Eine Geschichte voller Missverständnisse

Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse; so lehrete es uns die Werbung in den 90er Jahren. Und während wir damals offenbar kaum wussten, wo das Zeug rauskommt, sind es heute neue Probleme, die das Phänomen „Bluten“ umgeben. In den Sozialen Netzwerken beobachte ich zwei Strömungen:

Zun ersten ist es die Entdeckung der öffentlichen Menstruation. Im Broadway-Format werden dort Stimmungsschwankungen, Hautausschläge, Schmerzen in allen erdenklichen Regionen sowie alle anderen erdenklichen Anzeichen der bevorstehenden Schächtung vorgetragen. Hat das Blut dann endlich begonnen zu laufen, werden in den schillerndsten Rot-Tönen die damit verbundenen Unannehmlichkeiten verwertet. Mitlesen soll oder darf jeder der es eben will, oder nicht rechtzeitig weggeguckt hat.

Die zweite Strömung ist die Entdeckung der Solidarität. Neben den ausführlichen Beschreibungen ist es nämlich durchaus erwünscht, dass auch Menschen mit einem Y-Chromosom und der Geschlechtszuordnung „männlich“ oder „meist männlich“ sich bemitleidend, anerkennend oder beeindruckt von dem Gemetzel zeigen und dies durch ein paar Worte zum Ausdruck bringen. Ist dies nicht der Fall; ok. Ist aber ein Y-Chromosom-Träger nicht begeistert, dann wird es hässlich. Menstruation ist schließlich jedermanns Sache…

Ich verstehe das alles nicht. Menstruation ist eben da. So in der Art wie Kacken, Pinkeln udn Ejakulation. Ganz genau betrachtet ist es mir egal, wie oft andere auf den Pott gehen. Auch ob sie dabei Krämpfe haben, welche Konsistenz das ganze hat und wie es aussieht ist mir scheiss-egal. Und, um es abzuschließen, es ist mir ebenfalls egal mit welcher Häufigkeit und welchem Drick oder ähnlichem andere Flüssigkeiten aus Menschen kommen. Ich habe Verständnis dafür, dass nicht jeder an dem Rotz interessiert ist, der da regelmäßig aus mir raus kommt und ich glaube fest, dass dieses Desinteresse kein boshafter Sexismus ist. Es zu akzeptieren, dass nicht jeder immer alles wissen will ist mir wichtig – ebenso wie ein achtsamer Umgang mit Beschwerden und all dem. Die Welt bietet genug Raum um Erfahrungen und Wissen auszutauschen, dutzende Gruppen beschäftigen sich mit den pikantesten Themen. Wer das möchte, der darf das. Und wer nicht, der muss doch auch nicht.

_Shitstorm los_

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