…Eislaufen

Die Hörnchen wollten Eislaufen und so richtig dagegen sprach nichts. Der Menne hatte es gut, der war arbeiten, und so machten wir uns auf den Weg. Zeugnisferien T ag 1; Mittags um halb zwei. Die Laune war gut, sogar bei mir, die latente Angst vor einem Beinbruch begleitete nicht, das gebe ich zu. Denn das würde grad so gar nicht gut passen, aber wann passt das schon. So saßen wir also im Auto, halb zwei und los. Nach nur 60 Min. stop & go, 200x „wann sind wir da“ und 373x „ist das Stau oder Ampel“, erreichten wir die Eislaufhalle im Nachbarstadtteil. Mutmaßlich wären wir zu Fuß schneller gewesen, per Bahn alle male aber der Komfort…

In der Halle angekommen war es erfrischend leer, wir zahlen ein halbes Vermögen an Eintritt und ein weiteres für das Ausleihen von 5 Paar Schlittschuhen. Danach ging es ab in die Umkleide. Kalt-feuchter Fußgeruch empfing uns erwartungsgemäß und A-Hörnchen zog sich schnell seine Schlittschuhe an. Noch bevor ich etwas über den Fußboden sagen konnte, war D-Hörnchen das erste mal sockfuß über den triefenden Gummi-Belag gelaufen und beschwerte sich tränenreich über nasse Füße. Ich selbst hatte dies nicht zu verhindern gewusst – das B-Hörnchen war ebenfalls tränengetränkt. Die Schlittschuhe passten nicht. Wir tauschen unkompliziert Gr. 37 gegen Gr. 36 und Sekunden später waren die zwei großen Hörnchen auf dem Eis. Teilsieg.

Inzwischen hatte ich das nasse D-Hörnchen zurück auf eine Bank kommandiert und bat ih, die Schlittschuhe schon mal anzuziehen wie Inline, das kam mir schlau vor. Danach wendete ich mich dem C-Hörnchen zu. Tränen. Ihre Schlittschuhe in Gr. 35 passten nicht. VIEL ZU GROß!! Also tauschten wir in 34. VIEL ZU KLEIN!! Ich hing inzwischen etwa 15 Minuten fast ununterbrochen in der Hocke gebückt an den Füßen meiner Kinder und kämpfte mit dem Brechreiz. Währen ich verzweifelt versuchte dem C-Hörnchen zu erklären, dass es zwischen 35 und 34 keine andere Schuhgröße gibt, und dass sie sich entscheiden müsse zwischen „zu groß“ und „zu klein“ erklärte die nette Mutter neben mir ihrer Tochter sehr laut, dass man beim Eislaufen IMMER Handschuhe tragen müsse, weil einem die anderen sonst die Finger abfahren. Zack, ganz schnell geht das. Das Höschen lauschte aufmerksam (meins, nicht das der Frau) und sagte dann: „Wie haben keine Handschuhe dabei!“ Der Tonfall machte deutlich, dass mein Kind grad den letzten Glauben an mich verlor. Um die Situation zu retten sagte ich, nach wie vor in Kack-Haltung am Boden der Tatsachen: „Nun, dann sind die Finger halt ab im Handschuh, macht es auch nicht besser.“ Meine Hörnchen nickten verständig, die Frau weniger. Memo an mich: Ich sollte für solche Momente die Nummer des Kinder- und Jugendnotdienstes dabei haben!

Während das C-Hörnchen über die Schlittschuh-Größen-Frage sinnierte, robbte ich auf zwei eingeschlafenen Beinen rüber zum inzwischen gut gelaunten aber Schlittschuh-losem D-Hörnchen. „Viel zu klein!“ und so tauschte ich abermals. 32 gegen 33; erledigt. Minuten später hatte der Kleinste Schlittschuhe an den nassen Füßen, was ihm nichts brachte, da er mich als Stütze braucht…

C-Hörnchen war inzwischen selbst zur Ausgabe gelaufen, hatte jetzt auch nasse Socken, und brachte stolz ein Paar in der Zwischengröße. Sie passten null, waren nämlich viel zu schmal. Ich tauschte als Paar Nummer C-drei gegen Paar Nummer C-vier und nach nun gut 25 Minuten hatten auch C- Hörnchen und ich Schlittschuhe an den Füßen. Noch schnell Pipi weil immer einer muss – und los! Als wir auf unseren Schlittschuhen aus der Toilette taumeln ist das Eis leer, die Eismaschine beginnt ihre Runden zu ziehen. 20 Min. Pause, Ha ha. A- und B- Hörnchen kommen mit roten Köpfen: „Wart ihr noch gar nicht???“

Als wir nach langen 20 Minuten endlich auf´s Eis können, ist es inzwischen recht voll. Bei genauerem hinsehen erschließt sich mir warum. Die Nutzenden der Eislaufhalle gliedern sich in grob 3 Gruppen, von denen zwei durch einen Faktor vereint werden: Bewegungsunfähigkeit vor 15:00:

  1. Eltern von Kleinkindern. Erschreckend viele von denen schleifen 3 jährige im Schneeanzug mit Helm und natürlich Handschuhen über das Eis und versuchen sie irgendwie zum Eislaufen zu bekommen. Während ein Großteil der Kinder wahrscheinlich noch nicht Fahrrad fahren geschweige denn auf einem Bein hüpfen kann, sollen sie hier in voller Kampfausrüstung an ihrer Karriere arbeiten. Es ist ein Jammer! Ach ja, 15:00? Vorher macht man in dem Alter Mittagsschlaf, vor allem die Eltern.
  2. Teenies. Große Horden von 14-15 jährigen Zahnspangen-Trägern, die als weiblich zu identifizierenden von ihnen zumeist bauchfrei und mit Capri Hose, latent blaue Lippen schimmern unter dem gut verspachtelten Make up durch. Die (zukünftigen) Herren der Schöpfung eint ein abartiger Körpergeruch, gemischt aus Hugo Boss, Bruno Banane und 14 Tage altem Schweiß und ultra-hotte LED-Schliitschuhe, mit denen sie enorm hot über das coole Eis sliden. Das Balzverhalten ist beeindruckend und zugleich erschreckend mit anzusehen und hat einen eigenen Beitrag verdient.
  3. Unseresgleichen. Dumme Normalos, die einfach nur da hin gehen und ein bisschen eislaufen wollen..

Nun denn, wir eislaufen also und ich habe tolle Kinder. Die drei großen ziehen super ihre Bahnen, der Kleine übt fleißig, es ist nett. Nach etwa der Runden kommt das C-Hörnchen angelaufen, sie weint abermals: „Maammmaaa! Die Schuhe! Das geht gar nicht. Die knicken immer soooo ein und …“ Wir verlassen also das Eis und tauschen erneut. Das fünfte Paar ist ok, wenn auch hässlich. Wir gehen aufs Eis. Zwei Stunden, drei Packungen Kekse und einen Anschiß vom Personal (falscher Ort zum essen) später verlassen wir glücklich die Halle und ich denke darüber nach, vielleicht doch mal Schlittschuhe anzuschaffen,… die dann immer wenn man mal fahren will, nicht passen. Es ist ein Jammer!

Ein Bein gebrochen habe ich mir übrigens nicht. Da ich die aller aller aller meiste Zeit neben dem D-Hörnchen an der Bande her rutschte, ist dies jedoch nicht weiter verwunderlich. Und ganz am Ende, als das D-Hörnchen schon fertig war, da bin ich ein mal drei mal im Krei gefahren. Was ein Spaß, was eine Freude..!

Ach ja, wie kamen mit 50 festverbauten Fingern und gingen ebenso. Keine Verluste, trotz fehlender Handschuhe. Krass!

Ein Gedanke zu “…Eislaufen

  1. Ich sehe das (wortwörtlich) auch so mit dem Schneeanzug. Kinder sollten Aktivitäten haben, die ihrem Alter angemessen sind. Schneeanzüge sind gut und schön, aber schränken auch die Bewegung ein. Gerade beim Eislaufen hilft das den Kindern nicht, sondern hindert sie.

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