Endlich Ferien

Auch wenn es dieses Mal keine richtigen Ferien sind, ist die Freude riesig. Die Kinder bleiben zu Hause und der Menne und ich arbeiten im Wechselschritt. Ich morgens ein paar Stunden und er Nachmittags und Abends ein paar mehr. Kommende Woche heißt es dann: Urlaub! Es ist schon eine gewisse Umstellung. Während der Jahre im Studium waren Ferien Ferien. Da hatte ich frei, und wenn keine Semesterferien waren, dann nahm ich mir welche.

Jetzt ist das anders. Wir müssen planen und unsere wenigen Urlaubstage nach den Ferien der Kinder, der jeweiligen Betreuungszeiten und all sowas ausrichten. Schön ist das nicht und am Ende bleibt auch deutlich weniger übrig als es früher war; aber so ist es eben! Alles in einem haben wir es sicher nicht schlecht getroffen. Trotzdem bleibt der fade Beigeschmack von: Ohne all den Stress ginge auch. Wäre nicht das liebe Geld, ich würde es anders machen. Ein bisschen mehr wir im wir. Den Fokus zurück auf die wichtigen Sachen und dann viel mehr treiben lassen. 

So leben wir eben in unseren Möglichkeiten. So frei und selbstbestimmt wie möglich und so ferngesteuert wie nötig. Wenig Anspruch ans Geld, dafür viel an die Zeit. 

Alte Liebe rostet nicht…

Ich dachte immer, dass das was mal gut war auch immer irgendwie gut bleibt. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass ich das, was ich einmal so liebte irgendwann mal alber finden würde. Es heißt doch schließlich: Alte Liebe rostet nicht! Manchmal ist das wohl anders. 

Eben waren Take That im Fernsehen. Früher! Da wollte ich Mark Owen heiraten und ich wäre lieber gestorben als von diesem Plan abzuweichen. Ich habe mein ganzes Leben und jede Sekunde meiner Freizeit darauf ausgerichtet mich mit diesen Typen zu beschäftigen. Immer! Als Robbie Williams damals bei Take That ausgestiegen ist bin ich fast daran zu Grunde gegangen, als sie sich ein Jahr später ganz aufgelöst haben, hielt ich einen Sprung aus dem Fenster für eine adäquate Reaktion. Meine Eltern nicht.. Take That waren alles! 

Eben habe ich das erste Mal seit sehr sehr langer Zeit einen Auftritt gesehen. Den Sprung aus dem Fenster hatte ich wieder im Kopf. Man man man! Alte Liebe kann rosten. Massiv. Aller höchste Korrosion. Schlimm! Wäre mich ma‘ damals gesprungen, dann wäre mir das heute erspart geblieben! 

Das Wunder des Körpers 

In der Straßenbahn erzählt mir das A-Hörnchen, dass der Sexualkunde-Unterricht jetzt in zwei Gruppen stattfände. Ich zeige mich interessiert und erkundige mich, was man denn so als Junge in Sexualkunde lernt. Ganz sicher war ich mir, dass die Antwort allenfalls ein: „Mama! Peinlich!“ sein würde, so wie bisher wenn dieses Thema aufkam. Etwas verwundert war ich hingegen, dass er es überhaupt angesprochen hatte. Und dann legte er los. 

Schwellkörper und deren Funktion, weshalb es wichtig sei, dass Penisse steif würden und wo genau die dann hingehörten. Ohne Scham und Gekicher erklärte er mir den gesamten Akt in akkuraten Fachbegriffen. Kein roter Kopf, kein Stammeln. Selbst Erektionen und Ejakulat konnten ihn nicht aus der Fassung bringen und so erklärte er mir weiter wie dann Eier zu Samen finden und Frauen zu Mamas werden. Selbst eine Abhandlung über Gifte in der Schwangerschaft inklusive Contagan bekam ich. 

Ich staunte nicht schlecht und fragte, ob das ganze gar nicht mehr peinlich und doof wäre. Da holte das A-Hörnchen tief Luft uns sagte im Brustton der Überzeugung: „Mama weißt du, ich finde den Körper und wie das alles funktioniert und so, so interessant! Da ist gar nichts peinlich, das ist ja alles so gedacht!“ Ich war baff! Ich meine, genau so sehe ich das auch. Körper und all ihre Funktionen sind toll und können gar nicht ausgiebig genug bestaunt und benutzt werden. Aus dem Munde meines kleinen Jungen jedoch war das neu und ungewohnt. Nun bin ich stolz; mein Sohn!!!

Wir lassen uns nicht erpressen!!!

Als ehemalige Mitarbeiterin einer sozialen Beratungsstelle, als Psychologin und als Mensch bin ich heute auf etwas gestoßen. Es geht um Asyl, Abschiebungen, Flüchtlingspolitik und den Freistaat Bayern. Doch beginnen wir am Anfang!

Die Aufgabe einer sozialen Beratungsstelle (Schuldnerberatung, Eheberatung, Drogenberatung,…) ist es „Menschen über ihre grundsätzliche gesetzliche Lage aufzuklären und sie zu unterstützen, ihre Handlungsspielräume und Möglichkeiten zu durchdenken und zu erweitern.“(aks München, 2017) Es geht vor allem darum, eine unabhängige und umfassende Bandbreite der Möglichkeiten darzulegen ohne den Klienten einzuschränken oder ihn lenken zu wollen. Natürlich gehört es hierzu auch, dem zB. hochverschuldeten Menschen juristische Wege aufzuzeigen, seine Schuleden loszuwerden oder Geflüchteten dahingehend zu beraten, wie sie gegen eine drohende Abschiebung vorgehen können. Die Pflicht der Beratungsstelle ist es ausdrücklich nicht, im Sinne des Staates zu handeln, sie handelt klientenorientiert.

Dem Freistaat Bayern gefällt dies nicht. So kam es, dass das Bayrische Staatsministerium in einem Schreiben die Beratungsstellen des Landes Bayern dazu auffordert, in der „Asylsozialberatung“ die Betroffenen nicht, wie in Einzelfällen geschehen, dahingehend zu beraten wie sie sich der bevorstehenden Ausweisung entziehen können. Eher solle man die Betroffenen auf die Möglichkeiten der freiwilligen Ausreise hinweisen. Weiter heißt es, dass die Konsequenz bei Zuwiderhandlung wäre, dass der jeweiligen Beratungseinrichtung die finanziellen Mittel gestrichen würden.  In einfach heißt das: Entweder die Beratungsstelle sagt dem Klienten, dass er besser freiwillig gehen soll, und das es eh keinen Sinn macht etwas dagegen zu tun, oder der Staat stampft die Beratungsstelle ein.

Das ist Erpressung! Und es hat rein gar nichts mit fairer unabhängiger Beratung zu tun. Es ist menschenunwürdig! Kein sozialer Berufsstand kann und will so arbeiten, wir lügen unseren Klienten nicht ins Gesicht!! Unter dem folgenden Link könnt ihr den Brief des Staatsministerium sehen, viel wichtiger aber ist die angehängte Unterschriftenliste gegen diese Art der Zensur und Erpressung. LINK!

 

SozialStress

Bei WhatsApp zwei Unterhaltungen. Eine über die Arbeit, im weitesten Sinne, und eine über Kleidergrößen, das große Jammern und das Leben. Einen SMS Chat über Kinder und deren schlechte Angewohnheiten und bei Facebook zweierlei Kommentarverläufe über Holzschuppen und wiederum den Job. Dazu serviere ich mir Glotze de Lux. 

Konzentration!! 

Jetzt bloß nichts durcheinander bringen. Denn im durcheinander bringen bin ich unfassbar gut. Die Nachricht über den Kaffee auf dem Spielplatz landet beim kinderlosen Kumpel, der seltsamer Weise keinen mitbringt.  Die Info für den Menne, dass er noch Äpfel kaufen soll, landet im Gruppenchat xy und überhaupt sind diese sozialen Medien nicht meins. Wobei, sozial bin ich ja. Oftmals viel mehr als es eigentlich beabsichtigt war. Also, ihr lieben Freunde in meinen Telefonbüchern und Freundeslisten; freut euch auf Dummheiten und Fehlgeleitetes. Denn so unsagbar konzentriert wie manchmal bin ich nicht immer. Meistens jedenfalls weniger als selten. 

Arbeit mit Kindern 

Ich habe großes Glück. Ich darf jeden Tag mit den zauberhaften Kindern anderer Leute  arbeiten. In der Sonne sitzen, basteln, spannende Dinge erleben und mich wegen der Hausaufgaben streiten. Tatsächlich ist mein Job nicht wesentlich anders als das, was ich eh immer machen. Gut! Einen winzigen Unterschied gibt es da dennoch! 

Der Bazillenpool ist ein völlig anderer. Wir sechs hier zu Hause waren in den vergangenen Jahren in etwa 70.000 mal krank. Hatte es einer, hatten es alle. Wir hatten jede Seuche des Stadtteils, haben zwei Kitas, die Schule und eine Krippe durchkeucht; neben jedem Spielplatz und natürlich dem Wartezimmer des Kinderarztes. Uns konnte nix mehr umhauen, wir waren resistent! Nun die schreckliche Erkenntnis: Dieser groß- allemeinimmune Zustand ist nicht zu ver-allgemeinern. Genau genommen reicht es aus in einem Hort nur 5 km weiter westlich zu fahren und schon ist der ganze Zauber vorbei. 

Seit Februar bin ich fast dauerhaft an schniefen, am röcheln und irgendwie matt. Schnotter, rotz und hust; es ist kein Ende in Sicht. Das alte Motto ist geblieben: Hat es eine, haben es alle. Ich glaube selbst wenn ich die Tische im Hort ablecken würde, würde ich mir nicht mehr einfangen. Und das obwohl ich artig Hände wasche und all sowas. Pah! Kann ich mir wahrscheinlich auch schenken. Keine Ahnung wie lange das jetzt so gehen soll..! Hat hier wer Erfahrungswerte? 

St. Petersburg 

Seltsamerweise treffen mich einige Terroranschläge mehr als andere. Ich weiß selber nicht woran dies liegt, ist es das betroffenes Land, die Stadt oder der Moment in dem ich es erfahre? Hat es mit der Nähe zu mir zu tun oder ist es die Art und weise. Ich hab wirklich keine Idee. Möglicherweise aber hat es mit der Frequenz zu tun, mit der Häufigkeit, in der Anschläge  passieren. Es kommt mir tatsächlich vor, als verweigere mein Hirn eine ständige Auseinandersetzung mit Angst und Gewalt. Ernsthafte Empathie schaltet sich schon lange nicht mehr bei jedem Anschlag hinzu. 

Und so komme ich mir irgendwie abgestumpf vor. Ich höre die Nachricht „Terror in England, Bangladesch, Paris“ aber irgendwie kommt sie kaum noch bei mir an. Schwer erschreckend, ich dachte immer ich hatte mich bemüht eben nicht so ein stumpfer Block zu werden. Und trotzdem gewöhnt man sich irgendwann an alles. Es ist wie mit einer chronischen Krankheit. Sie ist da, stört und beeinträchtigt einen, man lernt mit ihr zu leben und sich zu arrangieren. Im Falle von MS oder Asthma ist das sich er klug; aber im Falle von Gewalt? Bestimmt nicht!

Es ist kompliziert. Denn geht man davon aus, dass die Angst und der Schrecken das Mittel der Wahl sind, um den Terror wirksam zu machen, sind Panik und Rückzug ebenfalls vollkommen falsch. Das was fehlt ist Empathie. Echtes, bloßes Mitgefühl mit den Opfern und den Angehörigen, emotional am Ball zu bleiben. Eben nicht abzustumpfen. Und das Ganze bitte ohne panisch im Kreis zu laufen und schlimmsten Falls  selber Hass zu produzieren. Mensch bleiben, nicht mehr und nicht weniger! 

Ein Hauchvon Nichts

Wenn ein Mensch in den Ruhestand geht sagen ihm schon Jahre vorher alle, er soll sich dringend ein Hobby suchen. Gegen die Langeweile und das drohende Nichts. Müttern ist ebenfalls klar: Wenn die Kinder ausziehen ist alles anders, Nutzlosigkeit, Langeweile und Mitlife Krises drohen unmittelbar. In Zukunft sollte sich eine weitere Personengruppe in diese Aufzählung einreihen: Studenten ! 

Tatsächlich bin ich in den vergangenen vier Wochen in etwas ähnliches geraten. So ein uuumpf, so ein Loch. Zu viel Zeit und zu wenig zu tun. Ich glaube ich beginne schon komische Dinge zu tun und irgendwie strukturlos zu werden. Ich dümple so durch meine freie Zeit ohne Sinn und Auftrag und mit nur einem Ziel: Dem Aufbruch zur Arbeit. So kommt es zu sinnvollen Vormittagen, an denen ich primär auf dem Küchenstuhl sitzend darauf warte, dass ich los muss. Endlich los. Und während ich mich vor wenigen Tagen noch beschwerte, dass meine Tage mit Job zu sehr fremdbestimmt sind, stelle ich nun fest, dass sie es gleichzeitig aber auch viel zu wenig sind. Ich bin so freivon  Freizeitgestaltung, dass mich mein Nichts am Ende viel mehr stresst als es ein Vollzeitjob könnte. 

So ist das nächste Zeil leicht bestimmt: Ich brauche ein Hobby; und nein ich werde nicht Häkeln;) Irgendwas cooles, sinnloses aber am besten schwer sinnvoll. Billig und einfach zu erlernen. Sowas wie.. ja?! Was denn nur?

Angrillen 

Die Sonne lacht und so haben wir heute beschlossen anzugrillen. Und da wir mit jedem Jahr schlauer werden, haben wir mittags angegrillt. Denn abends, das wissen wir inzwischen, wird es leicht ungemütlich. Da friert der eine und ich hol ne Jacke. Dann friert der nächste und ich hole ne Mütze und am Ende, also nach 20 Minuten, schleppen wir alles rein und essen im Esszimmer. Dieses Mal also schlauer gedacht, Grillen am Mittag. Sommer Sonne Heiterkeit, herrlich! 

Im Punkt eins war das erste Fleisch des Jahres gar, der Tisch gedeckt und das Wetter kooperativ. Wir riefen die Hörnchen zu Tisch und der Spaß sollte beginnen. Als alle saßen fiel mir auf, dass Sonne und Migräne ungut sind und ich holte schnell meine Sonnenbrille. Dies stellte sich als erst recht unklug raus und so kam was kommen musste. A-Hörnchen holte seine Sonnenbrille, dann C- und B-Hörnchen. D-Hörnchen zog seine lange Hose aus, woraufhin A-Hörnchen nach oben ging sich eine kurze Hose anzuziehen. C-Hörnchen stieg drei Treppen und wechselte Jeans in Minirock. B-Hörnchen zog von dannen um einen Sonnenhut zu holen. Dieser war, zusammen mit all seinen Brüdern und Schwestern noch in einer Kiste. So musste ich hoch um sie alle zu bergen. B-, C- und D-Hörnchen bekamen Sonnenhüte und das A-Hörnchen lief los um seinen zu suchen. B-Hörnchen stellte fest, dass es in Leggins zu warm ist und wechselte in 3/4 Leggins. Es folgten böse Vorwürfe um noch nicht besorget Sandalen. 

Um 13.20 Uhr war das Essen dann beendet. Irgendwie hatten alle irgendwann mehr oder weniger gegessen, gemütlich geht anders. Memo an mich: Nächstes Jahn noch mal irgendwie anders.