffen bitte nur ohne Batterie und Munition erlaubt sind. Auch sollten sie keine Knall-Geräusche erzeugen.“ Cool, ne?!? Und so sitzen sie dann da, die Superhelden von morgen. Piraten ohne Pistole, Jedi-Ritter mit blassem Lichtschwert und Prinzessinen ohne Zauberstab; kauen trockene Dinkelmuffins mit Banane statt Zucker, werden über Stunden mit Helene Fischer und Wendehals beschallt und sollen sich mal so richtig ausleben. 

Ich hasse Fasching, wirklich. Ich hasse die Verkleidungen, die affigen Einschränkungen und das beschissene Essen. Ich hasse die Obstspiesse und die Muffins, die ich morgens früh zaubern muss und ich hasse auch die Gemüseecken, die dann am Ende doch keiner isst. Ich hasse es alles! Und nun ist es wieder einmal geschafft, Prinzessin Elsa, Bob der Baumeister, eine Fledermaus und Dr. Who sind voll beladen und glücklich auf ihren Partys angekommen und ich habe einfach die ganze Zeit dumm gegrinst. 

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Meine Schokolade 

Manchmal treffen einen die Kinder mitten dorthin, wo es besonders weh tut. Ich glaube sie wollten mich nicht so treffen, jedoch sass der Schlag. Sie haben meine Schokolade gegessen. Einfach so! Wisst ihr, ich bin nicht so der Typ Frau, der gelegentlich mal ein Stündchen Schokolade isst. Ein Eckchen abbrechen und dann die Tafel wieder weg; drei Weingummie und fertig. Das ist alles nicht mein Style. Ich bin so der Typ: Eine Tafel, eben mal aufessen und dann ist auch schon wieder gut. Ich finde süß gut und Zucker ist eben ungesund, ja. Wusstet ihr, dass ich auch noch rauche?! 

Jedenfalls haben sie meine Schokolade gegessen. Grad sind sie alle in einem Zimmer und ich betrat es eben mit traurigstem Gesichtsausdruck. „Ich müsst euch entschuldigen, das ist das mindeste!!“ Sie wollten schon anfangen irre zu kichern und all sowas, da schaute ich noch trauriger und gab zu verstehen: „Bei meiner Schokolade hört der Spaß auf!“, ich sprach in einem Tonfall, der vermuten ließ mein Hamster wäre gestorben oder mein Handy ins Klo gefallen. A-Hörnchen war der erste der verstand: „Entschuldige Mama! Das war doof.“ B- und C-Hörnchen folgten dem guten Beispiel und entschuldigten sich ebenfalls. Dann stand da noch das D-Hörnchen. Er kicherte und fand das alles zum schießen. Ich guckte immer noch genau so tief getroffen wie ich war. Da bückt sich das A-Hörnchen zum kleinen Bruder und sagt: „Du musst dich entschuldigen! Dieses Mal haben wir was wirklich schlimmes gemacht!“ 

Diese Einsicht! Und wie gut sie doch ihre Mama kennen. Handy und Essen, damit kann man mich kriegen. Alles andere ist halt eben Schwund. Gleich fahren wir zur Tanke und kaufen Nachschub. Der Sonntag ist noch jung… 

Ich vertraue dir!

A-Hörnchen hat schon immer schlechte Augen; genau genommen hat er ein schlechtes Auge. Seit dem Kindergarten hat er eine Brille, musste lange Augenpflaster tragen. A-Hörnchen ließ alles über sich ergehen und war stets kooperativ. Nie hat er sich beklagt, immer seine Brille getragen. Als er sechs war gab unser Augenarzt die Praxis auf und wir wechselten. Der neue Augenarzt war schwierig. Als das Auge trotz Pflaster nicht besser wurde, unterstellte er das A-Hörnchen wurde die Pflaser nicht tragen. Er beschuldigte mich und mein Kind der Lüge. 

In den kommenden Jahren bekam A-Hörnchen zunehmend Probleme mit der Brille. Er gab an immer schlechter zu sehen, entwickelte massive Tics im ganzen Gesicht. Das Thema Brille wurde zum Reizthema. Unser Augenarzt interessierte sich nicht für die Tics, ebenso wenig für die schlechte Sicht. Bei jedem Besuch gab er an die Augen seinen schlechter geworden und A-Hörnchen würde die Brille nicht tragen. Das Fass zum überlaufen brachte er, als er angab das A-Hörnchen würde die Tics vorspielen um die Brille nicht tragen zu müssen. Unserem Wunsch nach einem neuen, leichteren Gestell kam er nicht nach; das sei albern. Unglaublich! 

Ich beschloss den Augenarzt zu wechseln und telefonierte los. Es dauerte über ein Jahr einen Termin bei einem anderen Augenarzt für Kinder zu finden und heute war der Termin. Neben endloser Erleichterung bin ich aber auch entsetzt. Die Brille, die das A-Hörnchen so dringebd tragen sollte, ist inzwischen vollkommen falsch. Es wäre eine Zumutung ihn damit laufen zu lassen; dies erklärt zudem die Tics. Zum ersten Mal seit über vier Jahren hat nun ein Arzt die Augen meines Sohnes gründlich untersucht (kennt ihr diese ekelhafte Tropfen Sache?) und festgestellt, dass das kaputte Auge viel viel viel besser geworden ist. Lag bestimmt am regelmäßigen Brille tragen. 

Ich bin erleichtert, dass ich auf mein Kind gehört habe. Keine Sekunde habe ich an der Richtigkeit seiner Angaben gezweifelt. Heue habe ich ihm nun noch einmal ganz deutlich gesagt: „Ich vertraue dir! Ich habe nie an die gezweifelt!“ 

Logik mit drei

D-Hörnchen folgt grad seiner ganz eigenen Logik. Ich bin entzückt! Gestern schauten wir uns ein Pferde-Buch an. Auf einem Bild äppelte das Pferd grad und das Hörnchen auf meinem Schoß fragte, was das Pferd da mache. Ich erklärte, das Pferd macht Aa und das Hörnchen war entsetzt, dass es dafür nicht aufs Klo geht. Also erklärte ich weiter, dass das Aa im Pferdestall immer von den Menschen weg gemacht würde. D-Hörnchen nickte verständig und erkundigte sich ob ich schon einmal Aa von Pferden weg gemacht hätte. Ich verneinte. D-Hörnchen dachte tief und lange nach, schaute immer wieder auf das Buch und fragte dann:“Wann sind wir denn dran mit dem Aa wegmachen?“ 


Für den kleinen Kerl war es offenbar vollkommen logisch, dass es jawohl an der Fürsorge aller Menschen wäre, sich diesem Problem anzunehmen. Logisch! Also, eines Tages kommt die Einberufung vom Equuoalen Verwaltungsamt und da seht dann drin: „Mai 2020; drei Wochen Amerikanische Prärie zum Abäppeln. Die Materialien werden gestellt!“ Ich bin gespannt. 

Weiter im Buch ging es um das Essen der Pferde.


Nachdem D-Hörnchen gesehen hat, dass Pferde Äpen, Karotten und Müsli essen, wurde er abermals sehr nachdenklich. Dann sah er mich an und erklärte mir: „Wenn ich weiter immer das esse, dann werd ich auch bald ein Pferd!“ Denn so muss es sein! Die gewöhnliche Genese der Menschenkinder: Baby, Kleinkind, Pferd, Schulkind,…. Erstaunlich nur, dass ich bei dem zu erwartenden Aufkommen an Pferden in diesem Haus noch nie dran war mit Pferde-Aa wegmachen!

Gehirrrrn!

Das menschliche Gehirn ist ein Wunder. Es hat unglaubliche Kapazitäten und ist, sodann gut im Training, zu erstaunlichem in der Lage. Es ist schnell, vielschichtig und wahnsinnig anpassungsfähig. Ja, man kann es nicht anders sagen; ich mag Gehirne! Jedoch manchmal, ganz manchmal, da sind Gehirne auch wirklich gruselig. Ich meine jetzt keine psychischen Erkrankungen, die Menschen zu Psychopathen machen oder andere schlimme dinge, die das menschliche Gehirn zweifelsfrei leider auch kann. Nein, ich meine in diesem Falle das unglaubliche Gehirn per-pubertärer Kinder.

Ich bitte das A-Hörnchen zum Duschen ins Bad. Er motzt (notorisch) und geht dann. Noch in der offenen Badezimmertür weise ich ihn an: „Alle Klamotten in die Wäsche, duschen und auch Zähne putzen.“ Ich schließe die Tür. Fünf Minuten später kommt das Kindlein wieder raus. Vollständig bekleidet und grinsend. Ich sehe ihn erwartungsvoll an. „Fertig!“ Strahlt das Hörnchen. Ich gucke skeptisch (auch notorisch) und erwidere dann: „Aber geduscht bist du doch jetzt nicht?“ Da fällt es dem Kind wie Schuppen von den Augen.. „Ach ja!! Duschen. Hahaha, und ich habe schon Hände gewaschen..“ kichert er polemisch vor sich hin. Da bitte ich ihn einmal sein Gebiss zu zeigen. A-Hörnchen erstarrt. „Ich.. ich ..äh. Hab Zähneputzen auch vergessen..“

An solchen Tagen frage ich mich, was diese Hochleistungsmaschine „Gehirn“ eigentlich den ganzen Tag tut. Gruselig!! Und dann graut es mir vor so manch anderem tag in den kommenden Jahren. Vor mordenden, an denen er vergisst aufzustehen, sich anzuziehen oder … Ich lass es. War ja auch mal jung. Und wenn auch ich es nicht täglich bis in die schule geschafft habe, war ich wenigstens immer angezogen!

Anarchie? 

Ich habe überlebt. Ein Nachmittag im Indoorspielplatz, demokratisch herbei geführt. Demokratisch entschieden von einer Familie, in der auf das Wohl des einzelnen geachtet wird. In einer heilen Welt. 

Als wir ankamen war der Parkplatz voll. Brechend voll, elend. Wir schafften es unser Schiff zu parken und dann ging es auf ins Vergnügen. Hunderte Menschen in einer alten Tennishalle. Spielgeräte, Fahrzeuge, tosende Gebläse um diverse Gummieattraktionen am Leben zu halten. Hunderte Menschen, die meisten unter sechs Jahre. „Eltern haften für ihre Kinder“ und „bitte nicht ohne Socken“, so das Regelwerk. Ich befand mich in einer gelebten Anarchie. Im Kletterturm Kinder mit Socken, ohne Hose aber mit überquellender Windel. Essensreste, Fäkalien und erbrochene Pommes zieren den Weg. Die Eltern blind. Überall Kolonnen von Dreirädern mit Anhängern und Bobby Cars, hohes Tempo ohne Rücksicht auf Verluste. Wer die Füße nicht rechtzeitig weg bekommt, bekommt blaue Zehen. Gratis. Erwachsene schlagen sich um Stühle, Sitzplätze und das beste Auto für das brüllende Balg. Anarchie? 

Keineswegs. Die Hölle muss es gewesen sein. Denn weder Leo Tolstoi noch Michail Bakunin hatten eine Gesellschaft vor Augen, in der es alle gegen alle herrscht, in der einen Schei** auf das Wohl des anderen gesetzt wird. Eine grausame Atosphäre, in die wir uns mit viel Mühe einen Nachmittag lang einfügen könnten. Einen anstrengenden Nachmittag lang, der uns irgendwie auch zum Arsch auf Zeit machte. Denn letztlich bewache auch ich das BobbyCar vom D-Hörnchen. Denn wenn alle ätzen, ist es am Ende nicht klug nett zu sein. Traurige Welt. 

Sauber argumentiert. 

Eine Fahrradtour war für heute geplant. Dumm wie sich schnell rausstellte. Regen, Wind und Kälte machen es ungemütlich und bah!! Die Hörnchen wussten beim Mittagessen Rat: Wir gehen in einen Indoorspielplatz! Vier Hörnchen jubelten allein bei der Vorstellung, uns erwachsenen schauderte es mächtig! So fiel auch unsere erste Reaktion aus:“Nee! Auf keinen Fall!“ Sofort hatten wir zahlreiche Argumente gegen diese Indoor-Höllen parat und setzten diese den versammelten Hörnchen vor. 

Die Hörnchen brauchten etwas unter einer Sekunde um sich zu einer festen Wand zusammenzuraufen. Und so saßen sie dann da und entkräfteten alle unsere tollen Argumente. „An die Lautstärke gewöhnt man sich, wir geben für andere Sachen viel mehr Geld aus, wir gehen da fast nie hin, das D-Hörnchen kann mit uns großen spielen und außerdem sagt ihr im Sommer immer, dass das Wetter zu gut ist für den Indoorspielplatz. Jetzt ist das Wetter zu schlecht zum raus gehen.“ 

Das hat gesessen. Nach dem Mittag zogen die Hörnchen sich zum Kinderkonferenz zurück, und wir uns zum Elterngespräch. Die Sache war schnell klar, was soll man dagegen schon sagen. Nun erwartet uns also ein Nachmittag in der Hölle. Hip hip, Hurra!

Der hässliche

D-Hörnchen ist im Bob der Baumeister-Wahn. Er ist ein echter Bauarbeiter; er ist eben Bob. Oft spielen C- und D-Hörnchen auch Bob. Dann ist D-Hörnchen Bob und C-Hörnchen Wendy. Kürzlich wollte ich mich in das Spiel einklinken und fragte freudig wer ich denn mal sein könnte. D-Hörnchen grübelte kurz nach und sagte dann:

„Der hässliche Mann der komisch läuft!“ 

Nachdem ich mich weigerte im Spiel der hässliche Mann zu sein, bot mir D-Hörnchen noch an Heppo zu sein; der ist auch doof, so das Hörnchen. Einfach entzückend, wenn man so nett und umsichtig ins Spiel einbezogen wird. 

Stromausfall 

„Wegen Bauarbeiten in ihrer Straße kommt es in den kommenden Tagen zu kürzeren Stromausfällen. Betroffen wird insbesondere der Zeitraum 16. Februar 2017 zwischen 8.00 und 10:00 Uhr sein.“ So stand es gestern an meiner Tür und ich nahm es nur kurz zur Kenntnis. Das C-Hörnchen hingegen war in heller Aufruhr und verfiel gleich in Panik: „Was sollen wir ohne Strom nur machen? Wie lange dauert das denn? Ist das gefährlich ohne Strom? Bin ich dann zu Hause Mama? Hast du dann Angst im Dunkeln?“ die Liste der Bedenken war lang und ich besänftigte das Kind fortlaufend damit, dass ein Stromausfall vollkommen harmlos, langweilig und banal wäre.
Als ich eben nach Hause kam betätigte ich, wie immer, den Lichtschalter. Das Licht blieb dunkel. Ich schaltete hektisch fünf mal Auf und ab, das Licht blieb aus. Verwirrt glotzte ich den Lichtschalter an, was ist hier denn los? Dann dämmerte es mir, Stromausfall! Mein Blick fiel wieder auf den Lichtschalter, ist der jetzt an oder ist der jetzt aus? Ich drücke noch 3-10 mal um festzustellen, dass ich es dadurch auch nicht genau wusste. Etwas verwirrt im Kopf setzte ich mich auf meinen Stuhl und nahm das Handy um ein Telefonat zu führen. Noch während es schon tutete, fragte ich mich, ob das Handy ohne Strom wohl funktionieren würde. Gedankenverloren starrte ich als nächstes auf den Backofen. Wo ist die Uhrzeit? Wie soll ich jetzt rausfinden wie spät es ist? Ich starre immer auf den Backofen um rauszufinden, wie spät es ist. Wo ist die Uhrzeit geblieben? Dann dämmerte es mir abemals, Stromausfall!
Stromausfall ist halt überhaupt nicht schlimm, es ist überhaupt gar kein Problem! Auch nicht als ich zur Toilette ging, und wieder 15 mal den Lichtschalter hektisch betätigte. Stromausfall! Ich muss mir das doch merken können. Kann ich leider nicht. Ich vergesse es alle 3 Sekunden, Stromausfall! Nachdem ich mich zum Lesen in die Küche gesetzt hatte, in die dunkle Küche, stellte ich es erneut fest. Stromausfall!!! Kein Licht! Auch nicht wenn man ganz oft schaltet!

Stromausfall ist halt überhaupt nicht schlimm. Sowas von vollkommen egal, tangiert mich überhaupt nicht! Stromausfall ist… Völlig irrelevant, und uninteressant, banal eben. Stromausfall ist nicht gefährlich und man muss keine Angst davor haben. Was er aber definitiv ist, ist nervtötend! Und sobald der Strom wieder kommt, muss ich alle Uhren neu stellen und wahrscheinlich sehr viele Lichter ausmachen, denn ich habe inzwischen jeden Schalter in diesem Haus 73 mal betätigt.