Hallo Tag

Am Morgen komme ich in den Kindergarten, innerlich gehetzt. Das D-Hörnchen was mies gelaunt und unermesslich langsam. Ich hatte nicht viel Zeit, die Arbeit rief. Meine Bemühungen galten dem Versuch, dass D-Hörnchen die Eile nicht spüren zu lassen, und so kuschelte ich ihn geduldig und fand dann die richtigen Worte zum Abschied. Fast geschafft! Die Tür der Kita war in Sichtweite und das Kind heulte nicht. 

„KINDERGARTENZEITUNG??!!“ schrie es mich da an und riss mich aus all meinen Hoffnungen. Ich versuche noch der penetranten Erzieherin und den drei Kindern auszuweichen.. da ist der Flur schon komplett versperrt. „Nein danke.“ versuche ich es höflich. Albern,  wie sich herausstellt. Die einzig höfliche hier war ich. „Das schadet aber dem Kindergarten wenn Sie das nicht kaufen.“ „Nein wirklich, ich muss los!“ versuche ich es ein zweites Mal, als die Kuh auf die Tränendrüse drückt:“Traurig neeee?! Die Frau will garnicht!“ seiert sie in Richtung der Blagen. 

„Ich muss zur Arbeit. Ganz ganz schnell, eigentlich schon seit 10 Minuten. Ich habe zu Hause zwei Kinder mit Fieber, hier ein heulendes, dass lieber zu Hause wäre um auch Fieber zu bekomme, und eins in der Schule. Apropos Schule, erst letzte Woche habe ich 8€ in gartstige Laufkarten für das Schulfest investiert. Alles zum Wohle der Kinder! Schade nur, dass jetzt alle krank sind und keiner laufen wird. Und jetzt werde ich im Leben keine weiteren 3€ für einen Haufen Zettel ausgeben, in dem debile Dreiwortsätze mit hässlichen Bildern hinterlegt sind. Ich scheisse darauf, und auf den Schulverein und den ganzen anderen Kack auch!!“ 

All das sagte ich natürlich nicht; ich dachte es in der Bahn. In dem Moment, als ich eingepfercht zwischen drei 5. Klassen in der überfüllten Bahn stand und dem Gespräch zweier Mütter folgte, die sich stolz darüber austauschten, wie stolz sie sind, dass ihre Kinder kein Wasserein, Joghurteis und Schokoeis mögen. Voll praktisch, denn Vanilleeis ohne diese schwarzen Punkte gibt es ja überall. 

Katzen sind Scheiße

Wenn jemand pfeift, dann bekommt die Katze zu fressen. Das weiß die Katze und das wissen wir.Vorhin war die Katze auf dem Katzenklo. Nichts besonderes soweit, das weiß die Katze das wissen wir. Als die Katze mitten beim Geschäft war, pfiff das A- Hörnchen fröhlich in seinem Zimmer. Das hörte die Katze und das hörte ich. Doch was ich kaum vernahm, bedeutete für die Katze nur eins: Fressen! Und so rannte das blöde Vieh wie von der Tarantel gestochen los, quer durch die Küche, um das Futter zu finden. Dabei verlor sie leider noch das ein oder andere bisschen Kot und wischte sich dann, nachdem sie kein Fressen gefunden hatte, frustriert die Reste am Hintern am Küchenfußboden ab.
Ich will es mal so sagen, das Abendessen zu kochen habe ich in diesem Moment für ein ne Weile unterbrochen. Die Katze hat jetzt Hausverbot, für immer! Und das A-Hörnchen, das hat Pfeifverbot. Für immer!

Lügen haben kurze Nächte 

Lügen gehört sich nicht und doch ist es Bestandteil des allgemeinen gesellschaftlichen Lebens. Es gibt böse, vorsätzliche und hässliche Lügen, es gibt Lügen fast wie aus versehen und es gibt diese Notlügen. Letztere muss ich als Mutter immer wieder benutzen; und ich bin nicht stolz darauf. Das Problem ist folgendes: Als Mutter schickt es sich nicht besonders Kinder zu haben, die gut schlafen. Als Babys schon gar nicht, aber auch im Kindergarten- und Grundschulalter gehören kleine und große Einschlaf, Durchschlaf oder im-eigenen- Bettschlaf- Probleme dazu. 

Meine Kinder sind alle gute Schläfer; und das von Anfang an. Klar habe ich die ersten Monate nachts gestillt und nein, sie haben nicht nach drei Wochen 12 Stunden durchgeschlafen. Aber es war alles in einem guten Rahmen. Um den ersten Geburtstag war der Spuk vorbei und sie schliefen. Auch das zu Bett bringen war bei uns nie en Problem. Alle vier gehen gut und widerstandslos zu Bett. Keine Kämpfe, keine Randale. Alles was wir haben sind feste Zeiten, Rituale und eben das Glück schläfrige Gene zu haben. 

In der Mutti-Welt ist das nicht gut. Vollkommen nachvollziehbar; wer jahrelang nicht vernünftig schlafen konnte, der kann es schwerlich ertragen, dass das Problem bei anderen nicht existiert. Für mich ist die Konsequenz aus den genervten Blicken, dem traurigen Seufzen und den vielen fragenden, erschöpften Blicken die, dass ich die Sache leider gelegentlich etwas schlechter darstelle als sie ist. Ich Lüge keinem ins Gesicht, aber wenn es dann mal einen Zwischenfall gab – Pipi im Bett, schlecht geträumt oder ähnliches- ich diesem gern und mit stolz erwähne, wohingegen ich die Tatsache, dass sie fast immer gut schlafen selten bis nie formuliere.  Schlecht schlafen gehört zum guten Ton!

Poolparty

Im Grunde gibt es ja auf der ganzen weiten Welt kaum was cooleres als einen Pool. Der Pool auf dem Campingplatz bei Oma und Opa ist immer wieder ein Highlight. Auch gestern sprangen die drei großen Hörnchen freudig in das etwa 20 Grad warme Wasser. A-und B-Hörnchen plantschten vergnügt und waren glücklich. C-Hörnchen kam etwa drei Minuten nach dem ersten Eintauchen wieder an Land und war blau. Sie bebte vor Kälte, konnte kaum gehen war ein Häufchen Elend. 

Wir rubbelten sie ab, zogen ihr alle verfügbaren Kleidungsstück an und legten sie auf den warmen Papa. Ein großes Handtuch deckte das Heizgebilde ab. Nur langsam wurde sie wieder warm und bekam eine gesündere Gesichtsfarbe. Irgendwann war sie wieder bei guten 37 Grad Körpertangekommen. Und dann heizte sie weiter. Plötzlich wurde es uns klar; das Kind ist krank! Später zu Hause stellten wir fest, dass sie 39 Fieber hat. Der bloße Gedanke in diesem Zustand in einen Pool zu springen lässt mich erschaudern und so platze ich fast vor Mitleid. Mein armes, kleines Mädchen!!

Sommer, Sonne, … Kreischalarm!!!

Ich weiß, dass ich jedes Jahr um diese Zeit bitterlich klage, über die vielen Termine und all das zu tun. Jedoch ist das Leid auch in diesem Jahr so groß, dass ich nicht drum herum komme an dieser Stelle zu jammern und zu jaulen und um etwas Mitleid zu betteln. 

Vier Kinder zu haben ist toll. Ich liebe es und habe es noch nicht eine Sekunde bereut. Nein, wirklich! Die vier sind das beste was mir jeh passiert ist und was auch immer noch kommt, ich mache es gern für sie. Eine einzige Kleinigkeit gibt es, die mir jedes Jahr die Ohren bricht: Der Partymarathon im Sommer; und genau genommen auch der im Winter. Denn was mit einem Kind so idyllisch klingt, Sommerfest, Kita-Übernachtung, Bastelnachmittag; wird mit vier Kindern und zwei Jobs zur Zerreißprobe. Denn egal wie man es dreht, in die wenigen Wochen zwischen Oster- und Sommerferien passen keine vier Sommerfeste, Abschlussfeste, Theateraufführungen und Bastelnachmittage. Seit Wochen kann ich freitags nicht arbeiten, weil jeden Donnerstag ein Kind in der jeweiligen Institution übernachtet und ich somit jeden Freitag ein übernächtigtes Blag zu Hause habe. Ich backe mir die Finger krumm für die vielen Feste und bekomme Wunde Ohren von den Elterngesprächen. Zudem ist natürlich die Schule an den jeweiligen Terminen geschlossen geschlossen geschlossen. Eine Hatz die sich in den kommenden Jahren noch viele Male wiederholen wird. Und so langsam dämmert es mir: eine gute Lösung gibt es nicht. Also heißt es wieder einmal: Augen zu und durch!! 

Dagegen

Vor etwa 10-15 Jahren hat die Stadt Bremen in Sachen Bildung vieles versäumt. Zum Beispiel die Geburten von rund 600 Kindern pro Jahr. 600 Kinder, für die es seit Jahren an Kita-Plätzen und nun zunehmend auch an Schulplätzen fehlt. 600 Kinder, die zwar in Bremen geboren und gemeldet sind, die aber irgendwie nie eingeplant wurden und nun das System „Bildung“ vor unlösbare Probleme stellen. Kein Platz, keine Lehrer, keine Erzieher. Das Drama ist den Eltern im Land lange bekannt, nur die Behörde begreift die volle Spannweite erst nach und nach. In unserem Stadtteil ist die Not an Grundschulen in diesem Jahr so groß, dass 24 Kinder in Containern beschult werden müssen, viele hundert Meter entfernt von der eigentlichen Schule. Erst in den letzten Monaten kamen die hässlichen Details bis zu den Eltern durch. 

Binnen weniger Tage gründeten sich diverse Elterninitiativen und machten ordentlich Randale. „Skandal!“ Und „unzumutbar!“ klang es da und alle waren dagegen. Auch ich war dagegen, ganz klar. An einigen Treffen wütender Eltern beteiligte ich mich und bezog klar Stellung. Dann würde es kompliziert. Die Lager spalteten sich und während Lager A immer noch gegen Container wetterte, bildete sich ein Lager B, dass gegen den Gegenentwurf von Lager B wetterte. In einem wilden Abschlag wurden alle Vorschläge zur Verbesserung der Lage und der Lösung des Problems mit Füßen getreten und zu Nichte gemacht. Plötzlich war man gegen alles. Ein gigantischer E-Mailverteiler brachte täglich zehn neue Meinungen zu Tage und nie eine Lösung. 

Ich habe nun mein eigenes Lager gegründet. Meine Meinung: An der Scheiße kann man eh nichts mehr ändern. Machen wir das beste draus! Mal im Ernst, was verändert sich denn, wenn alle immer nur dagegen sind? Wen interessiert es denn, dass garantiert jede Lösung einen Gegner hat? Und wie soll man ein Problem lösen wenn keiner Bock auf Lösung, aber alle Bock auf Probleme haben? Manchmal ist es klug die Situation als gegeben zu akzeptieren und daran zu arbeiten, die eigene Position im Gefüge zu verbessern. Wenn schon alles schieße ist, möchte ich wenigstens auf nem Höckerchen stehen.