Kindeswohl

Was ich neben ersten Arbeitstagen im neuen Job wirklich nicht sonderlich mag sind letzte Arbeitstage im alten. Noch etwas unbequemer gestaltet sich so ein Tag, wenn man neben Kollegen auch Fälle zurück lässt; Kinder in meinem Fall. In den vergangenen 14 Monaten habe ich in Kindergärten und Horten primär Kinder begleitet, die einen besonderen Bedarf haben. Hinzu kam die Beratung von Eltern, Erziehern und Lehrern. Neben vielen zauberhaften Kindern habe ich natürlich auch tolle Erwachsene kennengelernt. Manchmal kam es sogar zu einem guten Austausch oder einer gelungenen Zusammenarbeit; viel zu oft jedoch reagierten die Beteiligten gradezu stuhr und bockig und verweigerten eine effektive Zusammenarbeit. Geholfen wird durch eine solche Haltung niemandem, am aller wenigsten den Kindern, die ja eh immer am meisten auszustehen haben.

Und so habe ich in den vergangenen Monaten unglaubliche Beispiele an Fehlkommunikation erlebt, bei denen es viel zu oft darum ging die Kompetenzen oder das Ego einzelner Erwachsener in den Vordergrund zu stellen und nicht etwa das Kindeswohl. So kommt es also zu stande, dass der Verdacht einer Misshandlung droht im Sande zu verlaufen, weil Beteiligte A sich schämt es nicht früher bemerkt zu haben. In anderen Fällen werden dramatische Verdachte erhoben, weil Beteiligte B lieber anders behandelt worden wäre. Der Umgang mit etwas so elementarem wie dem Wohl von Kindern ist somit immer wieder willkürlich und durch das Ego von Eltern, Lehrern, Erziehern, Nachbarn und zuletzt Sachbearbeitern geregelt. Hinzu kommen strikteste Vorgehensweisen, die zwar das Prozedere absichern sollen, oftmals aber durch kleinste Verfahrensfehler alles endlos verlangsamen.

Der Umgang mit Fragen des Kindeswohls erfordert in erster Linie Fingerspitzengefühl und ein gemeinsames Auftreten aller Beteiligten. Nur wenn A den Verdacht von B Ernst nimmt, ihn gründlich überprüft und unter Umständen C und D hinzuzieht, nur wenn alle Beteiligten daran interessiert sind zusammen zu arbeiten und das best mögliche Ergebnis für das Kind zu erziehen, kann es funktionieren. Das Wohl von Kindern lässt keinen Raum für persönliche Konflikte, das Ego des einzelnen oder sonstige Animositäten. Keiner kann alles und jeder kann irgendwas. Und um wirklich gut zu sein, müssen eben alle zusammen wirken.

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