Insomnia

Ich konnt nicht schlafen; mein Hirn.. Schwachsinnige Gedanken reisen von a nach b, untermalt von Jeopardy-Musik. *Bidiidiidibidiidii bidiidibidi bidiiidiiidiiidii bididibibididi bi diidii bidididi*. Wieso heißt Gardinen-Bleiche eigentlich Gardinen-Bleiche? Unsinnig, ist doch das Ziel der Behandlung nicht die Gardinen auszubleichen, sondern ihren ursprünglichen Farbton wieder herzustellen, *Bidiidiidibidiidii bidiidibidi bidiiidiiidiiidii bididibibididi bi diidii bidididi* weiß warscheinlich. Ich denke bei weiß ist es warscheinlich egal ob man den ursprünglichen Farbton auffrischt oder bleicht, ist halt am Ende weiß

Wie in einem Flipper gehen die Gedankenfetzen hin und her, mein Kopf fügt zu der Jeopardy-Mudik die Soundeffekte eines Flipperautomaten ein und erzeugt lustige bunte Lichtblitze. *Bidiidiidibidiidii bidiidibidi bidiiidiiidiiidii bididibibididi bi diidii bidididi*

Angenommen man nimmt die Anzahl der Straßenlaternen auf dem Weg zur Arbeit und die Anzahl der Streifen auf meinem Schlafshirt, nimmt beides mit 70 mal, bedenkt aber, dass ich 13x krank bin, was ist dann mehr? ^^ich könnte mal wieder Kartoffelpuffer machen! *Bidiidiidibidiidii bidiidibidi bidiiidiiidiiidii bididibibididi bi diidii bidididi* Die geschätzte Anzahl der Streifeb ist 27, die genaue Anzahl der Laternen ist 35.

„Weißt du wie viele Laternen auf deinem Arbeitsweg sind?“, frage ich den Menne. Er weiß es nicht. Piling pling, zirrr, pling pling zoooom. Wieso weiß der das nicht

70×27 ist jedenfalls 1890, sind es denn eigentlich 27 Streifen? Ich machte das Licht an, zahle nach. 27! Wahnsinn, bin ich gut. *Bidiidiidibidiidii bidiidibidi bidiiidiiidiiidii bididibibididi bi diidii bidididi* 1890 also, 35×70-13×70 ist 1540. fertig langweilig Pling pling, zirrr, pling pling zoooom Ping pling, zirrr, pling pling zoooom zoom pling Pling pling, zirrr, pling pling zoooom.

Schlafen wäre ja auch geil, bin sowas von müde. Ich denk an langweilige Dinge. Warten vor der Kneipe; Kopf plant Gespräche – böse Falle. Wirres bunt wandelt sich in lineare Strunkturen, planen. Was plane ich hier eigentlich und habe ich genug Eier für Puffer im Haus? Ich könnte aus den Äpfeln über auch Kompott

*Bidiidiidibidiidii bidiidibidi bidiiidiiidiiidii bididibibididi bi diidii bidididi* Silbermond. Die Frau heißt doch Stephanie Kloß. „Gib mir’n kleines Bisschen Sicherheit, in einer Welt in der nicht s..“ Boa, Silbermond kann ich ja auch nicht so gut leiden,

*Bidiidiidibidiidii bidiidibidi bidiiidiiidiiidii bididibibididi bi diidii bidididi*

Kompott also, witzig die Wortähnlichkeit von Kompost zu Kompott. Haha

Ich muss mal pennen… Langsames zählen

1…

2…

3… ich verwechsle ständig Geranien und Tagetis

1…

2….

3…….. wo war ich

ach ja Tagetis

1…..

1……..

1…….

Baumscheibe.

1………

Ist doch für’n Arsch.

Spätzle gehen auch mal wieder und Buntwäsche morgen.

1……

Fuck

1…..

1………

2…………

2……………

3……………..

4………………..

5…………………..

Rest bedenke ich morgen; lasse mich von Silbermond in den Schlaf jaulen.

Doof – Tag

Um halb neun strahlte mich das D-Hörnchen heute Morgen an. Ich wurde grad wach und alles was mein übernächtigtes Gehirn zu Stande brachte war der brachiale Gedanke:“Was will der denn hier?“. Beim Frühstück nervt mich jedes Geräusch, dass die Kinder machten. Auch als sie danach geschlagene 2 Stunden lang Scottland Yard im Esszimmer spielten, war ich eigentlich von jeder Bewegung, jedem Wort und jedem Geräusch fürchterlich genervt. Objektiv gab es nichts auszusetzen, subjektiv war ich schon um 10:00 Uhr dem Untergang geweiht. Meine Nerven lagen blank, ich hatte keine Ahnung warum. Beim anschließenden Einkauf hätte ich die Kinder liebend gern mit Eiern beworfen, oder mit Kürbissen. Nein, es hat mir keinen Spaß gemacht über jedes Teil zu debattieren und liebevolle Erklärungen zu den Herstellungsprozessen von Erdnussbutter und Mascapone zu liefern. Was hätte ich dafür gegeben, einfach alleine einzukaufen und meine Ohren auf Durchzug zu stellen. Im weiteren Verlauf des Tages wurde ich von zwei Besucher-Kindern, meinen eigenen und einer externen Verabredung des A-Hörnchens genervt. Genervt genervt genervt genervt! Ich war den ganzen Tag so entsetzlich genervt. Auch im Wartezimmer beim Kinderarzt, dass ich um gegen fünf mit dem A-Hörnchen betrat, konnte ich kaum einen Atemzug tun ohne um ein Haar die Kontrolle zu verlieren. Alles kaum auszuhalten heute.

Zu Hause wieder angekommen musste noch das Essen fertig gekocht werden, ich muss an dieser Stelle nicht extra erwähnen, dass der Menne natürlich falsch gekocht hat (was er natürlich nicht hat, aber ich konnte das nicht sehen) und überhaupt war alles schlecht. Oh ja! Es war so unsagbar schlecht alles heute. Als ich nach dem Abendessen einer Freundin mein Leid klagte, stellte sie nur nüchtern fest:“ Das hat man mal. Das ist dann ein Doof – Tag!“ Seitdem ist es etwas besser. Ich bin gar nicht kaputt! Ich bin heute nur ein bisschen doof. Dass ich trotzdem halbwegs fair geblieben bin, niemanden mit Kürbissen beworfen habe und, zumindest weitesgehend, freundlich und liebevoll mit den Menschen um mich herum umgegangen, ist eine großartige Leistung. Ich bin doof, und trotzdem bin ich noch lange kein Arschloch. Heureka!!

Bunte Republik Deutschland

Von Udo Lindenberg kann man halten was man will. Ich für meinen Teil halte viel von ihm, der kann nämlich quasi Gedanken lesen; und wenn er das nicht grad tut, dann hat er aller meistens aber wenigstens recht! Eben hörte ich „Bunte Republik Deutschland“ und dachte nochmals: Es ist so einfach!

Vielfalt und eine bunte Mischung an Ideen, Gedanken und Erfahrungen ist doch das, was das Zusammenleben erstrebenswert macht. Jeder Gedanke, den ich selbst schon hatte, den ich mit meinem Input eingefärbt und durchgekaut habe, wird erst dann vollkommen, wenn er mit dem Input der anderen vermischt wird. Das großartige am Menschen ist, dass er relativ reibungslos in Gruppen leben kann, sozial interagieren und gut kommunizieren kann. Das, was man als „hochentwickelt“ und „intelligent“ bezeichnet, ist kein territoriales Machtgehabe, sind keine infantilen Schwanzvergleiche sondern eben das, was uns über all die Jahrtausende zu dem gemacht hat, was wir sind: Vielfältige, offene Wesen, die in der Lage sind ihren Horizont immer wieder neu zu erweitern.

Und so nicke ich heftig mit dem Kopf bei den Worten „Wir steh’n am Bahnsteig und begrüßen jeden Zug,
denn graue deutsche Mäuse, die haben wir schon genug.“ und höre nicht auf zu hoffen, dass da auch wieder andere Zeien kommen und es eines Tages nicht mehr notwendig ist zu erklären, warum Menschen einfach toll sind; alle. Zusammen könnten wir so gut sein!

Nazis sind scheiße!

An der Straße stand eben ein Auto. Grau mattiert. Unter den schmalen Scheinwerfern waren Aufkleber angebracht, die fließendes Blut zeigten. Links und rechts vom Kennzeichen klebten Eiserne Kreuze, auf der Motorhaube war ebenfalls ein nobles, als Edelstahl gefertigtes Exemplar. Am Rückspiegel hing der Wimpel irgendeiner Vereinigung, Runen zieren das Konterfei. Das Kennzeichen enthielt viele Hs udn achten; wohl das Maximum, das seit dem Verbot bestimmter Kombinationen, zu bekommen ist. Das Auto wirkte ganz ohne Halter schwer bedrohlich.

Das A-Hörnchen sah es genau an, fragte dann, ob das nicht verboten sei. Ich verneinte und erklärte, dass ich es jedoch entsetzlich fände und am liebsten drauf pinkeln würde. A-Hörnchen nickte verständig und sah sich um. „Zu viele Leute! Autos anzupinkeln ist ja leider verboten.“ Hilflos starrten wir den Blech-gewordenen Ausdruck von Hass und Menschenverachtung an, sinnierten darüber, dass ja auch keiner was tut. Nach ein paar Minuten schloss das A-Hörnchen den Moment mit der Feststellung, dass er in Zukunft IMMER „Scheißverein“-Aufkleber mitnehmen werde. Man weiß ja nie.

Früher, in meiner frühen Sturm- und Drangphase, fanden wir es hoch revolutionär und sinnig den Mercedessen die Sterne abzubrechen. Mercedes fahren Bonzen, Bonzen sind Kapitalisten und Kapitalisten sind scheisse. Es war so einfach… Heute fahre ich selber Benz, bin kein Kapitalist und so sicher wie eh und jeh, dass ich Nazis auch in 20, 25, 50 und 100 Jahren noch scheiße finden werde.

„sich einen Strick nehmen“

„Da kann ich mir ja gleich ’nen Strick nehmen!“. Das sagt man so, und jeder weiß was gemeint ist. Aber wieso nimmt man sich eigentlich kein Seil, ein Tau oder einen Tampen?

Das Seil bildet den Ursprung der Wortfamilie. „Seil“ stammt aus dem indogermanischen Wort „sei“, was binden bedeutet. Später wurde aus dem Wort „sei“ das „zeelen“, was abseilen oder aber auch festbinden bedeutet. Hier leitet sich auch zum ersten Mal das heutige Wort „Seil“ ab. Die Definition für ein Seil ist:“ Aus Naturfasern gedreht oder geflochtenes biegsames und elastisches Element. Heute auch aus Kunststoff oder Draht gefertigt.

Der Strick tauchte zum ersten Mal um das Jahr 1400 n. Chr. auf. Er leitet sich aus dem althochdeutschen Wort „Stric“ ab, was soviel wie Fessel oder Schlinge bedeutet. Und hier schließlich auch schon der Kreis, warum man sich nicht ein Seil nimmt sondern einen Strick! Zum einen wurde die Technik des Erhängens erst zu dieser Zeit überhaupt modern, zum anderen bedeutet Stric eben ganz genau das, was ich bezwecken soll: sich eine Schlinge um den Hals legen. Die Merkmale eines Strickes sind, dass er gröber gefertigt ist. Er hat eine kürzere Haltbarkeit und ist mit weniger Mühe gemacht.

Die Begriffe Tau und Tampen stammen ausschließlich aus der Seefahrt. Hier benutzt niemand ein Seil, es ist sogar verpönt den Begriff zu benutzen. Das Wort Tau leitet sich aus dem niederdeutschen Begriff „touwen“ ab und bereitet so viel wie „bereit machen“ oder „klarmachen“. Ursprünglich ist das Wort Tau also ein Begriff für das Werkzeug, dass man benötigt um ein Boot klarzumachen. Der Tampen bezeichnet einzelne Stücke, die man mittels Spleißen, also Neu-verflechten einer bestehenden Takelage, von einem Tau abnehmen kann.

Ob auch Seefahrer sich einen Strick nehmen um sich zu suizidieren, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Höchstwahrscheinlich aber ist es Ihnen in diesem Moment eher egal.

Endlich mal wieder Spielplatz

Spielplatz; seit langem mal wieder.

Sektion A: Kinder von 1,5 bis 8 Jahren ohne Eltern. Kleidung eher etwas zu klein, schmuddelig. Brüder achten auf Brüder, kein Erwachsenen guckt. Alle 7 haben einen Lolli im Mund, rennen, schaukeln, rutschen und schlagen sich. Lollis, die tödlichste aller Waffen!! Lollis in Bewegung bohren sich immer erbarmungslos tief in den Rachen, das Kind erstickt, bald. Tod. Lollis! Nach 3,5 Studen sagt der älteste: Es ist sechs, wir dürfen rein. Alle gehen.

Sektion B: Eltern und Kleinkinder von etwa 1,5 bis vier Jahren. Auf jedes schaukelnde Kind kommen zwei Erwachsene, jeder Schritt ist überwacht. Die stylischen Kalmotten nehmen wenig schaden, die Kinder haben wenig Sandkontakt – sie werden getragen. Die Eltern rutschen ambitioniert und turnen an der Turnstange vor udn schaukeln. Ambitioniert! Die wissen was gut ist, Dinkelstangen zum Beispiel. Die sind gesund und bleiben nicht stecken, gegessen werden sie trotzdem lieber im Sitzen. Und heruntergespült mit einem Schluck Muttermilch. Man diskutiert viel; über Sand und werfen und schlagen und Dinkel.

Sektion C: Vier Hörnchen und wir. Die Hörnchen spielen, alle. Sind dreckig. Essen Bio-Pflaumen und Kuchen. Schreien sich manchmal an und bewerfen sich manchmal mit Sand. Der Menne und ich hüten die Bank; keine Bewegung, ab und zu ein anerkennender Blick. Mit weit aufgerissenen Augen beäugen wir das bizarre Treiben um uns herum. Was auch immer hier passiert, unsere Kinder sind zufrieden und wir ja irgendwie auch. Als ich rufe, dass wir zum Abendbrot nach Hause wollen fragt das D-Hörnchen:“Was gibt es?“ und ich trällere erfreut über den Sand:“ Dosenravioli!“. Ein Raunen erhebt sich, dann aber beginnen wieder die Gespräche über Lollis und Kohlenhydrate und so.

In der Not..

… frisst der Teufel Fliegen, so sagt es der Volksmund. In Wirklichkeit aber sind es Globuli, die in höchster Not verabreicht werden, und denen man magische Kräfte nachsagt.

Es beginnt in aller Regel mit dem ersten Kind. Das oberste Ziel aller Eltern: Glückliche Kinder! Und dann kommt der Tag, an dem das glücklichste Kind der Erde einfach nicht aufhören will zu weinen. Bauchweh, sagt man dann so und tut was man kann. Fliegergriff, Kümmelsalbe, Massage und dann irgendwann das erlösende Virbucol-Zäpfchen. Hömöopathische Ruhe für entnervte Eltern. Kaum ist der Zapfen im Kind, entspannen sich Knirps und Gefolge, wie von Geisterhand. Auch beim ersten Zahn helfen Globuli, Chamomilla muss es sein, oder Osanit. Gegen den ersten Schnupfen hilft Ferrum phosphoricum comp. und Übelkeit und Erbrechen kuriert Nux Vomica. Auch Okubaka gegen Durchfall und Belladonna gegen Fieber sollten in jedem Haushalt zu finden sein. Bei spezielleren Wehwehchen gibt es zum Beispiel Coffea gegen Einschlafprobleme, Sol gegen Sonnenbrand, Spongia gegen Pseudo-Krupp oder Arnika gegen Hämatome. Euphrasia stärkt die Bindehaut und Symphytum hilft der Schwangeren gegen Beschwerden in der selben.

Was all diese Mittel eint ist das gute Gefühl was getan zu haben. Verzweiflung ist kein guter Lehrmeister und so sagt sie den Eltern lediglich eins: Mach was, sonst stirbt es! Und Eltern machen! Spielplatz Top-Thema: Was gibst du bei… Auch die Bücherregale der Jung-Eltern sind voll mit Homöopathie-Ratgebern und jedes Geburtshaus, das was auf sich hält, bietet Kurse an. Und ja, auch ich war voll drauf. Alles hätte ich getan um Schlaflosigkeit, Zahnweh oder so manche Trotzphase abzumildern und die harmlosen Kugeln waren da ein willkommenes Mittel. Heute sehe ich das anders. Die meisten Wehwehchen kann man gut mit kuscheln beheben. Hilft das nicht oder wirkt zu lapidar, ist ein Arzt eine gute Idee. In erster Linie brauchen kranke Kinder sichere Eltern, die das Gefühl vermitteln alles unter Kontrolle zu haben. Ist das nicht der Fall, ist es Aufgabe der Eltern, sich kompetenten Rat einzuholen.

Zugegeben, in ausgewählten Einzelfällen gebe ich nach wie vor ein paar heilende Kugeln; komplett aufzuhören ist ja auch schwierig.

Die erste Zeit

Als 2007 das A-Hörnchen zur Welt kam begann ein neuer Lebensabschnitt. Jedem in meinem Umfeld war das klar, dass ich von nun an sehr glücklich und müde sein werde. In Wahrheit hatte ich mich mit dem Thema „Kind und Leben“ wenig beschäftigt, war davon ausgegangen, dass alles seinen Gang nehmen würde. Vielleicht wäre es so leicht gewesen, hätte ich schon damals die Banalität von Glück erkannt. Anstatt mein eigenes Glück zu finden, versuche ich das zu erfüllen, was alle anderen offenbar erwarteten – und zerbrach fast daran.

In den ersten Wochen nach der Geburt sass ich oft nachts da, stillte das Baby und wartete. Worauf ich so sehr wartete, war mir lange nicht klar, aber ich stellte lange Überschlagsrechnungen an: Das Kind ist zwei Wochen alt, jedes Jahr hat 52 Wochen. Mindestens die ersten 6 Jahre wird das Kind min sehr brauchen, das macht 312 Wochen, davon sind 2 rum. Das heißt in 310 Wochen bekomme ich vielleicht ein Stück meines Lebens wieder. Ab und zu schläft es vielleicht bei den Großeltern, später. Also 308 Wochen verschenkte Lebenszeit… Mein Hirn suchte nach Strategien, diese elende, sinnlose Zeit zu überstehen und verzweifelte immer mehr. Als A-Hörnchen ein paar Wochen alt war, hätte ich ihn gern diesen vielen Menschen überlassen, die ihn immer alle so niedlich fanden. Für mich war er anstrengend und der jenige, der mein Leben an sich riss und es Schritt für Schritt zerstörte.

Das war mich damals so lähmte und die ersten Monate als Mutter zum Höllenritt machet, nennt man Postnatale Depression. Eine Mischung aus Erwartungen an sich selbst, Überforderung und einen Hormoncocktail zwangen mich in die Knie. Es war nicht so, dass ich mein Kind nicht liebte, doch hasste ich das, was es aus mir machte. Ich hatte kein Bild von mir selbst als Mutter im Kopf, und alle alten Modelle passten plötzlich nicht mehr. Ohne jede Identität war ich in meiner neuen Rolle hoffnungslos verloren. Ich liebte mein Kind und hasste mich dafür, selbst das nicht vernünftig hinzubekommen. Jede Abweichung vom Plan A, jede Kleinigkeit, die nicht so lief wie ich sie mir überlegt hatte, brachte mich an den Rand der Verzweiflung – und jeder der schon mal mit einem Baby gelebt hat weiß, dass nie etwas nach Plan läuft. So lebte ich am Rand der Verzweiflung, nach außen sehr glücklich, nach innen anders.

Letztlich war es eine Therapie und vor allem der Kontakt zu anderen Müttern, der mich aus dem Sumpf zog. Zu sehen, dass andere Babys auch weinen, andere Mütter auch Sorgen haben, andere auch ihren scheiss Haushalt nicht schaffen; das tat gut. Ganz langsam, nach und nach erschuf ich ein Bild von mir als Mutter, eine Identität. Und irgendwann hörte ich auf die Wochen zu zählen, die es dauern würde, bis ich mein Leben wieder bekomme und integrierte das Neue in mein Leben.

Erwartungen sind gefährlich. Grade für junge Mamas, die ihr erstes Kind bekommen haben, werden sie schnell zu einem Spießrutenlauf. Jeder hat einen guten Rat, jeder weiß alles besser. Es gibt tausend Punkte die man zerreden und zerdenken kann und die aller meisten davon sind es nicht wert. Ob Babys im Familienbett schlafen oder in der Wiege, Stillen, Flasche, abpumpen; Brei selber kochen oder aus dem Gläschen nehmen. Weichspüler meiden oder nutzen,…. All das und Millionen Pünktchen mehr sind indiskutabel und egal. Jeder wie er mag und anstatt sich das Maul über die zu zerreißen, die in Grund alles toll machen, einfach mal auf sich selbst schauen. Das kann verdammt hilfreich und interessant sein.

Die Büchse der Pandora

Das Ende der Geschichte ist, dass alle vier wieder da sind, spielen und streiten. Na ja, und das mir ein wenig die Beine schmerzen, zum Glück nicht der Kopf. Gestern war Tanznacht in der kleinen Keller-Disco meines Vertrauens und so habe ich getanzt. Die ganze Nacht, bis in den Morgen, glücklich und zufrieden. Eigentlich braucht’s nicht viel mehr um mich sehr glücklich zu machen. Ein paar Menschen die ich mag, gute gute Musik und ein wenig Platz zum bewegen. So in etwa lautet das Rezept, mit dem ich es verlässlich schaffe meinen wirren Kopf und allerlei Problemchen einfach mal auszuschalten. Die Büchse der Pandora, ein paar Studnen lang leben ich mein anderes Leben.

Und eben kamen sie dann alle wieder. Von Oma und Opa und Opa und Oma, voll mit Erlebnissen und tollen Geschichten begrüßten sie sich, als hätten sie sich Monate lang nicht gesehen und begannen sofort zu spielen – als wäre kein Wimpernschlag vergangen. Und wieder bin ich glücklich; sie alle zu haben, das alles zu erleben und irgendwie beides Leben zu dürfen. Mein Leben, ihr Leben und unser Leben.

Mein Dank gilt den Omas und Opas, die uns immer wieder diesen Freiraum schenken, dem lieben Musikmann von gestern Abend, der mich Lied für Lied durch den Abend getragen hat, der lieben Freundin, die Stunde um Stunde mit mir getanzt hat und dem Menne, des mir so lange dabei zugesehen hat.