La vida es un pero

Prinzipiell verstehe ich den menschlichen Organismus gut. Ich bin mit den Funktionen der Ein- und Ausgänge vertraut, durchblicke Energiezufuhr und Verwertung und kann recht zuverlässige Vorhersagen über so manchen Prozess machen. Ich weiß was unsere Organe können und was so passiert, wenn es nicht mehr klappt. Auch hirnanatomisch bin ich im Bilde. Ich weiß, warum ich bei der Arbeit rauche, zu Hause jedoch nicht. Ich weiß warum Schneeflocken, die zart auf meiner Jacke liegen bleiben, mich euphorisch hopsen lassen, und ich weiß wie Kaffee wirkt. Eine winzige Kleinigkeit bleibt mir jedoch ein Rätsel.

Wieso gibt es Migräne?

Unregelmäßig, manchmal alle zwei Wochen, manchmal drei Monate lang nicht, schleudert sie mich rücksichtslos zu Boden. Auslöser? Selbst nach jahrelanger Recherche unbekannt. Heute habe ich den Wind in Verdacht, vielleicht habe ich auch schief geschlafen, schlecht gegessen oder mich dem kosmischen Gleichgewicht entzogen. Selbst medizinisch ist dieses Schmerz wenig erforscht. Als Uraschen kommen zu enge oder zu weite Blutgefäße in Frage. Oder andere Sachen. Behandeln kann man mit verschiedensten Medikamenten; in der Regel wirken sie eh nicht. In 18 Jahren Migräne habe ich 100 Ärzte, 200 Medikamente und 500 Fachleute konsultiert, die auch schon mal Kopfschmerzen hatten. Helfen konnte keiner.

An Tagen wie heute lässt es einen verzweifeln. Wir Menschen verpflanzen Organe, klonen alles mögliche, reparieren Embryonen im Mutterleib und können Gemütszustände mit lustigsten Präperaten ändern. Wieso um alles in der Welt kann keiner was gegen dieses Aua machen. Das habe ich nicht verdient. Mitleid erwünscht, ich nehme auch Kekse.

Objektpermanenz

Unter Objektpermanenz versteht man die Fähigkeit eines Lebewesens, die Existenz eines Gegenstandes oder einer Person nicht zu vergessen, nur weil das Objekt grad mal nicht zu sehen ist. Babys zum Beispiel begreifen erst im Alter von 8-9 Monaten, dass Mama nicht „weg“ ist, wenn sie nicht zu sehen ist. Ebenso kann man Dinge vor ihren Augen verstecken, ohne dass sie sie wieder auffinden können. Die Vorsellung des Objektes bleibt noch nicht im Geiste haften.

Eben spielte ich mit dem Baby einer Freundin. Ich versteckte mehrfach meinen Schlüssel unter der Decke. Das Baby war jedes Mal königlich verwirrt, er verstand im Leben nicht, wo dieses spannende Ding immer wieder hin war. Nach einigen malen gab ich dem Zwergen den Schlüssel und er spielte begeistert damit. Meine Freundin und ich unterhielten uns angeregt weiter und das Baby war lange gut beschäftigt. Nach etwa 10 Minuten rollte der Zwerg durch mein Blickfeld und ich war erstaunt! Das Baby hat den selben Schlüssel wie ich!

Tatsächlich hatte meine eigene Objektpermanenz, oder na ja; nennen wir es liebevoll Gedächtnis, mir einen Streich gespielt. Ich brauchte einige Sekunden und zu begreifen, dass das Baby tatsächlich MEINEN Schlüssel hatte und ich diesen höchstpersönlich weiter gegeben hatte.

Akzentuierung

Die Art und Weise, wie ein Mensch eine Situation bewertet, nennt man Akzentuierung. Inzwischen ist erwiesen, dass die Art und Wiese zu akzentuieren stark damit verbunden ist, wie psychisch gesund man im Belastungsfall aus einer Situation heraus geht.

Gestern, beim Eislaufen, haben meine Hörnchen ein wahres Exempel statuiert, die unterschiedlichen Akzentuierungstypen darzustellen. Alle drei großen Hörnchen standen zum ersten Mal auf dem Eis. Alle drei machten es erstaunlich gut und bewerteten den Tag doch vollkommen unterschiedlich.

B-Hörnchen lief von Anfang an souverän und sicher. Sie bewegte sich geschmeidig und sah durchaus elegant aus. Viele waren langsamer als sie, einige schneller. B-Hörnchen fuhr ihre Bahnen und beklagte sich in jeder Runde, sie sei schlecht und viel zu langsam. In ihrem negativ akzentuierendem Denkmuster sah sie nur die wenigen, die besser liefen als sie. Mit einzubeziehen, dass die sicher viel mehr Übung hatten als sie und außerdem ausnahmslos älter waren, war ihr unmöglich.

Durch den negativen Akzent steht B-Hörnchen sich leicht selbst im Weg. Sie traut sich wenig zu, obwohl sie in vielem so gut ist. Im Belastungsfall kann sie sich auf ihr eigenes Wohlwollen nicht verlassen. Das macht die Belastung für sie noch arger. Hierdurch ist sie auf Unterstützung von Außen angewiesen. Andererseits neigt sie nicht dazu, sich zu überschätzen. Hierdurch bleiben ihr Enttäuschungen erspart.

C-Hörnchen lief zügig aber wackelig. Ihre Gliedmaßen flogen wirr durch die Luft. Sie fiel einige Male, kam aber gut zurecht. In der Halle liefen einige schlechter, einige besser. C- Hörnchen lief ihre Runden und fand sich gut. Sie feuerte sich selbst an und sah sich ganz an der Spitze. In der Masse der Leute sah sie nur die jenigen, die schlechter liefen als sie selbst.

C-Hörnchen akzentuierte schwer positiv. Alles ist eher gut, vor allem sie selbst. Sie ist fair mit sich, gibt sich immer eine Chance. Im Belastungsfall ist sie selbst ihre beste Ressource. Hierdurch kann es ihr aber auch passieren, dass die abgehoben oder unrealistisch wirkt. Und wenn sie dahinter kommt, dass sie vielleicht doch nicht die Beste ist, kann das sehr weh tun.

A-Hörnchen lief gut. Und genauso sah er das auch. Geht, ist manchmal kompliziert und manchmal auch nicht. Manche machen es besser, andere schlechter. A-Hörnchen akzentuierte realistisch. Er erfasste die Situation nah an der Realität und bewertet sie gut. Hierdurch kann er sich selbst gerecht werden und seine Bewertung passt ins allgemeine Bild. Im Belastungsfall ist er eine realistische Stütze für sich selbst, kann aber wahrscheinlich auch Hilfe annehmen. Er kann sich auf sein Urteil verlassen und muss wenig Angst vor Enttäuschungen haben.

Keine der beschriebenen Arten tritt rein auf, auch ist keine ausnahmslos gut oder schlecht. Sinnvoll ist es jedoch, die eigene Richtung zu kennen und sich selbst gelegentlich zu überprüfen. Denn ein guter Blick auf sich selbst erhöht die Wahrscheinlichkeit im Zweielsfall gut für sich selbst sorgen zu können. Natürlich ist es gut ein soziales Umfeld zu haben, eben Menschen auf die man sich verlassen kann. Am aller wichtigsten ist es aber, mit sich selbst im Guten zu sein. Denn einen schlechten Freund kann man meiden, sich selbst nicht.

Stillen

Angesichts des gestrigen „Weltfrauentages“ bin ich über einige Artikel zum Thema Stillen gestolpert – was mich dazu inspiriert hat, auch was dazu zu sagen. Stillen also, oder sollte ich säugen sagen? Dieser Prozess also, der seit tausenden von Jahren Menschenjunge ernährt, in dem sie an der Brust der Mutter nach Muttermilch saugen. Ein evolutionärer Grundstein des Fortbestandes der menschlichen Art, denn bis vor wenigen Jahren hat man es ohne einfach nicht geschafft. Ein Reflex, etwas das von Mutter und Kind instinktiv gewünscht ist und keinerlei Denken oder Anleitung bedarf. Stillen, die Natürlichste Sache der Welt.

Und Stillen, ja. Dieser Prozess, den auch ich vier mal durchlaufen habe, bei dem einem über Wochen die Nippel blutig in Fetzen hängen. Beim Duschen die Milch sifft und man tagelang glaubt elendig zu platzen. Der zauberhaft-natürliche Prozess, der es einem erlaubt, zu jeder Zeit an jedem Ort die Kleidung zu lichten und die schmerzenden Brüste auszupacken, der es möglich macht, überall dämlich angeglotzt zu werden und den eigenen Körper zu einer Art Ausstellfläche für menschliche Absurditäten macht. Aber eben auch stillen, das kostenlose Vergnügen, das Abwehrstoffe liefert, die Bindung zwischen Mutter und Kind stärkt und keinerlei Logistik in Sachen Fläschchen und Pulver erfordert.

Es ist kompliziert und doch eigentlich ganz einfach. Rein logisch betrachtet kann fast jede Frau stillen; ist so. Tatsächlich aber leben wir modernen Tanten in einer still-unfreundlichen Welt. Keiner will es sehen, jeder weiß am besten wie es geht – vor allem die, die es noch nie gemacht haben. Stillen ist heute nichts normales sondern etwas heiliges, dass non-plus-ultra der Mutterschaft, das alle super finden und das keiner sehen will. Auf Mütter wird enormer Druck aufgebaut, jede muss immer können; und das in rauen Mengen. Nur drüber sprechen soll man bitte nicht, das ist ja peinlich.

Um das Stillen wieder zu dem zu machen, was es mal war, braucht es einzig und allein Akzeptanz. Erst wenn es wieder stinklangweilig und normal ist, seinem Kind den Nippel in den Mund zu halten, wird der Stress, die Glorifizierung und die Scham soweit verbannt sein, dass es eben einfach jeder macht.

In diesem Sinne: Stillen ist das beste für ihr Kind. Und wenn es mal nicht klappt, wird daran heute keiner mehr sterben. Keep on mopsing!

Resilienz

„Wie kann man in diese Welt noch Kinder setzen?“ Immer öfter höre ich diesen Satz. Meine Antwort ist leicht wenn auch nicht mehr selbstverständlich. Ich setzte nicht einfach Kinder in diese Welt! Ich erziehe sie zu starken, selbstbewussten Wesen, die dieser Welt nicht ausgesetzt sind, sondern sie verändern.

In der Psychologie gibt es den Begriff der „Resilienz“, der seelischen Robustheit oder Wiederstandskraft. Jeder Mensch wird mit einer Grundausstattung an Resilienz geboren. Diese ist jedoch nicht statisch; seine Umwelt und die Erziehung die er erhält bauen die Resilienz weiter aus – oder zerstören sie.

Ich möchte mich hier mit dem Ausbau von Resilienz beschäftigen. Bestimmt wird sie von diesen sechs Faktoren:

1. Die Fähigkeit, eigenen Gefühle bewusst zu erleben. Wer seien Gefühle klar erkennen und bewerten kann, der ist ihnen nicht schutzlos ausgeliefert. Ausgeliefert sein bereitet Stress, Angst und Unsicherheit. Der eigenen Gefühle Herr zu sein macht stark. Mit Kindern kann man üben Gefühle zu erkennen und zu deuten. Ist das grad Scham, Wut oder Ekel? Bin ich glücklich oder ist es etwas anderes?

2. Die Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu regulieren. Hat man ein Gefühl wie „Wut“ enttarnt, ist dies eine Erkenntnis, hilft einem aber noch nicht zwingend weiter. Was hilft mir wenn ich wütend bin, was wünsche ich mir wenn ich traurig bin. Es geht darum, Kenntnis darüber zu erlangen, wie man einen guten Ist-Zustand selbstwirksam wieder herstellen kann.

3. Die eigenen Stärken gut kennen. Was kann ich eigentlich so richtig gut? Wer das weiß, hat eine Auswahl an Handlungen, die er sich zu nutzen machen kann. Denn Dinge, die wir gut können, helfen uns durch so manches Tief. Auch Kinder sollten erkennen was sie gut können, was sie auszeichnet.

4. Kontaktfreudig sein. Der Mensch ist ein hochsoziales Wesen. Die aller meisten von uns brauchen soziale Kontakte um zufrieden zu sein. Mindestens genauso wichtig ist der Fakt, dass ein großes Soziales Netz uns in Kriesen helfen kann. Der schlimmste Liebeskummer ist besser auszuhalten, wenn man der besten Freundin die Schulter nass heulen kann.

5. Probleme lösen können. Wer ein Set an guten Problemlösungen im Koffer hat, kommt besser zurecht. Sich selbst helfen zu können, im Notfall einen klaren Kopf zu behalten und Probleme zu erkennen sind praktisch unabdingbare Fähigkeiten. Beginnen tut es im kleinen. Steht das Kind an der Haltestelle und der Bus kommt nicht, gibt es dutzende Möglichkeiten. „Nichts tun“ ist mit Sicherheit die schlechteste.

6. Wege der Stressbewältigung kennen. Wenn es doch ein mal zu viel wird, ist es gut mit dem Stress umgehen zu können. Babys beruhigen sich durch nuckeln, viele Erwachsene durch Sport. Jeder hat seinen eigenen Weg, auch Kinder sollte man ermutigen Stress abzubauen.

Was alle sechs Punkte gemeinsam haben ist, dass ein Kind Erfahrungen und Übung braucht um gut darin zu werden. Wer nie einem Problem ausgesetzt ist, der kann auch keine lösen. Von wem alle negativen Gefühle wie Trauer, Angst oder Wut fern gehalten werden, der kann sie nicht erkennen und bewältigen. Kinder brauchen keine Sichere Blase, in der sie frei von allem negativen ausgewachsen. Sicher, sie brauchen Schutz vor elementaren Gefahren, sie brauchen Begleitung und Orientierung durch die Großen; vor allem aber brauchen sie Freiheit um zu wachsen.

Wer abends im Dunkeln allein durch den Park geht hat Angst – und macht es so schnell nicht wieder. Wenn man etwas mal nicht bekommt ist man bitter enttäuscht – und lernt damit umzugehen. Wer die Hausaufgaben nicht macht bekommt Ärger- und überlegt sich beim nächsten mal doppelt was er will. Jeder kleiner Misserfolg, jeder Dämpfer und jedes Autsch machen und größer; ein Leben lang.

Ich bin raus

Ich habe versagt! Mit der TV-Sendung „Der Bachelor“ kann ich im allgemeinen nicht viel anfangen. Auch trifft sie in Sachen Frauenbild nicht gerade meinen Ton, so dass ich es mir nicht ansehe. Na ja, fast nicht. Denn die aller erste Sendung, die sehe ich immer.

In der ersten Sendung steht der angebliche Traummann die ganze Zeit vor einem Haus und nacheinander kommen alle möglichen Frauen an. Das Prozedere ist immer das gleiche: Auto fährt vor, Frau steigt aus, Begrüßen, Frau geht in Haus, nächste. Ich liebe es diese vielen ersten Begegnungen ganz genau zu begutachten und habe es mir zum Sport gemacht, anhand dieser ersten Minuten die schlussendliche Gewinnerin auszumachen.

Mit bahnbrechendem Erfolg! Bisher lag ich satte sechs mal richtig. Mit geschultem Blick war es mir jedes Mal möglich, die Jenige Welche sowie die Damen der engeren Auswahl auszumachen. Bisher.

Eben sah ich die Vorschau für das diesjährige Finale und mit blankem Entsetzen musste ich feststellen, dass meine Favoritin nicht unter den Finalistinnen ist. Ich habe versagt; ich bin kaputt. Dahin meine Kartiere als Paar-Orakel. Wenn jemand eine Problem hat, fragt nicht mich. Ich bin raus.

Fall da nicht rein

Eltern gibt’s, die gibt’s gar nicht.

Wir verbrachten den gestrigen Sonntag im Universum, einem Mitmach-Museum, wie meine Kinder es nannten. Nach einigen Stunden entdeckten die Hörnchen eine Art Matschtisch.

Binnen Sekunden hatten sie sich alle die Ärmel hochgeschoben und muddelten fröhlich vor sich hin. Der Menne und ich setzten uns an den Rand de Szenerie und sahen entspannt zu. Für uns war klar: Die kommenden 2 Stunden sind safe.

Andere Kinder kamen und gingen, andere Eltern mit ihnen. Hauptthema der meisten Eltern: Macht euch nicht dreeeckiiig!!!! Ein besonderes Highlight war ein älterer Vater zweier Jungen um die sechs und acht Jahre. Schon als die Jungs sich dem Tisch näherten bekam der Vater nervöse Flecken und zuckte. Beim ersten Matschkontakt entwickelte er eine Art Tourette, er gab ungefiltert Warnungen und Drohungen von sich. Wie ein hospitalisierter Tiger schritt er auf und ab. Nach etwa 45 Sekunden dann konnte er es nicht mehr aushalten.

Am Kragen riss er den etwa sechsjährigen zurück und fuhr ihn barsch an:“Fall da nicht rein!!“ A-Hörnchen, der direkt daneben stand, konnte sich das Lachen nicht verkneifen, ebenso wie ich. Der Mann wurde gradezu panisch, zog Taschentücher aus der Tasche und begann seine Brut zu reinigen. Noch einmal 30 Sekunden später zogen sie von dannen. Die Jungs sahen routiniert aus, die überrasche nichts. Der Vater japste histerisch nach Luft und ich starb vor Lachen.

Meine Hörnchen verbrachen viele, viele Minuten am Matsch-Tisch. Alle wurden dreckig; reingefallen ist keiner.