Berlin I

Kaum eine Stadt hat mich so sehr bewegt wie Berlin. Also junge Jugendliche fand ich den Gedanken abzuhauen und in Berlin mein Glück zu suchen mega. Punk am Bahnhof Zoo; zum Glück habe ich mich nie getraut. Als junge Erwachsene war ich öfters in Berlin. Hier mal ein Wochenende, da mal ’ne Demo, ich versuchte möglichst viel der Stadt in mich aufzunehmen, genoss den Beat, die schlechte Luft und die vielen Menschen. Berlin machte mich lebendig.

Mit 23 war ich dem Ziel ganz nah; ein Studienplatz in Berlin. Die Sache war klar; Umzug und glücklich sein. Wenige Tage später erfuhr ich, dass ich mit dem A-Hörnchen schwanger bin. Wir entschieden uns gegen Berlin. Ein Medizi-Studium mit Baby, fernab von Familie und allem was man kennt – das traute ich mir nicht zu. Berlin war Geschichte. Seit 13 Jahren war ich nicht da. Bereut habe ich es nie, dennoch frage ich mich ab und zu wie es wohl geworden wäre…

Heute, 13 Jahre, vier Kinder und ein Leben später, sitzen wir im Zug nach Berlin. Die Hörnchen wollen die Hauptstadt sehen und ich kann es nicht erwarten ihnen meine geliebte Großstadt zu zeigen. Mein Herz schlägt mir bis zum Halse und ich kann es kaum erwarten. Berlin Berlin, wir fahren nach BERLIN!! Endlich.

Lost

Nach einem großartigem Ausflug möchte ich heute einfach ein paar Fotos mit euch teilen. Zusammen mit der Besten stapfte ich über viele Stunden durch den Wald und knipste verlorene Orte

Jetzt sind sie…weg!

Eben war es also so weit. Meine Familie ist in den Urlaub gefahren; ohne mich. Sechs Wochen Sommerferien und zwei Jobs ließen sich nicht besser koordinieren, so dass der Menne jetzt eine Woche mit den Hörnchen fährt und wir danach noch eine weitere zusammen haben. Sieben Tage bin ich nun also allein. Und jetzt?

Im Vorfeld habe ich schon alles durchlaufen, von Vorfreude auf die viele freie Zeit, bis hin zu tiefer Verzweiflung, meine Lieben so lange vermissen zu müssen. Jeder in meinem Umfeld hatte einen klugen Tipp parat, was zu tun sei und ja! Bestimmt werde ich viel schlafen, Fernsehen und Zeit mit Freunden verbringen. Ich werde essen wenn ich hungrig bin, keine Wäsche waschen und nicht staubsaugen. Frei werde ich sein und unabhängig und leider doch auch wehmütig.

Der Abschied war hart; viel härter als erwartet. Zwar versuchte ich mich schwer zusammenzureißen, jedoch missglückte dies sehr, so dass ich alsbald mit mächtig Wasser in den Augen da stand, meine Lieben umarmte und versuchte gute Wünsche mit auf den Weg zu geben. Und bei all dem was ich nun vermeintlich an Freiheit geschenkt bekomme, bin ich viel zu sehr Mama als dass ich den dicken Kloß in meinem Hals hätte ignorieren können. Sieben Tage Frei bedeutet auch sieben Tage allein und dadurch nicht ganz zu sein. Ohne meine fünf nervigen Anhängsel fehlt was. So ist es eben.

Dennoch werde ich versuchen die Zeit zu einer guten zu machen. Und warscheinlich dauert es nur 4-5 Tage bis ich anfange es wirklich zu genießen.. los also, in ein seltsamens Dings.

Zwei mit einem Schlag

Vor vier Tagen ist das C – Hörnchen acht geworden und heute das B – Hörnchen zehn. Am Nachmittag gab es die große sause; Kindergeburtstag! So ein Kindergeburtstag ist bei vielen Leuten irgendwie negativ belegt. Allein das Wort reicht bei etlichen Eltern um kalten Schweiß und Stress Pickel auf die Stirn zu treiben. Und ja, auch ich hatte schon hochgradig anstrengend Kindergeburtstag zu bewältigen. Dennoch mag ich das Event an und für sich sehr gerne und glaube sagen zu können, die Disziplin „Kindergeburtstag“ auch ganz gut beherrschen.

Ich mag es schlicht. Im Mittelpunkt unserer Geburtstagsfeiern steht immer das Spielen und das Miteinander. Teure Events, etwa beim Paintball, im Indoor Spielplatz oder im Kino, versuche ich zu vermeiden. Glücklicherweise sehen meine Kinder das ähnlich, so dass wir häufig einfach draußen feiern. Auch heute war das der Fall, wir haben uns auf einem Naturgelände niedergelassen. Es gab ein Picknick im Baumhaus, eine bombastische Schatzsuche, Lagerfeuer und Stockbrot. Neun Kinder waren 4 Stunden lang sehr glücklich, und ich war es auch. Es gab keine Tränen, keine Verletzten und am Ende waren ausnahmslos alle Kinder sehr dreckig und sehr glücklich.

Mein persönlich es Highlight war wieder einmal die Schatzsuche, die vom A-Hörnchen inszeniert war. Es macht mich wirklich stolz, mit wie viel Kreativität aber auch Hingabe er diese immer wieder für seine Geschwister plant. Heute tauchte plötzlich ein ziemlich verranzter Zettel auf auf dem stand, die Kinder sollten den Schrad im Wald aufsuchen. Alles machte den Anschein, dass dieser dringend Hilfe benötigen würde. Es kostete die Kinder einige Mühe das Versteck des Schrades zu finden, dennoch gelang es ihnen irgendwann. Der Schrad forderte die Kinder auf, ihm seine Edelsteine zurück zu bringen, als Belohnung würde er ihn ein Schatz geben.

Die Kids sammelten fleißig auf dem riesigen Gelände. Erst nachdem sie ihm 60 Steine gebracht hatten, überreichte der Schrad ihnen wortkarg eine kleine Kiste. Um diese zu öffnen, benötigten sie allerdings einen Schlüssel. Den wiederum mussten sich die Kinder erarbeiten; beim Dosen werfen. Der jenige, der die meisten Dosen abgeräumt hatte, erhielt als Belohnung eine leere Dose… Wenig begeistert dauerte es abermals eine Weile, bis die Kinder herausgefunden hatten, dass in der Dose ein kleiner Schlüssel eingeklebt war. Die kleine Kiste zu öffnen hatte es in sich. Zwar passte der Schlüssel sofort, jedoch war die kleine Holzdose mit einem Mechanismus versehen, der ist wirklich in sich hatte. In der Holzkiste waren dann zwei weitere Schlüssel… Wieder ging die Suche los und endlich fanden die Kids den echten Schatz. Auf dem sass zu allem Unglück wieder der Waldschrad. Er forderte einen Anteil vom Schatz, erst dann würde er ihn freigeben. Die Kinder sicherten zu und fanden endlich zahlreiche liebevoll bemalte Tütchen, gefüllt mit Süßigkeiten und Schnickschnack, in der Schatztruhe. Eine davon schenken Sie dem Schrat.

Happy Birthday meine Mäuse. Ich bin stolz auf euch!!

Du schaffst das Kleiner !

In unserem Garten steht ein Walnussbaum. Er ist 15 Jahre alt und sozusagen mein erstes Kind. In einem Kübel vorgezogen, hat er jahrelang im Wintergarten gewohnt. 2006, als wir das Haus kauften, er in den Garten; heute ist der Kleine größer als unser Haus und gehört zur Familie. Schon seit Jahren klettern die Hörnchen in ihrem Baum, sitzen oft stundenlang dort, machen Picknick oder spielen. Die drei Großen schaffen es schon lange rauf zu klettern; lediglich das D-Hörnchen hat es schwer. Der Baum ist inzwischen recht hoch, der Einstieg für den Zwergen eine echte Herausforderung. Dennoch übt er wie versessen.

Gestern hätte er es zum ersten Mal fast geschafft. Wir ein Faultier klammerte er sich an den untersten Ast und schaffte es dennoch nicht ganz. Traurig und mit hängendem Kopf stand er anschließend im Garten. „Ich kann das nicht“ sagte er und die Augen füllten sich mit Wasser. Ich beobachtete die Szene aus der Küche und war drauf und dran zu ihm zu gehen, da kam das B-Hörnchen vom Baum. Sie hockte sich vor ihn, nahm das Gesicht ihres Bruders in die Hände und sprach: „Du schaffst das Kleiner! Es ist ganz schwer und du musst lange üben. Aber wir helfen dir alle und dann schaffst du das!“. D-Hörnchen lächelte zaghaft und sah den Ast wieder an. Mit neuem Mut ging er wieder zum Baum. Er setzte mutig an und tat was er schon zuvor tat – er kletterte. Oben dass B-Hörnchen und gab ihm strategische Anweisungen, unten stand C-Hörnchen und feuerte ihn gewaltig an. „Du bist doch unser aller bester Kletteraffe!!“ schrie sie und der Kleine Bruder gab alles.

Er schaffte es nicht ganz. Dank seiner lieben großen Schwestern war er jedoch so stark, mutig und motiviert, dass er keine Träne vergoss. Er versuchte es weiter und weiter und seine Schwestern blieben bei ihm. Auch heute klappte es noch nicht ganz. Bald aber, bald wird er es schaffen und dann feiern wir eine Party im Baum.

Zum aller letzten Mal

Vor ziemlich genau neun Jahren begann ich mein damals dreijähriges A-Hörnchen in den Kindergarten einzugewöhnen. Damals hatte ich ihn und das einjährige B-Hörnchen. Alles war wahnsinnig aufregend. Die Eingewöhnung klappte gut und ich war erleichtert. Mein Kind in der Kita zu lassen, das war ein enormer Schritt. Heute, neun Jahre und zwei Kinder später, verlässt mein Kleinster den Kindergarten. Heute ist sein letzter Tag; auf in die Schule.

Ich will es nicht schön reden, der Klumpen in meinem Magen ist enorm. Alles wird neu, etwas geht vorbei und ich muss wieder lernen ein Stück mehr loszulassen. Vier Schulkinder; wie soll das gehen? Objektiv betrachtet wird es mal wieder einfacher. Den Weg zur Grundschule wird das D-Hörnchen schnell allein schaffen, da besteht kein Zweifel. Ich muss dann zum ersten Mal seit neun Jahren morgens nicht raus, kann in Ruhe Duschen wenn alle weg sind. Mein Morgen wird sich entzerren, denkt man so. Tatsächlich tut sich vor mir eine große Lücke auf. Am Kindergarten hängen viele lieb gewonnene Gewohnheiten und ich muss nun lernen ohne sie auszukommen.

Um ehrlich zu sein habe ich es genossen, den Zwergmann jeden Morgen in die Kita zu bringen. Bevor es los ging haben wir immer noch einen Moment gekuschelt, ein paar Minuten für uns. Der Morgen und das damit verbundene Ritual waren Balsam für meine gestresste Seele, das Tempo gab stets das Hörnchen an. Nach dem Kuscheln folgte ein Plausch mit den Erzieherinnen; erwähnte ich, dass meine Hörnchen tolle Erzieher hatten? Es war immer nett, nach so vielen Jahren ist man vertraut, manchmal gab es einen Kaffee. Der Abschied war, besonders in den letzten Monaten, innig aber auch robust. Das große D-Hörnchen hätte längst verstanden wie der Hase läuft und so startete ich fast jeden Morgen mit einem guten Gefühl im Herzen in den Job.

Ja, ich jammere auf hohem Niveau. Vier selbstständige und starke Kinder zu haben ist ein Segen, morgens Zeit für eine gemütliche Dusche oder eine Runde Laufen zu haben ist grandios und doch bin ich so schlecht darin Dinge enden zu lassen. Und so werden heute Tränen fließen. Beim Bringen und beim Abholen, so wie vor zwei Jahren, und vor vier und vor sechs. Herrjeh, lass sie nie ausziehen.

Vor dem Tor der Kita liegen fünf große Steine. Jeden Morgen hüpfte er sie einzeln ab. Früher an zwei Händen, mit viel Hilfe. Dann eine Weile an einer Hand. Seit etwa einem halben Jahr, hüpft er ohne jede Hilfe darüber; vielleicht ist es einfach an der Zeit.