Traue niemandem!

„Herzlich Willkommen im Faschismus des 21. Jahrhunderts“, so oder so ähnlich scheint der Soundtrack unserer Zeit zu klingen. Beinahe täglich schmettern grausame Tatsachen durch die Timeline, gnadenlos und brutal. Polizeigesetz geSödert, der Bäckerskandal vom Lindner um nur die dicksten Fliegen meiner letzten Tage zu nennen. Jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft, nationale und internationale Katastrophen reihen sich fein aufgefädelt aneinander um dann, am Abend eines jeden Tages, fast unbemerkt wieder in der Versenkung zu verschwinden, runter gescrollt. Nur weniges hält sich länger als ein paar Tage.

Was dem menschlichen Geist nach so einem Tag bleibt ist eine Art emotionaler Nachgeschmack. Die sachbezogenen Inhalte sind weg, die emotionalen bleiben. Und die verkaufen sich wie warme Semmeln: Menschen sind böse, fast alle. Manche sogar sehr böse! Man hat stets Grund zu großer Angst, vertraue niemandem. Missachte das Fremde, verurteilt das Unbekannte. Setze dich nicht unvorsichtig mit dem Gedankengut des anderen auseinander; viel zu gefährlich. Menschen sind gefährlich, eigentlich fast alle, am meisten die, die du nicht kennst. Jeder kann der nächste Killer sein, eigentlich bist du fast tot. Traue keinem, traue nur deiner Angst. Deine Angst ist sicher, ist die Konstante in deinem Leben. Pflege deine Angst, lecke deine Wunden.

Menschen zu manipulieren ist so leicht. Dankbare Opfer, die sich nach einer einleuchtenden Lösung sehnen. Wenn man ihnen halt sagt, dass alle böse sind – dann sind alle böse. Guter Trick, denkt man da. Und so unfair und so dumm zugleich. Menschen sind nicht böse. Der Mensch ist ein hochsoziales Wesen, dass sich nach anderen seiner Art sehnt. Von Urzeit an lebte der Mensch in Gruppen, profitierte von einander und teilte seine Güter. Die Gruppe, unverdorben und frei von faschistischer Propaganda, ist in der Lage die Kleinen im Verband zu erziehen und die Schwachen zu tragen. Der Mensch ist ein Wesen das akzeptiert, neugierig ist und die Welt erfahren will. Unsere Vorfahren überlebten dank einer Mischung aus Vorsicht, sozialen Dasein und Neugier.

Boshaftigkeit, Skepsis und Hass machen einsam und verbittert. Sich im eigenen Saft zu wenden und keine neuen Einflüsse zuzulassen, ja sie zu verteufeln, führt zu gar nichts – außer zu verbitterten, ängstlichen Menschen, die nichts mehr erschaffen können außer Angst, Hass und Verbitterung. Und die sind dann das, was als kulturelles Erbe an die nächsten weitergegeben wird. Ein Lebensgefühl als Weisheit: Traue niemandem, du bist allein!

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