Cyborg

„Was genau macht denn ein Psychologe?“ fragte das A-Hörnchen nicht zum ersten Mal und ich erklärte. Sogenannte Störungen im Gehirn, der Stoffwechsel gerate durcheinander. Die Störungen sehen ganz unterschiedlich aus, manche machen ein bisschen verrückt, andere traurig, wieder andere laut. Ich helfe den Menschen die Störungen zu finden und vor allem helfe ich ihnen es wieder heile zu machen oder damit zu leben.

Das A-Hörnchen nickt verständig, sinniert einen Moment und ergänzt dann: „Dann machst du eigentlich das selbe wie A. (ein befreundeter Informatiker). Störung suchen, Störungen finden, reparieren.“ Ja, die Parallelen konnte ich erkennen, wenn auch ein wenig hinkend, da führte er fort:“Du bist ein Menschentherapeut und A. ist ein Robotertherapeut.“ und wieder stimmte ich bedingt zu und fragte mich, ob Informatiker eigentlich auch von ihren Patienten angeschrien werden, da erklärte das A-Hörnchen freudig, er würde später so eine Mischung daraus machen wollen. Kurz knotete mein Hirn und beinahe hätte ich gesagt, dass das wohl eher schwierig sein könnte, da schoss es mir durch den Kopf: Mein Sohn wird Cyborg-Therapeut! Irgehdwie gar nicht so unrealistisch! Gescheiterte künstliche Intelligenzen wieder zu rentablen Mitgliedern der Konsumgesellschaft machen; ein Träumchen! Ab morgen darf er an Siri üben.

Sie werden so schnell groß

Als letzter in der Runde hat heute das D-Hörnchen Geburtstag, er wird fünf. Eine ganze Hand voll, stolz zeigte er eben seine Finger. F-Ü-N-F!! Groß sei er jetzt, und warscheinlich hätte er nicht mal mehr Angst vor Bibi und Tina; wahrscheinlich. Für mich ist es zwiegespalten, meinen Mini, mein Baby, mein Nesthäkchen so groß werden zu sehen. Alles was ich mit ihm hinter mir lasse, kommt nie wieder zurück. Klar, einiges vermisst man nicht. Nachts stillen, wickeln, Trotzanfälle. Anderes dafür um so mehr.

Anstatt Mährasen sagt er jetzt Rasenmäher und aus dem Tium wurde ein Telefon. Seine Händchen verlieren diese zauberhaften Baby-Dellen und auch der letzte Speck am Thoraxe verabschiedet sich. Er wird selbstständig, verabredet sich viel und spielt in seinem Zimmer. Er entwickelt jeden Tag mehr eigene Vorstellungen, beginnt zu diskutieren. Fahrrad fährt er wie ein Alter, auch sonst weiß er seinen kleinen Körper gut zu benutzen. Das tapsige, kleinkindhafte ist fast weg. Heute morgen brachte ich ihn nun zum ersten Tag seines, und ja auch meines letzten Kindergartenjahres. Als Vorschulkind wird er jetzt noch ganz exakt ein Jahr in den Kindergarten gehen, der Große sein und den Kleinen die Welt erklären. Um dann im kommenden Jahr eingeschult zu werden.

Und was war es noch, was sie mir alle gesagt haben, bei jeder Geburt und immer wieder? „Sie werden so schnell groß, genieße jeden Tag!“, sagten Mama, Papa, Oma und Opa. Und nun, was soll ich sagen. Leute da draußen, die Ihr Kinder habt: „Sie werden so schnell groß! Genießt jeden Tag! Scheisst auf Überstunden und all den Mist, scheisst auf’s Geld und atmet jeden Tag, jede Minute mit euren Kindern tief ein. Schneller als ihr gucken könnt, wissen sie was WhatsApp ist und dann sind sie groß.

MettMaus

Geburtstage werden bei uns groß gefeiert. Lediglich die der Katzen vergessen wir regelmäßig. In diesem Jahr hat das A-Hörnchen die Initiative ergriffen und alles ist besser.

Zum 10. Geburtstag bekam unser Lotti eine Rinder-Mett- Maus mit Lecker – wohlgemerkt zubereitet vom Vegetarier. Zugegeben mit Gummie-Handschuhen aber vor allem mit viel Leidenschaft.

An Tagen wie diesen

Der Wecker klingelt früh, verdammt früh. Anstatt ins Büro geht es heute direkt in eine Klinik, außerhalb. Von meinem 9.00 Termin trennen mich allein 1,5 h Fahrt. Ich beginne solche Tage strukturiert, versuche gut vorbereitet zu sein um mir Stress und Zeit du sparen. So klingelte also der Wecker; früh.

Geistesgegenwärtig schnappte ich meine Klamotten und zog in die Dusche. Wenig später war alles erledigt, die Katzen gefüttert und ich machte mich mit einem Kaffee in der Hand auf den Weg. Der Bus kam schnell, fast schnell genug, denn inzwischen hatte ich bemerkt, dass ich meinen Kalender im Büro vergessen hatte – böser Fauxpas. Es nahm an fahrt auf. Im Bus war es voll und der Kaffee und ich fanden nur mit Mühe einen Platz. Erst beim hinsetzten bemerkte ich die helle Hose an meinen Beinen – böser Fauxpas.

Hier würde es hektisch. Für gewöhnlich schaffe ich es nicht lange unbekleckert zu bleiben, schon gar nicht wenn es gut wäre. Panisch balancierte ich Kaffee und Handy und nahm irgendwie Platz. Nachdem ich schon 30 Sekunden im Bus war, klatschte mein Handy schallend auf den Boden, der Kaffeebecher hinterher. Ich gratulierte mir selbst zu diesem großen Erfolg und kann mit Freuden vermelden: Hose sauber (7.19 Uhr…), Handy heil und die beste Investition aller Zeiten war der Kaffeebecher, der artig dicht hielt.

Und jetzt auf auf in den Tag. Es könnte der beste meines Lebens werden. Oder ein anderer.

AK Schnee

Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen! Die andauernde Hitze auszuhalten ist das eine, keinen Regen mehr zu haben; ok. Aber was wenn dieses verschobene Klima, diese Katastrophe, diese Treibhaus-Diktatur mit das wichtigste nimmt, das Highlight eines jeden Jahres; meinen Schnee.

Natürlich ist das alles nicht witzig, Erderwärmung, verschwindender Golfstrom und ja, auch ich mag Eisbären. Steigende Meeresspiegel können unseren Lebensstil in den kommenden Jahrzehnten etwas verändern und all das ist bedrohlich und vor allem unnötig. Was aber wenn es nie mehr schneit? Im Prinzip verbringe ich mein halben Leben mit Warten auf den Schnee. Ab Oktober studiere ich die Wolkendichte, die Geschwindigkeit ihrer Bewegungen und halte immer wieder die Nase in den Wind. Schnee kann ich riechen, Stunden bevor er weiß, dass er fällt. Schnee, das beste, größte und friedlichste, das der Himme mir schenken kann. Er macht die Welt in Ordnung, stellt einen kleinen Frieden her. Ganze Abende kann ich mit innigen Gesprächen über seine baldige Ankunft verbringen, die Vorfreude ist so gut. Wenn er dann endlich kommt, ist es wie eine Erlösung. Der beste Schnee allerdings ist der überraschende. Ohne alle Vorzeichen, ohne Warnung, fällt er plötzlich glitzernd, still und leise auf mich herab, verzückt mich mit seiner bloßen Anwesenheit und hält mich ganz fest.

Die Sache ist also ganz klar. Ein Leben ohne Schnee ist keine Lösung, Klimawandel somit also auch nicht. Ich gründe den AK Schnee, für den Erhalt des Schnees und stelle fest, dass es bei 35 Grad erst richtig gut ist über Schnee zu reden. Hach; Schnee!!

Kindergeburtstag malwieder

Zum inzwischen 29. Mal feierten wir heute Kindergeburtstag. Was in den Anfangsjahren meiner Mutterschaft eher stressig war und mich tagelang beschäftigte, ist inzwischen Routine. Einkaufen, backen, packen. Dieses Mal ging es in ein Natur- und Erlebnisgelände in der Nähe. Es braucht nicht viel um acht Kinder zu beschäftigen. Eine Schatzsuche (Dank ans A-Hörnchen) nahm locker eine Stunde in Anspruch, die restliche Zeit baute man Staudämme, durchforstete Höhlen und grub Gruben.

Das Gelände ist eine Oase mitten in der Stadt. Brombeeren ohne Ende, ein Baumhaus, dass auch Mama-Herzen höher schlagen lässt und ganz viel Gebüsch. Mehr braucht’s nicht.

Die Toten Hosen

Gestern gastierten die Toten Hosen in Bremen und ich war, zusammen mit allerbester Seelenverwandter, Teil der Veranstaltung. Ein riesiges Open Air, man hätte die Bühne glatt von draußen gut sehen können; aber was soll’s? Bezahlt ist bezahlt. Im Innen herrschte Volksfest-Charakter. Bierbuden, China-Imbiss, Pizzaladen und Dixi-Klo reihten sich in endlosen Reihen aneinander. Ebenso volksfestig das Publikum; nur Ballermann ist schlimmer. Zugegeben, ich war seit gut 20 Jahren auf keinem Hosen-Konzert, aber war das nicht mal anders???

Das Konzert an sich war nett. Also Lieblingslieder wie „Bonny & Clyde“ bereiten mir auch nach 20 Jahren eine große Freude. Erstaunlich jedoch die Art der Band-Ansagen. Früher waren es straighte, politische Ansagen, die den Rahmen der Konzerte Vorgaben. „Nazis Raus“ Sprechchöre gehörten ins Standardrepertoire – gestern hingegen stellte sich gelegentlich die Frage, wie hoch wohl der Anteil der AFD-Wähler in den Reihen ist. Spätestens beim Anblick eines völlig unbehelligten Eisernen Kreuzes auf dem T-Shirt eines sehr großen Menschen bestand kein Zweifel mehr: Willkommen im Mainstream.

Eine kleine Überraschung wartete am Ende des Konzertes. Einer der Streicher der Band ist der Sohn von Bon Scott (AC/DC). Er gab TNT und Highway to hell zum besten, sang zum verwechseln ähnlich wie einst sein Papa und ließ mein Herz einige Oktaven höher schlagen.

Ich will nicht sagen, dass es ganz und gar nicht gut war, in jedem Fall aber war es erschreckend anders; anders als früher, anders als erwartet. Möglicherhabe ich schlicht vergessen mich dem Mainstream anzuschließen. Solange das aber mein größtes Problem ist, kann ich da gut mit leben.

Dr. Martens

Früher habe ich zu jeder Jahreszeit meine heiß-geliebten Dr. Martens Boots getragen. Es begann mit einem Paar und nahm mit den Jahren bizarre Formen an. Auf dem Höhepunkt meiner Sammeleidenschaft waren es 16 Paare, in allen Farben, mit Blumen oder in Lack. Ich liebte meine Stiefel. Neben dem, dass ein gut eingelaufenes Paar Martens einfach mal läuft und läuft und läuft, verkörperten sie auch ein Lebensstil. Irgendwas zwischen Rebellion, Kampfgeist und Leidenschaft trug ich durch sie in die Welt hinaus. Mit den Jahren ebbte das Phänomen immer mehr ab und irgehdwann hörte ich auf an sie zu denken. In einem Karton schaffte ich sie irgendwann auf den Dachboden, heute habe ich nur noch ein einziges Paar; das erste. Schon lange nicht mehr tragbar, nicht mal ein Original aber der Inbegriff meiner Jugend.

Gestern stand ich im Schuhladen plötzlich vor einem Stapel Dr. Martens-Kartons. Mein Herz schlug plötzlich etwas schneller, ich wurde ganz aufgeregt. Ohne zu zögern nahm ich ihn in die Hande und da war es wieder um mich geschehen. Zaghafte Flashbacks durchströmten Kopf und Herz. Wie verzaubert begutachtete ich den wiederentdeckten Schatz und strich über das Leder. Alles wie immer, bis auf eine Kleinigkeit. Inzwischen stellt man ein Damen-Modell her. Weicheres Leder, anschmiegsamer und genau so wunderschön, kraftvoll und perfekt wie immer.

Die Sache ist besiegelt: Dieser Winter wird ein Martens-Winter. Endlich wieder!

Mein Freund der Computer

Mein neuer Job teilt sich in vier Viertel:

1/4 Mit Klienten Sprechen

2/4 Telefonieren

3/4 Mit Kollegen sprechen

4/4 Sachen am Computer machen

Mit den ersten 3 Vierteln habe ich überhaupt gar kein Problem. Ich rede gern und viel, bin hoch-kommunikativ und tausche mich gern aus. Probleme bereitet mir das vierte Viertel.

Schon in meiner ersten Arbeitswoche hackte ich irgehdwie den Schreibschutz der Arbeitszeiterfassung und killte sie. Keine Ahnung wie mir das passierte. Klug angelegte Ordner, auf die wie von Zauberhand alle zugreifen können, umschiffe ich galant, in dem ich versehentlich eine Kopie des Ordners anlege, diese fleißig bearbeite und nicht verstehe, dass das Ergebnis keiner sieht. Wenn ich etwas drucke, ist es immer ein bisschen wie Lotto, in wessen Büro das Dokument so raus kommt (der Kollege hat mir die drei identischen Stundenzettel dann aber gebracht…) und erst gestern verwustelte ich verschiedene digitale Klientenakten zu einem spannenden Knoten. Und die letzte Teamsitzung eröffnete ich mit den Worten:

„Eigentlich würden wir nun zunächst das Protokoll genehmigen, leider habe ich das an einen mir völlig unbekannten Ort gespeichert. Praktischerweise habe ich meinen Stundenzettel versehentlich in den Protokoll-Orner geschoben, somit könntet ihr den genehmigen.“

Der Lacher war auf meiner Seite und eine Kollegin gab zu, vor über 10 Jahren ein Dokument auf der Festplatte verloren zu haben, und es bis heute zu suchen.