Jeder vor seiner Haustür

Das A-Hörnchen hat Unfug getrieben. In der Schule hat er das Buch eines Mitschülers versteckt, leider kam es dabei zu Schaden. Als er zu der Sache befragt wurde, verleugnete er. Hässlich, zugegeben; aber kein Drama. Am Geschehen beteiligt war ein anders Kind, seine Rolle unklar. Gestern Abend rief mich dann die Mutter an.

Es gäbe Probleme, A-Hörnchen hat… Schlagartig hatte ich das Gefühl mit D-Hörnchen zu diskutieren, hörte aber dennoch weiter zu. Meiner hat, aber deiner auch, und deiner mehr und meiner eigentlich unfreiwillig; soweit so gut. Dann holte sie aus. Meiner sei recht gestört, das sagen auch andere. Meiner sei nicht normal, auch das wissen andere. Meiner sei ein Problem, das der anderen und ihrs und sein eigenes. Meiner ist falsch und isoliert und überhaupt müsse ich dringend handeln. Und sie müsse das auch, denn Ihrer würde durch meinen schon schaden nehmen. Das müsse ich auch mal sehen.

Es kostete mich alle Nerven, warscheinlich drei Lebensjahren und einige Telefonate um klarzustellen, dass ich das Handeln meines Sohnes deutlich nicht befürworten. Viel weniger aber kann ich die massive Grenzüberschreitung der anderen Mutter akzeptieren. Wir alle sehen unsere Kinder und die der anderen. Wir alle erziehen, mehr oder weniger bewusst, nach bestimmten Parametern, Werten und Prioritäten. Meine Aufgabe als Mutte ist es nicht, die Parameter, Werte und Prioritäten der anderen zu bewerten und zu überprüfen. Die Aufgabe jedes Elternteils ist es schlicht, das eigene Kind so zu erziehen, dass es zu den eigenen Wünschen und Werten und all dem und am Ende auch in diese Welt passt, also in der Lage ist, irgendwann ein selbstbestimmtes, glückliches Leben zu führen.

Unfug gehört dazu. Jetzt, mit 11 ist es ein. Verstecktes Buch oder eine geklaute Mütze, später werden es heimliche Zigaretten, Zündeleien oder andere Missetaten sein, die uns stets daran erinnern, unsere Wertesysteme zu überprüfen. Niemals aber sollte man beginnen die Systeme anderer zu überprüfen oder gar schlecht zu reden. Jeder in seinem Ramen, jeder vor seiner Haustür. Ernsthaft Kritik zu äußern ist mit Sicherheit den Pädagogen in Kita und Schule gestattet, ebenso sicher einigen engen Freunden. Nicht jedoch denen, die im Vorbeigehen meinen mein Kind oder unsere Erziehung beurteilen zu können. Fegt gern euer eigenes Laub. Meins gefällt mir gut.

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