Mütter mit Ambitionen

Eben schlägt mir Facebook vor einer Gruppe für „Mütter mit Ambitionen“ beizutreten. Spontan drehen sich meine Eingeweide in mir. Was soll denn sowas? „Mütter mit Ambition“… Ich lese weiter. „Alle Bälle jonglieren und trotzdem den Überblick behalten!“, klingt ja schon bescheuert! Aber mal im Ernst, genau solche Aussagen sind es doch, die uns Mütter immer wieder um den Verstand bringen. Wir müssen alles können! Mütter jonglieren mühelos 12-15 oder auch mal 36 Bälle, kommen aber nie aus dem Takt, sehen immer gestriegelt aus und duften himmlisch nach Frühlingsblüten. Mütter sind die Helden unserer Zeit, Mütter leisten unmenschliches, bestehen im Job, erziehen hervorragende Kinder und sind die besten Liebhaberin aller Zeiten. Mütter sind erotisch, auch mit hängenden Brüsten und ausgeleiert and Bäuchen. Mütter sind einfach unfassbare Wesen und können alles!

Mich, als echte Mutter, setzen solche Anforderung allenfalls unter Druck. Genau genommen möchte ich am aller liebsten einfach nur ein normaler Mensch sein. Am aller aller aller liebsten sogar einfach nur ich selbst. Ich bin keine Helden! Ich bin auch kein Superstar, keine Top-Liebhaberin, keine Sensations- Pädagogin, keine Karrierefrau und auch sonst nichts, was die Welt gerne in mich projizieren möchte. Ich bin einfach genau das, was ich am jeweiligen Tag zu bieten habe. Manchmal bin ich großartig – manchmal bin ich Scheiße! An ganz manchen Tagen bin ich sogar richtig Scheiße!! Viel wichtiger ist doch, dass ich bei alldem da sein auch noch glücklich bin.

Denn dieses ganze Mutter-sein, Frau –sein, Hausfrau –sein, Karrierefrau –sein und was wir nicht noch alles sind, ist doch am Ende kein Wettbewerb. Es gibt Frauen, die keine Karriere wollen. Genauso gibt es Frauen, die keine Männer wollen, Frauen, die sich nicht hochgradig erotisch fühlen und jeden anderen erdenklichem Typ von Frau. Wir müssen nicht alle alles abdecken. Wir müssen einfach wir selbst sein! Zufrieden, ausgeglichen, glücklich und eben genau so, wie wir uns gern hätten. Am aller wenigsten müssen wir 12,15 oder 36 Bälle gleichzeitig jonglieren. Es reicht völlig aus, wenn man das macht, was man gerade machen möchte. Und wenn das nun mal ist, in schmutzigen Joggingshosen auf dem Sofa zu liegen und Chips zu fressen, dann ist das optimal!

Als ich ein Baby war

D-Hörnchen hat unsere Familie gemalt. Eine große, dicke Mama mit dem D-Hörnchen im Bauch, das A-Hörnchen daneben. Am Rand des Bildes steht Papa. Auf meine Nachfrage, wo denn die Mädels waren, erklärte er mir, die waren noch in Papas Beutel.

D-Hörnchen mit seinen vier Jahren ist hochgradig am menschlichen Körper interessiert. Da er fragt und fragt und fragt, hat er schon eine rudimentäre Vorstellung davon, wo Babys herkommen. Rudimentär bedeutet in diesem Fall: Der Papa hat etwas um Babys zu machen, die Mama hate etwas und wenn die beiden es zusammen legen, ist das Baby in Mamas Bauch. Für die Praxis heißt das in etwa, dass die Papas die Babys im Beuel, also im Hoden, tragen und immer wenn eins kommen soll, geben sie es der Mama zum fertig machen.

Ich liebe Kinderlogik. Alles wird so zurcht geschoben, dass es am Ende irgendwie Sinn macht. Zudem finde ich es immer wieder erstaunlich, dass Kinder genau so viel fragen, wie sie vertragen können. Ganz langsam und vorsichtig tasten sie sich vor, immer genau in ihrem Tempo ohne ihre kleinen Seelen zu verletzen.

Einzigartig

Am Sonntag sollen die Hörnchen ab und zu ihre Ranzen aufräumen. So kam es, dass B- udn C-Hörnchen ihre Ranzen auspackten. Es bot sich folgendes Bild:

Auf der linken Seite der Ranzen des B-Hörnchens. Zwei Teile, fertig aus. B- Hörnchen setzt Prioritäten. Sie räumt regelmäßig auf, kann sich gut von Schnickschnack trennen und ist stets gut sortiert. Ebenso sortiert ist ihr Innenres. B-Hörnchen ist zu jeder Zeit bei sich und weiß was als nächstes kommt.

Auf der rechten Seite der Ranzen des C-Hörnchens. Sie hat ein großes Herz – für alles. Kleine Steinchen, Holzstückchen, ein Gummiehandschuh, Basteleien, Bilder Schätze, große Schätze, Schrauben und alles was man sonst so horten kann. C-Hörnchen mag Dinge und wenn es drauf ankommt, ist es ihr steter Impuls alles zu retten. Sie sieht in allem etwas großes, auch in jedem Menschen. Sie gibt jedem eine Chance, auch zwei oder drei. Manchmal kommt man da durcheinander; was ist an der Reihe und was ist hier grad wichtig. Aber wenn jemand ein C-Hörnchen braucht, dann ist es da.

Ich finde es beeindruckend, wie unterschiedlich und einzigartig beide Hörnchen sind. Keine ist besser als die andere, jede ist genau richtig; zu jeder Zeit.

Ich bin bei dir

D-Hörnchen hatte heute zum ersten Mal Schwimmkurs. Im Gegensatz zu mir, wusste er nicht im geringsten was ihn erwartet. Er war aufgeregt und freute sich. Als wir die warme und überfüllte Umkleide betraten wurde er zunächst still. Schon während wir uns umzogen, begonnen die ersten Kinder zu schluchzen. Es war laut. Mit den ersten weinenden Kindern begonnen die ersten Mütter zu schimpfen. „Du wollest doch hier her!“ „Stell doch nicht so an!“ und „guck dir mal den da an, der heult auch nicht!“. Der Ton in der Umkleide war entsetzlich und ich versuchte meinem Kind zu vermitteln, dass alles gut ist.

Bei Übergang in das Bad wurde es noch hässlicher. Die Schwimmlehrer waren nett, keiner übte Druck auf die Kinder aus. Die Eltern hingegen liefen zu Hochtouren auf. Sie schimpften und schoben um die Wette. Das „nein“ eines Kindes zahlte nichts, es war ein Tränenmeer. Ich blieb dicht an meinem verwirren Kind. Ich stand Seite an Seite, Haut an Haut und es war gut. Vorsichtig und ängstlich folgte er dem Programm, eng an Mama und dennoch allein. Im Wasser angekommen begann er zu lachen, das Eis war gebrochen. Während ein Vater sein weinendes Kind ins Wasser warf und andere die ihren verbal erniedrigten, kauerte ich applaudierend am Beckenrand.

Bei jedem Kind, bei jedem Schwimmkurs habe ich derartige Szenen beobachtet und jedes Mal wieder bin ich erschrocken. Was tun diese Eltern ihren Kindern an? Ist ihnen denn nicht bewusst, was sie da tun? Das deutliche „nein“ eines Kindes zu ignorieren bricht alles in ihm. Ein nicht erhörtes „nein“ heißt übersetzt: „Was du denkst, ist mir egal.“ An stelle von Halt und Verständnis, von Sicherheit und Vertauen rückt Zwang, Macht und Unterdrückung. Die Kinder lernen nur eins: Du bist mein, dein Wille ist mir egal.

Das „nein“ eines Kindes ist etwas heiliges! Wer den Mut hat laut „nein“ zu sagen, sorgt für sich selbst. Ein „nein“ grenzt ab, schafft Luft und Raum für sich selbst. Es gibt Respekt, Sicherheit und Selbstbewusstsein. Und nur wer als Kind lernt „nein“ zu sagen, der kann es später als als erwachsener; im Job oder nachts, auf dem Weg nach Hause. Also bitte, Eltern dieser Welt; respektiert die Grenzen eurer Kinder. Hört ihr „nein“ und stärkt sie! Es lohnt sich.

Suchen und Finden

Heute Morgen gab es Streit. Das A-Hörnchen konnte seine Brille nicht finden und ich war stark genervt von seiner Schludrigkeit. Wir stritten ausgiebig ohne jeden Erfolg oder Sinn, die Brille blieb verschwunden, ich wütend und er auch. „Wie kann man so dämlich sein?! Wie kann einem das denn bitte passieren…“ mottete ich vor mich hin und so ging er zur Schule und ich machte mich auf den Weg zum Auto.

Da es bei uns wenig Parkplatz gibt, ist es manchmal nicht leicht. Heute suchte ich 10 Minuten lang nach dem Auto und lokalisierte es erst mit Hilfe des Mennes am Telefon. Endlich am Auto angekommen stellte ich fest, dass der Autoschlüssel nicht da war. Ich kochte innerlich und konnte es doch nicht ändern. Der Schlüssel war offenbar im Haus, ich draußen und uns trennte das Schloss. Ich rief meine Schwiegermutter an, sie hat den Ersatzschlüssel. 15 Minuten später öffnete sie mir mein Haus.

Der Schlüssel war nicht da. Nicht an seinem Platz, nicht in meinen Taschen, Jacken und auch sonst an keinem Ort. Zu meiner Wut mischte sich eine gewisse Verzweiflung. „Wie kann man so dämlich sein?! Wie kann einem das denn bitte passieren…“ dümpelte es in meinem Kopf herum. Entnervt stapften wir noch einmal gemeinsam die Straße auf und ab und da lag er, mitten auf einer Straße; mein Schlüssel.

Wenn das A-Hörnchen kommt muss ich mich dringend entschuldigen. Zwar weiß ich immer noch nicht, wie einem SOWAS passieren kann, jedoch passiert es halt. Manchmal, jedem.

Analogien

Ich weiß nicht ob ihr schon mal über in Pipi in Betten nachgedacht habt. Ich habe in den vergangenen Jahren so einigen Gedanken an dieses Thema verschwendet – meistens Nachts um drei oder vier Gedanken der Art: „Nein!“ Oder „Waruuummmm?“ Zwischen dem Gejammer und der Verzweiflung haben sich dennoch einige Analogien gezeigt, die ich nun mitteilen werde:

– bezieht man das Bett eines Kindes frisch, pinkelt es in der ersten Nacht rein

– duscht man ein Kind, dass genau genommen noch nicht fällig ist, pinkelt es in der kommenden Nacht ins Bett

– hat man keine Ersatzbettwäsche mehr parat weil man geschludert hat, pinkelt das Kind ins Bett

– versäumt man es längere Zeit das Kind zu duschen oder das Bett zu beziehen, passiert nichts

Gestern habe ich mir dieses Wissen, wenn auch unbewusst, zu Nutzen gemacht. Ich küsste das D-Hörnchen auf den Kopf und dachte: „Ups, der könnte auch mal wieder duschen!“ Im selben Moment kam mir der Plan das Schicksal auszutricksen. Ich beschloss das müffelnde Hörnchen zu ignorieren und es einfach so ins Bett zu bringen. Denn soviel war klar, würde ich ihn duschen,…

Heute morgen um halb sechs krähte er dann. „Pippiiii im Beeeeeettt!“. Tatsächlich habe ich hell gesehen, das Schicksal überlistet und analytischer gehandelt als jeh zuvor. Ich bezog das Bett, duschte das D-Hörnchen und war sehr zufrieden diese zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben. Ich werde immer besser!

Me and my shadow

Bei prächtigem Wetter wollten A-Hörnchen und ich eine Runde mit den Rennrädern drehen. Vor dem Start am Nachmittag bat ich ihn seine Lampen einzupacken. Er zeterte und war sicher, dass wir vor Einbruch der Dunkelheit wiederkommen würden. Schlussendlich setzte ich mich durch und wir fuhren los.

Auf halbem Weg sellten wir fest, im Omas Nähe zu sein. Wir machen einen Abstecher, ich bekam einen Kaffee und A-Hörnchen Oma. Wir klönten entspannt eine ganze Weile und es wurde dunkel. Erst als es schon stockfinster war, brachen wir zur Heimreise auf. A-Hörnchen machte seine Lampen an und ich… griff ins Leere. Keine Lampen, Scheiss. So fuhren wir los, einer pflichtbewusst beleuchtet, eine irgendwie nicht.

Den ganzen Weg über zeterte ich über meine eigene Dummheit. A-Hörnchen verhöhnte mich kräftig; er fand es herrlich, dass ich so ein bescheidenes Vorbild bin. Am dem letzten Stück Weg standen am Straßenrand diverse kleine Granitplatten als Wegbegrenzung. A-Hörnchen wies auf die Platten und fragte: „Weißte‘ was das sind?“ Ich erklärte, dass es eben Straßenbegrenzungen seien und konzentrierte mich weiter darauf nicht auf die Nase zu fallen. Da entgegnet mein Sohn: „Das sind alles Grabsteine von von Radfahrern, die ohne Licht gefahren sind!“

Ist er nicht zauberhaft, witzig und wortgewandt? Ich liebe diesen Kerl!!

Von Menschen und Mäusen

C-Hörnchen kommt genervt in die Küche gestapft. „Meine Pippi Langstrumpf CD ist weg und B-Hörnchen guckt nicht nach ob sie die hat!“ Ich bitte das Kind dieses Problem mit ihrer Schwester selbst zu klären und wende mich wieder meiner Wäsche zu. C-Hörnchen trampelt wütend nach oben. Nur drei Minuten später betritt B-Hörnchen die Küche:“ A-Hörnchen guckt nicht nach ob er meine Drachenzähmen-CD hat!!“ Ich schlage mir an den Kopf. Anschließend versuche ich dem B-Hörnchen das Prinzip von „Was du nichts willst das man dir tut das füg auch keinem anderen zu.“ Ich bitte auch sie das Problem selbst zu klären; Wäsche.

Dieses zwischenmenschliche ist doch eine Krux. Obwohl alle Hörnchen ganz bestimmt die leichte Anleitung zum Miteinander sicherlich faktisch verstehen, ist es ihnen manchmal nicht möglich sich gut zu behandeln. Obwohl sie alle Grundlagen von Familie und Respekt im Herzen tragen, sind sie phasenweise einfach doof.

Für meine Hörnchen ist das Geschwistergefüge ein optimales Trainingsfeld. Zu einander können sie hemmungslos doof und gemein sein. Geschwistern kann man mal weh tun, die kann man mal sticheln. Zum einen weiß jeder, dass die Welt hinterher wieder im Lot ist und im Notfall ist da ja immer noch Mama. Die tröstet und macht am Ende alles heil. Vielleicht also ist diese Sichtweise sogar eine kleine Erleichterung die vielen Streitigkeiten im Alltag zu ertragen. Sie tun es um zu üben – und vor allem weil sie es sich trauen. Weil ihr Umfeld so sicher ist, dass die vielen kleinen Gemeinheiten und Sticheleien am Großen und ganzen nichts verändern. Eigentlich doch ein gutes Zeichen!