Der Sinn im Schmerz

Schmerz ist eine unserer wichtigsten Empfindungen. Er warnt uns, zum Beispiel vor heißen Herdplatten, bremst uns wenn wir es im Sport übertreiben und kann sogar dafür sorgen, dass unser Seelenwohl wieder hergestellt wird. Den Herzschmerz, Trauer und Verlust präsentieren sich uns als schmerzliche Verletzungen, die einen dazu bewegen, das Problem so gut es geht zu verarbeiten. Unter der Geburt sorgt der Schmerz dafür, dass besonders starke Emotionen, und damit eine besonders starke Bindung zwischen Mutter und Kind möglich ist. Es ist also ganz klar, Schmerz macht Sinn. An Tag drei von schlimmster Migräne, habe ich mich heute damit befasst herauszufinden, was denn der Sinn dieser Migräne ist. Was soll sinnvoll daran sein, tagelang einsam, mit Medikamenten vollgepumpt und unter größtem Leid im Bett zu liegen?

Als Auslöser für Migräne kommen Umbrüche und Abweichungen in Frage. Anhaltender Stress, Emotionen, Schlafmangel, aber auch banales wie Gerüche, Lautstärke oder Lichtblitze. Ebenso kann es die Ernährung, Alkohol, Nikotin oder Mangel an etwas sein. Versucht man also die Migräne als eine Art Bremse oder Warnung des Körpers zu klassifizieren, kann ihr einziger Auftrag der Ruf nach einem Leben in der Norm sein. Keine Abweichungen, keine Aufregung. Um kein Risiko einzugehen, lohnt es sich, ein Leben nach Plan und in den als gesund vorgegebenen Bahnen zu führen. Gutes Essen, regelmäßiger Schlaf, keine Gifte. Geregelte Verhältnisse, kein Stress und bloß nicht aus der Reihe tanzen.

So, du Migräne! Jetzt hör mir mal zu! Ich werde mich dir nicht beugen! Gesundes Essen, geht klar. Schlafen tuh ich gern und auch einen Job, der mir Spaß macht und mich nicht negativ stresst, nehm ich gern. Aber ich werde mich nicht der Angst vor dir beugen! Ich werde ausgehen wenn es unvernünftig ist, ich werde ein drittes Bier trinken, wenn mir danach ist und ich werde zu viel rauchen wenn ich denke, dass es hilft. Ich werde mein Leben leben und mich nicht aus Angst vor dir ein einen Käfig aus Angst und Vorsicht sperren lassen.

Schmerz als Warnsystem kann ich verstehen, und auch den Denkansatz, eine Erkrankung wie Migräne, als Warnung oder Regulationssystem zu betrachten kann ich bedingt nachvollziehen. Wenn aber die vorzunehmenden Vorsichtsmaßnahmen ein freies Leben einschränken und ich am Ende nur noch damit beschäftigt bin, krankhaft gesund zu sein, um ja nicht krank zu werden, dann sind es schlussendlich Unzufriedenheit und Angst, die mich schneller niederringen als es eine dumme, lieblose Migräne jemals geschafft hätte. Leck mich!

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