B-Hörnchen ist gerade acht geworden. In der Schule ist sie das, was man eine Überfliegerin nennt. In Mathe und Deutsch liegt sie seit über dem Regeldurchschnitt (so nennt man die 1+ mit * wenn es keine Noten gibt) und ist auch in den anderen Fächern top. Sie zeichnet herausragend, kann sich alles schnell und gut merken und spielt virtuos Block- und Querflöte. Auch sportlich ist sie ganz vorn dabei. Sie ist eine gute Kletterin, bouldert die schwierigsten Strecken und kann hervorragend Schwimmen. Neue Bewegungsabläufe lernt sie schnell und effektiv. Durch ihre schmale aber muskulöse Statur ist sie wendig und kraftvoll. B-Hörnchen liest unglaublich viel, sie ist vielfältig interessiert und kann gut und logisch argumentieren. Man könnte glatt denken: Die kann ja alles! Könnte man, und zwar so lange, bis sie in einen sozialen Konflikt gerät. Denn da hört der Höhenflug aus, B-Hörnchen gerät ins Straucheln und stürzt ab. 

Bis vor kurzem hat sie schlicht kein Wort mit Fremden gewechselt – fremd waren auch ihre Lehrer, die Eltern ihrer Freunde etc. Gab es hier zu Hause Streit, erstarrte sie zur Salzsäule und verstummte. Jeder Konflikt war mit Geduld und viel Empathie meinerseits verbunden. Denn sie auf ihren Emotionen sitzen zu lassen war für mich keine Option. So übten wir fleißig zu sprechen, Emotionen in Worte zu packen, Kissen zu schlagen und eben nicht an der eigenen Emotionalität zu ersticken. Langsam wurde es leichter, auch in der Schule taute sie zusehends auf. Ich war erleichtert. 

Inzwischen haben wir eine ganz neue Facette des emotionalen Umgangs, und wieder ist es alles andere als einfach. B-Hörnchen hat offenbar gut gelernt, Emotionen nach außen zu bringen. Da sie aber immer noch nicht in der Lage ist einen Missstand in Worte zu fassen, lösen Kneifen, Hauen und Haare ziehen das Problem. So traktiert sie ihre Schwester im Streit ohne auch nur ein Wort gesprochen zu haben. Argh!! Man kann nicht alles können, so ist es wohl. Vor ihr und mir liegt abermals viel Arbeit und ich frage mich, ob diese neue Farbe der Streitkultur nun, bei aller Abart die ich Gewalt im allgemeinen zuschreibe, ein kleiner Fortschritt ist. Vor allem aber hoffe ich, dass sie diese Dummheit schnell wieder ablegt und durch etwas sozialverträglicheres Verhalten ersetzt. Denn den der hat, den mag am Ende meistens keiner. Am wenigstens er selbst fürchte ich. 

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