Zu Gast beim Doktor

Der Augenarzt vom A-Hörnchen sieht aus wie Christopher Eccleston; wie der Doktor. Das wusste ich schon länger, und obwohl es mich immer wieder tief beeindruckt war es eben ok. Gestern nahm alles eine überraschende Wendung. A-Hörnchen hatte diese Untersuchung, bei denen die Pupillen mittels Tropfen geweitet werden, und so sass das Hörnchen auf dem Schemel vor dem Gerät, mit dem der Doktor in die Augen guckt.

Der Doktor sah dem Hörnchen fast 10 Minuten lang in die Augen. Rechts, Links, Links, rechts , links, links, rechts, links, rechts, links, links,… Gelegentlich kratzte er sich am haarlosen Kinn, zog die Augenbrauen kraus oder schüttelte sachte den Kopf. Immer wieder sah er dem Hörnchen tief in die Augen. Nach der zehnminütigen Untersuchung wandte er sich wortlos an seinem Computer. Jede Sekunde rechnete ich mit einem Schallschrauber, mit dem er Gerät, Computer oder Hörnchen bearbeiten würde. Stattdessen kratze er sich abermals das Kinn, zog abermals die Augenbrauen kraus und zuckte dann, noch einmal etwa 10 Minuten später, ganz leicht mit den Schultern. „Gehen Sie noch mal ins Wartezimmer.“ sagte er und wir gingen.

Im Wartezimmer angekommen entwickelten wir die Hypothese, der Doktor hätte eine außerirdische Lebensform im Kopf meines Kindes gefunden. Wir vermuteten, dass er noch schnell Unit informieren wolle um sich dem Problem dann später anzunehmen. Einmal wurde uns gesagt, dass der Doktor später noch den Augen-Hintergrund meines Hörnchens ansehen wollte. Für uns war die Sache klar; Allien im Auge!

Lange, lange warten wir. Dann wurden wir endlich ins Behandlungszimmer gerufen. Der Doktor ging hinein, hinter ihm das A-Hörnchen und dann ich. Ich sah mich um, lies den Blick einmal nach rechts und nach links schweifen, und sagte dann ehrlich überrascht: „Oh! Es ist drinnen viel größer als man es von außen denken würde!“. Augenblicklich brach das A-Hörnchen vor Lachen auf dem Behandlungsstuhl zusammen. Ich konnte mich so gerade noch beherrschen und setzt du mich auf den Besucherstuhl. Der Doktor begann so gleich, ausschweifend zu erklären, dass er sich das alles hier (sein Blick schweift über den deutlich chaotischer Traum) selbst entworfen und eingerichtet habe. Alles sei genau so, wie ihr es am besten gebrauchen konnte. Mein Blick schwiff noch einmal von rechts nach links und sah 5 halb ausgetrunkene Trinkflaschen, unausgepackte Geschenktütchen, ein Klappbett sowie dutzende mannshohe Papierstapel. Ja! Das hier musste die Tardis sein. Nach den Ausschweifungen sah ich den Doktor ernst an und fragte ihn:„Und? Haben Sie was gefunden?“

An dieser Stelle zog der Doktor seine Maskerade wieder hoch. Ich konnte ihn nicht enttarnen, bin aber der Wahrheit ein ganzes Stück näher gekommen. Wenn ich doch bloß wüsste, was in dem Kopf meines A – Hörnchens wohnt.

Plötzlicher Kälteeinbruch

Ich liebe Schnee! Sobald die ersten Flocken die Luft glitzern lassen, gibt es für mich kein halten mehr. Binnen Sekunden bin ich dann wieder fünf, tanze durch den Schnee und renne mit offenem Mund durch die Gegend und singe Schneelieder. Schnee ist einfach das aller aller größte! Was ich hingegen gar nicht verträge ist Kälte.

Nun muss man eines dringend unterscheiden: Schnee ist nicht kalt, der ist schön! Wenn alles weiß ist und die zauberhafte Stille der verschneiten Welt meine Sinne umgibt, wenn alles schön unter der weißen Pracht begraben und das ganze Hässliche verborgen, dann ist es nicht kalt. Im Schnee friere ich nicht, da bin ich glücklich. Leider ist dieser Zustand fragil. Wenn nämlich der Zauber taut, dann ist es auch mit dem Glück dahin.

So auch geschehen, als das aufstrebende Gelb am Himmel heue alles schöne mit sich nahm und die wunderschöne Welt in eine eiskalte Eiswüste verwandelte. Mitten auf der Arbeit erstarrte ich, geradezu handlungsunfähig hinterließ mich der plötzliche Kälteeinbruch und entzog mir beinahe jede Lebensgrundlage. Spontan renkte ich mir einen oder drei Wirbel aus, den ganzen Tag bebte ich vor Schmerzen und Kälte. Und als ob das nicht gereicht hätte, ist mir abends auch noch das Bein eingeschlafen. Es ist zum verzweifeln; wenn es doch nur wieder schneien würde.

Fall da nicht rein

Eltern gibt’s, die gibt’s gar nicht.

Wir verbrachten den gestrigen Sonntag im Universum, einem Mitmach-Museum, wie meine Kinder es nannten. Nach einigen Stunden entdeckten die Hörnchen eine Art Matschtisch.

Binnen Sekunden hatten sie sich alle die Ärmel hochgeschoben und muddelten fröhlich vor sich hin. Der Menne und ich setzten uns an den Rand de Szenerie und sahen entspannt zu. Für uns war klar: Die kommenden 2 Stunden sind safe.

Andere Kinder kamen und gingen, andere Eltern mit ihnen. Hauptthema der meisten Eltern: Macht euch nicht dreeeckiiig!!!! Ein besonderes Highlight war ein älterer Vater zweier Jungen um die sechs und acht Jahre. Schon als die Jungs sich dem Tisch näherten bekam der Vater nervöse Flecken und zuckte. Beim ersten Matschkontakt entwickelte er eine Art Tourette, er gab ungefiltert Warnungen und Drohungen von sich. Wie ein hospitalisierter Tiger schritt er auf und ab. Nach etwa 45 Sekunden dann konnte er es nicht mehr aushalten.

Am Kragen riss er den etwa sechsjährigen zurück und fuhr ihn barsch an:“Fall da nicht rein!!“ A-Hörnchen, der direkt daneben stand, konnte sich das Lachen nicht verkneifen, ebenso wie ich. Der Mann wurde gradezu panisch, zog Taschentücher aus der Tasche und begann seine Brut zu reinigen. Noch einmal 30 Sekunden später zogen sie von dannen. Die Jungs sahen routiniert aus, die überrasche nichts. Der Vater japste histerisch nach Luft und ich starb vor Lachen.

Meine Hörnchen verbrachen viele, viele Minuten am Matsch-Tisch. Alle wurden dreckig; reingefallen ist keiner.

Social genetworked

In Sachen Technik bin ich schwer bewandert. Man kann sich da auf mich verlassen; wenn es was kaputt zu machen gibt, dann geht es mir kaputt. Computer, Handy, Camera, Fernseher, ja selbst USB-Sticks. Mein Supertrick ist immer der Selber: Ganz schlechtes Karma.

Gestern schlug meine Facebook-App mir vor, meine Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen. Gesehen, getan und schwupp, hatte ich binnen weniger Sekunden die Verbindungen zwischen Blog und WordPress gekappt. Plötzlich war der Blog sehr privat! Allein diese Verbindung wieder herzustellen, kostete mich 12 Stunden und dutzende Nervenzusammenbrüche. Vergessene Passwörter, komplizierte Fragen von Seien des Handys.. es war zum verzweifeln!

Als ich es endlich geschafft hatte, fragte WordPress mich, ob ich nicht den Blog auch mal endlich mit Twitter, Google+ und Instagram verbinden wolle. Ich klickte auf „auf jeden Fall“ und kann euch, nur weitere 12 Stunden später mitteilen, dass a) ich nicht Amok gelaufen bin, b) ich nicht das ganze Internet gelöscht habe und c) ich jetzt auf verschiedenen Plattformen verschiedene Accounts habe, die alle unterschiedlich heißen, uneinheitlich aussehen aber irgendwie alle angeblich mit diesem Blog verbunden sind. Ich denke mal, in der Rangliste der sinnlosen Aktionen steht diese recht weit vorn, aber immerhin muss WordPress jetzt nicht mehr meckern! Und ich bin offiziell ein hoch-erfolgloser aber motivierter Social Networker und Influencer. Hoffentlich werde ich jetzt nicht krank. Schniff

Postnatale Abtreibung

Beim Abendessen hat das A-Hörnchen gestern massiv genervt. Er meckerte alle an, kritisierte jede Bewegung und benahm sich im allgemeinen wie ein Idiot. Irgendwann, gegen Ende der Mahlzeit, jagte ich ihn dann weg. Er solle in sein Zimmer gehen, wenn wir so schlechte Gesellschaft wären. Laut und vernehmbar meckerte er sich also davon.

C-Hörnchen betrachtete die Szene kopfschüttelnd und dachte gut nach. Kurze Zeit später stemmte die entschlossen die Hände in die Taille und sagte:“ Können wir A-Hörnchen nicht einfach einschläfern lassen?“. Wir mussten schmunzeln, vermuteten schon, dass C-Hörnchen nicht wusste, was einschläfern ist, und gaben unsere Bedenken kund. Wir glaubten nicht, dass das erlaubt wäre und überhaupt würden wir keinen kennen, der sowas macht. Da holt C-Hörnchen nich einmal aus und fügt hinzu:“Ist aber auch schwierig. Wo soll man den danach ablegen?!“

Dieses gut durchdachte Kind! Wir haben uns gegen dieEinschläferung entschieden. Die Frage nach einer Babyklappe für Teenies kam auf und in letzter Instanz schlug C-Hörnchen dann vor, ihn doch zu Oma und Opa zu geben. „Die mögen ihn doch!“ erklärte sie noch schnell. Und ich freue mich jeden Tag mehr auf die Zeit wenn die Hörnchen alle zwischen 10 und 16 sind. Dann gehe ich nämlich zu Oma und Opa. Hoffe die mögen mich dann noch.

Aufräumen.

Manchmal ist es schwer Prioritäten zu setzten, manchmal offenbar schier unmöglich. Seit drei Tagen wollen B- und C-Hörnchen gemeinsam in C-Hörnchen’s Zimmer übernachten. Und seit drei Tagen lautet meine einzige Bedingung: Räumt das Zimmer so auf, dass man auf dem Boden ein Matratzenlager bauen kann.

Seit dem spielen sich jeden Tag die selben Szenen ab. Die Mädels gehen motiviert in das recht chaotische Zimmer des C-Hörnchen’s. Der Auftrag ist klar, die Aufgabe zu bewältigen. Playmobil in Kiste 1, Lego in Kiste 2, Barbie in Kiste 3, Reste in die Restekiste. Und so beginnen sie also mit Schritt eins und räumen alles Playmobil in die erste Kiste. Danach das Lego; na ja. Einen Teil des Legos, denn das schlimme an Lego ist ja, dass es immer mit einem spielen will. Nach einer halben Stunde ist also Playmobil weg, Lego halb und aus der anderen Hälfte werden Dinge für die Barbies gebaut. Und weil das so ein Spaß macht, macht man das auch eine ganze Weile. Und irgendwann, so mirnichts dirnichts, kommt das Playmobil auch nach und nach wieder aus der Kiste. Erst nur ein bisschen und dann… eben alles.

Wisst ihr was das dümmste ist? Ich verstehe die beiden total! Manche Dinge eignen sich eben nicht zum aufräumen – heißt ja auch Spielzeug und nicht Aufräumzeug. Ich habe ihnen nun geraten, in einem Zimmer zu spielen und in einem zu schlafen. Das könnte mittelfristig klüger sein.

Immer ich

Manche Sachen sind so doof, die glaubt man gar nicht.

Ich sitze in einer vollen Straßenbahn, fast erfroren und bin in Gedanken schon in meinem schönen , warmen Zuhause. Plötzlich realisiere ich, dass die Bahn nicht den Weg nimmt, den ich genommen hätte. Ich stürze zur Tür, in der Annahme die falsche Bahn genommen zu haben – auch nicht so abwegig. In letzter Sekunde springe ich heraus, renne über die Straße zum richtigen Bahnsteig und betrachte die Bahn.

Die Nummer war die richtige, und erst jetzt nehme ich wahr, dass alle aussteigen. Manche lachen, manche schauen genervt. Ich realisiere, der Bahnfahrer hat sich verfahren. Ich bin nicht Schuld! Trotzdem, wieso eigentlich immer ich?

Alles hat seine Zeit

Im Jahr 2003 sah ich den Film „Findet Nemo“. Er war nicht grade gut und so bleib mir wenig im Kopf. Einzigst die Adresse vom Zahnarzt blieb wie in Granit gemeißelt:

P. Sherman

42 Wallaby way

Sydney

All die Jahre trug ich dieses verstaubte Wissen mit mir spazieren, genutzt wurde es nie. Ab und an ploppte es hoch, bahnte sich den Weg, vorbei an Stimmenbändern und Lippen und fiel mir aus dem Mund. Sinnlos.

Letzte Woche saß ich im Hort. Ein Mädchen zeichnete einen Fisch, tuschte ihn orange an und sagte zu mir:“Wo wohnt der Zahnarzt bei Nemo?“ Ich muss diesen Moment nicht näher beschreiben, ich war so glücklich!

Was mich diese Geschichte lehrt? Alles hat seine Zeit! Manche Dinge verstehen wir nicht, wenn wir sie tun. Anderen gegenüber verweigern wir uns oder überstürzen es. Viel mehr aber sollten wir uns im Alltag darauf verlassen, dass es schon geht wenn es an der Reihe ist. Wenn man aufhört zu zweifeln und auf sich vertraut, dann ist schon viel geschafft. Denn in jede Situation können wir nur mit dem gehen, was wir selbst dabei haben. Ein Plan, der von Zweifel und Gegenwehr ausgeführt wird, ist zum Scheitern verurteilt. Wir nennen dies eine „selbsterfüllende Prophezeiung“ und sagen gern:“Hab ich doch gleich gesagt!“

In Wirklichkeit sind wir es selbst, die unsere Pläne verwirklichen oder eben torpedieren. Wenn wir selbst nicht an uns glauben, wie sollen es dann andere tun? Manche Dinge müssen reifen; manche sogar sehr lange. So wie der Zahnarzt von „Findet Nemo“. Und am Ende hat sich jeder gewartete Tag gelohnt, allein für die irren Blicke der Kollegen, als ich DAS wusste.

Das Land…

D-Hörnchen spielt mit seinen Autos. Ein Auto ist wütend und geht nach Chinesien. Das nächste will ihn mal zeigen was ne Harke ist und geht nach Englischland. Übrig bleibt D-Hörnchen’s Lieblingsauto. Es fährt einsam und verlassen drei mal um den Bauernhof, auf dem die Autos leben, und sagt dann:

„Ich gehe in das Land, in dem die Autos noch in freier Wildbahn leben!“

Ist das nicht eine herrliche Vorstellung? Wilde Autos, die zufrieden an freiwachsenden Zapfsäulen nuckeln. Keine Straßen, keine Parkhäuser. Nur Autos. Hach! Mein D-Hörnchen hat wirklich einen Sinn für Romantik!

Im Grunde aber hat er recht. Gehen wir doch auch; in das Land, in dem Menschen noch leben wie Menschen. In der wir nicht eingebunden und unterjocht sind von Sysemen, die wir uns nicht ausgesucht haben, und die nur dem einen Zweck dienen; nämlich dem, den Reichen immer reicher und den Armen immer ärmer zu machen. Gehen wir… nach …. Ist das frustrierend!