24 hours

Als ich ein Kind war hatte ich oft Hausarrest. Manchmal auch Stubenarrest und wahlweise Zimmerarrest; das war das selbe wie Stubenarrest, klang nur anders. Diese freiheitsentziehenden Maßnahmen war bei uns zu Hause das absolute Mittel der Wahl – warscheinlich weil ich von Natur aus gern und viel auf Achse war. Ich weiß nicht wie oft ich arrestiert wurde, mein Vater sagt heutzutage selbst, dass ich warscheinlich nach wie vor Hausarrest hätte, wenn ich jeden Tag abgesessen hätte.

Meine Hörnchen kennen keinen Hausarrest, auch keinen Stubenarrest und im allgemein keine Strafen. Umso amüsierter war ich, als C- und D-Hörnchen am Samstag Morgen mit der Idee um die Ecke kamen, sich 24 Stunden im Kinderzimmer aufzuhalten. Schnell waren die Verhandlungen abgeschlossen und die notwendigen Vorbereitungen getroffen. Konkret heißt dies: Die Toilette wird aufgesucht, Eimer sind keine Option. Die Betten waren fix gebaut und Wasserflaschen gefüllt. Zusätzlich horteten die beiden allerlei Spielzeuge, CDs, Ladekabel und Zeugs im Zimmer von C-Hörnchen. Nach dem Mittag begann das Spektakel.

Die folgenden 24 Stunden verliefen vollkommen ereignislos. Wir lieferten Essen, trugen benutztes Geschirr wieder weg, plauderten und bestaunten was zu bestaunen war und freuten uns über die niedlichen zwei. Nach 20 Stunden waren sie immer noch ein Herz und eine Seele. Ununterbrochen hörte man sie quasseln, kichern und gackern; es war ganz zauberhaft! Nach dem Mittagessen am Sonntag hoben sie dann die selbstverhängte Quarantäne auf.

Alles was von da an passierte kann man grob mit Sodom und Gomorra bezeichnen, aus der Traum. Immer heulte einer, immer schrie eine. Sie stritten über die Farbe der Wand, den Gescmack der Luft und die Aussprache des Wortes „Mama“, sie stritten um jeden Krümel und jeden Furz, es war nicht auszuhalten. Und nachdem ich jetzt am eigenen Leib erfahren hatte, wie praktisch Stubenarrest ist, habe ich doch das eine oder andere mal mit mir gehadert.

Nein, niemand bekommt hier irgend einen Arrest. Diese Art der Strafe führt zu gar nichts als Traurigkeit und Unverständnis. Niemand überdenkt seine Taten, wenn er einsam in seinem Zimmer sitzt, niemand verändert sein Handeln wegen so bekloppter Strafen. Die Grenzen von „geht“ und „geht nicht“ zu erlernen gehört zur Entwicklung eines jeden Menschen dazu. Anstatt bei einem Fail allerdings abgestraft zu werden, halte ich es für weit sinnvoller wenn der heranwachsende Mensch die Möglichkeit bekommt sein Handeln zu verstehen und die Konsequenzen zu erfassen. Als besonders hilfreich haben sich außerdem Liebe, Respekt und Anerkennung erwiesen, auch zuhören und kuscheln wirken Wunder.

Dennoch, wenn die Hörnchen sich das nächste Mal selbst aus dem Verkehr ziehen, sag ich nicht nein. Nur an dem danach sollten wir noch etwas feilen…

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