Baumarkt, Alter!

Nachdem wir in den vergangenen acht Wochen schick vier Hochbeete zwei mal gebaut haben, den halben Garten saniert und eine 10m Hecke entfernt, einen Zaun bestellt und 1 Kubikmeter Erde verteilt haben, hat das A-Hörnchen nun begonnen, sein Zimmer zu renovieren. Die alten Möbel sind verkauft, die Butze leer. Bei Ikea ist eine Vollausstattung „Teenie-Imperium“ bestellt – Alles macht sich gut an, die Sache flutscht, dennoch wurde eins ganz klar: We need to Baumarkt. Fuck.

Die Horrorgeschichten um diese letzte Bastion der zivilisierten Gesellschaft hatten auch mich längst erreicht. Der geheime Treffpunkt der ganz Verzweifelten, eine Art rechtliche Grauzone, ein Freistaat, ein Moloch. Von florierendem Schwarzmarkt mit Einkaufswagen sprach man da und von kilometerlangen Schlangen, von schreienden Kunden und weinenden Mitarbeitern und und und. Allein der Gedanke dort hin zu gehen kam mir schäbig vor. „Muss das denn sein?“, hätte mein beherrschtes Ich sicherlich zum anderen gesagt, „kann Das nicht warten?“. Nein, kann es nicht. Und so sammeln wir alles was so an den verschiedenen Baustelen aufgelaufen war, schrieben eine akribische, lange Liste und heute früh (ja Samstag, ha ha ha) zogen das D-Hörnchen und ich los.

Ja, ich nahm auch noch eine Vierenschleuder mit zum einkaufen; ein Kind, das in den vergangenen acht Wochen praktisch nie das Grundstück verlassen hat und einfach so gern mal seinen hippen Krabbelkäfer-Mundschutz ausprobieren wollte. So zogen wir also los: Das Kind, meine Schuldgefühle, das schlechte Gewissen und ich.

An der Einfahrt zum Parkplatz standen wir zunächst mal in einer nicht näher definierten Schlange. Stoßstange an Stoßstange, 200 rein, 150 raus. Alles sah nach einem gewaltigem Chaos aus und ich mochte es nicht. Nun ja.. nützt ja nix. Irgendwann war klar, wir stehen in der KFZ-Schlange für den Drive-In des Baumarktes. Ja, sowas vornehmes gibt es hier. Nach gut 10 Minuten gelang es mir den unfreiwilligen Aufenthalt in der Schlange zu beenden und versuchte nun also den Parkplatz als solchen zu benutzen. Dies stellte sich als nicht einfach heraus. Zwar waren an sich viele Plätze frei, jedoch stauten sich überall Autos die werden ein noch aus konnten, durchzogen von einer endlosen Schlage von wartenden Fußgängern.

Wir nahmen den ersten Parkplatz links und stiegen aus. Wagen gibt es nicht, die werden zZt. streng limitiert am Eingang zugewiesen, ach ja. Also ab in die Schlange. Etwa 100-120 Personen standen vor uns. Nach einer langen, langen Phase auf allen Bereichen des Parkplatzes kamen wir nach 30 Minuten in den eigentlichen Wartebereich. Mit Hilfe von Paletten hatten man hier so Freizeitpark-ähnliche Kaskaden abgesperrt und das D-Hörnchen wurde ganz aufgeregt. Ob man da Karussell fahren kann?Langsam aber stetig ging es voran, Meter für Meter. Gleich kommt das Karussell, sagte mein Hirn immer mal wieder und freute sich zunehmend auf die Fahrt im Colossos. Nun ja.

Nach 45 Minuten nahmen wir unsern frisch desinfizierten Gebrauchtwagen in Empfang und ab ging die Fahrt. Das D-Hörnchen nahm auf der Ladefläche Platz und wir begangen zügig und diskret, wie auf den Hinweisschildern gefordert, unseren Einkauf zu absolvieren. Zaunpfosten, Einschlaghülsen, Farbe, Rollen, Pinsel, Abdeckplane… Im Turbo-Gang zogen wir unsere Bahnen durch den immer noch vollen und irgendwie unfreundlichen Laden. Dann kamen die Schrauben. Der Gang war eng und ich eher planlos. Schrauben, viele. Nicht zu dick, nicht zu dünn, eher kurz aber auch nicht zu kurz, für Holz. Ich brauchte einen Moment und einen Anruf zu Hause um dem Rätsel zwischen Senkkopf und Klopfkopf, zwischen Spax und Torx auf die Spur zu kommen. Während ich in dem Gang stand konnte kein anderer rein und so kippte die Stimmung latent. Um nicht loszuheulen kaufte ich dann halt Schrauben; so güldene, hübsche. Damit wird der Zaun sicher halten.

Eins war klar, niemand wollte in diesem Baumarkt sein, am wenigsten ich selbst. Jeder hasste jeden, es hatte etwas von Krieg. Jeder hatte den besten Grund der Welt um da zu sein, und jeder wusste, dass die anderen ihn nicht haben. Es begann zu regnen, laut trommelten dicke Tropfen auf dem Blechdach des Marktes. Ich war froh, nicht mehr draußen zu stehen, die die jetzt rein kamen waren nass. Ihre Laune machte das nicht besser. Mit eigezogenem Kopf packte ich noch ein paar Blumen auf den inzwischen vollen Wagen. Blumen, das Symbol des unnötigen Einkaufes, das geheime Erkennungszeichen der Egoisten und Nichtsnutze der Gesellschaft. Hoffentlich konnte man meine Einschlaghülsen sehen, und die Zaunpfosten; die sind legitim. Mit eingezogenen Kopf schob ich zur Kasse.

An der Kasse machte ich alles falsch, was man so falsch machen konnte. Ich stand an der falschen Stelle, ich kontaminierte die Ablagen an der Kasse mit meinen ekelhaften Waren und zu guter letzt nahm ich mir eins von den bereitgestellten Wattestäbchen zum Geheimzahl-eingeben, obwohl ich eigentlich mit dem Jedermann-Stift unterschreiben sollte. Um diese Untat zu toppen, legte ich das kontaminierte Wattestäbchen zurück in den Behälter für saubere Wattestäbchen, worauf hin die gesamte obere Lage weg musste. WEGEN MIR!!

Menschen dieser Welt! Geht nicht in den Baumarkt. Nichts auf der Welt ist so wichtig, als das man DAS tun sollte. Meidet den Baumarkt, Stay Home!!

Die Einschlaghülsen btw. waren gar keine. Müssen wieder hin, alles Mist. Das aber mache ich nach Corona, 2022, falls ich sie dann noch umtauschen kann. Fuck!

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