Mensch vs. Rakete

Gestern Abend sah ich einen Bericht über Ariane-Raketen und deren Herstellung. Zum Ende des Berichtes wurde eine wahre Ode an die großartige Vernetzung der verschiedenen ESA-Mitgliedstaaten gehalten. Das Gemeinschaftsgefühl, die Kommunikation und die Anerkennung für die Arbeit des jeweils anderen seien vorbildlich und einzigartig. Die 22 Mitgliedsstaaten seien eine große Familie mit einem gemeinsamen Ziel: Dem Vorantreiben der Weltraumtechnik.

Hört sich super an, dachte ich noch kurz und dann wurde es auch schon traurig. Ganz offenbar ist der Mensch unter bestimmten Voraussetzungen also in der Lage in großen Gruppen für ein übergeordnetes Ziel sinnvoll, gleichberechtigt und zielführend zu kommunizieren. Doch was macht diese Kooperation erfolgreich? Ist es das gemeinsame Ziel, die Motivation? Der Stil der Mitarbeiterführung oder hat es mit Prestige oder Geld zu tun? Warscheinlich ist es von all dem was. An etwas großem beteiligt zu sein motiviert den einzelnen. Das übergeordnete Ziel und die damit verbundene Anerkennung tun es ebenso. Zudem sorgt die ESA, nach allem was ich erlesen habe, gut für ihre Mitarbeiter; in allen Ländern. Der Konzern legt Wert auf Zusammenhalt und Wertschätzung.

Faktisch klingt das alles gar nicht so kompliziert. Moderne, menschenfreundliche Strukturen, ein Ziel, mit dem man sich gut identifizieren kann und eine fair vorgelebte Firmenpolitik. Was bleibt ist die Frage, wieso es in vielen andern Bereichen der Welt offenbar nicht möglich ist so gut und damit effizient zu arbeiten. Wo ist das weltweit agierende Netzwerk gegen Hunger, Trinkwassermangel? Wo das gegen die hohe Säuglingssterblichkeit und für die Impfprogramme? Wo ist die gute Kooperation von 22 Staaten für den Frieden und für die Abrüstung? Sind solche übergeordneten Ziele nicht wert, sind sie idell nicht ausreichend um Menschen zu bewegen?

Mit Sicherheit wären sie es. Leider hat sich jedoch auf der Welt kein Wettlauf um die beste Nahrungsmittelverteilung etabliert. Satelliten ins All zu schicken, auf denen die eigene Flagge zu sehen ist, ist schick. Dafür gibt man gern 700 Millionen Euro im Jahr aus – mit denen dann vorbildliche Strukturen erschaffen werden. Nahrung zu verteilen, Menschen das Überleben zu sichern und all sowas ist auch nett, jedoch nicht so nett, als das man den Staatshaushalt dafür bemühen möchte. All diese Programme laufen primär aus privater Hand, selbst die WHO ist nur zu 20% aus den Kassen der Mitgliedsstaaten finanziert.

Mal im Ernst. Ich finde Raketen toll, Satelliten und Handys und GPS und all das auch, ohne Frage. Viel lieber aber mag ich Menschen aller Art. Wäre es denn keine Option diese 700 Millionen in das weltweite Überleben von Menschen zu investieren und die dagegen lächerlichen 30.000 Millionen der WHO den Raketenmännern zu geben? Geht das denn nicht pro Mensch anstatt pro Rakete? Ich verstehe da die Prioritäten nicht.

Been there, done that

Wenn ich morgens nicht direkt zur Arbeit muss, springe ich aus dem Bett nur in einen alten Kapuzenpulli und irgendeine Hose. Das Schlafzeug lasse ich drunter. In diesem angesagten Outfit gehe ich zum Kindergarten, das D-Hörnchen wegbringen, gelegentlich auch einkaufen. Heute kam irgendwie alles anders. Also, eigentlich gar nicht, denn mein Elf-Uhr Termin stand schon länger fest. Wie auch immer, das Ende der Geschichte ist, dass ich im Schlafanzug meinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben habe. Wahrscheinlich hat es keiner bemerkt, und wenn schon.

Neuer Job also! Für mich geht es zurück dorthin, wo ich mein Herz vor eineinhalb Jahren liegen ließ, eine alte Liebe quasi. Während meines Studiums machte ich zunächst ein Praktikum in einer Drogenhilfeeinrichtung. Anschließend arbeitete ich dort als studentische Aushilfe weiter und schrieb auch meine Bachelorarbeit in der Einrichtung. Ich verlor mein Herz an die Drogenhilfe. Das oftmals nicht leichte Thema fesselte mich sofort, der herzliche aber auch tabulose Umgang mit deftigster Kost war schnell meins. Vor allem aber war schnell klar, dieser Arbeitsbereich bietet unendlich viele Möglichkeiten. So vieles läuft schlecht, die Lobby der Betroffenen ist klein und leise und die wenigen Hilfsangebote oftmals kurz gedacht und unterfinanziert.

Ich will ran. Was bewegen, was aufbauen. Sinnvolles tun, wo sinnvolles gebraucht wird und vor allem mit Betroffenen erarbeiten was sinnvoll ist. Und so starte ich im Juni sowas von startklar in einen neuen Abschnitt meines Lebens. Mit viel Herz, Idealismus und ein bisschen Hirn. Auf geht’s!

Liebesbeweis

Vor einigen Tagen begleitete ich einen Zweitklässler bei den Hausaufgaben. Der zuständige Betreuer machte mich auf die Federmappe des Kindes aufmerksam, in der kaum ein intakter Stift zu finden war. Später erklärte er, dass ein gut sortiertes Mäppchen ja durchaus als Liebesbeweis der Eltern zu werten wäre und das Mäppchen des Jungen einfach nur traurig. Ich nahm die Aussage an diesem Tag zur Kenntnis und dachte nicht weiter drüber nach.

Gesten öffnete mein. C-Hörnchen zum ersten Mal sein Wochen ihre Fesermappe vor mir. Mich sahen drei abgebrochene Bleistifte und 12 Filzstifte an, die meisten ohne Deckel. Buntstifte, wie von der Schule vorgeschrieben, fand ich nicht. C-Hörnchen erklärte, dass diese im Schlampermäppchen wären, und schaffte auch dies herbei. Im Inneren fanden sich ein Dutzend Fragmente. Früher einmal müssen es Buntstifte gewesen sein, nun aber waren es zerbrochene, angespitzte, schmutzige Reste. Ich fühlte mich schrecklich. LIEBESBEWEIS!! raste es mir durch den Kopf. Ich habe versagt!

„C-Hörnchen,… “ stammelte ich mit zitternder Stimme, „wieso sagst du denn nicht, dass du mal neue Stifte brauchst? Die sind ja alle kaputt!“ Ich war gradezu verzweifelt und sah mein Kind mitleidig an. C-Hörnchen wiederum hatte einige Fragezeichen im Gesicht und legte die Stifte auf den Tisch.

Sachlich erklärte sie mir, dass Hautfarbe noch ganz gut sei, den benutze sie selten, keiner habe so eine Haut. Pink und lila würde sie liiiiieeeeben, die wären so schön. Auf die kleinen Stifte wären alle voll neidisch, weil keiner so mini-kleine hätte und den einen, mit dem könne nur sie schreiben, weil das der einzige links-Mini-Stift ist. Mit den beiden grünen Stiften könne man die besten Blumenwiesen der Welt malen, und die blauen wären sogar gut für Wasser UND Himmel! C-Hörnchen erklärte und erläuterte die genaue Funktion und ihr Liebe zu jedem einzelnen Stift. Alle sind sie einzigartig, jeder ist perfekt. Sie sah nicht die Notwendigkeit einen von ihnen auszutauschen, leisteten sie doch alle gute Dienste.

Wir einigten uns auf einen Kompromiss. Mein Gewissen durfte einen Liebesbeweis für die Lehrer statuieren. Ich sortierte nagelneue Bunt-und Filzstifte in die Federmappe. Im Schlampermäppchen wohnen weiter alle liebgewonnenen Freunde vom C-Hörnchen. Und mit wem sie am Ende malt, bleibt ihr überlassen. Liebesbeweis, so ein blodsinn! Und viel wichtiger ist am Ende der Respekt, und den haben wir beide bewiesen – vor einander und vor jedem einzelnen Stiftchen.

In aller Stille

Jeder Körper hat seine Schwachstelle und meiner hat ganz genau überlegt was ich wirklich häufig benutze. Nach gründlichster Abwägung ist er zu dem Entschluss gekommen, das lustigste wäre es, mir die Stimme wegzunehmen. Seit inzwischen drei Tagen bin ich mehr oder weniger Stumm. Mal kommt ein heiseres Krächzen, mal etwas mehr und dann auch immer wieder nichts. Der heutige Tag toppt alles. Nur mit Zettel und Stift bewaffnet stelle ich mich dem verbalen Dauerangriff der feindlichen Truppe. Immer wieder versuchen die hinterrücks mich mit spontanen Fragen zu bezwingen, doch ich halte mich tapfer. Kein Wort, zumindest kein brauchbares, kommt über meine Lippen.

Ins besondere bei den kleinen Hörnchen ist diese Art der Kommunikation eine Herausforderung. Während D-Hörnchen schlicht noch nicht lesen kann – er lässt sich meine Anweisungen von den großen vorlesen, versucht C-Hörnchen ihr Glück und ist hierdurch die perfekte Entschleunigung. So schrieb ich ihr eben einen Zettel mit folgenden Worten:

„Bitte räume jetzt dein Zimmer auf.“

C-Hörnchen legte los. „Biiii tt tte Bitte raaaa aaaa raaaa Mama, was ist das das (zeigt aufs ä)? Raaaäääuu Mama, wie geht das da (zeigt aufs äu), äääuuu räää uuuum mmmmme. Räume Bitte räume jeeeee eeett jeeeztt zzz jjeeeeeettttzzz t jetzt d eeeeiiiiii n dein Bitte räume jetzt dein Ziiiiiii iiiim mmm ziiiiimmmmmm er Zimmer Bitte räume jetzt dein Zimmer auuuuuuu s. Bitte räume jetzt dein Zimmer aus. “

Entsetzt starrte sie mich an. „Ich will nicht alles ausräumen! Wo soll denn alles hin?“ Hilflos unterstrich und umkringelte ich das F hinter au. AUF räumen. Aaaaauuuuffff-räumen. Ich schrieb langsam und groß. Sie verstand. „ICH WILL AUCH NICHT AUFRÄUMEN!!!“, fuhr sie mich noch entsetzter an. Mir war schlagartig klar, Diskussion zwecklos. Ich setzte mein autoritästes Gesicht auf, hob drohend den Zeigefinger und senkte ihn kraftvoll auf das Wort AUFräumen. Stille. Noch zwei mal pochte ich entschlossen mit dem Finger auf das Papier, dabei sah ich sie durchdringend an.

Das Hörnchen ging aufräumen. Als sie die erste Treppe passiert hatte, bekam ich einen albernen Lachanfall. Was für eine bescheuerte Situation, wer denkt sich denn sowas aus?

Pferderennen

Bei Twitter begegnete mir ein virtuelles Pferderennen.

Mit fast 50% liegt das 3. Pferd vorn und die Gemeinschaft wundert sich nun, wieso das so ist. Psychologisch betrachtet gibt es zwei Modelle, sozusagen zwei Verhaltenstypen die beide erklären, warum Antwort C am wahrscheinlichsten ist.

Zunächst ist für beide Modelle zu postulieren, dass die Pferde in einer Reihenfolge stehen und keinerlei weitere Merkmale aufweisen. Alle vier Möglichkeiten a,b,c und d sind identisch. Das Gehirn konzentriert sich von hier an auf das einzige Unterscheidungsmerkmal, den Stellenwert in der Reihenfolge. Nun gibt es die genannten zwei Verhaltenstypen:

1. Der Helfer

Der prinzipiell unterstützende Typ sieht die Positionen der Pferde wie folgt:

a) wahrscheinlicher Gewinner

b) hat eine faire Chance

c) >sinnvolle Investition

d) wahrscheinlicher Verlierer

Die Investition wird also sehr wahrscheinlich für Pferd c getätigt, einfach weil es es brauchen kann.

Der zweite Typ ist der

2. Gewinner-Typ

Er sieht die Pferde wie folgt:

a) den nehmen alle

b) den nehmen auch noch welche

c) >nimmt kaum einer

d) nimmt keiner

Da dieser Typ gewinnen möchte, und es dafür notwendig ist auf ein Pferd zu setzen, dass sonst kaum einer nimmt, trickst er seine Mitwetter aus und nimmt Pferd c. An dieser Stelle muss noch einmal auf das Fehlen weiterer Parameter verwiesen werden. Mit Hilfe vorhandener Laufstatistiken etc. wäre die Sache natürlich eine andere. So aber ist es logisch. Bei Variante a) ist der mögliche Ertrag minimal, bei Vatiante b) kaum besser. Variante d) ist zu riskant und so bleibt c).

Diese Einfache Herleitung funktioniert nur aufgrund der wenigen Parameter. Die Hinzunahme von zB. Farben oder eine vertikale Verschiebung der Pferde im Balken, würden das Ergebnis potentiell verändern, denn dann kommen andere Wahrscheinlichkeiten ins Spiel. Dennoch bleibt es berechenbar. Denn auch Lieblingsfarben oder favorisierte Laufrichtungen sind statistisch zu erfassen und damit einzuberechnen. Gehirne sind so durchschaubar.

Radfahren für den Frieden

Seit Wochen treffen wir morgens, auf dem Weg zum Kindergarten, eine Gruppe Soldaten in Uniform; auf Fahrrädern. Seit Wochen sprechen D-Hörnchen und ich darüber, was die machen und wozu die da sind. Soldaten. Ein Mysterium für einen vierjährigen, der nur den Frieden kennt. Soldaten kämpfen, so wie bei Star Wars. Sie sind die Guten und sollen und anderen Menschen beschützen, wenn die Bösen kommen. Wer die Bösen sind, fragte das Hörnchen. Mit der Antwort:“Na so welche wie Darth Vader eben.“ ließ er sich nicht abspeisen. Die Bösen also. Nun ja, die Bösen sind auch Soldaten, aber Soldaten von den anderen eben.

D-Hörnchen ist erst vier, und manches ist ihm noch unbegreiflich. Dennoch verstand er blitzschnell, dass wenn es Gute und Böse Soldaten gibt, es dann ganz schwer festzustellen ist, welche welche sind. „Die anderen finden unsere Soldaten böse, oder?“, versicherte er sich. Ja, so ist es wohl. Am Ende sind sie eben alle lieb oder alle böse oder alle Mittel. Es kommt doch sehr auf den Standpunkt an, und plötzlich zeigt sich, wie gnadenlos banal und sinnlos Krieg ist.

D-Hörnchen fragte mich noch viel über den Krieg, das Kämpfen und den Sinn darin. Wir konnten keinen finden, was soll auch sinnvolles dabei sein, wenn die Soldaten der einen die Soldaten der anderen tot machen und alle anderen, die keine Soldaten sind sich auch weh tun. Zum Schluss quittierte D-Hörnchen das Thema mit der Feststellung:“So lange unsere Soldaten immer nur Fahrradtour machen, ist bestimmt alles in Ordnung!“ Ich mag den Ansatz. Was soll an so einer allmorgendlichen Radtour schon falsch sein. Wenn das alle so machen würden, wäre die Welt ein bisschen besser.

Psychisch erkrankt

Mit so einer psychischen Erkrankung ist es ja in etwa so wie mit einer Geschlechtskrankheit oder Fusspilz. Jeder dritte hat oder hatte schon mal, keiner gibt’s zu. Scham und Unbehagen bewirken dann, ebenso wie bei manch anderer intimen Angelegenheit, ein viel zu langes Ausharren im Zustand und ein daraus resultierendes viel zu spätes Annehmen von Hilfe. In Bayern soll das Psychiatrie Gesetz nun verschärft werden, sensible Patienendaten sollen zugänglich gemacht werden, um vor vermeintlich gefährlichen Personen zu schützen. Der in meinen Augen einzig sichere Nutzen an dieser Änderung wäre, dass man die Hemmschwelle für die Bettoffenen noch höher setzt und somit eine Behandlung noch unwahrscheinlicher macht. Denn mal im Ernst, mit ’nem Vaginalpilz zum Doc ist eh schon mies, wenn es aber danach vorsichtshalber jedem mitgeteilt wird, dass man einen hat… Nein danke. Dann juckt es halt!

Einen Menschen aufgrund seiner psychischen Erkrankung als potentiell gefährlich einzustufen ist schlicht falsch. Depressionen, Traumata, Ängste, Zwänge, Essstörungen – all diese Erkrankungen machen nicht gefährlich – nur einsam. Die wenigen Störungsbilder, die tatsächlich in Einzelfällen einen gefährlichen Menschen hervorbringen, sind a) sehr überschaubar und b) oftmals an eine hohe Geschicklichkeit und Kompensation gekoppelt; im Klartext bedeutet dies, dass die Betroffenen eh selten in der Psychiatrie landen, da sie selbst das geringste Problem mit sich haben.

Um die Hemmschwelle für psychisch Erkrankte gering zu halten und die Wahrscheinlichkeit für eine gute und schnelle Behandlung zu erhöhen, ist es absolut notwendig, mit Daten als auch den Menschen hinter den Daten achtsam und absolut diskret umzugehen. Alles andere schreckt ab und treibt Menschen in Verzweiflung und Einsamkeit. Die einzige Gefahr, die dann von ihnen ausgeht, ist eine für sie selbst. Denn wesentlich häufiger als fremdgefährdung sind Selbstverletzungen Suizid. Psychische Erkrankungen sind nichts peinliches, nicht abnormes und nichts gefährliches. Es sind Krankheiten, die die Lebenaqualitat einschränken und sie gehören behandelt.

Twister

„C-Hörnchen auf grün, B-Hörnchen, du bitte auf rot, nee besser auf lila. D-Hörnchen jetzt ganz vorsichtig auf blau. Ok. Bleibt mal eben so, B-Hörnchen geh mal bitte auf grau jetzt. Danke. C-Hörnchen jetzt vor auf lila und dann kann D-Hörnchen bitte zu mir durch.“

Was sich liest, als hätten wir kürzlich Twistsr gespielt, ist in Wirklichkeit zwar artverwandt jedoch etwas ganz anderes. Die oben genannten Worte beschreiben in etwa das, was ich so von mir gebe, wenn die Hörnchen in der Wanne waren.

Die drei kleinen Hörnchen gehen nach wie vor gern zu dritt baden. Wenn ich dann nach einer oder mehr Studnen ins Badezimmer komme ist es ein wenig wie auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Das Bad schwimmt, alles ist etwa einen cm unter Wasser. Dank Bodenablauf und Abzieher ist das schlimmste schnell geschafft. Nachdem die ersten 256l Wasser den Boden verlassen haben, verteile ich dann gern die benutzten Handtücher auf selbigem; dann ist es nicht zu fußkalt. Tja, und die sind halt bunt. Da unser Bad zwar absolut ausreichend, aber dennoch etwas eng ist, bedarf es einer ausgefeilten Choreografie drei Hörnchen trocken und eingecremt in Bademäntel zu hüllen und ihnen die Haare zu kämmen – ohne sich selbst unter Wasser zu setzen.

Für die Hörnchen als auch für mich eine inzwischen liebgewonnene Strategie. Den Farben zu folgen bekommen auch müde Kinder hin und das wiederum macht mir den Job einfach. Und so ist es für mich kein Drama wenn malwieder alles schwimmt; viel mehr nehme ich es als willkommene Einladung das Bad zu putzen. Denn im Grunde gibt es doch nichts besseres als saubere, glückliche Kinder.

Time what is time

Zeit spielt im Leben vieler Menschen eine enorme Rolle. Pünktlichkeit ist eine Tugend, Zeit kostet Geld und Effizienz muss sein. Von klein auf lernen wir, wie wichtig es ist in der Zeit zu bleiben, sich trefflich zu organisieren und alles im richtigen Moment zu arrangieren. Gerade mit der Pünktlichkeit nimmt man es hier sehr genau. Zu spät kommen ist ein klares no-Go, zu früh kommen aber eigentlich auch. Spätestens wenn wir ins Berufsleben einsteigen, wird die Macht der Zeit noch deutlicher. Wöchentliche Arbeitszeit, Pausenzeiten und dann natürlich der ersehnte Feierabend.

Betrachte ich dieses Konstrukt, finde ich es traurig. Denn eins wird schnell deutlich: Kaum jemand verbringt seine Zeit mit etwas, das er gern tut. Ein großer Teil unseres Lebens verbringen wir mit Dingen, die wir nicht vollständig freiwillig tun. Dies zeigt sich allein daran, dass wir es nicht mit- sondern gegen die Zeit tun. Eine Tätigkeit, die wir gern ausüben, die uns mit Sinn und Freude erfüllt, machen wir gern. Wir schauen nicht ständig auf die Uhr und warten darauf, endlich fertig zu sein. Wichtig an dieser Stelle ist es zu erwähnen, dass erfüllende, schöne Tätigkeit natürlich allerlei Freizeitgestaltung sein können, genauso sicher kann es aber auch jede Form von gesellschaftlichem Einbringen sein. Und wie schön wäre doch gar der Gedanke an eine Arbeit, die diese Zeitlosigkeit erfüllt.

Diese Arbeit ist denkbar. Nicht so, wie Arbeit heute ist, aber dennoch denkbar. Um diese Vision zu realisieren, müssten lediglich ein paar Kriterien erfüllt sein.

1. Finanzielle Unabhängigkeit; (zB. durch Grundeinkommen) denn um sich zu entfalten und das „richtige“ zu finden, braucht es immer wieder auch Leerlauf und vor allem die Sicherheit existieren zu können.

2. Möglichkeiten; die Wahrscheinlichkeit, dass wir in der ersten Tätigkeit die wir ausüben, auch gleich das Nonplusultra finden ist eher gering. Um der Wahrheit näher zu kommen muss man eben experimentieren.

3.Flexibilitat; fixierende Verträge, lange Fristen und hohe Auflagen machen es viel zu kompliziert von A nach B zu kommen. Wenn finanzielle Sicherheit gegeben ist, sind wir auf knebelnde Absicherung nicht mehr angewiesen.

4. Solidarität; mit mehr Wohlwollen in der Gesellschaft und dem Denkansatz, dass die aller meisten mit Sicherheit das geben, was sie grad geben können, kann sich jeder frei und aufgehoben fühlen. Nichtstun zB. ist wesentlich befriedigender, wenn es einem gegönnt wird.

Wir sind von all dem heute meilenweit entfernt. Und selbst wenn die Politik sich für ein Finanzierungsmodell des Grundeinkommens entschließen würde, bliebe als Hauptproblem der Mensch. Denn das Geld nehmen ist ja das eine, es dem anderen aber zu gönnen, eine ganz andere Geschichte.