Gestatten; ich hasse Menschen!

Sonntag, 8:39 in meinem Bett. Das D-Hörnchen trällert in den schönsten Tönen einen guten Morgen in mein Ohr und der Tag beginnt. Noch fast motiviert verlasse ich Sekunden später das Bett und spurte nach unten. 16 Stufen später treffe ich B- und C-Hörnchen im Kinderzimmer. Sie bauen friedlich Lego, es ist idyllisch. Während draußen das Orkantief Sabine oder Sylvia (Silvana?) aufzieht, schreite ich die nächsten 15 Stufen herab in die Küche. Mich empfangen zwei hungrige, nein was untertreibe ich. Mich empfangen zwei nahezu vollständig verhungerte Katzen (letztes Futter vor 11,5h!!!) und ein D-Hörnchen, das spricht. Auch in meinem Kopf beginnt sich eine Sabine zu formieren. „Ruhe mal!“ sagt der langsam aufziehende Sturm in mir. „Ruhe verdammt!!“

Während ich die Katzen erlöse, beginnt das D-Hörnchen „Das verrückte Labyrinth“ aufzubauen, es fehlt eine Karte. Aus reden wird Jaulen, Jammern, kreischen. „Leck mich, lass das, still Ruhe“ sagt Sabine. Ich tröste und bin gut. Fünf Minuten später, ich habe eine Zahnbürste im Mund, ein erneuter Zusammenbruch des D-Hörnchens. Es fehlt eine Karte, immer noch!! Alter!! Ich bin seit 15 Minuten wach, habe noch nichts im Magen und das ist die dritte (oder 100.) Krise. Sabine wird deutlicher „Soll er doch die restlichen Karten essen!! Sowas unverschämtes..“. Etwas harscher als zuvor tröste ich abermals . Wir finden die Karte bestimmt. Ganz bestimmt. Bald.

Ich gehe zum Bäcker. Die 45 Sekunden Weg durch die echte Sabine sind eine Wohltat. Ruhe. Keiner spricht. Als ich ankomme, betritt grad so ne Mudder mit zwei Zwergen den Laden. Vor der Tür steht ein Fahrrad-Anhänger, in dem eine Bettdecke (!!) liegt und Sabine sagt: „Wie kann man seine Blagen so endlos verziehen, sowas dummes. Dumme Mudder, dumme Kinder, pah!“ Ich betrete den Bäcker und trällere ein freundliches „Moorgen!!“ und keiner Antwortet. Sabine ist der Meinung es wäre klug, gegen den Tresen zu treten, ich lasse es dennoch. Die Mudder mit den Blagen sucht 200 Jahre lang aus und die Blagen können sich nicht entscheiden, ob sie Schokokissen, Schokocroissant oder drei kleine Schokobrötchen nehmen sollen und die Mudder wägt 20x alle Vor- und Nachteile aller drei Optionen mit den Blagen ab. Sabine eskaliert. „Alter!! Komm mal klar, deine verzogenen Bettdecken-Blagen sind grad mal alt genug um Nahtod von Hunger zu unterscheiden. Kauf ihnen was du für gut hältst ung gut. Meine Fresse, hier verhungern auch noch andere!!!“

20 Minuten später verlasse ich den Bäcker, nachdem Sabine noch angedacht hatte, die Bäckereifachverkäuferin mit Kleingeld zu bewerfen, weil sie 3x vergessen hat, wieviele Krosse das jetzt waren und so. Mal im ernst, da bin ich schnell, strukturiert und glasklar und die olle vertüddelt alles und es dauert dann doch lange. Man man man.. Ich habe voll Hunger! Sabine auch.

Zu Haus hat das D-Hörnchne schon begonnen den Tisch zu decken. Ich bedanke mich sehr wertschätzend, Sabine meckert, dass die Brettchen schief liegen. Sie sagt es nur ganz leise, aber das D-Hörnchen hört es wohl trotzdem. Sabine meckert danach mit der Kaffeemaschine, weil die doof ist, und mit dem Kühlschrank. Sabine regt sich auch sehr sehr doll über die Wurst-Dose auf, weil die zu klein ist. Um 9:15 ist das Frühstück endlich fertig. Ich habe voll Hunger. Sabine ist inzwischen zu einem umkalkulierbaren Tornado geworden. Sabine hat keinen Hunger, sie braucht niemals mehr essen. Sie hasst einfach Menschen. So einfach ist das.

Als alle endlich sitzen ist es eine Debatte über vegetarischen Fleischsalat, die Sabine dann das Ruder übernehmen lässt. Ich fahre aus der Haut, renne auf meinen Sessel und trinke heulend meinen Kaffee. Sabine geht weg, Sturm vorbei. Ungefähr drei Jahre alt krieche ich zurück zu meiner Familie. Entschuldigung, machmal sind Mamas richtig doof. Vor allem wenn sie Hunger haben – und zu dumm sind mal eben was zu essen. Man Mama!!

…Eislaufen

Die Hörnchen wollten Eislaufen und so richtig dagegen sprach nichts. Der Menne hatte es gut, der war arbeiten, und so machten wir uns auf den Weg. Zeugnisferien T ag 1; Mittags um halb zwei. Die Laune war gut, sogar bei mir, die latente Angst vor einem Beinbruch begleitete nicht, das gebe ich zu. Denn das würde grad so gar nicht gut passen, aber wann passt das schon. So saßen wir also im Auto, halb zwei und los. Nach nur 60 Min. stop & go, 200x „wann sind wir da“ und 373x „ist das Stau oder Ampel“, erreichten wir die Eislaufhalle im Nachbarstadtteil. Mutmaßlich wären wir zu Fuß schneller gewesen, per Bahn alle male aber der Komfort…

In der Halle angekommen war es erfrischend leer, wir zahlen ein halbes Vermögen an Eintritt und ein weiteres für das Ausleihen von 5 Paar Schlittschuhen. Danach ging es ab in die Umkleide. Kalt-feuchter Fußgeruch empfing uns erwartungsgemäß und A-Hörnchen zog sich schnell seine Schlittschuhe an. Noch bevor ich etwas über den Fußboden sagen konnte, war D-Hörnchen das erste mal sockfuß über den triefenden Gummi-Belag gelaufen und beschwerte sich tränenreich über nasse Füße. Ich selbst hatte dies nicht zu verhindern gewusst – das B-Hörnchen war ebenfalls tränengetränkt. Die Schlittschuhe passten nicht. Wir tauschen unkompliziert Gr. 37 gegen Gr. 36 und Sekunden später waren die zwei großen Hörnchen auf dem Eis. Teilsieg.

Inzwischen hatte ich das nasse D-Hörnchen zurück auf eine Bank kommandiert und bat ih, die Schlittschuhe schon mal anzuziehen wie Inline, das kam mir schlau vor. Danach wendete ich mich dem C-Hörnchen zu. Tränen. Ihre Schlittschuhe in Gr. 35 passten nicht. VIEL ZU GROß!! Also tauschten wir in 34. VIEL ZU KLEIN!! Ich hing inzwischen etwa 15 Minuten fast ununterbrochen in der Hocke gebückt an den Füßen meiner Kinder und kämpfte mit dem Brechreiz. Währen ich verzweifelt versuchte dem C-Hörnchen zu erklären, dass es zwischen 35 und 34 keine andere Schuhgröße gibt, und dass sie sich entscheiden müsse zwischen „zu groß“ und „zu klein“ erklärte die nette Mutter neben mir ihrer Tochter sehr laut, dass man beim Eislaufen IMMER Handschuhe tragen müsse, weil einem die anderen sonst die Finger abfahren. Zack, ganz schnell geht das. Das Höschen lauschte aufmerksam (meins, nicht das der Frau) und sagte dann: „Wie haben keine Handschuhe dabei!“ Der Tonfall machte deutlich, dass mein Kind grad den letzten Glauben an mich verlor. Um die Situation zu retten sagte ich, nach wie vor in Kack-Haltung am Boden der Tatsachen: „Nun, dann sind die Finger halt ab im Handschuh, macht es auch nicht besser.“ Meine Hörnchen nickten verständig, die Frau weniger. Memo an mich: Ich sollte für solche Momente die Nummer des Kinder- und Jugendnotdienstes dabei haben!

Während das C-Hörnchen über die Schlittschuh-Größen-Frage sinnierte, robbte ich auf zwei eingeschlafenen Beinen rüber zum inzwischen gut gelaunten aber Schlittschuh-losem D-Hörnchen. „Viel zu klein!“ und so tauschte ich abermals. 32 gegen 33; erledigt. Minuten später hatte der Kleinste Schlittschuhe an den nassen Füßen, was ihm nichts brachte, da er mich als Stütze braucht…

C-Hörnchen war inzwischen selbst zur Ausgabe gelaufen, hatte jetzt auch nasse Socken, und brachte stolz ein Paar in der Zwischengröße. Sie passten null, waren nämlich viel zu schmal. Ich tauschte als Paar Nummer C-drei gegen Paar Nummer C-vier und nach nun gut 25 Minuten hatten auch C- Hörnchen und ich Schlittschuhe an den Füßen. Noch schnell Pipi weil immer einer muss – und los! Als wir auf unseren Schlittschuhen aus der Toilette taumeln ist das Eis leer, die Eismaschine beginnt ihre Runden zu ziehen. 20 Min. Pause, Ha ha. A- und B- Hörnchen kommen mit roten Köpfen: „Wart ihr noch gar nicht???“

Als wir nach langen 20 Minuten endlich auf´s Eis können, ist es inzwischen recht voll. Bei genauerem hinsehen erschließt sich mir warum. Die Nutzenden der Eislaufhalle gliedern sich in grob 3 Gruppen, von denen zwei durch einen Faktor vereint werden: Bewegungsunfähigkeit vor 15:00:

  1. Eltern von Kleinkindern. Erschreckend viele von denen schleifen 3 jährige im Schneeanzug mit Helm und natürlich Handschuhen über das Eis und versuchen sie irgendwie zum Eislaufen zu bekommen. Während ein Großteil der Kinder wahrscheinlich noch nicht Fahrrad fahren geschweige denn auf einem Bein hüpfen kann, sollen sie hier in voller Kampfausrüstung an ihrer Karriere arbeiten. Es ist ein Jammer! Ach ja, 15:00? Vorher macht man in dem Alter Mittagsschlaf, vor allem die Eltern.
  2. Teenies. Große Horden von 14-15 jährigen Zahnspangen-Trägern, die als weiblich zu identifizierenden von ihnen zumeist bauchfrei und mit Capri Hose, latent blaue Lippen schimmern unter dem gut verspachtelten Make up durch. Die (zukünftigen) Herren der Schöpfung eint ein abartiger Körpergeruch, gemischt aus Hugo Boss, Bruno Banane und 14 Tage altem Schweiß und ultra-hotte LED-Schliitschuhe, mit denen sie enorm hot über das coole Eis sliden. Das Balzverhalten ist beeindruckend und zugleich erschreckend mit anzusehen und hat einen eigenen Beitrag verdient.
  3. Unseresgleichen. Dumme Normalos, die einfach nur da hin gehen und ein bisschen eislaufen wollen..

Nun denn, wir eislaufen also und ich habe tolle Kinder. Die drei großen ziehen super ihre Bahnen, der Kleine übt fleißig, es ist nett. Nach etwa der Runden kommt das C-Hörnchen angelaufen, sie weint abermals: „Maammmaaa! Die Schuhe! Das geht gar nicht. Die knicken immer soooo ein und …“ Wir verlassen also das Eis und tauschen erneut. Das fünfte Paar ist ok, wenn auch hässlich. Wir gehen aufs Eis. Zwei Stunden, drei Packungen Kekse und einen Anschiß vom Personal (falscher Ort zum essen) später verlassen wir glücklich die Halle und ich denke darüber nach, vielleicht doch mal Schlittschuhe anzuschaffen,… die dann immer wenn man mal fahren will, nicht passen. Es ist ein Jammer!

Ein Bein gebrochen habe ich mir übrigens nicht. Da ich die aller aller aller meiste Zeit neben dem D-Hörnchen an der Bande her rutschte, ist dies jedoch nicht weiter verwunderlich. Und ganz am Ende, als das D-Hörnchen schon fertig war, da bin ich ein mal drei mal im Krei gefahren. Was ein Spaß, was eine Freude..!

Ach ja, wie kamen mit 50 festverbauten Fingern und gingen ebenso. Keine Verluste, trotz fehlender Handschuhe. Krass!