Wimmelbild

Küche und Esszimmer bilden den Kern unseres Hauses, hier findet alles statt und so sieht es dort auch oft aus. Aktuell sitze ich im Chaos von zwei Tagen und kann mich nicht entscheiden, womit ich anfangen soll.

Das Regal im hinteren Teil des Esszimmers ist halb leer und halb durcheinander. Man hat massiv gepuzzelt in den vergangenen Tagen, es stapeln sich Kartons, die alles andere als Sortiert wieder eingeräumt wurden. Zwei Regalböden sind leer und geben den Staub von mehr als drei Tagen preis, ein anderes wird von etlichen „Was ist was“ Büchern dominiert, die ebenfalls nicht in Reih und Glied stehen sondern viel mehr belebt daliegen. Die Sparschweine der Kinder sehen alle im dritten Boden, auf dem Kopf. Aus einem gucken neugierige 20€. Lediglich das obere Brett ist sauber und ordentlich, das Bild meines verstorbenen Opas und eine Modell seines Bootes stehen dort und begutachten belustigt mein Durcheinander.

Die Matte vor der Tür ist voll von braunen Blättern, Sand und Katzenstreu, das die Tiere imposant über Nacht in einem Radius von gut 1,5 Metern verteilt haben. Dieser Bereich knirscht erstaunlich deutlich unter den Füßen. Ins besondere Barfuß kein Vergnügen. Die Türen des alten Buffetschrankes stehen offen, sein Innenleben fügt sich friedlich in den Rest des Raumes. Alles ist übereinander reingestopft und irgendwie. Bastelpapier, Altpapier und ein alter Brautschleier bilden dort eine eigenartige WG zusammen mit Tischdecken, Luftballons und einem Kohlensäurezylinder. Ich glaube sie verstehen sich. Auf dem Schrank wohnt eine angefressene Tafel Schokolade. Neben einem Ikea-Bambus, der seine besten Zeiten hinter sich hat, stehen außerdem diverse selbstgebastelten Kerzenhalter aus altern Marmeladengläsern. Ein paar Zettel, ein Kuli und eine kleine Kiste, in die immer alles hineingeworfen wird, vollenden das Bild. Der Schrank ist beklebt mit Kunstwerken der Hörnchen und Postkarten. Er ist alt und trägt sein Schicksal mit Würde.

Der Esstisch ist gut belegt. Kaffeeetassen, Saftbecher und Malsachen sind gleichmäßig verteilt. Lediglich um die große Lache Apfelsaft ist etwas Platz gelassen. Er ergießt sich ambitioniert am Tischbein herunter und sifft gleichmäßig auf dem Boden in Richtung der Glasplatte vom Ofen. Drei karierte Geschirrtücher liegen in und um die Pfütze. Etwas abseits der Lache, auf dem Tisch, steht ein Teller mit drei Pfannekuchen, ein weiterer Pfannekuchen liegt sorgfältig drappiert daneben. Eine To-do Liste und ein Einkaufszettel liegen neben dem Kuli und dem Block Post-Its, der irgehdwie bedrohlichnach mehr aussieht. In der Mitte des Tisches steht meine rote JBL Musikbox, die Rettende Insel.

Der Boden zwischen Buffetschrank und Esstisch ist krümelig. Das alte Parkett verbirgt Brotkrümel prinzipiell lange, heute sieht man sie jedoch deutlich. Zwei Wimmelbücher liegen in den Krümeln und bidlen, zusammen mit einigen Papierschnipseln und den schon genannten Puzzlekartons ein schönes Bild. Am Rand stehen zwei Pakete, die dringend mal jemand zur Post bringen müsste, daneben auf einem Stuhl unbeeindruckt die Katze. In einer Ecke liegt ein Lego-Duplo Geschoss, irgendwann mal effektvoll abgeschossen und dann dort vergessen. In einer anderen Ecke ein schrumpeliger, gelber Luftballon, den bestimmt noch jemand lieb hat. Mein Rucksack steht in der Tür, als wollte er schon mal vorgehen. Ich kann es ihm nicht verübeln.

Auf einem Stuhl sitze ich. Telefon in der Hand, tippe. Mein kalter Kaffee steht vor mir und gleich werde ich anfangen. Gleich.

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