Von Brüdern und Schwestern, anders

Das Einrad des B-Hörnchens wurde lange und intensiv von ihr benutzt. Die letzten Monate lag es allerdings staubig im Keller. Vor kurzem entdeckte das C-Hörnchen das Rad, begann zu üben. B-Hörnchen war außer sich vor Wut. „Das ist meins!“. Benutzen wollte sie es dennoch nicht.

Alle spielen zusammen Lego im Wohnzimmer. Urplötzlich beschließen die drei großen Hörnchen, dass D-Hörnchen nur die hell grünen Steine benutzen darf, raffen alles zusammen und lassen ihm alle sieben hell grünen. Die Begründung: Das ist so. Das Ergebnis: Literweise Tränen und lange Diskussionen.

Der Bau einer tollen Höhle im Wohnzimmer ist 45 Minuten lang super und artet binnen Sekunden zu einer beinahe-Keilerei mit fiesesten Beschimpfungen aus. Den Auslöser kennt schon Minuten später keiner mehr, aber alle hassen sich gegenseitig und spielen nie nie nie wieder miteinander.

„Komm wir spielen alle zusammen Schule!“ sagt das A-Hörnchen und alle zusammen laufen sie freudig nach oben. 46 Sekunden später heult das C-Hörnchen bittere Tränen. Sie durfte nicht mir rein, sie ist heute nicht alle.

Im Garten gibt es eine Schaukel – ein gewagtes Unterfangen mit vier Kindern. Denn wann immer ein Kind schaukeln möchte, wollen es die andern urplötzlich auch. An den 8-10 Tagen zwischen den Events möchte nie jemand schaukeln. Um auch ja der erste zu sein, rennen sie dann mit ohne Schuh und oder halb angezogen raus und binnen einiger Augenblicke heulen alle vier.

Am Esstisch erzählt jeder von seinem Tag; aus der Schule, von Begegnungen und die wichtigsten Erkenntnisse. Usus hierbei ist der stete Klugschiss. Sagt einer die Ampel war rot, weiß ein anderer sie war grün. Sagt einer stolz das Alphabet auf englisch, verbessert ein anderer irgendwas. Jeder weiß alles – besser!

Nachdem ich gestern von den wunderbaren Momenten zwischen meinen Hörnchen erzählt habe, möchte ich heute auch die andern Momente nicht vergessen. Täglich mehrfach, vielfach und manchmal dauernd gibt es nämlich auch Streit. Denn jeder hier ist einzigartig und das ist manchmal ganzschön anstrengend.

Von Brüdern und Schwestern

Das D-Hörnchen liegt krank im Bett, bebt vor Kälte und Schüttelfrost. Ich muss schnell runter, seinen Tee und das Fieberthermometer holen. Als ich wieder komme ist das C-Hörnchen unter seine Decke geschlüpft, wärmt ihn mit ihrer Körperwärme und liest ihm vor, so wie Zweitklässler lesen. Er genießt und genest. 39,8 Fieber und die beste Medizin ist seine Schwester.

B-Hörnchen schläft allein bei Oma. Als sie los will, schon mit Hut und Mantel da steht, geht sie zu ihrer Schwester, breitet sie Arme aus und halt sie ganz lange ganz fest. „Tschüss C-Hörnchen!“ presst sie heraus, als würden sie sich wochenlang nicht sehen. Danach geht sie zum D-Hörnchen, verwuschelt ihm liebevoll das Haar und hält auch ihn ganz fest. „Tschüss mein Baby-Vogel“ flüstert sie ihm ins Ohr und geht dann; für ganze 23 Stunden.

Als das A-Hörnchen sich vor der Klassenfahrt von seinen Geschwistern verabschiedet, liegen sich alle vier weinend in den Armen und beteuern ihre Liebe.

Beim Einkaufen mit A- und B-Hörnchen will ich den beiden und mir je einen Kinderriegel kaufen. Für beide ist klar, dass wir den Kleinen dann aber welche mitbringen müssen.

Auf dem Spielplatz sitzt das A-Hörnchen inzwischen bei mir auf der Bank. Plötzlich steht er auf und erklärt ohne Umschweife:“Ich muss mich mal eben um die Mädels kümmern!“ Seine Schwestern wurden auf dem Kletterturm von zwei Jungs genervt. Binnen Sekunden war Big Brother auf dem Turm und wies die Jungs galant verbal in ihre Schranken.

Im Schwimmbad gab es eine Schwimmmatte und eine Gruppe von vier älteren Jungs, die diese über Stunden nicht rausrücken wollten. Dann schloss sich meine Gang zusammen. „B- und C-Hörnchen, ihr taucht ran, das könnt ihr richtig gut. Zieht denen die Beine weg. Ich greiff dann die Matte wenn die überrascht sind und kletter schnell rauf. Ihr kommt dann hoch und wir paddeln schnell weg. Und D-Hörnchen, du schwimmst und die rum und kreischt. Das nervt die dann so, dass die abhauen!“ plante A-Hörnchen und eine Minute später spielten meine Kinder zu viert mit der Matte.

Ich kann es nicht anders sagen, die sind einfach toll. Jeder für sich und alle zusammen!

Kleine Aster

Ich möchte euch eins meiner Lieblingsgedichte vorstellen. „Kleine Aster“ von Gottfried Benn:

Kleine Aster

Ein ersoffener Bierfahrer wurde auf den Tisch gestemmt.

lrgendeiner hatte ihm eine dunkelhellila Aster

zwischen die Zähne geklemmt.

Als ich von der Brust aus

unter der Haut

mit einem langen Messer

Zunge und Gaumen herausschnitt,

muß ich sie angestoßen haben, denn sie glitt

in das nebenliegende Gehirn.

Ich packte sie ihm in die Brusthöhle

zwischen die Holzwolle,

als man zunähte.

Trinke dich satt in deiner Vase!

Ruhe sanft,

kleine Aster!

„Kleine Aster“ erschien 1912 zusammen mit 5 weiteren Gedichten in einem Band namens „Morgue“ was der Name des Pariser Leichenschauhauses ist. Gottfried Benn lebte in Berlin, war Arzt und bald auch Lyriker. Seine Werke leben von einer einzigartigen Art die Dinge zu beschreiben, sachlich und klar, ohne jede Wertung – so wie ein Mediziner es vermag.

Auch die „Kleine Aster“ mag ich für ihre nüchtern pragmatische Art. Alles endet, alles beginnt. Des einen Untergang ist des anderen Rettung, nichts hat mehr wert als ein anderes, alles ist gleich.

Der Chemnitz-Effekt

Die taz stellt heute die Frage, ob es durch die Ereignisse in Chemnitz vor einem Monat einen Anstieg rechtsradikaler Gewald gibt. Die Zahlen sprechen dafür, aber kann das sein? Aus psychologischer Sicht gibt es zwei Phänomene, die die These deutlich untermauern.

Zunächst muss die Gewöhnung angesprochen werden. Der Mensch gewöhnt sich recht schnell an alles und ist in der Lage blitzschnell Toleranzen aufzubauen – nicht gegenüber fremden Menschen, das ist wahr. Aber, gegenüber Verhalensweisen und Gegebenheiten, die er zwar nicht ganz überblickt aber dennoch ganz ok findet. Rechte Gewalt fällt klar in diesem Themenkomplex. Sie hat stattgefunden, es ist nichts schlimmes passiert, also war es ok. So simpel arbeitet das Gehirn, so simpel ist die Gesellschaft aufgebaut. Dieser einfache Mechanismus der Abstumpfung funktioniert tadellos, zum Beispiel auch im Falle häuslicher Gewalt, bei Seitensprüngen oder dem „blau machen“ im Job. Jede geglückte Aktion legitimiert die darauf folgende und damit das Gesamtkonzept. Die enorme Medienwirksamkeit der Rechten Gewalt in Chemnitz hat zwar auch zu einer beachtlichen Welle von links Geführt, warscheinlich aber hat sie auch mächtig abgestumpft.

An zweiter Stelle möchte ich den „Werther Effekt“ nennen. Der Werther Effekt ist ein Phänomen, dass seine Wurzeln im 18. Jahrhundert hat. 1774 veröffentlicht Goethe die „Leiden des jungen Werthers“, ein Drama, in dem sich ein junger Mann aus Liebeskummer das Leben nimmt. Das Buch wurde ein großer Erfolg, leider wurde bald deutlich, dass auch die Anzahl der Suizide junger Männer rapide zunahm. Viele der Suizidalen kopierten sogar den im Buch beschriebenen Suizid, so dass der Verdacht aufkam, dass die Suizide in direkter Verbindung zum Bich stehen. Mit der Zeit sich etablierte sich der Begriff des Werther-Effektes. Heute gilt es, von Suiziden in den Medien so wenig wie möglich kund zu tun, um mögliche Nachahmer zu vermeiden. Die Methode gilt als bewährt. Tatsächlich aber sind es nicht nur Suizide, die Menschen dazu animieren etwas nachzumachen, es sind auch zahllose andere Ereignisse, auf die dies zutrifft. Wichtig ist auch hier der große Erfolg einer Sache – so wie in Chemnitz! Die Gewalt, das Entsetzten, die große mediale Aufmerksamkeit; all das ist ein großer Anreiz für die, die zwar an sich nicht radikal sind aber sich die Aufmerksamkeit wünschen. Denn die Nachahmer vereint in der Regel weniger die Überzeugung an der Sache als die Gier nach Aufmerksamkeit.

Was also tun? Möglich wäre es, die mediale Ausschlachtung einzudämmen und die Motivation derer, die genau das suchen zu minimieren. Außerdem würde eine geringere Präsenz in den Medien auch die Abstumpfung geringer halten. Wichtig ist, dass ich nicht davon spreche die Dinge totzuschweigen oder zu ignorieren. Nur darf die Berichterstattung nicht aufgeblasen, blutrünstig und allzu theatralisch sein. Nüchterne Fakten, bewertet und gemessen am gesunden Menschenverstand und den Werten des Zusammenlebens, reichen aus um zu informieren und ein Bild zu verschaffen. Ein Mord wird nicht grausamer dadurch, dass beschrieben wird, wieviele Liter Blut in welchem Radius verteilt waren. Auch der genaue Tathergang, minuziöse Aufstellungen und Fotos dienen nicht der Aufklärung der Masse sondern sind klar reißerisch angelegt und dienen einem ganz anderen Herren. Wie so oft gilt ganz klar: Weniger ist mehr!

Mehr Brücken

Mehr Brücken braucht Bremen und breitere Straßen. Und eigentlich auch mehr Straßen, viel mehr. Die Stadt steht vor dem Kollaps, etliche Haupverkehrsadern sind chronisch so überlastet, dass kürzeste Wege 90 Minuten und mehr dauern. Ein neuralgischer Punkt hierbei sind die Weserquerungen, von denen es nur drei gibt. Auf allen drei Strecken geht nix, fast immer. Neue Brücken also.

Ich bin dafür, natürlich! Oft genug will ich nur eben über die Weser, auch per Rad, und muss dafür einen 4km Unweg in Kauf nehmen. Dass ein Plus an Straßen und Brücken jedoch das Problem an sich langfristig löst, kann ich mir nicht vorstellen. Sind denn nicht das eigentliche Problem die zu vielen Auto? Brauchen wir wirklich breitere Straßen, mehr Spuren und all das? Eigentlich nicht, es fahren genug Autos und die Umwelt dankt jede vermiedene Fährt. Ein Großteil der Fahrten könnte vermieden werden, wenn es nur attraktiver wäre die Öffis oder das Rad zu benutzen. Auch Fahrgemeinschaften wären eine Option. Die Frage ist also die, wo es denn hakt? Was bringt Tausende dazu, täglich endlos lange im Stau zu stehen und das auch noch zu einem immens hohen Preis? Hätte ich was zu sagen, wären es einige simple Punkte, die ich verändern würde.

Öffentliche Verkehrsmittel würde ich kostenlos anbieten. Ein Großteil der Betriebskosten ist eh subventioniert, spart man dann die Kosten für Ticketverkauf, Automaten, Kontrolleure und den dazugehörigen Verwaltungsapparat ein, würde es laut Studienlage gut aufgehen. Einfach, fair und eine deutliche Motivation.

Die Stadt würde ich viel fahrradfreundlicher gestalten. Mehr Raum, bessere Radwege, ein Plus an Sicherheit und gern mehr Brücken um Umwege zu umgehen. Die Anschaffung von Fahrräder sollte gefördert werden, zumindest aber könnten Krankenkassen und Arbeitgeber Anreize schaffen.

Park and Ride-Lösungen müssen besser ausgebaut werden. Auch die Möglichkeit ein Fahrrad im Zug mitzunehmen oder es am jeweiligen Bahnhof sicher abzustellen wären für viele Menschen sicherlich ein Anreiz.

Zu guter Letzt würde ich gemeinsam mit Schulen und Kindergärten nach Lösungen suchen, den unglaublichen Kinder-Lieferverkehr einzuschränken. Vielleicht der härteste Brocken; gegen Eltern in Rage kommt keiner an.

Übrigens, ich habe nix zu sagen. Dem entsprechend, vergesst alles was ich gesagt haben.

Tagenbaren

In der Katergorie „putzige Worte“ begegnete mir kürzlich der Begriff des tagenbaren Bremers. De Fraag ob ik een tagenbarn Breemer bün, kann ik fortsen mit ja beantwoorden. Denn mien Öldern un mein Grootöldern komme von Breem un ok bün ook hier grootworden.

Der Begriff „tagenbaren“ ist sein dem 15. Jahrhundert bekannt und bedeutete zunächst „als freier Mensch von freien Menschen geboren“. Hierbei war nicht etwa nur gemeint, dass jemand nicht im Kerker geboren ist, vielmehr ging es darum nicht als Kind von Sklaven oder aber einem Herren verpflichteten Bauern zur Welt gekommen zu sein. Mit dem 19. Jahrhundert verschwand der Begriff zunehmend, was man mit dem Verschwinden der Leibeigenschaft in Verbindung bringt.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts taucht der Begriff „tagenbaren“ im bremischen Platt auf, als Bezeichnung für einen Ur-Bremer, dessen Eltern und Großeltern schon in Bremen gelebt haben. „tagen“ leitet sich vom „Verbringen der Tage“ ab und „baren“ ist das Geboren-werden. Ich kann somit verkünden eine tagenbare Bremerin zu sein; glaube ich.

Ehrliche Worte

Gesten schüttete ich an dieser Stelle mein Innenleben aus, machte meiner Überforderung Luft. Einige von euch schnekten mir Mitgefühl, andere boten Hilfe an. Dafür bin ich dankbar. Der Grund mich derart offen darzulegen ist jedoch nicht der, dass ich Mitleid oder so möchte. Viel mehr fände ich es schwer sinnvoll wenn viel mehr von uns gelegentlich zugeben würden, dass sie an ihre Grenzen gestoßen sind.

Wir leben in einer schnellen, perfektionieren und effizienten Gesellschaft. Erfolg, Prestige und all das gehörten dazu, und selbst die Bescheidensten unter uns schwimmen irgendwie mit dem Strom und tragen das System. Denn eines ist in unserem Leben nicht erlaubt: Kaputt sein! 40 Stunden die Woche zu arbeiten ist nix und im Zeitalter von Waschmaschine und Trockner ist es jawohl keine Zumutung ein bisschen zu arbeiten – auch als Frau. Die Anzahl der Stunden, die man im Büro zugebracht hat, gelten vielerorts als Ausdruck von Erfolg und wahre Härte zeigt sich im Auslassen der Mittagspause. So ein Blödsinn, sage ich heute, nachdem ich erst gestern wieder einmal eingeklappt bin.

Immer mal wieder sollte man darauf hinweisen, dass das Leben kein Wettbewerb ist. Das Erreichen von möglichen Zielen sollte sich dringend auf persönliche Ziele und Wünsche beschränken und nicht darauf möglichst oft Mitarbeiter des Monats zu werden. Wir haben ein einziges Leben von vielleicht 80 Jahren. In diesem einen Leben haben wir abermillionen Möglichkeiten glücklich oder unglücklich zu werden. Ist das nicht eine Chance, die man nutzen sollte? Ich kann mir vorstellen, dass es wesentlich einfacher wäre schwach zu sein, wenn auch andere mal schwächeln. Anstatt Durchhalteparolen zu heucheln, könnten wir uns zum Break motivieren. Liegen lassen was nicht geht, ausruhen wenn nötig und Überforderung unbedingt benennen. Wenn alle um einen herum Superhelden sind, ist es so verdammt schwer zuzugeben, dass man nicht fliegen kann. Also bitte, Capes wegwerfen, Panzer ablegen und alle zusammen verkacken. Danach geht es einem gleich viel besser.

Der Aufstieg und Fall…

„Vier Kinder, Haushalt und dann noch arbeiten, toll wie du das alles schaffst!“

Ich weiß nicht wie oft ich dieses Satz schon gehört habe, hunderte Male bestimmt, vielleicht mehr. Der Grund ist banal: Offenbar bin ich enorm gut darin, es aussehen zu lassen als würde ich alles gut schaffen. In Wahrheit gibt es verschiedenste Phasen und ich durchlaufe sie zyklisch.

Phase eins: Alles ist gut.

Ich arbeite ein wenig nebenher, so 20h die Woche schaffe ich gut. Im Haushalt hilft mir eine Putzhilfe, die Kinder machen wenig Ärger, wenn aber doch etwas anfällt, habe ich Zeit um aufkommende Probleme aufzufangen und alles zu lösen. Ich bin zufrieden und habe alles unter Kontrolle.

Phase zwei: Ein bisschen geht noch

Ich entlasse die Putzhilfe weil ich mir komisch dabei vorkomme gelegentlich nichts zu tun zu haben. Selber putzen ist cool, ich mache das gern. Ich hab ja schließlich alles unter Kontrolle und was macht schon ein bisschen Haushalt. Easy

Phase drei: Noch ein bisschen

Ich bin nach wie vor nicht überlastet und komme so auf die gute Idee auf der Arbeit Stunden aufzustocken. Ein paar mehr, vielleicht 5 oder sieben. Ich gelobe wie sehr ich meinen Job liebe und wie gut es mir tut etwas eigenes zu haben.

Phase vier: Auslastung

Ich bin bis zum Ärgsten ausgelastet. Das System läuft. Wie ein Uhrwerk balanciere ich 28,5 Wochenstunden, Überstunden, Haushalt und all das große drumherum. Ich verfalle in den Zombie-Modus, funktioniere unter Hochdruck und lächle diverse Probleme geschickt weg. Nach außen habe ich alles unter Kontrolle, innen beginne ich schlecht zu schlafen, höre auf zu essen und bekomme Magenschmerzen.

Phase fünf: Ende

Der Heldenmodus ist nicht mehr aufrechtzuerhalten, ich knicke ein. Diese Phase dauert zwischen drei Stunden und mehreren Wochen. Ich verliere den Überblick, habe allen Fraktionen gegenuber ein schlechtes Gewissen. Die Kinder kommen zu kurz, der Job auch. Das Haus verdreckt und ich kacke körperlich ab. Geht es dann aufs Finale zu, bin ich ein weineneder Haufen Fleisch, der gerettet werden muss.

Heute ist Ende 5. Ich habe in den vergangenen Monaten einige Stunden für eine Kollegin in Elternzeit übernommen, nebenher geht es in der A-Hörnchen Schule heiss her. Energie leer, bitte um Rettung. Und nein, ich schaffe das nicht alles; zumindest nicht lange.

Johnny Thunders

Grad schenkte mir die Shuffle-Funktion von Spotify „Das Wort zum Sonntag“ von den Toten Hosen. Lange nicht gehört, ganz lang! „So lange Johnny Thunders lebt, so lange bleib ich ein Punk…“ singt Campino und gibt mir das Gefühl alles sei gut.

Johnny Thunders, denke ich. Wer ist das eigentlich? Und so Google ich mich schlau. Amerikanische Punk-Ikone der 70er und 80er Jahre. Bis 1975 Gitarrist der „New York Dolls“, bis 1978 bei den „Heartbreakers“ und danach solo unterwegs. Großer Einfluss in der Punk-Szene, viel zitiert, Heroinabhängig und dann das! Johnny Thunders ist tot! 1991 verstorben, an den Folgen seines Konsums.

„Ich bin noch keine 60 und ich bin auch nicht nah dran.. und wenn ich wirklich einmal anders bin, ist mir das heute noch scheiss egal.“

Johnny Thunders lebt gar nicht mehr, die Hosen machen keinen Punk und was ist eigentlich mit mir? Immerhin, die Vorstellung alles sei gut, so lange Johnny Thunders lebt, stammt in meinem Fall aus den mittleren 90ern, aus einer Zeit, in der Er schon tot war. Somit war also noch nie alles ok – oder eben doch schon immer. Alles ist gut, ich bin noch keine 60 und eines Tages werde ich es dennoch sein. So oder so.