Alles wird gut Mutti

Heute morgen stieg eine junge Mutter mit drei kleinen Kindern in den Bus. Ein Baby und ein etwa zweijähriges Kind saßen in einem Kinderwagen, ein etwa vierjähriges lief neben her. „Genau wie bei mir.“ , dachte ich und stellte fest, dass die Frau ausgesprochen gerädert aussah. „Wie bei mir.“ , dachte ich noch einmal und schwelgte ein wenig in Erinnerungen. Wie anstrengend diese Zeiten waren, wie unglaublich erschöpft und müde ich oftmals war. Rückblickend habe ich über Jahre nur funktioniert und nur allzu gut weiß ich es noch. Eine eigenständige Person war ich zu der ganzen Zeit nicht, ich war eine Art Roboter – ich funktionierte.

Das etwa vierjährige Mädchen, das auf einem Sitz im Bus saß, blickte friedlich vor sich hin. Sie schwiegen. Meine Gedanken gingen weiter zu meinen eigenen Kindern, ob auch die unter der Situation zu leiden hatten? Die jeweils größeren Kinder mussten immer zurückstecken. Früh musste jeder von Ihnen selbstständig werden, früh habe ich viel von ihnen erwartet. Dennoch habe ich uns immer als ein gutes Gespann, als ein liebevolles Team wahrgenommen, in dem jeder seinen Platz hat und jeder das bekommt, was er braucht. (Außer mir natürlich, ich hätte Schlaf gebraucht und habe keinen bekommen). Die geschaffte Mutter der drei kleinen Kinder lehnte sich erschöpft an den Bus. Ihr Blick ging ins Leere, vielleicht genoss sie die Ruhe. Vielleicht rekapitulierte sie denn Morgen, dachte darüber nach was sie schon alles geschafft hat. Vielleicht plante sie auch die kommenden Stunden, versuchte all das, was noch zu erledigen ist, unter einen Hut zu bekommen. Spontan überkam mich der Impuls ihr auf die Schulter zu klopfen und ihr mitzuteilen, dass es eines Tages besser wird. Ein paar Jahre müsste sie noch aushalten, dann würde alles von selbst laufen…

… da klingelte mein Handy. Die Grundschule rief mich an. Ich hätte den Läusezettel nicht ausgefüllt. Ein Läusezettel muss man ausfüllen, wenn in der Schulklasse des Kindes Läuse sind. Man untersucht sein Kind auf Läuse, und unterzeichnet auf dem Zettel, dass es keine hat. Hat man das nicht gemacht, darf das Kind nicht in die Klasse und muss abgeholt werden. Was soll ich sagen? Ich hatte versagt! Im alltäglichen Chaos ist mir der scheiß Läusezettel durchgerutscht. Mein armes Kind saß nun also im Lehrerzimmer und wartete auf meine Rettung. Ich selber war furchtbar im Stress, musste einen Vortrag im Amt halten. Mit Engelszungen und ganz viel Spucke schaffte ich es die Situation zu retten, Kind durfte in die Klasse, ich war pünktlich bei meinem Vortrag.

Und plötzlich war ich ganz froh, dass ich der armen geschafft Mutter nicht versprochen hatte, dass alles irgendwann besser werden würde. Es wird Nicht besser, genau genommen ist es zu jederzeit o. k. Es wird anders, ständig und dauernd wird alles anders und das ist auch schon alles!

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