Brexit—

Auch wenn eigentlich alles gesagt ist, möchte auch ich ein paar Sätze über den Brexit verlieren. Stellen wir uns also den Brexit einmal als Ehe vor…

Der Paartherapeut hat geraten über eine Scheidung nach zu denken. Nach gründlicher Überlegungen beider Ehepartner sagtPartner Eins: ja! Und Partner Zwei antwortet fast ebenso sicher: nein! Da Partner Eins ein winziges bisschen überzeugen da agiert hat, rät der Therapeut, dass die Ehe geschieden werden soll – schließlich hat man das so besprochen!

Im folgenden sind sich alle etwas unsicher. Ist die Scheidung wirklich der richtige Schritt? Sind die Konsequenzen überhaupt zu überblicken, und was wird aus den Kindern? Sind wir wirklich in der Lage unsere Leben selbstständig zu begehen, kann Partner Eins das Haus halten, wenn doch Partner zwei auch Anspruch auf Unterhalt hat? Möchte ich eigentlich wirklich ohne meinen Partner leben oder war das ganze eine Schnapsidee? Waren unsere Probleme wirklich so gravierend, dass es keinen anderen Weg mehr geben kann? Fragen über Fragen die sich verdichteten und für die Außenstehenden immer deutlicher machen: Ihr sollt das ganze noch einmal gründlich überdenken.

Auch der Therapeut ist sich zunehmend unsicher hält aber an seiner ursprünglichen Feststellung fest: die Scheidung ist beschlossene Sache! Partner Eins hat überzeugende agiert, er sagte „ja“ und somit ist die Scheidung beschlossen. Selbst als Partner Eins & Partner Zwei Beginn den Therapeuten vom Gegenteil zu überzeugen, hält dieser am Scheidungsmodell fest. Die Scheidung muss sein!

Die Unsicherheit wächst und alle werden zunehmend unzufriedener. Auf Druck von außen hin, wird dem Paar empfohlen, gemeinsam mit dem Therapeuten andere Lösungen zu suchen. Gemeinsam erarbeiten Sie acht Option. Eine davon, die Scheidung. Eine weitere, das gemeinsame Zusammenleben. Alle weiteren Möglichkeiten bilden Abstufungen und Kompromisse ab, die das Zusammenleben oder die Scheidung irgendwie harmonischer und erträglicher machen sollen.

Die Sitzung beim Ehetherapeuten gestaltet sich katastrophal. Unter anderem droht der Therapeut damit, sein Amt niederzulegen und das Paar allein zurückzulassen. Nach einer langen und zehren denn Sitzung ist dann immer noch nur eins klar: alle acht Varianten kommen nicht infrage.

Was man so einem Ehepaar an dieser Stelle raten würde? Sicherlich, einen Therapeutenwechsel. Unter anderem aber vielleicht auch die Aufnahme in einer anerkannten Klinik für Verhaltenstherapie. Was man dem britischen Unterhauses raten soll? Ich hab wirklich keine Ahnung! Den Therapeuten zu wechseln könnte unter Umständen eine Lösung sein, ob es groß genug Kliniken in England gibt? Ich weiß es nicht!

B I N G O

Bald fährt das D –Hörnchen mit dem Kindergarten auf Ausreise. Zwei Tage und drei Nächte wird er außer Haus sein und schon jetzt ist die Freude riesengroß. Heute gab’s dann den dazugehörigen Elternabend im Kindergarten. Als gestandene Mutter wusste ich was mich erwartet und fragte das A – Hörnchen ob er mich zu diesem Event begleiten möchte. Selbstverständlich bereiteten wir uns gut vor. Einfach nur zum Elternabend, der übrigens um 15:30 Uhr statt fand, gehen – das kann ja jeder!

Da die kommende Ausreise die 8. in meiner Karriere als Mutter ist, kannte ich alle Fragen, Bedenken, Gründe Gegen die Reise und Risiken aus dem Ff und so entwickelte ich gemeinsam mit dem A – Hörnchen ein Bingo.

„Was genau soll in den Koffer gepackt werden, wie wird sichergestellt dass die Kinder sich auch regelmäßig umziehen? Was gibt’s überhaupt zu essen, und wie kann man sich sicher sein, dass alle Kinder auch satt werden? Putzen die Kinder auch die Zähne, und vor allem tun Sie dies in ausreichendem Maß? Werden überhaupt Süßigkeiten gegessen oder werden womöglich nur Süßigkeiten gegessen? Sind Süßigkeiten überhaupt erlaubt, und wie sieht es mit Handy und Game Boy aus? Wie schlafen die Kinder, wo schlafen die Kinder, wer schläft bei wem, welches Geschlecht übernachtet neben welchem Geschlecht und was passiert überhaupt, wenn jemand nicht einschlafen kann? Was ist los wenn mein Kind weint, wenn es völlig verzweifelt ist weil ich nicht da bin oder wenn es einfach bockig ist weil es denkt ich hätte besser da sein sollen?“

Fragen über Fragen. Wir stecken sie in ein Bingo und hatten eine wunderbare Stunde im Kindergarten. Nach dem Elternabend, oder nennen wir es liebevolle Eltern Nachmittag, stand klar fest: Drei zu eins für das A-Hörnchen. Mindestens genauso klar ist übrigens die Feststellung, dass alles auf der Welt deutlich erträglicher ist wenn man einen Verrückten hat, der mit einem gemeinsamen verrückt ist.

Popo-Sachen

Das D-Hörnchen steht im Schlafanzug in der Küche. Zuvor hatte er ein Croissant und ein Brötchen gefrühstückt. Der Menne erwähnt, dass das Hörnchen so viel gegessen hätte, dass sein Bauch ganz kugelig sei. Der kleine Kerl packt seinen Bauch aus, zeigt stolz die Croissant-Kugel und klopft sich dann auf seinen Po. „Der ist auch schon ganz kugelig!“ verkündet er und ich füge hinzu, dass der kleine Po ganz genau richtig kugelig sei. D-Hörnchen freut das zu hören, haut sich nochmal kräftig auf jede Pobacke und führt dann weiter:

„Mama’s Po ist nicht genau richtig. Der ist dick und breit!“ Ich starre empört das Kind an. Starre hilfesuchend zum Mann, der leider einen Lachanfall hat. „Du bist fies!“, sage ich dem Hörnchen, worauf hin er fortfährt: „Mein Popo kann auch mal größer und breiter werden. Aber deiner Mama, der kann nie wieder klein und kugelig werden.“

Ich bin entsetzt. Was fällt dieser Ausgeburt der Hölle ein, wer bring dem Kind sowas bei und was sagt man dazu?! Der Menne lachte nach wie vor, das ebenfalls anwesende A-Hörnchen starb fast vor Pein; jemand sagt Popo… Ich musste gar nichts sagen, denn noch während ich entsetzt glotzend so da saß, auf meinem großen Popo, führe D-Hörnchen seine Ausführungen zu Ende:

„Mama’s Popo kann nur noch breiter und dicker werde. Oooder ..“. Ich begann bei dieser rhetorischen Pause Hoffnungen zu schürfen, er würde doch noch was nettes sagen, da holte der Zwerg noch einmal tief Luft und damit zum finalen Endschlag aus:

„…. ooooder: dicker und breiter!“

Der Menne hat überlebt, knapp.

90 Minuten

Sofa. Ich glaube irgehdwo zwischen den Kissen 15 Min. Ruhe gefunden zu haben. Haha

14.15 B-Hörnchen kommt von der Schule. Ich laufe freudig die zwei Treppen zur Tür runter und begrüße das Kind.

14.20 Die Schule war „gut“ alles andere war „normal“. Wir setzen uns kurz an den Küchentisch.

14.25 C-Hörnchen kommt von der Schule. Sie hat unsagbar gute Laune und verliert innerhalb von drei Minuten 3000 Wörter.

14.30 C-Hörnchen erklärt sich bereit das D-Hörnchen vom Kindergarten abzuholen, ich bin dankbar. B-Hörnchen geht in ihr Zimmer und bastelt.

14.31 Ich schaffe diverse Pflanzen-Babys in die Küche um sie umzutopfen.

14.35 A-Hörnchen fragt ob er mir helfen kann. Ich nehme dankend an und bitte ihn weitere 45 Pflänzchen aus dem Wohnzimmer runter zu holen. Ich selbst besorge Erde, Töpfe etc.

14.40 80% der Babys sind in der Küche. Ich beginne umzutopfen. Es macht Spaß.

14.42 A-Hörnchen bricht in unsagbares Geschrei aus und sagt viele böse Worte.

14.43

14.45 Die Wogen sind geglättet, alle Tränen getrocknet. B-Hörnchen war vorsorglich drei mal durch die Erde gelaufen um sie auch auf dem Flur zu verteilen. Ich bitte A-Hörnchen den Staubsauger zu holen und beginne zu saugen.

14.55 Treppe sauber, Flur sauber.

14.57 100% der Pflänzchen sind nicht mehr oben oder auf der Treppe; leider war ein weiterer Satz im Wohnzimmer havariert.

15.00 Ich sauge im Wohnzimmer

15.05 C- und D-Hörnchen kommen nach Hause. Beide verlieren im vorbeigehen je 2500 Worte, nehmen sich was süßes und gehen in den Garten.

15.10 Ich beginne wieder mit dem Umtopfen. A-Hörnchen entscheidet genug geholfen zu haben. B-Hörnchen bastelt wieder, C- und D-Hörnchen spielen im Garten.

15.14 D-Hörnchen muss Pipi. Er schleppt eine Sandlawine durchs Haus, was ja egal ist. Ich erde ja eh alles voll. Wegen defekter Gartentür muss ich Arbeit unterbrechen um die Tür zu öffnen und zu schließen.

15.17 Beide wieder im Garten, Tür zu. Ich topfe.

15.20 C-Hörnchen muss Pipi. Sandlawine. Tür auf.

15.24 Beide Garten, Tür zu; ich topfe.

15.28 D-Hörnchen klopft an der Tür. C-Hörnchen will immer, dass er den Schlamm-Schaum in der Sandkiste in den gelben Eimer macht, er will ihn aber in den Roten machen. Danke.

15.29 Tür zu. Ich topfe.

15.33 D-Hörnchen klopft. Der kleine graue Knopf von der Feuerwehr klemmt. Ich versenke meinen Finger etwas zu tief in saukalten Feuerwehrauto und kann das Problem doch nicht lösen.

15.35 Tür zu. Ich … versuche es noch mal.

15.39 C-Hörnchen will rein weil D-Hörnchen doof ist. Sie ist von ganz oben bis ganz unten sandig mit Matsch (aus dem roten Eimer). Ich bitte sie, sich draußen auszusieben, was sie tut. Ich stehe in offener Tür uns assistiere.

15.42 C-Hörnchen kommt rein und schüttelt ihre Hose lieber in der Küche aus. Tür zu.

15.45 D-Hörnchen will rein, weil es allein langweilig ist. Ausziehen draußen, Sachen rein, neue Hose, Küche kalt dreck alles immer neu baaaa.

15.50 Es klopft an der Haustür.

„WAS ZUM GEIER IST JETZT WIEDER?!?!?!“ motze ich laut und deutlich…

…die verstörte Nachbarin an.

Ende.

…weil du zu lange fernsiehst

Ja! Ich bin wirklich oft müde, und ja! Ich lege mich regelmäßig mal ne Stunde hin. Am Wochenende schlafe ich nach Möglichkeit lang, da ich sonst in der Woche darauf noch mehr durchhänge. Zugegeben, es ist ein Jammer. Auch die Hörnchen nehmen diesen Zustand wahr und lassen ihn nicht unkommentiert. „Du bist immer so müde, weil du viel zu lange fernsiehst!“ erklärte mir das C-Hörnchen jüngst und ich war etwas Sprachlos. Meine zwei Stunden vor der Glotze sind es nicht, nein. Aber was soll man einer siebenjährigen sagen,…

…dass man chronisch müde ist, weil man sich ununterbrochen zwischen Arbeit und Familie aufreibt, im Prinzip immer gegen ein schlechtes Gewissen arbeitet und nie an einer Stelle genug ist?

…dass einen der Haushalt überfordert und das ständig wiederkehrende Putzen der Böden, Toiletten und allen Andersens einfach traurig und ermüdend ist?

… dass mein persönlicher Lebensrythmus und der, der mir durch Kita und Schule vorgegeben ist, einfach nicht zusammen passen, und ich mich somit dauerhaft zwingen muss zu funktionieren?

Natürlich nicht, somit gebe ich ihr kurzum recht und gestehe ein, warscheinlich einfach früher schlafen gehen zu müssen…

…um damit auch das letzte Bisschen Freiraum und selbstbestimmte Zeit zu verlieren.

Klingt dramatisch? Ist es. In manchen dieser Phasen ist es nicht lustig in der Tretmühle „leben“ gefangen zu sein, in der jeder Ausbruch direkte Konsequenzen für alle die hat, die mit einem zusammen leben. Wenn ich verschlafe, kommen alle zu spät, wenn ich aufhöre zu putzen, kochen, versorgen, sind alle unversorgt. Arbeite ich, bis alles abgearbeitet ist, sind die Kinder allein, mache ich früh Feierabend, drückt der Schuh auf der andern Seite. Eine elende Klemme.

Klingt besorgniserregend? Ist es nicht. Ich durchlaufe diese Tiefs immer mal wieder; ich denke die meisten in meiner Situation tun das. Es geht vorbei; vorübergehend in den kommenden Tagen und dauerhaft in ca. 15 Jahren. Schön!

Ballett

Ein mal in der Woche werden meine Nerven auf eine harte Probe gestellt. Die Ballettstunde der Mädchen bedeutet für mich: 60 quälende Minuten in der Hölle. Im Bereich vor den Tanzräumen stehen Sofas und Sessel. Wenn wir um 17.00 kommen, ist der dunkle Teppich bereits von einigen Kilo Kekskrümeln überzogen. Die Luft ist verbraucht von etlichen Chargen an Müttern und kleinen Brüdern und Schwestern, die in den Stunden seit 13.00 hier saßen, warteten und litten. Das who is who des Stadtteils trifft sich hier, berät die Lage auf den Spielplätzen der Umgebung, die Preise im Bioladen und ob der nette Erzieher nicht vielleicht doch schwul ist.

Auch das Verhalten der Kinder wird bis zum Erbrechen diskutiert und kein Schritt bleibt unkommentiert. „Oooohhh, die Madame kam wieder mal so gar nicht in die Puschen heute!“ stöhnt Mama affektiert als sie durch die Tür kommt. „Aaaach! Wieder das gleiche Spiel bei euch?!“ kommentiert die Mutter auf dem Sessel wissendes Blickes und lacht. Das benannte Kind geht in die Umkleide und man möchte ihm sagen:“Du bist ok!“

Nach der Stunde lockt die Parade der Müden und Verzweifelten. Kinder, fern ab von Gut und Böse, drehen noch mal richtig auf, rennen kreischend im Kreis, während Mamas mit Stiefeln und Leggins hinter ihnen herlaufen. „Biiiiittteee Aammeliii! Komm jetzt bitte! Der Gustav muss nach Hause biittteee!“ jammert Mama dem 4-jährigen Nachwuchsdiktator hinterher und schleppt dabei einen knapp anderthalbjährigen kleinen Bruder. Der Chef im Ring ist schnell klar; Mama ist es nicht.

Auch 45 Minuten später spielen sich Dramen zwischen den Sesseln des Aufenthaltsraumes und den Bänken der Umkleide ab. Verzweifelt appellieren Mütter an die Vernunft der Kinder um sich dann erneut mit der Sitznachbarin in einem Gespräch zu verlieren. Vielleicht also ist es die vierjährige, die in Sachen Vernunft die Nase vorn hat, denn nach etwa 50 Minuten Vollgas sinkt sie erschöpft im Sessel zusammen und jammert: „Huuunger!!“. Endlich gibt Mama nach, trinkt nur noch schnell den Tee aus und beginnt ihr Picknick einzupacken. „Aaaach! Das ist auch immer lang hier!“ stöhnt sie pathetisch beim Rausgehen „Aber mit meiner Madame ist das so…!“

Hier möchte man auch nicht Kind sein, denke ich. Und Mutter irgehdwie auch nicht.

WhatsApp

Heute bekam ich zum ersten Mal ein GIf geschickt, eines dieser Mini – kurz – Filmchen, die über Facebook, Twitter und WhatsApp im Moment unterwegs sind. Ich war ganz begeistert über mein erstes eigenes Dingens und schickt es stolz meinem Sohn. Das A– Hörnchen antwortete kurz und bündig mit einem Fragezeichen. Ich teilte ihm freudig mit, dass ich das bekommen hätte und es ihm zeigen wollte. Er antwortet mir mit 20 Stickern und weiteren GIFS. Über alle Maße erstaunt fragte ich ihn, wo er die denn alle her hätte.

„Du musst dein WhatsApp updaten.“ Lautete die wiederrum kurz und knappe Antwort. „Wie geht denn das?“ erwiderte ich seine Nachricht worauf hin er sich auf den langen, beschwerlichen Weg nach unten machte. 15 Stufen später hatte er mein Handy in der Hand und weitere 15 Sekunden später war meine WhatsApp ge-updated. Liebevoll und fürsorglich erklärte er mir nun, wo ich die unterschiedlichen Sticker finden und dann weitere runterladen könnte, wo die ganzen GIFS zu finden wären und, dass der inflationäre Gebrauch beider gesellschaftlich nicht akzeptabel ist. Nach etwas mehr als 1 Minute war ich voll im Bilde und mein Söhnchen wieder weg.

Ist es nun also soweit? Bin ich so alt, ist er so groß, oder ist die Zeit einfach soweit fortgeschritten, dass mein Sohn mir zeigt wie meine Technik funktioniert? Die Gerätschaften, mit denen er vor zwei Jahren noch nicht einmal hantieren durfte. Ist das wirklich passiert? Ganz offensichtlich ja! Denn auch in Sachen Computer mache ich dem Wurm nichts mehr vor. Brauche ich eine PowerPoint, bezahle ich ihn dafür sie mir zu machen. Und durch diese erstaunlichen Spielen die er spielt, blicke ich sowieso nicht durch. So ist es nun also, ich bin alt und er ist groß. Herzlich willkommen!

Home alone

Am vergangenen Wochenende haben wir die zwei großen Hörnchen zum aller ersten Mal nachts allein zu Hause gelassen. Für ganz genau 3 Stunden waren sie allein. A-Hörnchen ist fast zwölf , B– Hörnchen fast zehn. Natürlich geht das, rein logisch war mir das klar. Auch meine Schwester und ich wurden früher gelegentlich für einige Stunden allein zu Hause gelassen, bewaffnet mit Telefon und einer Nummer, unter der wir unsere Eltern erreichen konnten. Passiert ist nie irgendetwas, kein einziges Mal haben wir eine Telefonnummer benutzt. Und dennoch war es ein für mich aufregendes Unterfangen.

Die zwei kleinen Hörnchen haben bei Oma und Opa übernachtet, Was das ganze erst möglich machte. Beim Abendessen teilte ich den Kindern mein Vorhaben mit. Es war mir wichtig, sie in die Entscheidung mit einzubeziehen. Somit erklärte ich wann und wohin ich gehen wollen würde, woran sie in der Nacht erkennen können, ob ich wieder da bin und was zu tun wäre, wenn sich einer etwas bricht, kotzt oder sonst irgendetwas dramatisches passiert.Beide waren wenig beeindruckt und sofort einverstanden.

Auf dem Weg in die etwa 800 m entfernte Kneipe fühlte ich mich wie auf einer großen Reise. Ungefähr alle 100 m hielt ich kurz inne und erwähnte leicht zwanghaft, dass ich jetzt schon ganz schön weit weg von zu Hause weg sei. Dennoch war der Abend kurzweilig und sehr entspannt. Die Kinder fanden wir nachts so vor, wie ich sie zurückgelassen hatte: schlafend! Am nächsten Morgen fragten sie beide gespannt, ob wir noch weg gewesen sein. Keiner hat etwas mitbekommen-was für eine Enttäuschung.

Für uns war dieser Abend ein interessanter Ausblick. In noch einmal vier oder fünf Jahren, können wir sowas öfters mal machen. Vollkommen ohne Stress, ohne uns Sorgen machen zu müssen und in der Gewissheit, dass unsere Kinder, zumindest vorübergehend, auch sehr gut ohne uns auskommen. Coole Kinder!

Unsere Erde

Fernsehabend. Wir gucken einen Tierfilm, da kann man nichts verkehrt machen. „Unsere Erde“ soll es sein, B – Hörnchen hat in der Schule davon gehört.

Von der ersten Sekunde an überzeugt der Film mit unglaublichem Bildern. Wunderschöne Natur, unfassbare Aufnahmen und atemberaubende Bilder. Und dann geht es auch schnell los mit den Tieren. Eine Eisbären-Mama, Eisbären-Junge und die unendliche Eiswüste. Schneller als man sich versieht geht es primär jedoch nicht mehr um die Eisbären beziehungsweise die niedlichen Kinder, sondern viel mehr um den Nahrungsmangel. Erwärmtes Klima, schwindendes Eis, mangelnde Jagtreviere, verhungernde Bären- so einfach ist das.

In der Taiga und der Tundra geht es etwas weniger dramatisch zu. Auch hier leben allerlei Tiere, die allermeisten davon unsagbar niedlich und zum Glück weitestgehend glücklich und zufrieden. Die Natur ist in großen Teilen unberührt, die unfassbaren Koniferenwälder beheimateten Milliarden Tiere und tun dies sehr gut.

Die Reise geht weiter und nimmt wieder etwas an Fahrt auf. In Afrika begleiten wir eine Herde Elefanten auf der Suche nach Wasser. Nach drei quälenden Wochen immer noch kein Wasser in Sicht, die Elefanten am Ende ihrer Kräfte, deutlich zeichnen sich knorrige Wirbelsäulen unter den Häuten der grauen Riesen ab. Die Babys schweben in Lebensgefahr, die Mütter genauso. Kein Wasser, keine Hoffnung. Irgendwann dann endlich ein Wasserloch, die Löwen sind schon da. Die Sequenz endet mit einem sterbenden Jungtier, ich weine sehr.

Nach einem Abstecher in den tropischen Regenwald und einem weiteren an den Südpol, kehrt der Film wieder an den Nordpol, zu der Eisbären Mutter zurück. Zum Abschluss darf der Zuschauer dieser minutenlang beim qualvollen verhungern zu sehen. Mir zerreißt es das Herz. Literweiser Tränen und eine Mischung aus Verzweiflung und Brechreiz machen sich breit.

Am nächsten Morgen besprechen wir am Frühstückstisch den Film. Die Kinder waren beeindruckt, haben es aber wesentlich besser weggesteckt als ich. Das B – Hörnchen bringt die Sache auf den Punkt: „Naja, der Film hat halt gezeigt was alles so passiert, was man gar nicht mitbekommen.“ und da hat sie recht! Jeden Tag, überall, zu jeder Sekunde geschehen fürchterliche Sachen. Und das fürchterlichste daran ist, dass ein wirklich großer Großteil dieser Dinge dem Menschen verschuldet ist. Denn sowohl die verhungern den Eisbären als auch die verdurstenden Elefanten sind deutlich mehr als nur ein dummer Zufall. Menschen leiden, Tiere leiden, die Erde leidet und irgendwie sehen wir alle dabei zu. Wir für unseren Teil haben gründlich bilanziert, welchen Beitrag wir leisten können. Tatsächlich sind wir mit unserem bisherigen Engagement ganz zufrieden – trotzdem haben wir uns noch einmal mit Spucke in die Hand versprochen, aufmerksam zu sein und selber zurück zu stecken.