Es kotzt mich so an

Im Dritten Anlauf versuche ich nun einen Beitrag zu verfassen, aus dem klar wird, wie enorm beschissen es grad alles ist, wie genervt ich von allem bin und wie unfassbar anstrengend mein Leben grad ist. Das Problem? Nicht mal das funktioniert! Jeweils nach drei Absätzen kommt es mir selbst vor wie Jammern auf ganz hohem Niveaus, von daher..

Liebe Leser*innen, ich bin ich der Privilegierten Lage, körperlich gesund (außer gestern da ging es mir schlecht) zu sein. Auch mein Mann und meine Kinder sind gesund und gehören nicht zur Risikogruppe. Wir sind finanziell gut aufgestellt, haben keine existenziellen Ängst. Den ersten Lockdown haben wir dank Kinderbetreuung für Systemrelevante Eltern mehr als guter überstanden. Wir wohnen schön, haben immer zu essen. In unserem Land ist Frieden. Alles ist gut.

Und dennoch, trotz alle dem, ist es manchmal kacke. Mächtig Kacke sogar, und somit werde ich jetzt Jammern. Auf höchstem Niveaus, das weiß ich selbst. Egal.

Es ist nämlich so, dass meine Kinder mich absurd nerven. Sie haben eine Band gegründet und zwingen mich dauernd zu sogenannten Konzerten zu gehen. D-Hörnchen spielt Ukulele und singt dazu, C-Hörnchen singt und tanzt, Liebeslieder für mich. Es ist furchtbar und kaum auszuhalten. Viel lieber würde ich in Ruhe RTL glotzen, Familien im Brennpunkt.

Letzte Nacht konnte B-Hörnchen nicht schlafen. Sie hat bis 23.30 auf mir gesessen, und sie ist riesengroß, und hat mit mir zusammen RTL geguckt. Eigentlich wollte ich viel lieber allein und in Ruhe RTL glotzen, echt. Ein Jammer.

A-Hörnchen hat sich eine E-Gitarre gekauft, auch nervig. Er ist extra früh aufgestanden, hat alles ausprobiert und ist abartig glücklich. Ich sollte zuhören! Nachdem ich schon zwei Konzerte von der “Bent” von C- und D-Hörnchen gesehen hatte. Alter… man macht echt was mit.

Gleich muss ich sogar noch duschen und mich anziehen, weil ich D-Hörnchen zu seinem Kumpel bringen muss. Voll kein Bock, echt! Viel lieber würde ich in Ruhe RTL glotzen, oder vielleicht Vox. Vox geht auch. Im Ernst, meine Laune ist so im Keller ich hätte nicht mal Lust auf Netflix, so kann es gehen.

Ferien sind eben gut. Endlich Zeit mit den Liebsten, endlich zur Ruhe kommen. Endlich ausschlafen, endlich leben wie einem das Leben gewachsen ist. Keine Zwänge, kein Druck, keine Verpflichtungen. Mega, dieses Leben, zwischen 23:45 in der Nacht und 8:00 am Morgen, dieses traurige Dasein auf dem Sofa, eingewickelt in eine schäbige Decke, während man hofft, noch eine Minute für sich rausschlagen zu können, bevor man ungewaschen einpennt um am kommenden Morgen von best-gelaunten Kindern geweckt zu werden, die schon 200 Sachen überlegt haben, die sie einem auch unbedingt noch zeigen wollen.

C-Hörnchen hat Kastanien angetuscht. Mega schön. B-Hörnchen hat was gemalt, A-Hörnchen hat aufgeräumt und D-Hörnchen hat auch was tolles. Komm schnell, komm gucken, guck frei, guck ohne Stress, ohne Druck, ohne Verpflichtungen aber guck um gottes Willen!! Guck, und guck begeistert. Guck lange und guck froh!!

||Keine Sorge, ich bin ok. Ich bin nur genervt, und würde gern RTL glotzen. Ich genieße die Ferien, den Urlaub und die zeit mit der Familie. Meistens zumindest, aber heute nicht||

Diary of a dream

Präambel: Schon am Vorabend des Tages wurde besprochen, dass der Kern des nun folgenden Tages das Aufräumen der Kinderzimmer sein soll. Allen Beteiligten ist bekannt, dass sowohl Verabredungen als auch Zeiten an PC,TV oder iPad erst erlaubt sind, wenn die genannte Tätigkeit (also Aufräumen) abgeschlossen ist. Die Zimmer werden bei uns alles andere als täglich und meist nichtmal regelmäßig aufgeräumt. Dennoch ist jedem im Haus bekannt, wie es geht und was es heißt.

8:32. Ich werde vom D-Hörnchen geweckt. Noch während ich versuche mich auf meiner Matratze zu orientieren bereitet er stolz, dass er schon sein ganzes Zimmer aufgeräumt hat. Alles nämlich!

8:35. Ich bin im Bett, deshalb das wohlig warme Gefühl, gut soweit. C-Hörnchen kommt hinzu. Ohne Umschweife schreit sie ihren Bruder an, er hätte GAR NICHT it aufgeräumt. GAR NICHT!!

8:37. Ich jage beide weg. Sie verkünden Frühstück zu machen. Mega, ich kann pennen.

8:55. D-Hörnchen teilt mir mit, dass Frühstück fertig ist. Leider hätten sie das kleine Ding von der Kaffeemaschine nicht gefunden, aber alles alles alles andere ist FERTIG! Yeah!!

9:00. Auf dem Esstisch steht eine Große Schüssel Müsli. Die Kaffeemaschine blinkt irre, schätze Burn Out. Die Kinder strahlen mich an. Auch B-Hörnchen ist wach. Ich beginne die Reanimation der Kaffeemaschine.

9:07. Kaffee inxs. Ich setzt mich erwartungsvoll an den Tisch.

9:08. Acht Augen glotzen die Schüssel in der Mitte des Tisches an.

9:09. Ich hole meinen Kaffee. Mmmmhhh.

9:10. C-Hörnchen erkennt klug: Keine Teller, keine Löffel. Sechs Augen sehen mich erwartungsvoll an. Ich rühre meinen vorzüglichen Kaffee.

9:11. B-Hörnchen steht mega-genervt auf und beginnt Sachen zu organisieren.

9:15. Wir beginnen Müsli zu essen. SIEG

9:20. D-Hörnchen erkundigt sich, ob er gleich iPad spielen dürfte, weil er ja schon alles alles alles aufgeräumt hat. Alles!! C-Hörnchen möchte sich mit Jana verabreden, oder mit Julia oder mit Ronja.

9:22. Schlägerei C- und D-Hörnchen.

9:21. C-Hörnchen beteuert, dass ihr Bruder gar gar gar nix aufgeräumt hat.

9:25. D-Hörnchen heult.

9:26. Ich auch gleich

9:27. Ich versuche sowas ähnliches wie ein Gespräch mit B-Hörnchen zu führen. Sie antwortet 2x hmm und 3x hm.

9:29. C- und D- Hörnchen stampfen nach oben. Ich solle ganz ganz ganz schnell nach oben kommen. Gucken was alles alles alles schon aufgeräumt ist/ alles alles alles noch gar nicht aufgeräumt ist. Ganz schnell.

9:35. Ich steige die Treppe zu den Kinderzimmern empor und stoße mir auf dem kleinen Flur unfassbar doll den Zeh. Alles liegt voll mit Dings. Die Treppe auch. In D-Hörnchens Zimmer sieht man wenig Teppich, in C-Hörnchens nicht. Motzen.

9:40. Ich höre auf zu motzen.

9.41. D-Hörnchen fragt, ob er erst Pad darf und dann aufräumen. Alter!

9:42. D-Hörnchen rennt schreiend weg. Ich bin so einen KackkotzMutter! C-Hörnchen fragt, ob sie schon mal eben Julia anrufen darf, oder Jana oder Ronja oder alle, nur falls sie bald fertig ist.

9:43. Darf sie nicht. C-Hörnchen heult und beteuert, D-Hörnchens Zimmer wäre viel viel viel schlimmer. Ich bin so einen KackkotzMutter!

9:45. Zweiter Kaffee inxs. Fickt euch doch alle.

9:47. C-Hörnchen kommt runter um zu sagen, dass sie schon ganz viel geschafft hat.

9:48. Kaffee fertig.

9:49. B-Hörnchen kommt um nachzufragen, was sie heute tun soll. Auf meine freundlich formulierte Bitte, aufzuräumen, antwortet sie mit einem genervten: Hm!

9:50. D- Hörnchen kommt runter. Er ist fertig. Ich sage, dass ich eben meinen Kaffee trinke und dann komme um staubzusaugen. Er setzt sich neben mich und guckt mich an.

9:51. “Bist du gleich fertig?”

9:51,30.“Bist du gleich fertig?”

9:52. “Bist du gleich fertig?”

9:52,30.“Bist du gleich fertig?”

9:53.“Bist du gleich fertig?”

9.53,30.“Bist du gleich fertig?”

9:54.“Bist du gleich fertig?” Ich schmeiße ihn raus. Oben warten.

9:55: Gleich hat er Trinktemperatur, bestimmt. Und er duftet sooooo herrlich. So herrlich!

9:59. A-Hörnchen tritt auf den Plan. Er begrüßt mich mit einem wortreichen: “Hmpf” und geht ins Bad.

10:03. Ich gehe nach oben, mit Günni, unserem Staubsauger. Auf der Treppe stolpere ich über Dinge. Der Flur ist voll. D-Hörnchens Teppich ist frei; alles ist unter dem Bett. Mega der Trick!!

10:04. D-Hörnchen ist sehr sehr wütend darüber, dass ich den Trick durchschaut habe.

10:05. Ich bin wieder in der Küche. Auf der bank am Esstisch sitzt ein schlecht gelauntes A-Hörnchen. Kein Wort.

10:10. Noch immer Glotzt der Riese im Schlafanzug den Tisch an. Das imaginäre “Tischlein Deck dich-Spiel” klappt nicht.

10:15. Der Riese im Schlafanzug besorgt sich Futter. D-Hörnchen stampft parallel ins Esszimmer: “Ich bin jetzt in echt fertig!” Sagt er mit leicht niedergeschlagenem Ton. Ich sage, dass ich nach dem geselligen Frühstück mit A-Hörnchen rauf komme. A-Hörnchen macht: “Hmpf”.

10:25. Ich sollte eine Zeitung abonnieren.

10:26. Laaaaangweilig wenn keiner spricht.

10:29. Das Ende ist nah. Der wohl geselligste Teil des Tages neigt sich dem Ende. Yay

10.32. Auf dem Weg zu den Kleinen gehe ich bei B-Hörnchen vorbei und erkundige mich, ob sie voran kommt. Ihr Kommentar: “Vergessen.” B-Hörnchen baut Lego.

10:35. Ich kann tatsächlich D-Hörnchens Zimmer saugen. Strike! Ich sauge lapidar drei kleinere Legosteine mit weg und feiere meinen Sieg über die Unordnung.

10:43. D-Hörnchen kann endlich ans iPad.

10:45. C-Hörnchen sitzt in einem riesen Berg Dinge. Unglaublich wie sie es schafft, diese Menge an Kram zu generieren. Ich denke sie spawnt. Ich entscheide zu helfen; das wird so nix.

10:55. Ich habe dreizehn alte Kekse, einen Obst Teller von über-gestern und 19 Socken gefunden. Außerdem fanden sich dutzende weitere Kleidungsstücke die “noch mal gehen” in allen Ecken und Nischen des Zimmers. Auch das zweite und das dritte Oberbett konnte eingefangen und zu den vier Wolldecken sortiert werden. “Ich friere manchmal nachts”, erklärte das Hörnchen noch dazu. Nun dann.

11:04. C-Hörnchen ist fertig, ich auch. Das Zimmer auch. Sie kann jetzt Ronja anrufen, oder Jana oder Jolanda oder Leni oder wen auch immer.

11.12. Keiner hat Zeit. Das D-Hörnchen ist inzwischen mit dem Pad fertig. Beide gehen nach oben, freuen sich kurz über die wunderschönen aufgeräumten Zimmer und beginnen damit, den Zustand aufzuheben.

11:28. Ich bereite einen Obstteller und gebe ihn dem C-Hörnchen mir rauf.

11:43. B-Hörnchen hat leider vergessen was sie tun sollte, aber dieses Lego-Boot; das hat es in sich!

12.00. Ich mach mal Mittag.

Augen zu und durch oder: warum Alu-Hüte keine Option sind

Verschwörungstheorien gibt es seit ich denken kann. Oder seit der Mondlandung, oder dem Dritten Reich, oder den Hexen-Verbrennungen. Wahrscheinlich gibt es sie schon so lange, wie Menschen denken können, zumindest aber so lange, wie Humanoide in der Lage sind, primitive Erklärungsmuster anzuwenden um potentielles Unheil von sich selbst abzuwenden. Denn an diesem Punkt setzen sie alle an.

Angst ist eine enorme Macht. Sie lähmt uns, liefert einen aus und macht, dass man nicht mehr viel machen kann. Gegen manche Dinge, vor denen Menschen Angst haben, kann man sich schützen. Man kann Alarmanlagen installieren, Wachen aufstellen, ein Feuer entzünden oder eine Mauer bauen. Man kann stark werden, oder gewandt, man kann schnell werden oder klug. Das alles sind Strategien gegen erkennbare und vor allem erklärliche Gegner: Einbrecher, Verfolger, wilde Tiere. Kompliziert wird es immer dann, wenn der Mensch sich eine Gefahr nicht erklären kann. Und wo jedes Tier seine Instinkte nutzt, weg läuft oder sich versteckt, stellt der Mensch sich dann auf den Marktplatz, beginnt zu diskutieren und glotzt so lange, bis es zu spät ist. Mit klug oder Instinkt hat all das nichts zu tun, eher mit blindem Aktivismus, Wahn oder eben genannten Verschwörungstheorien. Der Kern dieser Theorien sind also Menschen, die verlernt haben auf ihre Instinkte zu hören (was soll mir so ein Virus schon tun? Ich bin doch jung und gesund), die aber gleichzeitig nicht klug genug sind um anzuerkennen, dass sie die Gefahr vielleicht auf dem Marktplatz nicht sehen könne, es sie aber trotzdem gibt. Wo der kluge Mensch der Wissenschaft vertraut, und tut, was man ihm sagt, setzten alle Überlebensmechanismen aus und beginnen wie wild die Hexe durch´s Dorf zu treiben.

Denn das ist es im Grunde. Ein Phänomen, dass sich keiner erklären kann, zumindest aber so mancher nicht richtig, ruft Angst hervor. Soweit kann ich das verstehen. Corona macht auch mir Angst. Die Pest hätte es ebenso getan und vielleicht hätten mir auch Heilerinnen im Mittelalter Angst gemacht. Da ich aber kein Pestarzt, keine Heilerin und keine Virologin bin, höre ich denen zu, die etwas wissen, mache was sie sagen und so weiter, wir hatten das. Nicht so die Hildmanns, Naidoos und Wendlers. Die sind zwar auch keine Heilerinnen, Virologinnen oder Pestärzte, aber sie wissen es trotzdem besser. Auch sie haben Angst, wahrscheinlich sogar ziemlich doll. Sie geben das aber nicht zu sondern nutzen diese wilde, rohe Energie lieber um den Gegner auf ihr eigene Weise zu bekämpfen: Sie leugnen ihn, erfinden die irrwitzigsten Theoreme und verhalten sich so, wie es Vierjährigen tun würden, die schon immer mal Arzt sein wollten: Sie erfinden die Welt eben neu.

Und jeder, der schon mal von einem Vierjährigen erklärt bekommen hat, warum der Teddy im Krankenhaus liegt, weiß, dass Widerrede keinen Sinn hat. Der Vierjährige hat nämlich Recht! Das liegt daran, dass seine kognitive Entwicklung grad nicht mehr her gibt. Er ist in einer Entwicklungsphase, die Psychologinnen das “Phantastische Weltbild” nennen. Die Kinder erklären sich alles das, was sie kognitiv (noch) nicht erfassen können mit Hilfe ihrer Phantasie. Na, kommt es euch bekannt vor?

Verschwörungstheorien sind der dümmliche Versuch eine Welt zu erklären, die man nicht versteht. Widerrede sinnlos, der Verschwörungstheoretikern hat Recht. Immer. Jeder Versuch ihn vom Gegenteil, von Wissenschaft oder Menschenverstand zu überzeugen, beflügelt seine Angst und die wiederum beflügelt seinen Wahn. Denn wenn die Gefahr trotz Wahngespinst, trotz Mauer im Kopf, trotz Leugnens noch nicht weg ist, dann muss die Mauer erhöht werden, der Wahn ausgebaut und gepflegt.

Was uns das lehrt? Lasst sie spinnen! Diskutiert nicht in Facebook- Kommentarspalten, nicht auf Demos usw. Klar, der Wahn im direkten Umfeld ist es wert, und vielleicht kann man da was bewirken, mit viel Einfühlungsvermögen, Keksen und Kakao. Ins besondere in den sozialen Medien ist es aber eben so, dass der Vierjährige Recht behält, weil eben keiner da ist, der ihn in den Arm nimmt, ihm einen Kakao kocht und ihm ganz in Ruhe erklärt, warum der Teddy im Krankenhaus ist. Seien Angst bleibt, also kann er seinen Wahn nicht hergeben.

Beflügelt nicht den Irrsinn, lasst ihn sich im Kreis drehen, mit sich selbst agieren und versucht viel mehr die, die dem Wahn noch nicht verfallen sind zu stabilisieren. Kakao und Kekse sollen sich tatsächlich eignen, kann man ggf. auch beim Nachbarn vor die Tür stellen. Das Zauberwort sollte Nächstenliebe sein. Achtet aufeinander! Angst haben wir alle, jetzt gild es admit umzugehen.

Stay home again, wear a mask and spread love!

Noch einmal schlafen, und dann beginnt ads, was wir bis März diesen Jahren als „Normalität“ bezeichnet haben. Regelbeschulung. Die Hörnchen sind not amused, schon ein krasser Gedanke dieses Fünf-Tage Woche- Ding“. Und so taten wir in den vergangenen tagen das, was wir jedes Jahr tun: Hefte und Mappen kaufen, Kleber Buntstifte und co natürlich auch. Die Füllungen der Brotdosen diskutieren und most of all: Viel zu spät ins Bett gehen.

Am ersten Schultag nach den Ferien herrscht dann, wie jedes Jahr, Zombie-Alarm – in diesem Jahr allerdings mit Maske. Denn an den weiterführenden Schulen gilt Maskenpflicht. Die Hörnchen sind auch hierüber not amused. Noch ein Fashin-Detail, das bedacht werden muss und überhaupt. Für die Lehrer ein potentieller Vorteil; sie müssen nur knapp 1/3 der leichenblassen, übermüdeten Gesichter bestaunen und auch sonst haben Masken ihre Vorteile. Die Fraktion „Zähneputzen mach ich nicht“ stinkt sich selbst voll, Lehrer mit feuchter Aussprache sind keine Bedrohung mehr und nie aßen sich Knobi und Zwiebel so sorglos. Dennoch, die Hörnchen… nun ja.

Ich starte mit wenig Elan und noch weniger Überzeugung in das neue Schuljahr. Ob es sinnvoll ist 25 halbstarke Hormon-Schlumpies in eine Klasse zu setzen? Zugegeben, das ist es nie, aber unter virologischen Gesichtspunkten betrachtet; nein. Hinzu kommt, dass ab Oktober eh immer einer schnieft, einer hustet (und die Grundschule Läuse hat). Die Situation droht überzeugend, meinem Arbeitszeitkonto, meinen Nerven und dann irgendwie ja auch der Gesundheit eines jeden. Ich mag das nicht mehr.

Lösungen? Keine, ganz klar. Ich persönlich hätte die Welt gern auf Pause gesetzt. Ein Jahr mit alles nix. Keine Schule, keine Arbeit, keine Minusstunden. Keine verpassten Unterrichtsstunden, kein vermasselter Stoff. Jeder macht was er kann, alle geben das, was eben geht. Der Rest ist eben Zauberei. Mene mene, hex hex und alles ist gut. Ich Weißbuches, dass das so einfach nicht ist, dennoch… ach man!

Und so warten wir es mal ab, wer wie lange zur Schule darf. Wer wann den ersten positiven Fall hat, welches meiner Kinder zuerst Husten hat und wie viele Wochen uns das kosten wird. Warten wir es ab, ob Kind-krank Tage, Überstunden und Urlaub am Ende reichen um Corona gerecht zu werden und ob meine Nerven stark genug sind um den ganzen Scheiß noch einmal ein paar Monate standzuhalten. Muss ja, … muss ja. Corona fick dich!

Primäre Bezugsperson ersten Grades

Man sagt, Entenküken folgen in ihrer Kindheit der Person, die sie nach dem Schlüpfen zuerst gesehen haben – in den meisten fällen ihrer Mutter. Bei Menschenküken ist das ähnlich, sie binden sich an eine Primäre Bezugsperson, bauen Urvertrauen auf und legen, besonders in den ersten 24 Monaten, ihr Leben in die Hände dieser. Bei den meisten Kindern wird diese Rolle durch die Eltern erfüllt; logisch. Heute geht man vollkommen logisch und emanzipiert davon aus, dass Väter und Mütter diese Rolle gleichermaßen erfüllen und die Kinder, ohne jeden Zweifel, an beide Eltern gleichermaßen gebunden sind. Ausgenommen sind hier die Kinder, die nach ihrer Geburt zunächst in Pflegestellen o.ä.Verharren müssen, auch sie binden sich auf die eine oder andere Weise an Bezugspersonen, durch die fehlende Konstante neigen sie jedoch zu Bindungsstörungen – das ist ein wichtiges aber anderes Thema.

Heute möchte ich über die herausragende Bindung meiner vier Hörnchen an mich – ihre primäre Bezugsperson – schreiben. Und ich möchte die Frage diskutieren, ob der Vater tatsächlich genauso unabdingbar ist wie die Mutter – und vor allem: ist er genauso gut sichtbar! Ihr seht, es wird hoch wissenschaftlich und bietet Konfliktpotenzial.

Ich habe meine Kinder ausgetragen, sie gestillt und monatelang auf mir schlafen lassen. Tagsüber trug ich sie und als sie krabbeln lernten, bot ich ihnen Raum für Autonomie. Ich stand immer, zu jeder Zeit, als Bezugsperson und Basis zur Verfügung, habe über Jahre hinweg jede Träne getrocknet und jedes Lachen geteilt. Ich war da. Inzwischen sind die Hörnchen groß. Mit 13 und 11 sind A- und B-Hörnchen unabhängig. Sie können sich nach der Schule etwas zu essen machen, sie gehen allein shoppen und verabreden sich ohne meine Hilfe. Wenn was ist, kommen sie zu mir. C- und D-Hörnchen nutzen meinen Support noch viele Male am Tag. Sie suchen wesentlich aktiver meine Nähe und zeihen ihre Kreise zwischen Autonomie („Ich gehe noch raus!“) und Nestschutz („Kann ich kuscheln?). Sie machen das gut und ich begleite alle vier gern auf ihrem Weg. Dennoch stehe ich immer wieder vor einem großen Rätsel: Warum immer ich?

Emanzipatorisch betrachtet ist mein lieber Mann ebenso bindungsrelevante, wie ich es bin. Zugegeben, in den ersten neun Monaten beschränkte sich der Kontakt auf Handauflegen und „Hallo“ rufen. Ja, und in der Zeit danach waren es die Zeitfenster zwischen den Stillphasen, die ihm zur Verfügung standen – zumindest dann, wenn er nicht arbeitete. Wir verbrachten die Wochenenden zusammen, die Urlaube. Und als C-Hörnchen neun Monate alt war, nahm er drei Monate Elternzeit. Selbstverständlich brachte er alle Kinder ins Bett, nachdem sie soweit abgestillt waren, wechselte Windeln und betreute die Kleinen, wenn ich Termine hatte. Er war immer das, was man einen modernen Vater nannte; jeden Tag zwischen 17 und 19.00.

Ins echte Leben übertragen heißt das, dass der Mann ohne Probleme mit den Kindern alles kann. Bedingungslos alles. Dies Regel setzt in dem Moment aus, in dem ich das Haus (oder den Garten oder was auch immer) betrete. Denn sobald das so ist, bin ich die bedingungslose Person of Interest. Allein bei einer einzigen Mahlzeit bringe ich es auf 20-30 Ansprachen. „Guck mal, mein Käse!“, „Mama, ich schmiere Brot. Guck mal wie mein Brot ist..“, „Mama kann ich dies, Mama kann ich das..“. Der Mann sitz dann natürlich bei uns, Bilderbuchfamilie und so, aber selbst wenn ich mich an einem Brotkrumen so verschlucken würde, dass nichts mehr gut, würden sie zunächst mich ansprechen.

Duschen zu gehen heißt in der Welt einer primären Bezugsperson offenbar, beim rasieren der primären Beine ungefähr sieben Rücksprachen mit dem Volk darüber treffen zu müssen, ob es wirklich nötig ist, dass ich allein im Bad bin. Ebenso verhält es sich beim Toilettengang oder wenn man einen Magen- Darm Infekt hat. „Was machst du daaaa?“ ist ein geflügelter Begriff und jeder der schon mal auf dem Scheißhaus saß sollte annehmen, dass diese komplexe Tätigkeit für Außenstehende durchaus zu erkennen ist. Nun ja.

Eben mähte ich den Rasen. D-Hörnchen saß ununterbrochen im Kletterbaum und laberte auf mich ein, C-Hörnchen kam in den 15 Minuten 3x weinend mit Pipapo und B-Hörchne stand vielfach neben mir und fragte… was ich da mache. Der Mann, der Vater der Kinder, stand währen der ganzen Zeit im garten, frei. Und so ist es eben.

Mama, kann ich was Süßes?

Mama, wollen wir was spielen?

Mama, guckst du dir meine Höhle an?

Mama, guck mal den schönen Kackhaufen?

Mama mein Computer ist komisch (haha, und da fragst du mich???)

Mama, wann ist Abendbrot?

Mama, wie viele Tage noch bis Weihnachten?

Mama, Mama, Mama, Mama,…

Papa, wo ist Mama?

Ganz bestimmt kann ein Kind mehrer primäre Bezugspersonen haben. Primäre Bezugsperson ersten Grades und eben die anderen.

Die im Text als „Mama“ bezeichnete Person kann selbstverständlich auch jede andere Person im Leben eines Menschen sein. Ihre Rolle wird nicht durch die biologische Verwandschaft oder das Geschlecht bestimmt. Außerdem bitte ich darum, meine Worte mit Humor zu lesen und sich nicht auf den Schlips getreten zu fühlen (oder den BH). Ich schätze und würdige meinen Mann, das was er tut und tat und weiß, dass er für die Kinder bedingungslos wichtig ist. Dennoch mag ich zB allein auf Klo gehen total. Echt, TOTAL!!

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Des deutschen höchstes Gut – Neues aus der Biotonne

Ab etwa 20 grad ist es warm genug. Dann bilden sich aus den Eiern, die die dicken, schwarzen Fliegen gelegt haben, kleine weiße Maden. Zunächst ganz unscheinbar, wie Reiskörner, bald dann aber fetter und vor allem agiler. Sie sind flink und suchen das Licht. Öffnet man den Deckel unvorsichtig, fallen sie einem buchstäblich auf die Füße. Wer weiß, vielleicht kitzelt es zwischen den Zehen, wenn sie sich in der Sandale winden.

Die Biotonne, das geheime Battle des deutschen Vorstädtlers. Wer was auf sich hält, der hat eine, ganz klar. Der Müll wird getrennt und ja, das ist auch gut so. Dennoch, am Abfuhrtag, oder eher in den Stunden davor, trennt sich am Straßenrand die Spreu vom Weizen (oder dem was davon übrig blieb). Seit 14 Tagen gärte dann der peinliche Überrest einer jeden Mahlzeit, zusammen mit Gartenabfall und dem einen oder anderen Fremd-Akteur in der Tonne und tat das, was er tun musste: autonom stinken.

Die akribischen unter den Tonnen-Besitzern reinigen die Tonne nach jeder Leerung mit Wasser und Seife. Die Hinterlassenschaften werden penibel in Zeitungen gewickelt, oder in Bio-Beutel. Zwischen die einzelnen Portionen kommen weitere Zeitungen, so dass auch der letzte Tropfen Saft aufgefangen und verborgen bleibt. Fliegen sucht man hier vergebens, die stehen nicht auf den guten Frosch. Zitronenreiniger. Das klinische Objekt könnte glatt in der Küche oder besser noch neben dem Esstisch wohnen – wäre sie nicht so hässlich.

Die meisten stinken so dahin, sauber macht man sie mal, ja. Die erste Woche nach der Abfuhr ist es noch ok, danach sollte es kühl bleiben. Hier und da kriecht mal was, dann wird peinlich berührt was gemacht. Was, was man dann so macht, wenn die halb volle Tonne beginnt ein nicht akzeptables Eigenleben zu führen. Kalk soll helfen, oder Katzenstreu. Oder beides. Oder eben auswaschen, aber mal im ernst. Wer hat denn am Tag der Abfuhr zeit, die versiffte Tonne zu waschen und vor allem sind die Gefahren ja nun mal auch nicht zu unterschätzen. Denn wenn man den Gartenschlauch all zu schwungvoll in den Morast hält, dann ist er ganz bald überall, der Morast der vergangenen Zeiten, in all seiner Pracht. Also schnell eine Lage Katzenstreu, drei Seiten Zeitung vom Nachbarn drauf und auf auf in die nächste Runde.

Die eigentlichen Helden der Tonne sind die, die den ganzen Scheiß einfach blanko rein werfen. Sie beeindrucken in ihrer Dominanz, ihrem Durchhaltevermögen und der grenzenlosen Fähigkeit, Leid zu ertragen. Ab ca. 17. April stinkt die Tonne zum Himmel, ab Mai muss man die Straßenseite wechseln, um an betroffenen Häusern vorbei zu kommen.

Dann kommen die Fliegen. Nicht drei oder fünf, nein! Sie kommen in Scharen und legen was zu legen ist. Corona hin oder her, an einem solchen Objekt kommt man nur mit Maske vorbei. Schon ohne jede Aufmerksamkeit kriechen dutzende fette gelblich schimmernde Maden auf dem fettig glänzenden Rand der Tonne entlang. Hie und da kommt ein Spatz des Weges und bedient sich am reichhaltigen Buffet; den Tonnenbesitzer juckt es nicht. Der wirft weiter beharrlich seine Hinterlassenschaftenin den Schlund – irgendwann dann eben auf Distanz, manchmal in einer Plastiktüte.

Schlimm wird es bei Regen. Da suchen die Tierchen das Weite. Zurückhaltend aber zielsicher verlassen die fetten weißen dann ihr stinkendes zuhause und suchen nach einer neuen Zuflucht. Gegen diese Völkerwanderung kommen auch die Spatzen nicht an, und auch nicht das Katzenstreu. Die einzige Macht, die das agile Volk zu unterdrücken weiß, ist die Kälte.

Ab Oktober herrscht Ruhe. Dann ist auch die letzte Made erfroren, kein Ei kommt mehr nach und die Fliegen sind .. da wo Fliegen im Winter sind. Jetzt gilt es den wichtigsten aller Momente nicht zu verpassen: Den ersten Frost. Denn wer jetzt nicht auf der Hut ist, dem friert die ganze Suppe in der Tonne fast. Der unattraktive Eiswürfel bleibt dann, bis zum ersten Abfuhrtag nach dem Frost. Mit dem wiederum beginnt es von vorm, das geheime Battle des Deutschen. Der Kampf um die Tonne, die epische Schlacht zwischen Vernunft und Ignoranz, zwischen Sorgfalt und Lassy fair. Und ein kleines Bisschen auch der, gegen den eigenen Schweinehund und die Scham.

P.S. Seit Tagen sind über 30 Grad. Ich möchte meine Tonne nicht auf der Terasse haben, sollte es regnen, brauche ich mich (glaube ich…) dennoch nicht zu schämen

P.P.S. Ich schmeiße keine Plastiktüten in meine Tonne

P.P.P.S. Wer kompostiert, dem nichts passiert.

Wenn Frauchen eine Panne hat

Eben machte ich den Motor im Auto an und A-Hörnchen teilte mir beiläufig mit, dass wir einen Platten hätten. Vorschriftsgemäß schaltete ich den Motor wieder ab, schließlich weiß ich, dass man mit einem platten Reifen nicht fahren darf.

Tatsächlich, der Reifen ist platt, ganz und gar platt. Keine äußeren Beschädigungen erkennbar, dennoch: Platt. Kurzerhand pfiff ich die Bande zurück und rief den ADAC an.

Der vermutlich ältere Herr am anderen Ende sprach hoch empathisch in einer ruhigen Stimme mit mir. Sehr betroffen und langsam eröffnete er das Gespräch mit den Worten: “Bleiben Sie erstmal ganz ruhig Frau Hörnchen. Und jetzt erzählen Sie mir mal ganz genau was passiert ist. “ Bis zu dieser Frechheit war ich ausgesprochen Ruhig. Im übrigen bin ich nicht dumm, hysterisch oder so, ich bin lediglich mir zwei X-Chromosomen ausgestattet, dennoch kann ich alles was meine artverwandten Y-Chromosom-Träger können. Und um es vorweg zu nehmen: Ich kann göttlich gut parken! Ich kann sogar tanken!!

Ich teilte dem Alten Sack freundlich mit, dass der vordere Reifen platt sei, das Auto zu Hause stünde und ich kein Ersatzrad hätte. “Verstehe!” Sagte er betont langsam und ruhig. “Ich werde Ihnen jetzt einige leichte Fragen stellen.” Kündigte er an und ich atmete schwer und vernehmbar. Mein Geduldsfaden spannte sich zunehmend. “Keine Angst, Frau Hörnchen! Das bekommen wir hin.” Fuhr er fort. Letztlich wollte er den Fahrzeugtyp (Groß), die Marke (Sternchen) und die Farbe (schön) wissen. Komplexe Fragen, zugegeben. Zum Glück gab er mir den wertvollen Hinweis, zur Not im Fahrzeugschein nachzusehen. Nachdem ich die Infos weitergegeben hatte, beschwichtigte er mich ungefragt zum Abschied mit der Weisheit, dass es völlig in Ordnung sei, dass man nicht über alles Bescheid wisse. Mein Mann kümmere sich gewiss um alles und jemand müsse ja auch bügeln und waschen. Genau Arschloch.

Im nächsten Schritt gelang es mir selbstständig und aus eigener Initiative, eine Autowerkstatt anzurufen. Ich weiß, trotz meiner Brüste, dass man Autoreifen nicht bei Rossmann oder Rewe bekommt, deshalb wollte ich den attraktiven Mann in blau bitten, mir einen klarzumachen. Gar nicht so leicht. Der junge Bursche war unsicher, ob ich ihm die Daten auf dem Reifen korrekt am Telefon durchgeben könnte und bat mich schnell herzukommen, damit er sich aufschreiben konnte, was er für einen Reifen er bestellen müsste. Mein Argument, dass ich grad nicht fahren konnte weil platt, fand er nur halb gut. Die Tatsache, dass ich vor meinem Auto saß und die Zahlen auf dem Reifen nur vorlesen müsste, ließ er nicht gelten. Wixxer.

Wir einigten uns darauf, dass ich ein Foto vom Corpus delikti schicken darf und er dann mal guckt, ob das damit geht. Sonst müsste ich aber wirklich eben herkommen, so einfach ist das ja gar nicht. Genau, Fick dich! Gleich kommt noch der Mensch vom ADAC, ich bin schon jetzt total gespannt…

Genau hingesehen

Oh du kleines Männlein! Wie du da sitzt, in deinem PIKAchu-T-Shirt, von dem ich schon weiß, dass es dir eines nicht mehr fernen Tages zu klein sein wird. Fast ehrfürchtig umfassen deine schmuddeligen kleinen Finger einen Donald Duck Comic, aufmerksam und hoch konzentriert inhalierst du Sprechblase für Sprechblase. Erst seit kurzem ergeben die Buchstaben in den Blasen einen Sinn und ich sehe jedem Muskel in deinem Gesichg an, wie beeindruckt du von dieser Tatsache bist.

Dein Gesicht, wie du so in dich gekehrt da sitzt, ist nich hochrot gefärbt, der Schweiß eines verstrichenen Schultages mischt sich auf ihm mit Staub und Sand. Es ist heiß draußen, Reste von Sonnencreme unterstreichen deinen rot-braunen Teints. In der Pause habt ihr eine Höhle gebaut, mit ausgedachten Wänden und einem ausgedachten Dach, und Liam wollte die dann kaputt machen und Noel und Paul haben sie verteidigt und wir waren ganz laut.

Es ist ein zauberhaftes Alter, wenn die Welt nich voller Zauber und Magie ist, alles möglich ist und man in jeder Sekunde mit einem Wunder rechnen darf. Und dann keimt da die Vernunft, Begabung bahnt sich ihren Weg und lässt sich leiten von der Phantasie. Nicht mehr ganz aber dennoch zu großen Teilen lebst du im hier und jetzt, die Tage sind endlos und schaffen es immer wieder, auf wundersame Weise, all deine Bedürfnisse abzudecken. Und doch lebt in dir auch das morgen; an immer mehr Tagen auch das übermorgen.

Denn wenn du noch zwei mal schläfst, dann ist übermorgen. Und übermorgen, da warten ganz neue Abendteuer auf dich, ganz neue Herausforderungen und ganz ganz viele Sprechblasen. Vielleicht, wenn du Glück hast, sogar ein Eis. Oder ein Bonbon. Und wie an jedem Tag, warte ich auf dich! Wie an jedem Morgen werde ich meine Arme ausbreiten, dir einen dicken Kuss geben und dich begrüßen, als hätten wir uns wochenlang nicht gesehen.

(Guckt euch eure Kinder mal genau an! Sie sind wundervoll!!)

#blacklivesmatter

„Was machst du da, Mama?“ fragt vorhin ein vergnügtes C-Hörnchen. Ich saß am Küchentisch und zeichnete auf schwarze Pappe große Buchstaben.

BLACK LIVES MATTER

C-Hörnchen half mir auszuschneiden und wie klebten die Worte ins Küchenfenster.

Warum mache ich das? Irgendwie um kindgerechte Aufmachung bemüht, erklärte ich C- und D-Hörnchen das, was da in Amerika passiert ist – und immer wieder passiert.

Ein Mensch ist umgebracht worden, weil er schwarz ist.

Die Wahrheit ist so absurd, wie sie alltäglich ist. Menschen werden erschossen weil sie joggen, weil Fenster geöffnet sind oder weil sie im Auto nach ihren Papieren greifen. Sie werden getötet weil sie anderen helfen, weil sie leben, existieren, atmen. Menschen werden getötet, weil andere Menschen Rassisten sind, weil sie sich selbst privilegieren, sich als was besseres sehen, als weiß eben. Klingt scheiße? Ist aber so!!

„Aber hier gibt’s das nicht!“ protestierte das D-Hörnchen und führte seinen Freund Simon an, der auch schwarz ist und dessen Mama das auch ist und der Papa auch. „Die werden hier nicht geschlachtet!!“ schrie er mich an und traf den Nagel traurig gut auf den Kopf.

Recht hat er wohl. Hier wird keiner ungebracht, zumindest ist das sehr selten. Dennoch ist Alltagsrassismus auch hier bei uns allgegenwärtig. Er beginnt im Kopf eines jeden, führt sich beim einkaufen, spazieren gehen, arbeiten, tanzen, leben und sterben fort. „Ich bin ja kein Rassist, aber…“ ist nur ein banales Beispiel und durch mein privilegiertes weiß-sein kann ich weitere Beispiele nur aus dem Erleben anderer wiedergeben.

Ich werde nie im Supermarkt unbeholfen in leichter Sprache gefragt, ob ich deutsch spreche, ich wurde, obwohl ich täglich am Hauptbahnhof rumrenne, noch nie von der Polizei kontrolliert. Keiner fragt mich verlegen „wo ich denn in Wirklichkeit herkomme“ und wenn ich etwas gebraucht verkaufen will, zweifelt keiner an, ob ich sorgsam im Umgang war. Meine Nachbarn betiteln meinen Garten zwar ggf. als chaotisch, fügen jedoch nicht die „Ungeübtheit mit der Zivilisation“ als absolut abartigen Grund mit an. Ich kann mich frei bewegen, überall. Ich kenne keine Diskriminierung. Und obwohl ich in mitten einer bunten Großstadt aufgewachsen bin, politisch engagiert und all das, bin ich noch heute seltsam überrascht wenn ich sozusagen „in echt“ von Rassismus im Leben meiner Lieben hört. Gibt es das also echt in echt? Ja – überall!

Um Rassismus loszuwerden, muss er zunächst enttarnt werden. Dann angeprangert und dann muss, Zug um Zug, gegen ihn gekämpft werden. Schreit laut, mischt euch ein und most of all: reflektiert euch selbst! Wir sind alle aus dem selben Holz geschnitzt, alle aus dem selben Ei. Und es ist unser aller aller Pflicht, gegen diesen Wahnsinn aufzustehen, laut zu sein und Schulter an Schulter zubkämpfen! Jeden Tag, in Supermarkt, in der Bahn und abends auf dem Sofa.