Die Toten Hosen

Gestern gastierten die Toten Hosen in Bremen und ich war, zusammen mit allerbester Seelenverwandter, Teil der Veranstaltung. Ein riesiges Open Air, man hätte die Bühne glatt von draußen gut sehen können; aber was soll’s? Bezahlt ist bezahlt. Im Innen herrschte Volksfest-Charakter. Bierbuden, China-Imbiss, Pizzaladen und Dixi-Klo reihten sich in endlosen Reihen aneinander. Ebenso volksfestig das Publikum; nur Ballermann ist schlimmer. Zugegeben, ich war seit gut 20 Jahren auf keinem Hosen-Konzert, aber war das nicht mal anders???

Das Konzert an sich war nett. Also Lieblingslieder wie „Bonny & Clyde“ bereiten mir auch nach 20 Jahren eine große Freude. Erstaunlich jedoch die Art der Band-Ansagen. Früher waren es straighte, politische Ansagen, die den Rahmen der Konzerte Vorgaben. „Nazis Raus“ Sprechchöre gehörten ins Standardrepertoire – gestern hingegen stellte sich gelegentlich die Frage, wie hoch wohl der Anteil der AFD-Wähler in den Reihen ist. Spätestens beim Anblick eines völlig unbehelligten Eisernen Kreuzes auf dem T-Shirt eines sehr großen Menschen bestand kein Zweifel mehr: Willkommen im Mainstream.

Eine kleine Überraschung wartete am Ende des Konzertes. Einer der Streicher der Band ist der Sohn von Bon Scott (AC/DC). Er gab TNT und Highway to hell zum besten, sang zum verwechseln ähnlich wie einst sein Papa und ließ mein Herz einige Oktaven höher schlagen.

Ich will nicht sagen, dass es ganz und gar nicht gut war, in jedem Fall aber war es erschreckend anders; anders als früher, anders als erwartet. Möglicherhabe ich schlicht vergessen mich dem Mainstream anzuschließen. Solange das aber mein größtes Problem ist, kann ich da gut mit leben.

2 Gedanken zu “Die Toten Hosen

  1. Für mich waren die Toten Hosen schon immer die Böhsen Onkelz von halblinks. Schunkel-Punkel mit Proll-Garantie. Richtig aus war’s dann, als die Hosen für Gerhard Schröder Wahlkampfwerbung gemacht haben und Campino irgendwann gestand, dass er die Merkel irgendwie ganz gut fände.
    Da sauf ich doch lieber ganz ungeniert mit Bela B einen Lakritzlikör und genieße die gepflegte Sakko-Punk-Attitüde. Äußerlich vielleicht ein wenig spießig, aber innendrin noch ganz Zecke. Denn ich weiß wohl, was Attitüde heißt 😀

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