Life on Mars

Das D-Hörnchen betrachtet eine Abbildung vom Mars und erkundigt sich nach den Marsmännchen, die dort leben. Ich erläutere, dass es dort keine gebe, man aber zumindest noch keine gefunden hätte. Er grübelt weiter und fragt dann:“ Und warum gibt es dann den Mars?“ Innerlich applaudierend suche ich nach einer geeigneten Antwort zu.

Die Planeten unseres Sonnensystems sind entstanden, weil an irgendwelchen Stellen zu irgendeiner Zeit so große Massen von Gestein oder Gas oder Marsmännchen auf einander gekommen sind, dass sie alle anderen Teilchen angezogen haben. Das ganze hat dann dazu geführt, dass riesige Mengen von Masse verdichtet wurden und ein Planet entstanden ist. Zugegeben, diese Antwort ist zwar irgendwie richtig, jedoch total langweilig und unverständlich und abstrakt. Definitiv aber ist sie nicht für einen fünfjährigen geeignet!

Ein anderer Denkansatz wäre es zu sagen, dass nicht alles Unbedingt nur existiert, weil es für jemanden oder für irgendetwas gut ist. Die Planeten sind halt da, sie sind nicht zu einem bestimmten Zweck entstanden. Genau so sind viele andere Dinge auf unserer Welt einfach da – sie dienen keinem hören Herrn. Ich mag den Gedanken, dass viele Dinge einfach nur schön sind und nicht immer Sinn und Zweck erfüllen müssen. Insbesondere bei Handlung oder Verhaltensweisen finde ich es vollkommen in Ordnung, wenn man einfach das tut was man für gut hält – ohne höheren Sinn oder eine Absicht dahinter. Auch halte ich es für wichtig, dass Kinder so etwas wie Schönheit und Vollkommenheit einfach nur erkennen können ohne in allem einen Zweck zu sehen. Das fällende Laub der Bäume, die schlagenden Wogen im Ozean; es ist wunderschön und sicherlich nicht entstanden, damit es einen tieferen Zweck erfüllt… An dieser Stelle meldet sich der Evolutionär mir. Durch das Schlagen der Wellen wird der Ozean mit Sauerstoff versorgt, durch das Abwerfen der Blätter sichert der Baum über den Winter sein Überleben,… Es ist doch ein Elend! Verfolge den wirklich alles einen Sinn und Zweck?!

Am Ende entschied ich mich dafür, dem D-Hörnchen zu sagen dass der Mars vielleicht einfach Erster war und die Marsmenschen noch nachkommen könnten. Mit Sicherheit die wissenschaftlich unausgegorenste Antwort die ich hätte geben können. Mit Sicherheit aber auch die, die das meiste Hoffen, den weitesten Horizont und den meisten Raum für Interpretation gibt. Und mal ganz im Ernst; wer weiß es denn schon? Gibt es Marsmännchen? Ist es denn wirklich ausgeschlossen, dass da oben irgendwelche kleinen Lebewesen unterwegs sind, und ein großartiges Dasein führen? Genauso gut halte ich es für möglich, dass wir klein-karierten, wissenschaftlich unausgegorenen Primaten einfach noch nicht dahinter gekommen sind! Vielleicht gibt es sie also, die kleinen Marsmenschen, die dort oben mit kleinen Spitzhacken und eigenartigen Plutonium-Geschossen großartige Gänge, Höhlen und Paläste in den Stein fräsen und sich darüber lustig machen, dass wir immer noch glauben sie wären gar nicht da.

Von der braunen Kacke

Unterwegs mit dem A-Hörnchen; Fragestunde ohne Grenzen könnte man es auch nennen. „Was will eigentlich diese AFD so schlimmes?“, begann er dieses Mal und so klärte ich auf. Von Reichen die reicher werden, von Armen, die ärmer werden; von Menschen auf der Flucht und deren Tod, der billigend in Kauf genommen wird. Ich sprach vom klassischen Familienbild, von Frauen am Herd und von der Benachteiligung von Alleinerziehenden. Ich sprach und sprach, auch über die Umwelt und Ignoranz die Missachtung und den fehlenden Respekt dem Leben gegenüber.

„Aber warum wollen die das?“, fragte er weiter. Ich sprach über die Angst zu wenig zu bekommen, über Bedenken und Neid. Ich versuche darzustellen, wir Unsicherheit und Panik dazu führen, dass Menschen aufhören logisch zu denken, aufhören fair zu sein. Es ginge um Arbeitsplätze und teure Autos, um Wohnungen und all das. Ich erklärte die Zusammenhänge zwischen Staatseinnahmen und Ausgaben, die Von Steuer und Haushalt und irgehdwann waren wir bei den Goldreserven und Staatsverschuldung. Er hörte aufmerksam zu, nickte und schwieg.

„Und wenn es weniger gibt, die hier sind soll es für die wenigen leichter sein reich zu werden?“, fragte er nach einem langen Vortrag meinerseits und ich bestätigte ihm, dass dies die Ansichg der AFD sei. Er schlug sich an den Kopf: „Das ist so dumm! Viel besser wäre es das Geld von der Bundeswehr in Schule und sowas zu schieben. Dann werden alle schlauer und wer schlau ist, der kann wieder besser helfen, dass es allen gut geht.“

45 Minuten später kamen wir an. Mein Sohn ein bisschen schlauer und ich stolz und schwer verknallt. Und mal im Ernst, wenn ein elfjähriger das so einfach mal eben checkt… Man man man!

Bei Gericht

Endlich war es soweit! Heute wollte das Gericht von mir hören was ich in Sachen Aktenzeichen XY denke. Ja, man lud mich zu Gericht und ich fühlte mich sehr offiziell. Besser noch, ich fühlte mich sehr hilfreich, denn die Eltern, denen man das Kind entzogen hatte, halte ich für weitestgehend kompetent und konnte es also kaum erwarten in ihrem Sinne auszusagen.

Nun hat man ja bestimmte Bilder im Kopf, bevor man zum ersten Mal in eine Situation geht. Das Gerichtsgebäude in Bremen ist sehr schön und alt. So erwarte ich einen wunderschönen, alten und mit Holzschnitzereien versenden Gerichtssaal, in dem wir, vornehmen und eben sehr wichtig und pflichtbewusst, Platz nehmen würden. Außerdem hatte ich mich in früheren Jahren ausführlich, mit Hilfe von Gerichts-Shows auf RTL, auf diesen Moment vorbereitet, und wusste also Dank Barbara Salesch recht genau was mich erwarten würde. Nachdem ich aufwändig die Kontrolle im Eingang passiert hatte (ich musste den Gürtel aus meiner Hose ziehen was wirklich eine eigenartige Angelegenheit ist, denn das tue ich in aller Regel nicht vor so vielen Menschen) ging ich in großer Vorfreude nach oben. Gleich würde ich den pompösen Gerichtssaal von innen sehen und Teil von etwas ganz großem sein!

Nach etwa 20 Minuten Wartezeit, vielleicht waren’s auch 30 oder 40, öffnete sich die Tür zum Saal und eine Frau rief missmutig auf den Flur: „Aktenzeichen XY kann losgehen!“ Wir betraten den Saal und Mich traf fast der Schlag. Der Saal war kein Saal, er war ein winziges Zimmerchen, dass von den Vor-Nutzern recht penetrant roch. Eine Handvoll Tische war lieblos zu einem Rechteck zusammengestellt, am Kopf der Tafel dass die Richterin, die zu meiner großen Freude wenigstens so einen schwarzen Mantel trug. Das Verhandlungsgeschehen war langwierig und trostlos. Allerlei uninteressantes Zeug wurde erst von A nach B dann von B nach A und am Ende vonA nach C geschoben und ich hatte zuletzt nicht den Eindruck, dass das Ergebnis optimal ausfiel. Die arme Richterin musste immer wieder Dinge in ein Diktiergerät sprechen, was ihr sichtlich und vor allem hörbar Probleme bereitete. Zugegeben, das ausbreiten von toxikologischen Befunden und dazu abgegebenen Statements ist sicherlich keine Freude – schon für Fachleute nicht, ganz sicher aber nicht für die arme Juristen.

Um es nicht unerwähnt zu lassen, das Verfahren ging zu unseren, also zu den Gunsten meiner Klienten aus und ich glaube, dass die anderthalb Sätze, die ich dazu beigetragen habe, absolut wichtig und prägnant fürs Verfahren waren. Ansonsten verbleibt mir dieser aller erste Besuch im Gericht als eine ziemliche Nullnummer. Und vielleicht sollte ich mir den wunderschönen Saal, von dem ich doch irgendwann schon mal gehört habe, einfach mal so angucken gehen. Am Tag der offenen Tür.

Kauft euch Lackschuhe

Schon seit Jahren habe ich ein Auge auf eine Eckkneipe hier in der Gegend geworfen. Das Gebäude steht seit mindestens 15 Jahren leer und versprüht einen unglaublichen Charme. Hundert mal habe ich es angedacht, halb gedacht aber eben nie zu Ende gedacht. Ein Kneipchen eben, zusammen mit Freunden. Nicht rentabel aber kostendeckend. Gute Musik, lecker Bier, Konzerte. Ja, das wäre was gewesen.

Gestern fuhren B-Hörnchen und ich wie so oft am Kneipchen vorbei und wie so oft sagte das Hörnchen kurz vorher: „Da ist dein Kneipchen!“. Als wir dann da waren stoppte uns der Atem. Am Kneipchen hängt ein großes Schild von einem Bauträger. „Hier entstehen sechs Eigentumswohnungen zu je 75 Quadratmeter; Kontakt,… “ Mein Kneipchen wird abgerissen! An seine Stelle, die perfekter nicht sein könnte, werden moderne Wohnungen rücken, einheitlich und modern, ohne Ecken und Kanten. „Wie Schuhkartons“ erläutert das A-Hörnchen und legt seine Hand auf meine Schulter.

„Zu lange gewartet!“ schießt es mir durch den Kopf. Zu lange gegrübelt, zu lange abgewogen, zu lange den Fehler gesucht. Jetzt habe ich ihn gefunden; aus der Traum. Und dabei könne es so einfach sein! Im Grunde wissen die meisten von uns was sie wollen und brauchen. Kompliziert wird es immer dann, wenn ein Wunsch nicht der Norm entspricht. All das, was als albern, unvernünftig oder unrentabel eingestuft ist, reden wir uns selbst wieder aus und ertragen lieber den Verzicht als uns den Blicken der anderen auszusetzen. Ich will das nicht mehr! Ja verdammt, ich bin dumm, unvernünftig, wenig rentabel – und vielleicht aber eines Tages glücklich.

Als wir am Kneipchen vorbei waren, zischte das B-Hörnchen noch verachtend: „Man Leute, wenn ihr’n Schuhkarton wollt, kauft euch Lackschuhe! Die sind auch hässlich, tun aber keinem weh!“ Und ja, so ist es wohl. Mein Traum steckt jetzt offiziell in einem Schuhkarton; in einem hässlichen dazu.

Ohne dich geht das nicht

In den frühen 2000ern guckte ich die „Gilmore Girls“, eine Serie über Mutter und Tochter, die in einer amerikanischen Kleinstadt spielt. Ein bisschen Wahnsinn, ein bisschen Witz und eine ganze Menge Herz, ich mochte es sehr. In aller Regel sah ich Folge um Folge mit meiner Besen Freundin. Wir zelebrierten diese Tage, zitierten viel aus der Serie, fieberten mit und begannen irgendwann die Episoden wieder und wieder zu sehen. Irgehdwann sprachen wir halt mit.

2016 kam es zum ersehnten Remake. Vier neue Folgen, die selben Schauspieler, sie selben Schauplätze. Unsere Freude war unbändig, was für ein Geschenk. Und dann kamen sie! Es war vollkommen klar, dass wir sie zusammen sehen werden, voller Euphorie und Hingabe, so wie immer eben. Vollkommen klar, bis gestern Abend.

Binnen inzwischen zwei Jahren haben wir vieles getan, und noch mehr nicht geschafft. Vor allem aber haben wir deutlich festgestellt, dass das Leben mit 18 irgendwie anders war als das mit heute. Man kommt schlicht zu nix wenn man so ein komisches Erwachsenenleben führt. Ja, bis heute haben wir es nicht geschafft die vier Episoden zu sehen. Gestern Abend stach mich dann der Hafer, ich wollt’s sehen, bat die Freundin um „Erlaubnis“ und streamte los.

Nach 30 Sekunden kam das erste Seufzen, in Leere. Keiner da der mit mir seufzt. Beim ersten Auftritt der Schauspieler war so viel zu sagen aber keiner hörte zu. In Minute 5 trat eine weitere Person auf, 3 weitere folgten… Ich kommentiere ins nichts, kein Antagonist. Bei 7 Minuten elf stoppte ich und brach ab. Du liebe Beste, ich kann das nicht ohne dich! Du glaubst gar nicht wie sinnlos, einsam und traurig Lorelei und Rory ohne dich sind, wir grauselig und ganz und gar falsch jede Sekunde war. Und ja, jetzt habe ich sie noch immer nicht gesehen, vor allem weiß ich wieder mal, dass ich einfach die beste Freundin der Welt habe, mit der die banalsten Dinge der Welt zum großen Event werden. Danke, dass es dich gibt!

Noch 69 Tage

Wieder einmal flogen zwei Wochen Ferien schnelller dahin als wir gucken konnten, wieder mal war es viel zu kurz und wie immer könnten wir alle noch viel viel mehr. Ganze Tage im Schlafanzug, ganz viel Zeit zum Spielen, essen wenn man Hunger hat und schlafen wenn man müde ist. Immer wieder stelle ich fest, wie gut wir waren, wenn wir uns nicht in dieses eigenartige System aus Zeiten, Pflichten und Anforderungen pressen müssten. So entspannt wie in den Ferien ist es sonst nicht.

Nun sind sie alle in den Betten, (na ja, A-und C- Hörnchen liegen bei B-Hörnchen auf dem Fußboden..) und können nicht schlafen. Morgen früh wird der Wecker um 6.33 das A-Hörnchen an den Rand der Verzweiflung treiben, mich noch weit davor. Um Punkt sieben werden wir alle entnervt, übermüdet und mieslaunig am Frühstückstisch sitzen und uns gegenseitig anpampen. Und morgen Abend geht es dann früh ins Bett; mitten am Tag, nur damit man am kommenden Morgen wieder viel zu früh aufstehen kann. Und in 69 Tagen sind dann wieder Ferien…

Vielleicht wäre Aussteigen doch eine Lösung. Leben auf Bali am Strand, nach dem eigenen Rhythmus, nach unseren Bedürfnissen und ohne Dogma.

Akzept Kongress

In den letzten Tagen fand in Hamburg der Akzept Kongress für akzeptierende Drogenarbeit statt. Als Mitarbeiterin einer Drogenhilfeeinrichtung nahm ich Teil und stopfte allerlei Erkenntnisse und Erfahrungen in meinem Kopf. Die Drogenpolitik in Deutschland ist immer noch weitestgehend hinterweltlich, wir leben in einem drogenpolitischem Entwicklingsland. Und doch hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan.

Sucht ist inzwischen als eine lebenslage, chronische Erkrankung anerkannt. Endlich beginnt sich die Sicht auf Sucht dahin zu wandeln, dass der Patient nicht schuldig und eigenverantwortlich für seine Erkrankung ist. Hinter jeder Sucht steht eine Geschichte, häufig keine schöne. Dies zeigt ganz deutlich, dass die Sucht ein Kanal ist eine Erfahrung, ein Trauma oder Emotionen zu verarbeiten. Ebenso wie psychische Erkrankungen ergreift Sucht Besitz und fragt nicht höflich, ob sie gewollt ist. Der Betroffene hat Anspruch auf Behandlung, Therapie und volle Inklusion.

Ebenfalls erfreulich ist, dass die Rollen von Nikotin, Alkohol und Cannabis sich um-formieren. Während Zigaretten und Alkohol lange als legale Rauschmittel vollkommen ok waren, wurde Cannabis bis vor wenigen Monaten als Droge gehandelt, wie Komain oder Heroin. Inzwischen zeigt die Studienlage deutlich, dass Cannabiskonsum, ebenso wie Alkoholübrigens, erst dann Schäden erzeugt, wenn er regelmäßig, intensiv und über einen langen Zeitraum erfolgt. Was Cannabis deutlich vom Alkohol unterscheidet, ist die Reversibilität der Schäden. So weiß man, dass chronischer Alkoholkonsum das Hirn irreversibel schädigt, chronifiziertes Kiffen jedoch zwar die kognitive Leistung einschränkt, dieser Effekt jedoch nach dem Absetzen des Cannabis nicht anhält.

Cannabis ist inzwischen in Deutschland als Arznei zugelassen. Hierbei ist für die reine Verschreibung keine medizinische Indikation vorgegeben; der Gesetzgeber schließt also prinzipiell kein Symptombild aus. Die Verschreibung dürfen außerdem alle Ärzte vornehmen, bis auf Zahnärzte. Lediglich in der Übernahme durch die Krankenkasse liegen einige Probleme: Die Kassen fördern für die Übernahme der Kosten, dass der Patient „austherapiert“ ist. Das bedeutet, dass er alle herkömmlichen Behandlungen und Medikamente schon ausprobiert hat und diese keine Wirkung gezeigt haben. Das Problem hierbei ist, dass ein Patient mit einer manifesten Depression, der vielleicht sogar weiß, dass Cannabis ihm hilft, zunächst eine breite Palette an Psychopharmaka testen muss, von denen einige sogar abhängig machen und andere die Persönlichkeit verändern. Auch Schnerzpatienten werden genötigt, zunächst alle verfügbaren Analgetika zu probieren, inklusive harter Opiate. Keine gute Lösung! Was bleibt ist das teure Privatrezept. Übrigens, Cannabis als Arzneimittel ist nicht automatisch „was zu rauchen“. Viele Produkte sind als unauffällige Tropfen zu bekommen und ein gut mit Cannabis eingestellter Patient darf sogar Auto fahren – was gut eingestellte Alkoholiker nicht dürfen.

Erfreulich ist, dass es in vielen vielen Städten in Deutschland inzwischen Drogenkonsumräume gibt, in denen Konsumenten sich unter hygienischen Bedingungen die selbstmitgebrachten Drogen spritzen können. Auch Rauchräume gibt es übrigens. Die Vorteile dieser Einrichtungen sind, neben den hygienischen Bedingungen und dem sauberen Spritzbesteck, dass geschultes Personal da ist, das im Notfall sofort handeln kann. Hierbei geht es nicht nur um Überdosierung sondern auch um die vielen Beimengungen, die im Stoff so drin sind. Inzwischen weiß man sicher, dass sowohl die Zahl der Drogentoten als auch die Zahl von konsumbedingten Erkrankungen wie Hepatitis oder HIV deutlich durch die Konsumräume zurückgehen. Die Verelendung der Konsumenten kann aufgehalten werden und auch der öffentliche Raum wird entlastet.

Ebenfalls neu ist das Drugchecking, dass in der Schweiz und in Österreich schon seit den 90er Jahren dazu gehört. Dieses ermöglicht dem Konsumenten seinen Stoff überprüfen zu lassen; auf den Wirkstoffgehalt und die Streckstoffe. Die Ergebnisse sind alarmierend! Der Wirkstoffgehalt von Strassenheroin zB. beträgt zwischen 3% und 15%. Hierdurch ist eine Überdosis vorprogrammiert; sieht man die Menge dem Stoff schlicht nicht an. Die übrigen 97% – 85% sind oftmals ein buntes Allerlei aus Paracetamol, ASS, anderen billigeren Opiaten oder nicht allzu selten auch Rattengift oder jeglicher anderen pulvrigen, weiße Substanz. Wichtig beim Drugcheck ist, die Ergebnisse mit dem Konsumenten zu besprechen, nach Möglichkeiten zu suchen; eben als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Es geht um viel mehr als den Dreck zu erkennen.

Meine Essenz aus zwei Tagen Input ist ganz klar, dass noch viel vor mir liegt. Ich genieße es, einen Arbeitsbereich gefunden zu haben, der mir so viel gibt und dem ich so viel zurück geben kann. Ich liebe meinen Job, habe schwer Bock was zu verändern und bin endlich angekommen.

Wenn eine eine Reise tut

Eine schnelle Zusammenfassung des Tages.

1. Der Akzep Kongress für akzeptierende Drogenarbeit ist spannend , informativ und regt zum Denken und Diskutieren an.

2. Alles ist lustiger, wenn man es mit der besten Freundin macht; Kongresse und Bahnfahrten und alles andere eben.

3. Zwischen Bremen und Hamburg liegen viele viele alle „Unterwegsbahnhöfe“ wie die bezaubernde Zugbegleiterin es nannte und allein für das Wort gehört diese gefeiert; und für die Süßigkeiten, die sie uns schenkte, damit wir uns endlich benehmen.

4. St. Pauli hat ein tolles Stadion, günstige Hotels, die kein Puff sind und ist tot schick mit laut. Ist eigentlich eher St. Pauli laut oder bin ich alt? Wirklich schick ist es in jedem Fall.

5. Viele Stunden zuhören, clevere Dinge sagen und klug Kontakten ist wirklich anstrengend.

6. Wenn man auf St. Pauli ist, sollte man dringend abends ausgehen, so richtig durch den Tisch treten und es unsagbar krachen lassen.

7. Wegen einiger der genannten Punkte ist man aber zu alt, angestrengt oder was auch immer und guckt deshalb ab 20.00 TV im Hotelbett. In mir steckt eben ein Rebell.

Risotto

Ab heute gehört Risotto offiziell zu den Dingen, die ich am allermeisten hasse auf der ganzen großen weiten Welt! Hier und heute für euch: das Risotto , in vier Akten.

Erster Akt: Euphorisch beginne ich damit, die Zutaten zurechtzulegen, alles zu schnippeln, die Töpfe aus den Schränken zu kramen und mir innerlich einen Plan zu machen. Mein Plan ist hervorragend! Ich werde das beste Risotto der ganzen Welt kochen, alle werden völlig aus dem Häuschen sein. An Schlotzigkeit, Sämigkeit und Bindung wird es nicht zu übertreffen sein, ich werde den Garpunkt exakt treffen und auch das unter gehobene Kürbismus wird, ebenso wie die Ziegenkäsesauce, ein Hochgenuss sein! Auf auf also, ich bin bereit! Kann doch alles nicht so schwer sein.

Zweiter Akt: ich koche hier ein wenig, koche da ein wenig und irgendwie gelingt es ganz o. k. Nach 45 Minuten bin ich der Meinung in wenigen Sekunden wäre alles fertig. Ich bereite das Finnisch, passiere die Sauce und bin zufrieden. Bis ich mir endlich die Mühe mache, die Reiskörner einmal zu kosten. Risotto muss durch sein, schlottzig und wenn überhaupt, so ganz gerade eben al dente. Mein Reis ist nach 45 Minuten allenfalls halb gekocht. Wenn auch das Risotto geschmacklich ganz o. k. ist, ist es zu diesem Zeitpunkt vollkommen ungenießbar. Meine Laune sinkt ins Bodenlose!

Dritter Akt: Ich beginne das Risotto zu beschimpfen. Nebenbei beschimpfe ich auch den Männe, denn der ist in der Küche und da hat er nichts zu suchen. Höchstwahrscheinlich hat seine blanke Anwesenheit mit dem Misslingen des Gerichts zu tun. 45 Minuten und die Scheiße ist immer noch nicht gar; was soll denn die verdammte Kacke? Wer um alles in der Welt kocht denn Risotto, wenn das sowas von in die Hose geht. Ich hasse Risotto und bin drauf und dran den ganzen Scheiß einfach in die Tonne zu kippen. Ich ärgere mich wahnsinnig über den hohen Warenwert und den völligen Verlust. Hinzukommt, dass die Kinder beginnen in Minuten Takt zu fragen, wann denn das Essen fertig ist. Ich antworte mit klugen setzen wie:“ Niemals!“ oder jagen sie einfach so wieder weg. Ich hasse Risotto so sehr! Der Männe empfiehlt mehr Flüssigkeit hinzu zu geben, daraufhin muss ich in leider töten und verkoche ihn in der Sauce. Risotto ist wirklich der letzte Scheiß!

Vierter Akt: Ich verlasse die Küche und stampfe wutschnaubend nach oben. Risotto kann mich mal am Arsch lecken. Zu meiner großen Überraschung sind die Kinder alle gut gelaunt, niemand ist dem Hunger Tod geweiht – eigentlich nicht mal ich selbst. Dennoch stresst mich das dämliche Essen ungemein und ich habe das Gefühl, wenn der blöde Reis nicht innerhalb der nächsten Sekunden durch ist, werden wir alle sterben. Der Menne übernimmt das Ruder am Herd, ich sitze maulend auf dem Sofa und schimpfe still und manchmal weniger still über den blöden Scheiß Reis. Mit etwa 1 Stunde Verzögerung ist der widerliche Fraß endlich fertig. Sowohl der Männe als auch alle vier Kinder erklären das Essen zu einem großen Genuss und loben es sehr. Ich persönlich kann es wenig genießen, es hat nicht gemacht was ich wollte, es hat mich einfach in Stich gelassen. Und mal ganz im Ernst! Ein popeliges Reisgericht, dass 2 Stunden braucht um endlich fertig zu werden – da kann ich mir auch gleich ne Pizza bestellen. Am Sonntag, um 18:30 Uhr! Das dauert dann auch 2 Stunden und macht alle irgendwie glücklich. Risotto finde ich echt sowas von scheiße!