Absurdes Theater 

Kennt jemand von euch Ionesco und sein Absurdes Theater? Es ist großartig und eben genau so absurd, wie der Name es verspricht. Nichts ist so wie man es erwarten würde, immer. Außer wenn man denkt man hat es durchschaut. Ich mag das sehr! Nicht zuletzt weil ich immer wieder denke in einem absurden Theaterstück gefangen zu sein. Heute war so ein Tag. 

Ich bin in der Küche und bereite das Frühstück vor. Das A-Hörnchen wankt die Treppe herunter, fahl im Gesicht und bekleidet mit überaus dreckigen Klamotten. Ich sehe einen 1,40m großen Zombie vor mir der irgendwas über Zahputz-Uhren und 2.23 Minuten faselt. Ich weise den Zombie an die dreckigen Sachen in die Wäsche zu tun und sich dann zu waschen. Der Zombie wankt nach oben, kommt 60 Sekunden später wieder runter, in Socken und Unterhose. Ich starre ihn an und erkundige mich, ob er so in die Schule geht. Er entgegnet lallend:“ Ich hab Husten!“ Staunen sehe ich ihn an und sage:“Na dann!“ Der Zombie geht ins Bad, stammelt sowas wie:“2.23 Minuten!“ und kommt etwa drei Minuten später wieder raus. Er lässt sich auf die Küchenbank allen. Off

Von oben kommt das B-Hörnchen. Schlurf-Tock.. kreucht es die Treppe herab. Auch die nicht vollständig angezogen… 

Ich wende mich wieder dem A-Zombie zu. „Geh dich anziehen!“ Er geht, kommt bekleidet wieder und spricht in klaren Worten:“ Ich habe sogar die Dreckwäsche in den Korb getan!“ Ich staune sehr und lobe den Zombie, der nun doch langsam und unerwartet zum Menschen avanciert. B-Hörnchen kommt dazu, gewachschen und gestriegelt. Ich biete ihr an schnell von oben die fehlende Kleidung zu holen und sie stimmt zu. Ein T-Shirt und einen Pullover später entdecke ich die dreckige Wäsche des A-Zombies. Sie thront schlammig und dreckig ganz oben auf einem Korb sauberer Wäsche. 

Als ich gerade am Tisch sitze und der Kaffee fast meinen Mund erreicht hat höre ich dir panischen Schreie des D-Hörnchens, das noch im Bett ist. Eine Spinne! Der Morgen ist gelaufen. 

Sartana 

Bela B. war in Bremen, und auch wenn ich meinen ursprünglichen Plan ihn zu heiraten nicht umsetzten konnte, hatten wir einen großartigen Abend. Wir, das heißt Bela, das Ensemble von Sartana, der Menne und die anderen im Theater. 

Bitterböse, schreiend komisch, sozialkritisch und liebevoll. So in der Art beschreibe ich dieses geniale Stück Kulturgeschichte. Zwei-Einhalb Stunden verflogen in Mitten bei fiesesten Kalauern und missratenen Einsätzen, guter Musik und einer irgendwie brutal brutalen und nichts-sagenden aber in keiner Sekunde schleppenden Geschichte. Es war genial, ja! Vor allem aber herrschte durchgängig der Eindruck, die Herren und die Dame auf der Bühne täten das alles nur aus einem Grund:  weil es Spaß macht. Und so machte es einen heiden Spaß ihnen beim Machen zuzusehen. Herrlich! Ich würde es jeder Zeit wieder tun!

Wenn der Zeuge klingelt

Ich habe Kopfschmerzen, und in 30 Minuten muss ich zur Arbeit. Hilflos versuche ich den Schmerz mit Erdnussbutter-Marmeladenbroten zu besänftigen, meine Laune ist eher mau. Als ich zum wiederholten Mal in das Brot (nicht das erste) beiße und mein Magen gerade beginnt abzuhandeln, ob wir satt sein könnten,  klingelt es. 

Ich stopfe noch einen mieslaunigen Bissen nach und überfliege schnell die Möglichkeiten. Postmann, mein Papa, Nachbarn. Viel mehr fiel mir nicht ein und mit allem könnte ich leben. So schleppte ich meine Erdnussbutter-Plautze an die Tür. An dieser Stelle sei erläutert, dass unsere Kingel im Parterre an der ursprünglichen Haustür ist, ich aber seit Jahren immer im Souterrain öffne, weil dort die Küche ist. Ich öffne also mit miesester Fresse die Kellertür und sehe nur Füße, logisch. Die Person steht oben und ich rufe im Tonfall eines schlecht gelaunten Rottweilers, der durch Erdnussbutter gedämpft wird:“Hier unten!“ Die Füße drehen sich und ich höre ein glockenhelles: “ Huuuuuch! Na sowas!“ Mir fallen dutzende Flugblätter entgegen, gefolgt von einer Dame die zum Glück nur fast fiel. 

Die gute Frau starkste unbeholfen und steif die Kellertreppe hinunter und lächelte so breit, dass ich Angst hatte ihr Gesicht könnte durchreißen. Ihr Antelitz glich einer bizarren Fratze und sie trällerte noch unter Atemnot: „Liebe, Gesundheit, Zuversicht!“ sie holte tief Luft und rückte den Zettel zurecht den sie mir geben wollte. „Das gibt es wirklich ..“ sie japste und sah sich unsicher um. Ich pule eher assig Erdnussbutterreste (war diese Crunchige) aus meinen Zähnen und begann die Tür zu schließen. „Wenn man nur glaubt!“ setzte sie fast hysterisch hinterher und lächselte so unfassbar gruselig, dass ich mir vorkam wie in einem schlechten Horrorfilm. „Ach ja?!“ Sagte ich. „Ich glaube.. ich ess jetzt weiter!“ Und dann schloss ich die Tür. 

Wenn ich gleich überfahren werde, dann habe ich es provoziert. Wenn das ganze eine göttliche Prüfung war, dann habe ich sie gewonnen. Was bleibt ist die traurige Feststellung, dass es zu viele Leute gibt, die ihre Seele an so einen Verein verkaufen. 

Wie eine Krake, nur anders. 

Man bat mich hier einmal zu beschreiben, was ich in meinem neuen Job eigentlich mache. Also gut.

Ich arbeite seit Februar als Psychologin in verschiedenen Kindertagesstätten. Meine Einsätze kommen so zu Stande, dass Erzieherinnen ein Problem bei einem Kind sehen, eine sogenannte Integrationskraft beantragen und dann komm ich. Mein Job ist es zum einen das Problem zunächst zu erkennen und dann zu beheben. Klingt einfach, ist es aber nicht. Mein genaues Tun ist etwas Krakenhaft, ich vermittle zwischen Schule, Eltern, Jugendamt und Erziehern. Die bloße Kenntnis über die Problematik beim Kind bringt mir gar nichts, denn mit Psychischen Erkrankungen bei Kindern ist es in etwa so wie bei Eisbergen.

Das was man an der oberen Spitze des Berges sehen kann ist nur das Topping, der kleinste aber eben sichtbare Teil. Die sogenannte Störung ist zumeist komplex und setzt sich aus allerlei biologischen, sozialen und pädagogischen Komponenten zusammen. De facto heißt das, dass ich zwar theoretisch eine Ahnung davon habe, was gut wäre und was es eben nicht ist, mir aber viel zu oft Steine in den Weg geworfen werden. Und dann komme ich viel zu oft zu dem Schluss: Kinder könnten so cool sein, wenn nur diese blöden Eltern nicht wären.

Und so ist es am Ende oftmals mein Job, auf eigenartige Eltern einzureden, ihnen die kleine Welt der Pädagogik zu erklären und irgendwie zu versuchen die kleine Welt der Kinder in die best möglichen Bahnen zu lenken. Nicht immer gut.

 

Kleiner Nachtrag. Es gibt natürlich auch kranke Kinder von tollen Eltern. ebenso bekloppte Eltern mit unfassbar gesunden Kindern. Nur sind diese zwei Varianten leider nicht die Regel.

Wie ein Korsett 

Ich habe meinen Blog nicht etwa vergessen, nein. Ich habe leider scheinbar verlernt, wie man ihn führt. Genau genommen fehlt mit a) der Inhalt und b) die Zeit. Beides ist bekloppt und doch nicht besser zu beschreiben. Seit Anfang Februar arbeite ich jetzt reguläre 20 Stunden. Die Jahre zuvor habe ich in einer Tretmühle aus Uni, Job und Kindern gelebt. Ich kannte keinen Lehrlauf und war chronisch überlastet. Nun, da ich mein Leben endlich genießen sollte, und jede Menge Zeit habe, steht es still. Objektiv habe ich viel mehr Zeit, sollte ausgeglichener sein, glücklich und zufrieden. Subjektiv bin ich im Stress. Aber wovon denn bitte? 

Ich glaube ein Unterschied ist der, dass ich nicht mehr nur noch mich selber zufrieden stellen muss. Ich bin jetzt angestellt, ich mache das was ein anderer will, dann wann er es will zu festen Konditionen. Natürlich bringen mich 20 Stunden Wochenarbeitszeit nicht um, jedoch fesseln sie mich ungemein. Im Studium hatte ich mitunter 50 Stunden die Woche zu arbeiten; aber ich war (bis auch Prüfungstermine) frei. Jetzt ist es ein wenig wie ein Korstett. Ich kann mit ihm umher lauen, ich kann mir auch die Farbe und all sowas aussuchen. Ich glaube es steht mir auch durchaus, aber irgendwie beklemmt es mich ungemein. 

Meine Freiheit, die ist eben mein höchstes Gut und es erstaunt mich, dass in so vielen Jahren Menschheitsgeschichte noch kein sinnigerer Weg gefunden wurde mit diesem Laster „Arbeit“ umzugehen. 

So wie Neo und Trinity

Heute Morgen wurde ich von einem vertrauen Gerausch geweckt; dem Klacken von A-Hörnchens Zimmertür. Ich öffnete ein halbes Auge und erwartet ihn mit irgendeinem Anliegen an meinem Bett. Nichts geschah. Ich horchte nach und hörte ihn ins Bad nach unten tappen. Ich öffnete ein weiteres halbes Auge und stellte, nun einäugig da liegend fest, dass es hell ist. Komisch! 

Weitere etwa drei Minuten später sickerte es in mein Hirn! Es ist hell und das A-Hörnchen macht sich fertig für die Schule. Ich habe verschlafen!! Tatsächlich fehlten mir inzwischen 40 Minuten in meiner bombenfesten Morgenroutine. Ich gönnte mir weitere 10 Sekundnen um einen rudimentären Plan aufzustellen und gab dann Gas. In hyperraumgeschwindigkeit durchlief ich meine morgendlichen Stationen; in völlig verkehrter Reihenfolge. Ich kam mir ausgesprochen sportiv, flexibel und spontan vor. Ohne aus dem Takt zu kommen bereitete ich das Frühstück, flicht Zöpfe und bestückte geschwind die Brotdosen. Meine Bewegungen waren irre schnell und geschmeidig, ich war die Ruhe selbst und erinnerte mich selbst an Neo und Trinity aus Matrix. Man war ich gut. 

20 Minuten nach dem wecken war alles geschehen. Ich saß (im Schlafanzug, das ist anders als bei Neo und Trinity) am Esstisch, alle Hörnchen tippitoppi, alle Dosen fertig und schlürfte meinen Kaffee. Held des Tages, Heldin der Arbeit und Wächterin der Zeit. 

Von Samen und Eizelle

In der Klasse des A-Hörnchen steht Sexualkunde auf dem Stundenplan. Am Abend war das Thema auch am Tisch up tot Date, das arme A-Hörnchen starb fast vor Scham. Ganz anders das C-Hörnchen, die wollte es zum ersten Mal etwas genauer wissen. Und so erzählte ich auch ihr von Samenzellen in den Hoden und von Eizellen im Bauch der Frau. Um den abstrakten Vorgang zu verdeutlichen, verglich ich den Vorgang der Befruchtung mit dem Pflanzen einer Blume. Samen + Erde=Blume. C-Hörnchen fand das logisch. 

Irgendwann stellte sie die berechtigte Frage, was man denn machen solle, wenn man gar kein Baby wollte. So begann ich wieder zu erklären, nämlich dass die Männer und Frauen ja selber entscheiden könnte, ob sie denn ein Baby machen wollten. Der Samen muss ja nicht zur Einzelle. Um den Vergleich mit den Blumen aufzugreifen sagte ich dann noch: „Wenn keine Blume einpflanzen will, kann man die Blumensamen ja auch einfach ins Regal legen und dann kommt keine Blume!“

C-Hörnchen fand auch das einleuchtend, sah ihren Papa an und fragte: „Hast du deinen Samen auch ins Regal gelegt?“ 

Telefonitis

Der Tag musste kommen und er kam. Wenn man bedenkt, dass das B-Hörnchen sich noch vor einigen Monaten gar nicht traute zu telefonieren, sollte ich die Ereignisse feiern. Tatsächlich war ich, trotz dessen, dass ich früher nichts besser war, ein kleines bisschen genervt; aber vielleicht gehört das auch dazu. 

B-Hörnchen hat das Telefonieren für sich entdeckt. Lange, oft und viel. Bis 18:00 war Paola bei uns, um 18:30 hingen die beiden wieder am Telefon. Wichtige Dinge waren zu besprechen, zum Beispiel das Treffen für den kommenden Tag. Außerdem flöten sie sich vor. Block gegen Quer. Piep, tröt; klasse! Und dann kam das was kommen musste: Ich musste telefonieren! Ich!! Und dann stand ich da, am Treppenaufgang und quäkte nach oben: „B-Hörnchen! Ich brauche das Telefon!“ Zwei mal, drei mal, fünf mal. Irgendwann dann kam sie angelaufen, ungemein genervt. 

Und dabei leben wir doch heute im totalen Luxus. Telefon-Flat, Handys und theoretisch diverse autonome Telefonnummern. Früher, bei uns zu Hause, da war das anders. Ein Telefon mit Kabel dran im Büro meiner Eltern. Abrechnung pro Minute und nie nie nie war man allein beim Telefonieren. Ein Elend war das! Trotzdem war ich bisher war ich der Überzeugung, dass das alles Humbug ist und die Kinder garantiert keine eigene Telefonnummer oder gar Telefone brauchen. Heute beginne ich zu zweifeln. Wäre das nützlich? Trägt das zum allgemeinen Frieden bei? Und wäre es vielleicht einfach auch nett? Fragen über Fragen..

Semesterende und Frühlingsanfang 

Was für ein Tag! Der Garten auf Vordermann, die Sonne scheint. Mächtig Besuch und ein Lagerfeuer. Sieben Kinder und drei Erwachsene als Wächter über das Chaos und endlich mal wieder ein Tag unter freiem Himmel ohne zu frieren. 

Ein besonderes Anliegen war es mir mein Studium zu beschließen, in dem ich hunderte Karteikarten, die ich immer zum lernen benutzt habe, feierlich verbrannt habe. 

Zum Abschluss des Tages gab es Nudeln mit Sauce; aus dem Feuer. Besser geht es kaum! Als besonderes Schmankerl Klamotte das A-Hörnchen mir was auf der Gitarre, romantisch am Lagerfeuer. Himmlisch!