Das Genie und das Chaos

„Ornung ist das halbe Leben, und du lebst in der anderen Hälfte!“ Dieses Mantra haben meine Eltern mir runter gebetet, damals, als mein Zimmer einem Tempel für das ultimative Chaos glich, man faktisch nie dem Boden sah und Schreibtisch und Fensterbänke nur zu erahnen waren. Damals, als jeder Millimeter meiner Wände mit Postern, Postkarten und allem erdenklich anderem tapeziert waren, als es den Anschein machte als müsste meine gesamte Persönlichkeit irgendwie in 8 m² untergebracht werden.

Heute bin ich es, die immer mal wieder zur Verzweiflung getrieben wird. Kinder vorbereiten Chaos, Eltern räumen auf. So ist es eben! Insbesondere das A – Hörnchen scheint aber immer wieder vollkommen nicht in der Lage zu sein, Ordnung zu halten. Nein, es ist gerade so als Zier er das Chaos magisch an und sei noch der natürliche Multiplikator. Sein Zimmer übertrifft alles was ich je gesehen habe, und das erstaunliche ist, dass er auch alle anderen Räume des Hauses immer wieder in Windeseile in völliges Chaos versetzt. Ja, es ist hier beeindruckend was er dazu Stande bringt.

Aber was hat es eigentlich auf sich mit dieser Ordnung? Was braucht ein Mensch Ordnung zu halten, was motiviert ihn und was hilft ihm dabei?“ Das Genie hält keine Ordnung, es beherrscht das Chaos!“, Eine Weisheit, die gern von all den Chaoten preisgegeben wird. Aber ist das so? Sind die klugen Menschen einfach chaotischer? Und wenn ja, was soll der Blödsinn dann? Oder ist es in Wirklichkeit einfach so, dass der Chaot zu blöd ist um Ordnung zu halten?

Und Ordnung zu halten braucht es erst mal einige wenige Grundvoraussetzung. Man muss Prioritäten setzen können, also entscheiden was benötige ich, was benötige ich nicht, man muss sich von Dingen trennen können – dieses berühmte Wegwerfen, dass so vielen Menschen wahnsinnig schwer fällt und man muss einen gewisse Grunddisziplin mitbringen, und Ordnung überhaupt aufrechtzuerhalten. Sind diese drei Eigenschaften ausnahmslos gut aus geprägt ist es vollkommen einfach. Nach dem man etwas benutzt hat, legt man es sofort wieder dorthin zurück, wo ist hingehört. Benötigt man etwas nicht mehr, schmeißt man es weg. Durch die Fähigkeit zur Priorisierung, fallen im Haushalt keine unnötigen Gegenstände an, die Unruhe und Chaos verbreiten könnten. Nur trifft dies ganz offenbar auf die aller wenigsten Menschen zu. In den meisten Wohnungen stehen Erinnerungsstücke, Fotos oder selbst gebastelte Accessoires. Es gibt hier mal einen Strauß Blumen, da mal ein bisschen Chichi und das ein oder andere Erinnerung Stück. Die meisten Menschen stellen ihre Kaffeetasse nicht sofort in die Spülmaschine und ebenso viele Menschen lassen hier und da mal eine Socke fallen. Wirklich von Grund auf aufgeräumt und damit in meinen Augen fast steril, Leben die aller wenigsten.

Nun lässt sich hier mit allenfalls festhalten, dass die allermeisten Menschen wahrscheinlich durchschnittlich gut in der Lage sind Prioritäten zu setzen, durchschnittlich gut dazu in der Lage sind, Dinge weg zu werfen und durchschnittlich diszipliniert sind. Der eine oder andere. Mag etwas besser oder etwas schlechter aus geprägt sein, in Mittel reicht es aber dazu nicht völlig im Chaos zu versinken und einen eben durchschnittlich aufgeräumtes Leben zu führen. Doch was ist mit diesen Chaoten, den Leuten bei denen es zwar nicht fürchterlich dreckig ist, bei denen aber ganz augenscheinlich das Chaos zu herrschen scheint und man weder Priorität noch Disziplin erkennen kann? Tatsächlich geht man davon aus, dass die Gruppe dieser Menschen sich in etwa zwei teilt. Die Strunkturlosen, die es einfach nicht können und die überdurchschnittlich Schlauen. Die eine Hälfte, nämlich die wirklich unstrukturierten, räum halt schlicht nicht auf. Dinge werden liegen lassen, es wird er gehortet als weggeworfen und die Priorität liegt in der Regel nicht auf dem, was gerade angesagt wäre.

Die andere Hälfte zelebriert ihr durcheinander. Diejenigen unter den Chaoten, die wirklich außergewöhnlich klug sind, halten keine Unordnung weil sie es nicht besser können, nein sie halten und Ordnung weil sie sich von ihr beflügelt und kreativ animiert fühlen. Das Chaos, oder das was von außen als Chaos wahrgenommen wird, ist ein geliebtes Mittel um die Umwelt attraktiv, vielfältig und abwechslungsreich zu halten. Und ja, das Genie beherrscht das Chaos! Denn der wirklich überdurchschnittlich schlaue Chaoten weiß in aller Regel ganz genau wo sich was befindet. In all seinem Durcheinander weiß er genau wo er die Fernbedienung gestern Abend hingelegt hat, wo der Deckel von dem besonders gut schreiben den Stift ist und wo sich im Zweifelsfall noch 0,20 € auftreiben lassen. Er geniest die Spuren seines Lebens und sieht kein Durcheinander sondern viel mehr Ideen und Gedanken in Form einer gelebten Umgebung.

Ich gehe fest davon aus, dass es auch in diesen Untergruppen, also den durchschnittlichen Aufräumern, den nicht – Aufräumern und den intelligenten-nicht-Aufräumern ausdrücklicher Ausnahmen gibt. Auch möchte ich erwähnen, dass Krankheiten wie das Messi Syndrom ganz bestimmt nichts mit mangelndem aufräum- Vermögen, hochintelligenz anderem zu tun haben. Eine Krankheit ist eine Krankheit, hat Ursachen und gehört behandelt.Trotzdem möchte ich mich persönlich damit trösten, dass mein A – Hörnchen einfach nur zu schlau zum aufräumen ist. Bestimmt.

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