Corona-Ferien

Ja, ich gestehe: Auch für mich ist die aktuelle Situation skurril und befremdlich. Auch ich checke regelmäßig die Nachrichtenticker der verschiedenen Dienste und auch ich habe in den vergangenen Stunden mit Oma und Opa telefoniert um sicher zu gehen, dass es ihnen gut geht. Dennoch bin ich weit weg von Panik; ich möchte es eher einen gesunden Respekt nennen. Mit den Hörnchen bespreche ich die Sache knapp aber ehrlich. Händewaschen wurde geübt (schon vor Corona), Risiken und Gefahren erläutert. Seit wenigen Tagen ist nun klar, dass wir lange lange gemeinsam zu Hause sein werden.

Corona-Ferien, so nennt es das A-Hörnchen. Und ganz so ist es doch nicht. Jedes der Hörnchen hat einen großen Stapel Schulkram mit nach Hause gebracht, so werden wir in den kommenden Wochen das M, F und das G schreiben, schriftlich addieren, den Dreisatz, Bruch- und Prozentrechnung pauken, ein Referat über Brasilien schreiben und vieles vieles mehr. Homeschooling, spannend fand ich das ja schon immer. Vor allem aber werden wir ein großes Abenteuer erleben – ob wir wollen oder nicht.

Für uns Eltern heißt das mit Sicherheit viel Arbeit, Selbstbeherrschung und Disziplin. Letztlich haben wir es in der Hand, die Zeit zu prägen. Wir akzentuieren sie. Sind wir ängstlich und gestresst, werden es die Kinder sein und unsere schützende Nähe suchen. Sind wir abgespannt und genervt, werden sie uns nerven und sind wir entspannt und haben Freude an all dem, dann werden auch unsere Zwerge das so sehen. Was wir brauchen, um diese Entspannung trotz alle dem aufrechtzuerhalten ist vor allem ein gewisses Maß an Struktur und Kontrolle – mehr sogar als Netflix.

Strukturen erlauben es uns (und eben auch den Kindern), den Tag in überschaubare Häppchen zu sortieren. Hierdurch ist die zu füllende Zeit nicht unendlich und man sieht zu jeder Zeit Licht am Ende des Tunnels. Über 5 Wochen die Zeit von 7-20.00 Uhr mit Leben zu füllen klingt dramatisch und eskaliert in der Regel am 2. Tag gegen 9.00 Uhr. Freilauf lässt einen madig werden, wo sind wir und wo wollen wir hin, ganz ohne Grenze ist’s schwer. Häppchen also.

Den Kern der Struktur können gut die drei Hauptmahlzeiten bilden, das bietet sich an. Bei uns wird es außerdem einen Schulblock geben, gleich morgens nach dem Frühstück. Der ist doof und keiner mag ihn, dennoch muss er sein. Weitere Tagesordnungspunkte können “raus gehen”, kochen, basteln, spielen und und und sein. Wichtig ist, den Rahmen zu besprechen und dann auch einzuhalten. Natürlich ist auch Gammeln, Daddeln und Abhängen total wichtig – dennoch kennt es ja nun jeder. Am Ende gammelt es sich auch fünf Wochen lang irgendwie so dahin – nur zufrieden macht das eben nicht.

Unter dem Strich zählt das, was am Ende hängen bleibt: Die Emotionen, die unsere Kinder in 30 Jahren mit diesem Ausnahmezustand verbinden. Ich möchte ihnen etwas geborgenes, angenehmes und möglichst leichtes mitgeben. Eine Episode, die uns näher zusammen bringt und fast wie ein Geschenk daher kommt. In 30 Jahren sollen sie ihren Kindern sagen können, dass das eine verrückte Zeit war, in der wir viel zusammen gemacht haben und sie froh sein konnten, in einer großen Familie zu leben. Von genervten Eltern, langweiligen Tagen oder Streit soll keine Rede sein, und wenn wir es irgendwie vermeiden können auch nicht von kranken Verwandten oder anderen Dramen. Und so tun wir, was getan werden muss:

Keep calm and stay home!

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