Kontrollierte Zentren

Inklusion schreit die Politik seit einigen Jahren. Alle sind gleich und wir heben Unterschiede auf. So versucht man es zumindest in beruflichen und schulischen Angelegenheiten mit deutschen Personen, die ein „Handicap“ haben. Alle anderen Anderen schiebt man nun in Konzentrationsla…. Entschuldigung; Kontrollierte Zentren.

Das Konzept ist, nicht nur von der NS-Regierung der 30er und 40er Jahre, bewährt. Minderheiten oder eben andere Andere, die man als Gefahr, störend oder sonst irgendwie problematisch erachtet, sperrt man ein. In einem Lager kann man Menschen super kontrollieren. Das Individuum verliert schnell seinen Glanz, alle werden zu einer Masse. Professionen, Verwandschaften, Fähigkeiten, all das wird aufgehoben. Aus Persönlichkeiten, Namen und Geschichten werden Positionen in einer Liste. Mittels gnadenloser Hoffnungslosigkeit bricht man den letzten Willen der Menschen und macht sie gefügig. Flucht erscheint schnell ausweglos, wohin soll man noch fliehen wenn es keinen Ort mehr gibt, an dem man als Person existiert und alle anderen einen nicht mehr haben wollen. Früher oder später wird man den Menschen arbeiten anbieten. Niedere, einfache Tätigkeiten. Gut gegen Langeweile, gut für die Wirtschaft.

Schon beim Schreiben beklemmt es mich massiv. Wir hatten das alles! Menschen, Persönlichkeiten und Lebensgeschichten gehören nicht ins Lager. Menschen gehören in ihr Leben; wo auch immer sie das hinverschlägt. Wor sind alle gleich, oh bitte! Habt euch doch einfach lieb und sehr, dass ihr so unglaublich viel voneinander profitieren könnt. Menschen einzusperren, nur weil sie von allem Verlassen, auf der Flucht und entwurzelt sind; wer tut denn sowas? Sprachlos!

Pazellonien

So langsam wird es mir klar, ich bin gar keine Garten- Niete! Was im vergangenen Jahr mit dem spontatan Versuch begann, einen recht stattlichen Kleingarten zu bewirtschaften erweist sich in diesem Jahr als recht funktionstüchtig. Alles blüht, wächst und trägt, ich bin ein bisschen stolz.

Wassermelone

Gurken

Kohlrabi

Doll; überall wächst Dill

Baby-Paprika

Apple

Der wahrscheinlich schönste Kartoffelacker der Welt

Zwiebeln, hier nur 6 von ca. 100

Mais

Mangold

Sonnenblumen von gut 2,50
So, fertig angegeben;)

Als die Lieder Texte bekamen

By the time I got to New York

I was living like a king

Then I used up all my money

I was looking for your ass

This way or no way

You know, I’ll be free

Just like that bluebird

Now ain’t that just like me?

Oh I’ll be free

Just like that bluebird

Oh I’ll be free

Ain’t that just like me?

(David Bowie/ Lazarus)

Bowie lang für das A-Hörnchen und mich im Auto, wie so oft. Und ich sang mit, wie so oft und mit viel Hingabe. „Will er frei sein wie ein Vogel?“ fagte das A-Hörnchen auf einmal. „Oh ja!“ antwortete ich ihm und erzählte von Bowies letztem Album, seinem bevorstehendem Tod und eben dem Lazarus. Mein Hörnchen lauschte aufmerksam und zum ersten Mal schien sein Englisch auszureichen um Zugang zu der großartigen Welt der textlichen Musik zu bekommen.

Ich habe früh angefangen Musik zu lieben. Die ersten Platten lieh ich bei Mama aus; ABBA, Beatles und Queen. Ohne jede Englisch-Kenntnisse ein hoffnungsloses Unterfangen. Es war.. so lala. Mit der 5. Klasse kam der Englisch-Unterricht und damit die große Offenbarung. Mit Dictionary, Stift und Papier bewaffneten arbeitete ich mich durch die Musikwelt.

Bis heute ist für mich primär der Zugang zum Text wichtig. Kann ich da mitgehen, mich wiederfinden und beziehen ist alles willkommen. Übrigens darf es inzwischen auch gern deutsches Textwerk sein. Aktuell hat es mit Judith Holofernes angetan, die in ihren Texten nur zu gut ihren Nagel auf meinen Kopf trifft. Haben ich mich einmal an einem Stück festgebissen, bleibt es; mit all den Emotionen, Gedanken und Erlebnissen, die ich einst an es gebunden haben. So kann das Abspielen einer willkürlichen Spotify-Playlist sowohl hoch-angenehme als auch deutlich anders aufgeladene Überraschungen mit sich bringen.

Ich danke all den großartigen Künstlern, Dichtern, Literaten und Textern dafür, dass sie mich immer wieder so begeistern können, mich über so viele Stunden so sehr begeistert haben und mich aus so manchen Tief gerettet haben. Ohne euch wäre das Leben irgehdwie dumpf.

Sicherheit

Ich wurde im Vorbeilesen auf den Begriff der Sicherheit aufmerksam gemacht. Etliche Menschen assoziierten mit Sicherheit zum Beispiel die Natur, das Meeresrauschen oder Ruhe. Aber was genau hat all das mit Sicherheit zu tun, und von was genau sprechen wir eigentlich, wenn wir Sicherheit meinen?

Per Definition ist Sicherheit das „höchstmögliche Freisein von Schaden“. Sicherer ist also, wer unwahrscheinlicher beschädigt wird. Um den Schaden besser zuordnen zu können, wir sprechen hier von der physischen und psychischen Unversehrtheit. Heile. Bei genauerem Hinsehen wird schnell deutlich, dass Sicherheit eng mit Bedrohung verbunden ist, mit Gefahr also. Und Gafahr?

Die Palette der möglichen Gefahren ist unendlich lang und reicht von existenziellen Gefahren wie Hunger und Durst, über Kriege, Naturkatastrophen bis hin zu modernen Gefahren im Alltag. Gefahr der psychischen Unversehrtheit durch einen meckernden Chef, eine beendete Liebe. Verlust, Armut, diverse Phobien. Gefahr kann fast alles bedeuten und dadurch ist auch der Begriff der Sicherheit hoch-subjektiv.

Der alte Mensch, vor langer Zeit, lebte in einem prinzipiell sicheren Umfeld. Er hatte seine Umgebung, seine mit Bedacht gewahlten Verhaltensweisen und seine Mitmenschen. Es gab zu benennende Gefahren, etwa durch Tiere, andere Stämme, Nahrung. Das Leben war zwar prinzipiell hart und objektiv gefährlicher als unseres heute, jedoch war es recht kalkulierbar. Hielt man bestimmte Regeln ein, könnte man in Ruhe und Frieden leben. Heute leben wir zwar objektiv in großer Sicherheit, jedoch ist das Gefühl der Verunsicherung vielerorts hoch. Die Hohen Anforderungen, der Fortschritt und die Geschwindigkeit machen das Leben unkalkulierbar. Hierdurch haben wir zwar im Mittel weniger Angst vor dem Sabelzahntiger in der Höhle, dafür aber vor diversen und zahllosen anderen Bedrohungen. Diese sind, und das ist ein Problem, für viele Menschen kaum greifbar und uberraschen einen immer wieder. Neben den kuriosesten Ängsten reagiert der Mensch mit latenter Daueranspannung – Stress.

Um sich sicher zu fühlen braucht der Mensch das, wovon seine innere Vergangenheit ihm vorschwärmt: Ein beschauliches, überschaubares Leben unter seines gleichen. All der Rest, das ganze hektische Drumherum, macht’s am Ende kompliziert – mit Sicherheit!

Anekdötchen

Mutti will mal eben das Untergeschoss feudeln. Der Vorgang ist denkbar einfach und unkompliziert: Küchenstühle und Bad-Acessoires hoch stellen, saugen, wischen. Die Realität war mal wieder anders und irgehdwie dennoch liebenswert.

Alles hochzustellen hatte ich grad erledigt, da kam der erste und musste aufs Klo. Da ich immer Klobürste und Mülleimer auf den Klodeckel stelle, wanderte beides runter und gut. Ich stellte es wieder hoch, holte den Staubsauger und saugte. Bis auf das ich kurz den Sattel des Einrades runter stellen musste ging bis hierhin alles reibungslos. Ich räumte den Sauger weg, füllte den Putzeimer mit Wasser und holte den Mob raus. Zum Menne sagte ich: „Ich werde jetzt hier wischen, jede Wette, dass in drei Minuten alle kommen?!“. Und so legte ich los.

Nach drei Sekunden kam die Freundin von C-Hörnchen. Spielen. Einrad rein, C-Hörnchen und Freundin rauf, dann wieder runter und wieder raus. Ich wischte weiter.

Nach 18 Sekunden kam das D-Hörnchen des Weges und wollte nur kurz mal vorbei. Er stapfte an mir vorbei und ich wischte weiter.

Nach 50 Sekunden kam das A-Hörnchen runter und musste auf Klo. Er ging ins Bad, stellte Bürste und Eimer runter, machte und ging. Ich stellte beides wieder rauf und wischte weiter.

Nach 124 Sekunden kam das B-Hörnchen; musste auf Klo. Sie stellte Eimer und Bürste runter, machte das es stank und ging. Ich stellte beides wieder rauf, wischte final auch im stinkenden Bad und setzte mich triumphierend auf einen Stuhl in der Küche.

Exakt bei Sekunde 179 fragte das A-Hörnchen, ob er ein Lagerfeuer machen dürfe. Ich ertränkte ihn im Wischwasser.

Superheld a.D.

Vor gerade einmal 26 Tagen hatte ich meinen ersten Arbeitstag im neuen Job und mein wichtigster Vorsatz war dieses Mal, kein Superheld zu sein!

In Anspannungs- und Anforderungssituationen neige ist stark dazu, ein Superheld zu werden. Ich kann dann alles, entwickle Löwenkräfte und zeige es allen so richtig. In aller Regel sind dann auch alle total schnell völlig begeistert, schließlich kann ich ja alles. Mit der Zeit wird es dann recht anstrengend diesem Pensum standzuhalten und es wird stressig. Daher dieses Mal der gute Vorsatz: Kein Held sein! Ich habe das ganz gut gemacht bisher. Ich habe Fragen gesellt, es langsam angehen lassen und noch kein einziges Mal versucht die Revolution einzuleiten. Bis gestern.

Nach einer heftigen Erkrankung am Wochenende sagte der Superheld in mir: „Klar kannst du Montag arbeiten. 800mg Ibuprofen zum Frühstück, 500mg Paracetamol um 11 und ab und zu heimlich einen Löffel Alete; was anderes kann ich kaum essen. Easy, keiner merkt was!“ Eine gute Freundin war es, die mir recht deutlich zu verstehen gab, dass das keine Lösung ist, ja sogar sehr dumm wäre. Und nun, da ich zu Hause geblieben bin, weiter das Bett hüten und gesund werde, fällt es mir wieder ein: Ich bin kein Superheld!

Und das ist so wichtig!! Denn die doofen Superhelden sind es, die die Messlatten so hoch setzten. Mütter, die immer alles hinbekommen sind stressig, Wohnungen, die immer aussehen wie geleckt, setzten einen über Druck und Superhelden im Job nötigen andere dazu, ebenfalls ihre Gesundheit zu vernachlässigen und den Helden zu geben. Ich bin kein Held. Ich bin nur ok so wie ich bin. In je näher ich mir selbst komme, desto ok-er bin ich.

Schritt für Schritt

Kurz vor der Geburt meines ersten Kindes erzählte mir meine Hebamme eine kleine Geschichte. Die Geschichte von Beppo, dem Straßenkehrer aus Momo.

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.

Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.

Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

(Michael Ende)

Unter der Geburt war die Metapher gut anzuwenden. Wehe für Wehe, Schritt für Schritt zum Ziel. Doch auch im Rest des Lebens ist es hilfreich das Kleine zu sehen, die aktuelle Herausforderung und nicht immer den ganz großen Rahmen. Leider gelingt das immer weniger.

So steigen viele junge Menschen zum Beispiel ins Berufsleben ein, mit dem Wunsch in eine Führungsposition zu kommen. Die Lister der hierfür zu erfüllenden Aufgaben ist lang und hemmt sich selbst. Anstatt sich gründlich einzuarbeiten, soziale Kontakte im Betrieb aufzubauen und „erst mal rein zu kommen“, geben sie gleich Vollgas, versuchen unersetzlich und Ultra-kompetent zu sein. Das stresst enorm und setzt die Messlatte hoch.

Genau so ist es in vielen anderen Lebensbereichen. Der dringende Wunsch bis zum 35. Lebensjahr drei Kinder und ein Haus zu haben, macht das Eintreffen dieses Ereignisses nicht wahrscheinlicher. Auch der klar formulierte Plan mit 40 ein abgezahltes Eigenheim zu besitzen und ein Ferienhaus in der Schweiz macht lediglich Stress.

Das was vielerorts unter Erfolg verstanden wird, hat zwar manchmal mit harter Arbeit zu tun, viel öfter aber mit Glück und Ausdauer. Letztlich bleibt die Frage, ob es denn überhaupt das ist, was einen glücklich macht. Das Leben läuft langsam und stetig, Schritt für Schritt. Manchmal verstehen wir die eine oder andere Schleife nicht, manchmal beißen wir uns an etwas die Zähne aus. Trotzdem brauchen wir all diese Erfahrungen um am Ende klug draus zu werden und ganz zu sein. Das Leben braucht keine festen Ziele oder Trophäen. Es reicht aus am Ende glücklich zu sein und mit dem was man hätte, all den einzelnen Schritten, im reinen zu sein. Und wenn man dann zurück sieht auf die lange Straße, und sie einem gefällt, mit all ihren Schlenkern, ihren Schlaglöchern und den Pfützen – dann ist doch alles gut!

Tonsillitis

„Nehmen Sie dieses Antibiotikum, dann wird es schnell besser!“. Mit diesen Worten gab mir die Ärztin beim Notdienst heute morgen mein Rezept. Ich kam mir fast etwas alber vor, zum ärztlichen Notdienst zu fahren. Jedoch war der Symptomaufbau erschreckend schnell, über Nacht bekam ich Fieber, mein Hals schwoll zu. Nix ging mehr. Und so saß ich da also, unter Dutzenden Menschen, denen man nicht ansah was sie wohl haben und vielleicht kamen wir uns alle etwas dumm vor.

Nach nur 2 Stunden war ich endlich dran. Fünf Minuten später wusste ich, dass ich eine schwere, eitrige Mandelentzündung habe und eben dringend dieses Antibiotikum brauche. Gut denkbar, dachte ich noch, sei doch das verzweifelte ausspucken von Speichel keine Dauerlösung.

Noch eine halbe Stunde später sass ich also zu Hause. Mit zwei weißen Torpedos in der Hand. Groß wie Zäpfchen aber zur oralen Einnahme bestimmt. Schon seit Stunden bekam ich Panik bei dem Gedanken Speichel oder Wasser Schlucken zu müssen; wie um alles in der Welt sollte ich diese Torpedos herunter bekommen? Was soll ich sagen?! Es ist wie Kinder bekommen – rückwärts. Fürchterlich, schrecklich, schmerzhaft und beängstigend und voller Hoffnung auf was tolles. Außerdem habe ich schlimmem Kaffee-Entzug. Dachte eben über intravenösen Konsum nach und kann nach nicht einmal 24 Stunden sicher sagen: Tonsillitis braucht kein Mensch!

Mein Computer

Vor gut 10 Jahren kaufte ich mir ein MacBook Air. Ich liebte es vom ersten Moment an. In vielen Vorlesungen hat es mir treu zur Seite gestanden, es war immer schnell, lief stabil und konnte 1000 Dinge auf einmal. So mag ich das. Vor allem aber war es pflegeleicht. Hat alles, kann alles, braucht nix. So lief es acht Jahre lang.

Vor etwa zwei Jahren vermeldete es unverhofft: Voll. Ich lösche etwa 1.000.000 Bilder, die mein Handy automatisch auf den Computer geschoben hatte, eliminierte den einen oder anderen Brief und das Problem war… behoben. Zunächst. Seit etwa einem halben Jahr ist er wieder voll. Voll mit irgendwas, denn Fotos sind es nicht. Schon seit Monaten muss ich einzelne Briefe löschen um ein neues Dokument zu speichern und nun, seit ein paar Tagen geht nix mehr. Er stirbt. Der Menne sagte mir, schon vor zwei Jahren, ich solle einfach mal alles runter holen und den neu machen.

Nun ja. Um dem A-Hörnchen zu erklären, warum diese Anforderung mich zum jammern und kreischen bringt, sagte ich eben: Es ist wie in ’nem dunkeln Raum zu stehen und einer schreit immer: „Mach mal Licht an!“ Ich aber weiß nicht was Licht ist. Ich kenne keinen Lichtschalter, keine Lampe. Ich stehe im Dunkeln und jammere. Erbärmlichest. Zur Stunde versucht mein Computer mit letzter Kraft „alles“ auf einen Stick zu schieben. Hoffentlich alles wichtige, alles lebenswichtige für den Kleinen und … na ja, von mir war nicht mehr viel drauf.

Und nachher werde ich ihn dann neu machen. Was immer das heißt; aber vielleicht werde ich den Lichtschalter ja finden.