Hallo Spencer

Früher haben wir Montags, Dienstags und Mittwochs die Sesamstraße geguckt. Donnerstags kam die „Sendung mit der Maus“ und Freitags durften wir nicht fernsehen. Der Grund dafür war einfach: Freitags kam „Hallo Spencer“ und das fand meine Mama doof. All die Jahre lang habe ich das nicht verstanden, bis gestern. 

Gestern haben wir auf Wunsch des D-Hörnchens eine Folge „Hallo Spencer“ von DVD geschaut und ich muss sagen:“ Mama, du hattest recht!!“ „Hallo Spencer“ ist nicht zum aushalten. Es ist nicht einfach doof, nein es ist über alle Maße dämlich, sinnlos und zeitverschwendend. Während der 30 Minuten Laufzeit habe ich mindestens 6x gefragt wie lange es noch geht. Es nahm kein Ende. Wenn mir das nächste mal jemand die Teletubbies nennt, als Beweis für die Verdummung der Kinder von heute – ich werde ihn „Hallo Spencer“ gucken lassen. Und dann werde ich sagen:“Dank der Umsicht meiner Mutter ist mir das erspart geblieben!“ Danke Mama. Ohne dich wäre ich dumm.  

Jonglage

C- und D-Hörnchen bereiteten uns eine Zeikusvorstellung. C-Hörnchen beeindruckte mit einer ausgiebigen Jonglage. Sie jonglierte zunächst drei Bälle, dann vier und sogar fünf. Sie jonglierte auf einem Bein stehend und auf beiden, sie jonglierte im sitzen und beim Tanzen. Selbst mit den Füßen gelang es ihr fünf Bälle in gleichmäßigen Wogen in der Luft zu jonglieren. Der Menne und ich klatschten frenetischen Applaus. 

Nach der Vorstellung kam C-Hörnchen zu uns Zuschauern und sah uns ernst an. Die setzte ein wichtiges Gesicht auf, reckte den Zeigefinger in die Luft und erklärte uns:“In echt waren da keine Bälle. Waren nur Luftbälle!“ Wir nickten gelehrig; fast wäre uns das nicht aufgefallen. Gut, dass sie es gesagt hat. 

Helmut Kohl 

Auch ich werde heute nicht an daran vorbei kommen über den Tod von Helmut Kohl zu schreiben. So will ich einmal zusammenfassen, was Helmut Kohl für mich, mit meinem 1982er Geburtsdatum bedeutet und was für mich bleibt. 

Helmut Kohl war der Kanzler meiner Kindheit. Er wurde Kanzler in dem Jahr, in dem ich geboren wurde. Es gab immer nur Kohl, an wenig andere Namen erinnere ich mich aus meiner Kindheit. Mit der Jugend kam ein intensives politisches Engagement. Kohl wurde zum Feindbild. Demonstrationen, Diskussionen und Parolen begleiteten mich in der Zeit zwischen 1995 bis 1998. Die Spendenaffähre, Waffenhändler und der gehasste Kapitalismus; Kohl war, neben den Nazis, sinngeber der Proteste. Noch heute weiß ich genau wo ich von Kohls Abwahl erfahren habe. 

Und was bleibt? Wenig von dem Groll ist übrig geblieben. Gerhard Schröders Amtszeit war nichts besser, vielleicht sogar schlechter. Die Welt hat so viel gesehen seit Kohl, vieles hat sich relativiert. Die Linke in Bremen schrieb jüngst, er habe die „Liste der Spender von einst nun mit ins Grab genommen“. Für mich ein konsequenter Akt, vielleicht allein dadurch gerechtfertigt, dass ein Mensch sich selbst treu geblieben ist. Die Probleme, die ich einst mit Helmut Kohl in Verbindung gebracht habe, sind größtenteils geblieben, haben sich modifiziert oder verschoben. Heute sehe ich die Dinge anders, und so sehe ich auch Helmut Kohl heute anders. Was bleibt ist ein großer, grauer Mann, der viel bewegt, einiges angestoßen und einiges umgestoßen hat. Einiges Gutes, einiges schlechtes und vieles anderes. 

The walking dead

Auf der Suche nach einer neuen Serien haben wir „the walking dead“ angetestet. Das Resümee..

Puh! Nach 36 Minuten hatte ich es geschafft meinen Nacken so zu verkrampfen, dass der taub war. Meine Zähne schmerzen massiv, weil ich sie ununterbrochen aufeinander gepresst hatte. Der Menne stoppte die Episode und sagte:“Wir können das aus machen?!“ Ich löste meine Starre für einen Moment und hauchte:“Vielleicht wird es ja gleich besser?!“ „Nein. Das wird es nicht. Es wird noch für viele viele Staffeln genau so weiter gehen.“ und dann machte er aus. 

Meine Angststarre löste dann Robbie Williams. Ein Konzert das bei Amazon Prime zu begucken war holte mich zumindest soweit ins Leben zurück, dass an Schlaf zu denken war. Was bleibt ist die erneuerte Erkenntnis, dass ich vor Zombies echt Angst habe. Echt!!

Ein Neurologe könnt ihr helfen

Seit der Pubertät leide ich unter Kopfschmerzen. Viele Jahre lang habe ich versucht sie zu ignorieren, eine Hebamme war es, die mir 2007 zum ersten Mal die unsichere Diagnose „Migräne“ gab. Seit dem habe ich diverse Ärzte und Mittel ausprobiert. Alles blieb ohne ernsthaften Erfolg, das meiste sogar ganz ohne. Selbst über die Ursache ist man sich uneinig. Spannungen, Stress oder doch die Hormone? Mir ist es fast egal, denn keine der infrage kommenden Ursachen kann ich ganz ausschalten. 

Da es in den vergangenen Tagen wieder einmal sehr fies war, ging ich abermals zum Arzt. Zum ersten Mal schlug man mir nun vor zum Neurologen zu gehen. So telefonierte ich mich heute morgen durch die Stadt. Die erste Praxis bot mir einen Termin in Dezember an. Ich lehnte dankend ab und telefonierte weiter. Eine halbe Stunde später rief ich erneut in der ersten Praxis an. Dezember klang inzwischen himmlisch! Einen Neurologen zu finden, der ein so altes Problem behandelt, ist eine hohe Kunst. Natürlich verstehe ich, dass es nicht akut ist und dass es viel schlimmere Dinge gibt. Aber 6 Monate… 

Mein großer Wunsch während der Schulzeit war es Medizin zu studieren. Ich bin mir sicher, ich wäre eine gute Ärztin geworden. Ich liebe den Körper und seine Funktionen. Ich hätte dieses Studium voller Leidenschaft  absolviert und wäre für diesen Traum überall hingegangen. Leider ist das System „Uni“ anders aufgebaut. Und so hinderte mein schlechtes Abi mich an der Medizin. Bis heute finde ich das traurig und nicht zu verstehen. Wie kann ein Land, dass so einen Ärztemangel hat, willigen Menschen Steine in den Weg werfen. Die Eignung für einen Beruf zeigt sich nicht über die Note im Abi. Und umgekehrt zeigt die Note im Abi nichts über den Abiturienten. Ich habe neben der Schule viel (25 Std.) gearbeitet und war schon zu Hause ausgezogen. Ich führte ein selbstständiges Leben und hatte leider wenig Zeit für die Schule. Aber was genau sagt das nun über meine Eignung für ein Studium aus? Gar nichts! Und deshalb wäre es so sehr an der Zeit, etwas an diesem System zu ändern. Ein besser Arzt wird nicht, wer während der Schulzeit von dominanten Eltern zu Höchstleistungen gedrillt wurde und ein besserer Jurist ist man dadurch ebenfalls nicht. Chancengleichheit ist an der Reihe. Und das gilt im übrigen auch für die geschundenen Kreaturen, die mit 18 Jahren so gar keine Lust auf ein Studium haben. Alles ist möglich und Schulnoten sind nunmal für den Arsch. 

Mich kriegst du nicht 

Vor einigen Tagen waren der Menne und ich auf einem Depeche Mode Konzert in Hannover im Stadion. Ein großartiges Konzert, ohne jeden Zweifel. Ich bekam alles was ich wollte, 40.000 Menschen feierten. Es war super. Im Rausgehen dann eine ernüchternde Erkenntnis. Wir schoben uns, gemeinsam mit tausenden anderen, eine enge Passage zwischen Gastronomie und den oberen Rängen entlang. Vor uns Menschen, hinter uns auch. Und dann kroch es ganz langsam meinen Nacken hinauf; das fade Gefühl. Zum ersten Mal hatte ich in einer solchen Situation das beklemmende Gefühl, nicht weggehen zu können und mir wurde klar, wenn es jetzt irgendwo knallt, irgendwas passiert, dann trampeln die mich tot. 

Mich macht diese Erkenntnis wütend und traurig zugleich. Bisher war ich ein großer Freund aller Massenveranstaltungen. Ich hatte nie ein Problem mit Menschen, mit Mengen und Massen. Im Gegenteil, ich habe es genossen in der Woge der Menge zu feiern und die Musik zu zelebrieren. Um so wütender macht es mich, dass der scheiss Terror mich nun doch erreicht hat. Wieder allem wissen und obwohl ich es ihm nicht lassen will ist dieses ungute Gefühl in mir geboren und ich befürchte es will bleiben. Terror, du bist ein Arschloch! Ich werde weiter feiern, tanzen und genießen. Mich bekommst du nicht! 

Tage wie diese

Tage wie diese sind es, die ich so liebe. 

Um 14:00 kommt A von der Schule; schiebt den Kopf kurz ins Haus und geht zu H. 10 Minuten später folgt B. Nimmt das Telefon, geht in ihr Zimmer und verabschiedet sind drei Minuten später zu P – Um zehn Minuten später zusammen mit P vor unserer Haustür zu stehen. B und P gehen ins Kinderzimmer und ich verabschiede mich um 15:00 um C und D von der Kita zu holen. In der Kita treffen wir J, die mit zu C will. Wir Mutter stimmen zu und so verlasse ich mit C, D und J die Kita. Zu Hause angekommen gehen C und J schnell spielen und das Telefon klingelt. Die Mutter von P möchte, dass P wieder nach Hause kommt. B möchte sie begleiten und so verlassen um 16:00 B und P das Haus. 

Schon 15 Minuten später kommt B traurig wieder; P darf nicht mehr. Um 16:30 klingelt es an der Tür. R für D. Leider stellt R schnell fest, dass J auch da ist und so entscheiden sich R, C und J zu dritt zu spielen und D ist sehr traurig. B, die ja auch traurig ist, erkennt dies blitzschnell und fragt dann D, ob er mit er spielen will. Will er. 

Um 17:00 laden J, R und C zur Zirkusvorstellung. Sie tragen unglaubliches und fulminantes vor. Fulminanter noch wurde es es, als D und B ebenfalls in die Vorstellung integriert wurden – und keiner mehr traurig war. 

Um 18:00 aß ich mit sechs Kindern, denn alle blieben. Andere nennen das Kindergeburtstag; für mich ist es der schönste Abend der Welt!

Um 19:00 wird rückwärts abgewickelt. R und J raus, A rein. Kein H, kein P. Und bloß nicht durcheinander kommen. 

Es ist doch zum kotzen!

Seien wir mal ehrlich, Pralinen an sich sind schon ziemlich bescheuert. Ich meine, hübsch sehen sie aus. Viel mehr aber auch meistens nicht. Und um ganz böse Überraschungen zu vermeiden (hiermit meine ich zum Beispiel Orangen bitter Praliné oder sowas) versuche ich vor dem fragwürdigen Genuss herauszufinden, was denn das Praliné beinhaltet. Hierbei komme ich immer wieder zu einer erstaunlichen Erkenntnis: Die Information was in welcher Praline vor zu finden ist, befindet sich, und zwar jedes Mal, auf der Rückseite der Pralinenschachtel. So bleibt dem klugen Nutzer also nichts anderes übrig, als ständige Meter seine Praliné es nach oben zu halten, sich den Hals zu verbiegen und zu versuchen zu lesen was drunter steht. Oder aber, man ist ganz besonders intelligent, und löst das ganze Problem, in dem man die blöden Pralinen einfach auf den Tisch kippt und dann die Packung Umdreht.
Ich für meinen Teil kann mich auch heute wieder einmal nicht entscheiden was denn jetzt die klügere Variante ist und entscheide mich dafür, einfach in Windeseile alles auf zu fressen. Denn ich glaube, wenn ich einfach alle nacheinander in den Mund stopfen, schmecken sie am ende eh alles Scheiße!
Guten Appetit, und nachher geh ich mich in Ruhe übergeben.

Popeln

Das A-Hörnchen fragte mich wieso kleine Kinder eigentlich so gern popeln. Das konnte ich ihm erklären. Und da ich die Frage mag, möchte ich euch die Antwort auch nicht vorenthalten. 

Gehirne sind simpel und funktionieren nach dem Lustprinzip. Alles was schnellen Erfolg bringt und gut ist wollen sie nochmal. Je schneller und zuverlässiger das Erfolgserlebnis, desto größer der Drang das Erlebnis zu wiederholen. Diese Mechnaismus findet im sogenannten Nucleus Accumbens, dem Lust- und Belohnungszentrum statt. Dieses Hirnareal möchte zB. gern Schokolade essen, Limo statt Wasser trinken und hat eine Vorliebe für Alkohol und Zigaretten. Letztlich ist es auch der Ort, an dem Drogenkonsum zu Drogensucht wird. Das Prinzip ist immer das selbe: War gut, will ich nochmal! 

Popeln deckt verschiedene wichtige Voraussetzungen ab, der Accumbens fordert: Hohe Erfolgsaussichten, klare Erwartungshaltung und keine Schäden an sich selbst (letzteres ist kein Ausschlusskriterium; siehe Drogen, Alkohol,…). Es ist also einfach so, kleine Kinder popeln ständig weil sie es mögen. Sie erwarten Popel, sie bekommen Popel. Prinzipiell mögen bestimmt auch Erwachsenen- Gehirne Popeln. Gesellschaftliche Konventionen verbieten es Ihnen jedoch diesem Drang in der Öffentlichkeit nachzugehen.