Am Ende macht es sogar Spaß

Viele Jahre lang waren die morgende hier im Hause Ausgeburten der Hölle. Geprägt von Zeitdruck, beherrscht von der naturgegebenen Langsamkeit der Hörnchen und zum Glück meistens durchzogen von meiner Ruhe und Geduld. Ja, die brauchte ich.

Zu gut erinnere ich mich an den ersten Sommer mit vier Kindern. Das A-Hörnchen war sechs, frisch eingeschult. Er musste um acht in der Schule sein, komme was wolle. Ich stellte mir den Wecker früh, wirklich früh. Machte die Brotdosen für die Großen fertig, stillte zwischendrin. An guten Tagen ging ich ins Bad an den meisten nicht. Irgendwie diskutierte ich jeden Morgen alle in ihre Klamotten; das A-Hörnchen konnte es allein und war so langsam. Das B-Hörnchen, damals vier, vertüddelte sich noch und das zweijährige C-Hörnchen brauchte viel Mama.

Nun, viel Mama brauchten sie alle. Hier ein tröstendes Wort, da ein bisschen good will. Und immer wieder tat ich alles durcheinander. Ein umgefallenes Glas, ein ausgekipptes Müsli, dazu immer wieder Wutanfälle aus der Hölle. Im Prinzip trotzten sie alle. Selbst das frisch geborene D-Hörnchen nahm sich alles was er brauchte, er ließ sich schlicht rund um die Uhr tragen.

Waren endlich alle angezogen und satt, endlich alle Brotdosen verpackt und alle Zähne geputzt, folgte der nächste Akt. Schule, Kita, Tagesmutter. Alles mit dem Rad und dem Anhänger, 4 km hin und 4 km zurück; das Tempo bestimmt von B-Hörnchen auf dem 12 Zoll Rad. Endlos lang war die Strecke und meine Nerven oftmals zum zerreißen gespannt. Es war entsetzlich!!

Heute, sechs Jahre später, habe ich vier Schulkinder. Alle vier gehen allein zur Schule. Seit zwei Wochen muss ich das Haus am Morgen nicht verlassen. Und heute dann der nächste große Schritt: Alle vier stehen selbstständig mit ihrem Wecker auf, ziehen sich an und kommen runter; die drei großen waschen sich allein. Alles was ich noch machen muss ich Brot und Müsli. Ich delegiere, mache hier und da einen Zopf, unterschreibe schnell die Mathearbeit und suche vier Euro für den Kunstunterricht raus. Ich frage noch schnell die Vokabeln ab und bespreche die Termine des Tages. Ich küsse und kuschel, ich lache und ich erinnere – und das war’s.

Ihr Mütter da draußen, die ihr glaubt das alles nicht überstehen zu können: Es wird! Es wird leichter, besser, fluffiger und am Ende macht es sogar Spaß.

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