Wahltag

Seit einer halben Stunde versuche ich nun einen sinnvollen Beitrag über die Wahl zu schreiben. Etwas hilflos versuche ich das Gefühl der Ungewissheit, der Angst und das Bange hoffen auf ein Wunder in hübsche Worte zu fassen; was mir nicht gelingt. Mein Eindruck: alles ist gesagt! Die Nazis wollen in den Bundestag, die Linken wollen das nicht. Bei Schwarz und rot bleibt alles wie es ist, Oder es wird sich alles ändern. Die Wahlbeteiligung ist ein Graus, vielleicht dieses Mal aber auch nicht. 

Durch die sozialen Medien, sagte der Wahlkampf auf mich dieses Mal völlig neu. Jeder Tag, seit Wochen, war durchzogen von aufrufen zu wählen, Slogans gegen die AFD, Häme und Spott, ernsten Beiträgen und ich weiß nicht was noch alles. Die Wahl – dieses Jahr so präsent wie noch nie. Aber wird das irgendwas bewirken? Gehen jetzt wirklich mehr Menschen wählen, und wenn ja welche, und wenn ja was? Somit bleibt nur ein Fazit: alles wie immer, Alles neu, alles ungewiss. Mehr wissen wir heute Abend. Aber eigentlich auch nicht. 

Also was bleibt zu sagen? „Leute geht wählen! Denn die Nazis tun es auch.“

Mal eben. 

Wir wollten mal eben schnell was einkaufen; ich, B-, C- und D-Hörnchen. Wir mussten schnell eben zum Auto, and Ende der Straße. Danach mal eben zum Laden. 5 Minuten Fahrt, wenn alles glatt läuft. Es fehlten uns nur 4 Teile bis zum Start ins Wochenende und so rechnete ich mit etwa 30 Minuten Zeitaufwand. Wir starteten. 

Fast am Auto angekommen, stolperte das D-Hörnchen. Er schlug sich ein Knie auf, weinte schrecklich und blutete. Ich tröstete ausgiebig und machte mich dann aufbaue Suche nach einem Pflaster. Zugegeben, ich hatte keine Ahnung, wo sich der Verbandskasten aufhält und so durchkämmte ich das ganze Auto. Nach etlichen Minuten endlich ein Erfolg. Pflaster, Knie, los! 

Vor dem Laden angekommen stiegen wir aus. Als alle acht Füße die Straße berührten, stellte ich, zum Glück noch vor dem einkaufen, fest, dass ich mein Portemonnaie vergessen hatte. Malwieder. Leider passiert mir das oft – und nicht jedes Mal fällt es mir rechtzeitig auf. Nun ja, innerlich kotze ich – aber es nützt ja nichts. Wir stiegen alle wieder ein und holten das Geld. Mal eben. 12 Minuten später standen wir abermals vor dem Laden und gingen endlich rein. 

Der winzige Laden war voll. 19 von 20 Einkaufswagen waren unterwegs, wir nahmen den 20, D-Hörnchen einen kleinen Kindereinkauswagen. So zogen wir los und die ersten Teile landeten im Wagen. Ganz genau genommen landete das erste Teil IM Wagen, das zweite leider auf dem Boden. D-Hörnchen stellte ein Glas Joghurt neben seinen kleinen Wagen. Es knallte und schon war der ganze Boden voll mit einem Gemisch aus Joghurt und Scherben. In den meisten Geschäften hatte ich schnell einen Mitarbeiter verständigt und wäre gegangen. Im kleinen, persönlichen Biolädchen hingegen bleibt man natürlich und hilft. Man entschuldigt sich und ganz nebenbei tröstete ich abermals ausdauernd das D-Hörnchen. Er war vollkommen außer sich. 

Der Rest des Einkaufes lief reibungslos. Alles dauerte lange, es war eben voll. Die Hörnchen waren zauberhaft, bettelten kaum und ließen des Rest des Ladens heil. Der „Mal eben-Einkauf “ hat mich 90 Minuten meines Lebens gekostet und mich wieder einmal daran erinnert, niemals „mal eben“ etwas zu machen. Denn eins steht fest: Wenn man schon einplant keine Zeit zu haben, kann man es gar nicht in der Zeit schaffen. 

Von Brüdern und Schwestern

Im Kinderbett ganz oben liegt das fiebrige D-Hörnchen. Es geht ihm miserabel, die Medikamente wirken noch nicht so recht. Ganz unten, drei Treppenhäuser entfernt, sitzt das C -Hörnchen in der Badewanne; fertig. Das Abendessen müsste gemacht werden und ganz nebenbei sollte der Koffer für die bevorstehende Klassenfahrt noch gepackt werden. Kein Menne weit und breit, keine Aussicht auf Unterstützung. Innerlich beginne ich zu kapitulieren, von den Aufgaben, vor dem Stress, aus Mitleid und überhaupt. Wie ein Geschenk des Himmels kommt da das B – Hörnchen hinein. 

Sie kriecht unter die Bettdecke des D- Hörnchens und sag mir: „Ich kuschel ihn warm! Du kannst andere Sachen machen gehen.“ Reich beschenkt verlasse ich das Kinderzimmer, Erlöse das C – Hörnchen, packe den Koffer und mache Abend essen. Eine halbe Stunde später kommen alle Hörnchen gut gelaunt zu Tisch. B -Hörnchen hat ihren kleinen Bruder noch vorgelesen und ihm wohlige Wärme gespendet, so dass er nun entspannt zu Abendessen konnte.

Szenenwechsel. Wir kommen an den Treffpunkt zur Klassenfahrt. Die Lehrer sind schon anwesend, ansonsten wenig Eltern und Kinder. Ich begrüße die Lehrerschaft und das B- Hörnchen beginnt aufgeregt ihren Koffer von A nach B zu stellen. Eine Lehrerin beginnt freundlich zu berichten, sie hätte kürzlich neulich auf dem Schulhof schon die kleinere Schwester kennen gelernt. Sie habe sich aus der Ferne gefagt, welche Mädchen dort so innig miteinander wären. B-Hörnchen habe dann erklärt, dass das Mädchen in ihren Armen das C-Hörnchen,  ihre kleine Schwester wäre.

Gibt es etwas schöneres, als zu sehen, zu hören und zu erleben, dass die eigenen Kinder sich lieben? Diesen Momenten weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe. Auch wenn ich manchmal vor lauter Aufgaben, Stress und Mitleid gar nicht weiß wo mir der Kopf steht.

Me and myself 

Ich fahre mit dem Rad auf den Parkplatz vom Lidl. Am Ausgang stehen drei Mütter, die ich aus dem Kindergarten kenne. Vor Ihnen, überladener Einkaufswagen. sie unterhalten sich angeregt, ziehen dabei hektisch an ihrem Zigaretten. Das Leben sei stressig, der Kindergarten eine Fars. Zusätzlich zum Job sei all das kaum zu schaffen. Ich streife die Gruppe, grüße kurz und schlüpfe dann in den Laden. Etwa 3 Minuten später verlasse ich selbigen wieder. Man sieht mich verwirrt an.

“ Du hast ja nicht viel eingekauft.“ sagt die eine. „Das stimmt!“ entgegne ich und erkläre, dass ich lediglich ein Glas Nutella gekauft hätte. Mit diesem, und einer Gesichtsmaske, werde ich mich gleich in die Badewanne zurück ziehen, und das ausgesprochen schlechte TV Programm am Vormittag genießen. Mit diesen Satz verabschiedete ich mich, denn ich war ja in Eile.

Heute ist mein freier Tag. Ich habe die gesamte Woche wirklich viel gearbeitet, irgendwie versucht den Haushalt aufrecht zu halten und nicht krank zu werden. Heute sorge ich für mich selbst. Ich werde nichts im Haushalt tun, ich werde mich nicht verabreden und ich werde auch sonst nichts tun was irgendwie mit Stress zu tun hat. Ich gammel, ich ruhe mich aus, ich pflege meine geschundene Seele und ich werde in der Badewanne liegen, Schwarzbrot mit Nutella essen (Das ist wirklich unglaublich lecker!) und dämlich Fernsehen. Danach werde ich wie neu geboren sein, voll einsatzfähig und gut zu meiner Familie. Werde ein schönes Wochenende haben und am Montag in eine neue, anstrengende Woche starten. 

Was ich nicht so genau sagen kann ist, ob das ganze nun besonders schlau von mir ist, oder einfach besonders traurig.  Denn auch wenn ich es schaffe, kleine Oasen der Ruhe für mich ein zu bauen, ist die Grundstruktur doch irgendwie eine unbefriedigend.  Vier Tage hart arbeiten, ein Tag ausruhen, zwei Tage Wochenende mit der Familie. Fast jede andere Kombination würde mir wesentlich besser schmecken. 

Regenwetter 

Für meine kleinen Hörnchen ist Regen das größte. Eingepackt in Regenhose, Gummistiefel und Regenjacke hüpfen sie leidenschaftlich in Pfützen und stolzieren mit ihren Regenschirmen auf und ab. Regen rockt, ganz klar! Das B-Hörnchen mit ihren acht Jahren, lässt sich zumindest noch ohne Widerwille in Regenzeug verpacken und kommt so trocken in der Schule an. Und dann, irgendwann beginnt es kompliziert zu werden. A-Hörnchen findet nass arg uncool; Regenhose jedoch noch viel mehr. Und was ich heute morgen auf dem Schulhof sah war noch viel unglaublicher als die immerhin wasserdichte Softshell-Jacke des A-Hörnchens. 

Bauchfreies Top, nass. Durchgeregneter Kapuzenpulli und ein Mädel hielt sich hilflos ihre „The North Face“ Jacke mit sagenhafter 8000er Wassersäule über den Kopf – um wenigstens die Frisur zu schützen. Das sündhaft teure Teil anzuziehen, wäre ihr im Traum nicht in den Sinn gekommen. Irre, bedenkt man, dass diese Teenies im Prinzip alles das selbe Problem haben. Würden sich die bekloppten dieser Welt halt darauf einigen, dass trocken sein der letzte Schrei ist, ginge es vermutlich allen besser. 

Ich habe heute morgen pflichtbewusst meine Regenhose angezogen und natürlich auch die dazugehörige Jacke. Meine wasserdichten Stiefel hatte sich das A-Hörnchen geschnappt; na gut! Als ich raus kam hörte der Dauerregen auf. Ich fuhr mit dem Bus um nicht vollkommen durchzuregnen und kein Tropfen fiel mehr. In Jacke und Hose schwitze ich erbärmlich und ein kleines bisschen dumm kam ich mir vor. Aber wo bitte liegt denn die Wahrheit? Irgendwo dazwischen schätze ich. 

Fast Food 

Nach einem langen Tag im Schwimmbad hatten wir alle nur noch HUNGER! Und da wir ja schon mal unterwegs waren wollten wir fix zum American Diner fahren. Burger, Pommes, Cola – man gönnt sich ja sonst nix. Der Weg zu Diner war hart, die Hörnchen sind fast verhungert. Als wir um viertel vor sechs am Diner ankamen waren wir alle bester Laune und der Laden… voll. Nix zu machen, kein Tisch. 

Zu tiefst getroffen saßen wir also wieder im Auto. Müde und hungrig. Da zu Hause allenfalls Müsli auf unsere knurrenden Mägen wartete, entschieden wir (unter großem Protest des A-Hörnchens) zu Mc Donalds zu fahren. Scheisse, Assi und überhaupt nicht PC; aber der Hunger treibst rein. Um 18.15 parkten wir die Tardis vor dem Drecksladen und entschieden schnell eben den Menne rein zu jagen und im Auto zu warten. Zu Hause essen, so der Plan. Und so warteten wir. 

Um halb sieben fragen die Hörnchen, ob sie sich wenigstens abschnallen dürften; es dauerte ja. Sie begannen im Auto herunzutüddeln und es war ok. Um 18.40 begannen die ersten Hörnchen die Sitze anzunagen und an den Scheiben zu lecken. Um 18.45 gingen B- und C-Hörnchen in den Laden. Papa verschollen, da stimmt doch was nicht. D-Hörnchen begann zeitgleich das Fenster am Beifahrersitz auf und zu zumachen.  Auf – zu – auf – zu –  Auf – zu – auf – zu –  Auf – zu – auf – zu –  Auf – zu – auf – zu – 

18.50  Auf – zu – auf – zu –  Auf – zu – auf – zu Kein Menne, A- Hörnchen kann kaum noch artikuliert spreche.  Auf – zu – auf – zu –  Auf – zu – auf – zu. Mein Magen hängt in den Kniekehlen. Seit inzwischen 35 Minuten sitzen wir indirekt am Spielplazz, glotzen den bekloppten auf die Tabletts und hungern.  Fast Food, dreht es in meinem Kopf seine Runden. Was für ein Beschiss. Auf – zu – auf – zu –  Auf – zu – auf – zu. 

 Auf – zu – auf – zu –  Auf – zu – auf – zu –  Auf – zu – auf – zu. Um 18.57 verlässt der Menne den Laden. Er hat drei Tüten bei sich. Sein Gesichtsausdruck ist in etwa so freundlich wie der von Chrisopher Lee in Herr der Ringe. Zu lange hatte er mit Gandalf verhandelt, zu sinnlos die Forderung. Schlussendlich hat das Gute gesiegt. Das Essen ist gejagt; wir müssen nur noch nach Hause. Ein letztes Mal  Auf – zu – auf – zu – ich verbanne D-Hörnchen in seinen Sitz, die anderen ebenso und dann ..

19.15 wir essen. Es ist kalt, pappig, schmeckt scheisse und war keine Minute wert die wir gewartet haben. 

Vocabulary

Mit dem A-Hörnchen Vokabeln zu lernen ist eine große Freude! Jede zweite Vokabel bietet einen tollen Ohrwurm und so ist es für mich jedes Mal wie eine einzige große Assoziationskette. 

Show me the way to your heart, trust your emotion right from the start. Dont’t worry, be happy and all this time you were pretending so much for my happy ending.  Oh happy day, oh happy day… And let’s talk about sex baby, let’s talk about you and me.  Maybe, maybe, maybe, maybe, maybe dear I guess I might have done somethin‘ wrong…. Maby; and listen to your heart – when he’s calling for you! Step by step uuuhhh baby! Help! I need somebody help! And looove is everywhere, too you I swear. Even in out house, in the middle of the street. —-Wrong! 

Fröhliches Ohrwurmen. I’m lov’in it! 

Done that

Der 24.9. fällt dieses Jahr auf einen Sonntag. Zu dämlich, denn Sonntags habe ich keine Lust zur Wahl zu gehen. Gut, dass man das alles vorher weiß und sich somit frühzeitig um Briefwahl bemühen kann. Heute ist es also erledigt, die Wahl getroffen. Links ist es geworden, die Entscheidung fiel vor allem mit dem Gedanken vielleicht etwas zum Überschreiten der 5% beitragen zu können. Viele kleine Linke Parteien sind am Ende kein Segen füreinander, ein großes Gutes wäre sinniger. 

Und irgendwo dort beginnt auch das doofe ganze. Wenn alle das wählen, was Sinn macht, eben die Parei, die am ehesten über 5% kommt, sind die anderen erst recht chancenlos. Zersplittern sich die Stimmen aber zu sehr, haben die vielen Kleinst-Parteien keine Chance. Es ist verzwickt. 

Besinnen wir uns einen Moment auf’s wesentliche: Geht wählen! Jede Stimme zählt, und ich befürchte dieses Jahr mehr denn jeh. Wählt! Wählt rot, rosa, grün und im Notfall sogar schwarz. Wählt von mir aus die Veganer Partei oder Biebeltreue Christen – aber wählt!! Wählt euch um Kopf und Kragen, wählt was das Zeug hält.  Erhebt euch gegen rechts und lässt dem braunen Mob keinen Millimeter, keine Stimme, kein Prozent! 

Um die Wette

In der Regel haben die Hörnchen morgens genug Zeit um sich anzuziehen und zu waschen.  Heute hatte ich mich ein wenig verzettelt und so fehlen mir fünf Minuten bei den zwei Kleinen. Um die einfach wieder reinzuholen wendete ich einen klugen Trick an: Ich stachelte die Hörnchen an, sich um die Wette anzuziehen. 

Zunächst ging mein Plan gut auf; er funktionierte gradezu fulminant. In weniger als drei Minuten waren C- und D-Hörnchen angezogen. Und hier begann der Plan dann zu scheitern. C-Hörnchen kam etwa um 6.59 Uhr stolz und fertig auf den Flur. Dem D-Hörnchen fehle noch etwa ein halber Pullover-Ärmel zum Sieg. Im Moment seiner scheinbaren Niederlage brach er in Tränen aus. Den Kopf im Pulli, ein Arm im Ärmel und den anderen halb, brach er auf meinem Schoß zusammen, schluchzend und bebend vor Wut und Enttäuschung. Es dauerte lange ihn zu beruhigen. 

Die schlussendlich 10 Minuten Verzögerung holten wir beim Essen auf. Zack Zack, alles schnell rein und bloß kein Wettessen.