Resilienz

„Wie kann man in diese Welt noch Kinder setzen?“ Immer öfter höre ich diesen Satz. Meine Antwort ist leicht wenn auch nicht mehr selbstverständlich. Ich setzte nicht einfach Kinder in diese Welt! Ich erziehe sie zu starken, selbstbewussten Wesen, die dieser Welt nicht ausgesetzt sind, sondern sie verändern.

In der Psychologie gibt es den Begriff der „Resilienz“, der seelischen Robustheit oder Wiederstandskraft. Jeder Mensch wird mit einer Grundausstattung an Resilienz geboren. Diese ist jedoch nicht statisch; seine Umwelt und die Erziehung die er erhält bauen die Resilienz weiter aus – oder zerstören sie.

Ich möchte mich hier mit dem Ausbau von Resilienz beschäftigen. Bestimmt wird sie von diesen sechs Faktoren:

1. Die Fähigkeit, eigenen Gefühle bewusst zu erleben. Wer seien Gefühle klar erkennen und bewerten kann, der ist ihnen nicht schutzlos ausgeliefert. Ausgeliefert sein bereitet Stress, Angst und Unsicherheit. Der eigenen Gefühle Herr zu sein macht stark. Mit Kindern kann man üben Gefühle zu erkennen und zu deuten. Ist das grad Scham, Wut oder Ekel? Bin ich glücklich oder ist es etwas anderes?

2. Die Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu regulieren. Hat man ein Gefühl wie „Wut“ enttarnt, ist dies eine Erkenntnis, hilft einem aber noch nicht zwingend weiter. Was hilft mir wenn ich wütend bin, was wünsche ich mir wenn ich traurig bin. Es geht darum, Kenntnis darüber zu erlangen, wie man einen guten Ist-Zustand selbstwirksam wieder herstellen kann.

3. Die eigenen Stärken gut kennen. Was kann ich eigentlich so richtig gut? Wer das weiß, hat eine Auswahl an Handlungen, die er sich zu nutzen machen kann. Denn Dinge, die wir gut können, helfen uns durch so manches Tief. Auch Kinder sollten erkennen was sie gut können, was sie auszeichnet.

4. Kontaktfreudig sein. Der Mensch ist ein hochsoziales Wesen. Die aller meisten von uns brauchen soziale Kontakte um zufrieden zu sein. Mindestens genauso wichtig ist der Fakt, dass ein großes Soziales Netz uns in Kriesen helfen kann. Der schlimmste Liebeskummer ist besser auszuhalten, wenn man der besten Freundin die Schulter nass heulen kann.

5. Probleme lösen können. Wer ein Set an guten Problemlösungen im Koffer hat, kommt besser zurecht. Sich selbst helfen zu können, im Notfall einen klaren Kopf zu behalten und Probleme zu erkennen sind praktisch unabdingbare Fähigkeiten. Beginnen tut es im kleinen. Steht das Kind an der Haltestelle und der Bus kommt nicht, gibt es dutzende Möglichkeiten. „Nichts tun“ ist mit Sicherheit die schlechteste.

6. Wege der Stressbewältigung kennen. Wenn es doch ein mal zu viel wird, ist es gut mit dem Stress umgehen zu können. Babys beruhigen sich durch nuckeln, viele Erwachsene durch Sport. Jeder hat seinen eigenen Weg, auch Kinder sollte man ermutigen Stress abzubauen.

Was alle sechs Punkte gemeinsam haben ist, dass ein Kind Erfahrungen und Übung braucht um gut darin zu werden. Wer nie einem Problem ausgesetzt ist, der kann auch keine lösen. Von wem alle negativen Gefühle wie Trauer, Angst oder Wut fern gehalten werden, der kann sie nicht erkennen und bewältigen. Kinder brauchen keine Sichere Blase, in der sie frei von allem negativen ausgewachsen. Sicher, sie brauchen Schutz vor elementaren Gefahren, sie brauchen Begleitung und Orientierung durch die Großen; vor allem aber brauchen sie Freiheit um zu wachsen.

Wer abends im Dunkeln allein durch den Park geht hat Angst – und macht es so schnell nicht wieder. Wenn man etwas mal nicht bekommt ist man bitter enttäuscht – und lernt damit umzugehen. Wer die Hausaufgaben nicht macht bekommt Ärger- und überlegt sich beim nächsten mal doppelt was er will. Jeder kleiner Misserfolg, jeder Dämpfer und jedes Autsch machen und größer; ein Leben lang.

Advertisements

5 Gedanken zu “Resilienz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s