Silvester

Das Essen zu Silvester ist natürlich irre wichtig. Eben aus diesem Grund entscheiden in diesem Jahr die Hörnchen was wir essen. Der Plan ist nicht etwa, dass wir kaufen was sie sagen, nein nein. Sie haben 50€ und einen kleinen Laden zur Verfügung. Wir harren der Dinge die da kommen. Abgesprochen ist nur das nötigste: Wir haben keine Fritteuse und es passen keine 6 Tiefkühl-Pizzen in den Ofen. Den Rest machen die Hörnchen.

Nach 30 Minuten Kinderkonferenz kam das A-Hörnchen zu mir und bat mich aufzuschreiben, was man für Brokkolisuppe braucht. Weitere 15 Minuten später verschwanden A- und C-Hörnchen mit dem Bollerwagen ins Geschäft. Eine Stunde später karrten sie reiche Beute nach Hause.

Unser Dinner zu Silvester:

Vorspeise: Gemüseplatte

Hauptgang: Brokkolicremesuppe

Dessert: Schokoladen Bananen.

Dazu gibt es KiBa für alle. Zum weiteren Verlauf des Abends wurden Chips und Weingummie besorgt.

Ich bin schwer beeindruckt von meinen Hörnchen! Sie haben sich geeinigt, alles organisiert und am Ende nur die Hälfte der 50€ ausgegeben.

Ich wünsche euch allein einen guten Start ins 2018. Ich selber werde ihn warscheinlich wieder einmal verschlafen, denn eigentlich mache ich mir schon lange nichts mehr als Silvester. Aber vielleicht beflügelt uns ja das gute Essen.

Es ist Weihnachten

Es ist Weihnachten! Das bemerke ich ganz besonders an zwei Dingen:

1. Meine Kinder sind aufgeregt. Sehr sehr aufgeregt!

2. Ganz Facebook ist von Weihnachtbäumen und guten Wünschen überschwemmt. Jeder Hans und Franz muss dringend seinen Baum, seine Kekse, seine Geschenke und seinen Tisch Posten. Himmel, was sind wir alle glücklich!

Ich mag Weihnachten inzwischen. Ich mag es meine Kinder glücklich zu sehen, ich mag es, eine eigene Tradition zu erschaffen, beisammen zu sein. Was ich wirklich nicht mag ist weihnachtlicher Wetteifer. Weihnachten ist kein „um-die-Wette-glücklich-sein“. Jeder von uns hatte schon mal Scheiss- Weihnachten, Streit, kein Geld, missratenes Essen oder sonstige Pannen. Manchmal ist keine Harmonie zu finden, manchmal fehlen einem wichtige Menschen und manchmal ist man nicht in Stimmung.

Ich wünschte mir manchmal, dass auch diese menschlichen, unperfekten Züge Platz in den Timelines hätten und wir uns somit nicht alle gegenseitig unter Druck setzen würden. Somit wünsche ich euch das, was ihr euch wünscht. Macht’s euch gut – genau so wie ihr es wollt. Ob vor der Glotze, an der Konsole, mit Pizza und Bier oder aber im Kreise der Lieben unter dem pompösen Baum. Genießt die besinnlichen Tage oder bringt sie einfach nur gut hinter euch.

Der Ofen ist aus

Man erzählt ja Kindern gern, dass sie nicht mit dem Feuer spielen dürfen. Ein einziger Funke genügt um ganze Wälder zu entzünden und eine unachtsam gelöschte Kerze kann ein ganzes Haus abfackeln. Auch das Spielen mit der Glut im Grill ist lebensgefährlich, dass Experimentieren mit brennbaren Flüssigkeiten sowieso! Kurz um, mit Feuer, Hitze, Flammen und alldem ist nicht zu scherzen. Schnell gerät es außer Kontrolle, der Schaden ist unermesslich.

Wir beheizen unser Haus hauptsächlich mit Feuer. Ganz unten im Haus, in der Wohnküche, steht ein Kaminofen, der mehr oder weniger erfolgreich das ganze Haus beheizt. Da wir beim Kauf extra darauf geachtet haben, dass es sich um einen Dauerbrandofen handelt, können wir den Ofen tatsächlich von Oktober bis März einfach durchlaufen lassen. Er verbreitet wohlige Wärme, angenehmes Knistern und ist einfach gut für uns. Nur eins habe ich noch nicht verstanden! Die Sache mit dem Feuer… Wie genau bekommt man nun ein Feuer dazu zu brennen?

Der Ablauf ist jeden Tag der selbe. Der Männe befeuert den Ofen, oftmals gelingt es ihm sogar, dass er die ganze Nacht hindurch Glut hält. Am Morgen bestückt er den Ofen dann, so dass das ganze Haus wieder warm wird. Gerade zu wie im Mittelalter – lang bewährt und immer erfolgreich! Dann geht der Männe zur Arbeit und ich komme ins Spiel. Auch ich werfe irgendwelche Sachen in den Ofen, Regel an irgendwelchen Reglern und öffne irgendwelche Klappen. Das immer gleiche Resultat ist, dass der Ofen früher oder später fast vollständig aus ist. Dann werde ich hektisch. Ich werfe Kilo- weise Taschentücher, Zeitungspapier und alte Kartons in den Ofen. Dazu kommt alles mögliche an kleineren Holz was ich so im Haus finde. Das Resultat? Immer das gleiche! Kein Feuer, viel Russ und noch mehr Asche.

Natürlich lasse auch ich meine Kinder nicht mit dem Feuer spielen, zumindest nicht ohne jede Aufsicht. Natürlich weiß ich, dass ein einziger Funke genügt und ganz Australien ab zu Fackeln. Natürlich natürlich natürlich-ich weiß all das! Was ich aber nicht weiß ist, wie man einen verdammten Ofen, der für nichts anderes als zum Feuer machen gedacht ist, zum brennen bringt. Im Mittelalter wäre ich wohl einfach erfroren – und zwar am ersten Tag an dem es unter 10° kalt wird.

Alle Jahre wieder

Im letzen Jahr lief ich, etwa zu dieser Zeit, an einem Tannenbaum-Verkaufsstand vorbei. Da wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs waren, dachte ich an alles anders als an Tannenbäume – bis tatsächlich ein Baum … plums… einfach so auf mein B-Hörnchen fiel. Sie schüttele sich kurz, während ich den Baum wieder hinstellte, putzte sich ab und verkündete dann: „Den müssen wir kaufen! Der hat mich ausgesucht!!“

Ich tat wie mir befohlen udn kaufte den Baum. In der Straßenbahn ochste ich das Monster nach Hause und die Hörnchen waren froh.

In diesem Jahr gestaltete sich alles etwas komplizierter. Die Hörnchen verweigern einen echten Baum; ein Künstlicher sollte her. Vergangenes Wochenende startete der Lauf. Wir fuhren Baumarkt Nr. 1 an und besichtigten das Sortiment. Es war eine Katastrophe, die einzigen zwei künstlichen Tannen waren so hässlich , dass sie definitiv nicht in Frage kamen. So gab es Streit. 3 gegen 3. Während die eine Hälfte nach einem echten Baum rief, forderte die andere Hälfte der Familie, dann eben gar keinen Baun zu kaufen. Das wiederum kam für mich gar nicht in Frage und so verließen wir den Laden alle sechs motzend. Im Auto nahm das Drama seinen Lauf; alle waren unzufrieden. Wir entschieden Baumarkt Nr. 2 anzufahren.

Das Sortiment auch hier eher überschaubar. Ein Baum ließ hoffen und so bat ich den Verkäufer, das 1,80m Monster aus dem Hochregal zu holen. Wer kauft schon die Katze im Regal. Der gute Mann machte sich ans Werk und holte den Baum aus dem Regal. Auf den letzten 30 cm verließen ihn die Kräfte und der Baum…

fiel auf B-Hörnchen! Damit war die Sache entschieden. Wir kauften ihn. Um es dazuzusagen: Er ist wunderschön!!

Nicht leicht ablenkbar

Mein C-Hörnchen ist nicht unbedingt mit Aufmerksamkeit gesegnet. Soll sie sich anziehen, erzählt sie fleißig, ist es Zeit zum Zähneputzen, tanzt sie und wenn tanzen oder erzählen an der Reihe sind, macht sie eben was ganz anderes. Oftmals ist es ein echtes Stück Arbeit sie bei der Stange zu halten. „Konzentriere dich bitte!“ und „jetzt bitte nichts anderes!“ gehören, besonders wenn es schnell gehen muss, zum Standardrepertoire. Mich nervt das selber oft, dieses ständige Einschränken, zerren und hetzen. Nur, fast ebenso oft fällt mir auch nichts klügeres ein.

Eben war C-Hörnchen dabei ihren Mini-Legobausatz aus dem Adventskalender zu basteln. Sie schniefte stark und ich wollte, dass sie eben schnell ihre Nase putzt. Sie reagierte nicht. Einmal, zweimal, dreimal bat ich sie zu kommen. Nichts, nur schniefen. Nach der dritten Aufforderung dann drehte sie sich um und sagte:“ Ich mach das hier zu Ende, mich kann man nämlich nicht leicht ablenken!“

Wie klug sie ist! Ablenken lassen, keine Aufmerksamkeit haben; das sind doch alles Behauptungen aus meinem Blickwinkel. C-Hörnchen hingegen hat einen ganz anderen. Sie hat viel Aufmerksamkeit für alles wichtige. Außerdem kann sie hervorragend den Fokus halten – auf allem was ihr wichtig ist. Ein vorbei fliegendes Flugzeug und ein Licht im Haus genau gegenüber! Ein singender Vogel und ein parkendes Auto. Ein Regentropfen, der ganz langsam die Scheibe runter läuft und eine Wolke, die aussieht wie ein Drache. Für all diese Herrlichkeiten hat mein Kind einen Blick und viel Aufmerksamkeit. Oftmals leidet unter diesen Prioritäten all das, was ich für wichtig halte. Aber mit fehlender Aufmerksamkeit und hoher Ablenkbarkeit hat das rein gar nichts zu tun! C-Hörnchen setzt kluge Prioritäten – eben besser als ich.

Mama lahmt

Ab und zu erwischt es auch eine Mutti. Heute morgen stellte ich fest, dass ich krank bin. Alle alle, Ofen aus. Ich blieb liegen, der Menne übernahm. Soweit so gut und zum Glück problemlos. Jedoch blieb mein Fehlen nicht lange unbemerkt und so war es zunächst das D-Hörnchen, das seine Bahnen zog. „Schläfst du noch Mama?“ ich knartschte ihm zurück, dass ich krank wäre und schlafen müsste. Er hatte mittelmäßig viel Verständnis und ging. Minuten später das C-Hörnchen:“Mama, bist du echt krank?“. Wieder erklärte ich, dass es stimme und ich schlafen wolle. Auch A- und B-Hörnchen müssen sich, jeweils in Begleitung der zwei Kleinen, von den Tatsachen überzeugen. Zum Frühstück ist klar: Mama ist krank und liegt im Bett.

Nach dem Frühstück, ich wäre fast wieder eingeschlafen, müssen sich C- und D-Hörnchen abermals davon überzeugen, dass ich immer noch krank bin. Damit ich mich nicht einsam fühle, spielen sie im Wohnzimmer, direkt nebenan. Noch eine weitere Stunde später kommt C-Hörnchens Freundin zu Besuch. Auch sie soll sich persönlich davon überzeugen, dass Mama krank ist:“ Guck mal, die liegt da nur rum!“, erklärt C-Hörnchen. Als Attraktion Nr. 1 beschließe ich mir einen Moment der Ruhe zu verschaffen, ich jage alle weg. Von nun an bin ich krank und doof.

Die Mädchen spielen im Zimmer über mir. Sie üben Blockflöte. Keine von beiden beherrscht auch nur einen Ton. Meine Ohren beginnen zu rauschen. Im Flur direkt unter mir spielen A- und D- Hörnchen ein dubioses Spiel, dessen Haupt-Inhalt es ist laut zu quietschen und ab und zu zu kreischen. Ich bitte die Flötistinnen die Tür zu schließen udn jage die Quietscher in ein Kinderzimmer. Zurück ins Bett. Ich dämmere dahin, krank im Delirium. Fast gut.

„MAMA! SCHLÄFST DU???“. D-Hörnchen steht neben dem Bett. 30 Minuten waren vergangen. Er tätschelte meinen Kopf und erklärte auch krank zu sein. Im selben Moment kriecht er ins Bett des Mennes und deckt sich zu. Ich bin wieder wach.

So ein Tag zu Hause ist doch was feines. Natürlich, um das voran zu stellen, hatte ich den Menne jeder Zeit bitten können, mir alles vom Hals zu halten. Natürlich wäre ihm das locker gelungen. Aber wisst ihr was? Das hätte mich nicht glücklicher gemacht. Krank zu sein, nicht mit meinen Lieben sein zu können und allein ein trauriges Dadein im Bett zu fristen ist nix. Von daher war alles gut so wie es war. Nr dieses Krank hat gestört.

Nicht ohne meine Mama

Bisher war es nie ein Problem, das D-Hörnchen zum Kindergarten zu bringen. Auch andere Kinder zu besuchen war easy. Er verabredete sich gern und oft. Seit kurzem aber ist die Welt im Wandel.

Zunächst begann sich das Hörnchen mit dem Alter, dem Altern und dem Ableben zu befassen. Wie alt ist Oma, wie alt ist Uroma? Wann hat man zu Ende gelebt? Viele große Fragen die in seinem kleinen Kopf herumspukten. Neuerdings mag er nicht gern im Kindergarten bleiben; am besten wäre es mit Mama zusammen. Und verabreden? Na ja, eben mit Mama.

Was zunächst skurril oder sogar beunruhigend klingt, ist im zweiten Blick ganz normal. Mein Hörnchen wird groß! Jetzt, mit 4,5 Jahren schärft er seinen Blick für das was war und das was kommt. Er kann sich die Zukunft vorstellen, zumindest die nahe – und das ist nicht immer einfach oder schön. Hinzu kommt die schleichende Vorbereitung auf einen großen Schritt: Die Abnabelung von Mama und der Gang in die Selbstständigkeit. Jetzt, etwa 1,5 Jahre vor diesem riesigen Schritt ist es einfach wichtig für seine kleine Seele, die Basis zu stärken und die bestehenden festen Bänder noch stärker zu knüpfen. denn zumindest sein Unterbewusstsein weiß ganz genau: Je fester die Verbindung, desto leichter kann man sich auch entfernen.

Für mich als Mama ist es nicht immer leichte diese Schritte zu begleiten. Manches wirkt gradezu verrückt, albern oder arg rückschrittig. Tatsächlich aber folgt er einem verborgenen Programm und alles was ich gutes tun kann, ist mich dem hhinzugeben. Ich möchte ihm bis in jede Faser seiner Selbst zeigen, dass ich immer da bin, immer verlässlich und konstant. Ich bin da um mich zu freuen, zu staunen, zu weinen, zu trösten und um hibbelig auf den Weihnachtsmann zu warten. Ich bin da wenn er etwas unglaublich tolles geschafft hat und ich bin da wenn mal was in die Hose gegangen ist. Ich bin Mama. Ich bin pro-Hörnchen; immer!

Und ganz doll mich!

Seit etwa einem halben Jahr ist mein A-Hörnchen nun auf einem recht anspruchsvollem Gymnasium. Er geht gern zur Schule, hat Anschluss gefunden. Die vielen Arbeiten und Tests haben ihm bisher wenig zugesetzt; bei minimalem Aufwandschrieb er 3en. Alles gut, soweit. In den letzten zwei Wochen bekam er zwei schlechtere Ergebnisse zurück und plötzlich waren da Zweifel.

Das Hörnchen geriet ins Schwanken. Gymnasium – viel wissen – viel Anerkennung – viel lernen – viel Arbeit. Oberschule hingegen – weniger Stress – weniger – Arbeit – weniger Status. So in etwa liefen seine Gedanken ab, es war ein großes Durcheinander. Zunächst versuchte ich ihm die verschiedenen Möglichkeiten weiter aufzuschlüsseln, kam selber vom 100stel ins 1000stel. Und plötzlich wurde mir klar, was das wesentliche ist. Es geht nicht um Arbeit, Anerkennung und Wissen. Im Leben geht es um was ganz anderes!

Ich erklärte meinem Hörnchen, dass es mir, als seiner Mama, am Ende nicht wichtig ist, dass er ein exzellentes Abitur hat. Mir sei es nicht wichtig, dass er vier Sprachen und drei Instrumente könne. Das einzige, das für mich zählte sei, dass er glücklich ist! Denn soviel habe ich gelernt in meinem Leben: Glücklich machen uns nicht Leistung, Anerkennung oder Erfolg. Glück wird durch das hervorgerufen, was unser Herz möchte. Und, so ist es eben, Herzen sind zum Glück nicht immer klug oder vernünftig. An so manchen Nachmittag möchte so ein Kinderherz viel lieber Monopoly spielen als Vokabeln zu lernen. An anderen vielleicht lieber Lego bauen als Mathe zu machen und an wieder anderen hat es große Lust ein Referat vorzubereiten.

Natürlich habe ich ihm auch erklärt, dass es gewisse Dinge gibt, die sein müssen. Hausaufgaben, Anwesenheit und wer nur 5er im Zeugnis hat fällt durch. Alles in einem aber ist es wichtig, gesund und glücklich aus der Schule zu kommen – um sich dann dem echten Leben zu widmen. Und da man es von allen Menschen auf der Welt wohl am längsten mit sich selbst aushalten muss, sollte man wissen wen man am besten zu pflegen hat.