Streik im Lande

Die Kitas im Land Bremen werden mal wieder bestreikt. Im Klartext heißt das, heute alles dicht, Kinder zu Hause. D-Hörnchen fragte mich heute morgen, wieso denn der Kindergarten zu hätte. Da ihm der Begriff „Streik“ nichts sagte, erklärte ich also den komplexen Zusammenhang: Deine Erzieher wollen mehr Geld verdienen, weil sie viel anstrengende Arbeit machen. Der Chef von deinen Erziehern möchte ihnen aber nicht mehr Geld geben. Deshalb arbeiten die Erzieher jetzt nicht mehr; um den Chef zu ärgern.

Ich fand das recht simpel und neutral erklärt und das D-Hörnchen nickte verständig. „Mama, bist du der Chef von meinen Erzieherinnen?“ Ich schüttelte den Kopf. „Ist dein Chef der Chef von den Erzieherinnen?“. Wieder verneinte ich. „Aber wer ärgert sich denn dann?“, fragte das D-Hörnchen und traf den Nagel damit auf den Kopf.

Streik ist ein Mittel um Druck aufzubauen. Dieser Druck muss bei denen ankommen, die handlungsfähig sind – in diesem Falle die Arbeitgeber. Und hier harkt der Kita-Streik. Der Haupt-Druck landet bei den Eltern. Auch die Arbeitgeben der Eltern haben, so dann sie sozial eingestellt sind, und den Druck nicht einfach bei den Eltern lassen, etwas auszuhalten. Der Arbeitgeber der Kita-MitarbeiterInnen hingegen bekommt von all dem wenig ab. Denn weder Eltern noch Eltern-Arbeitgeber geben die Last weiter. So erwarte ich mit Bauchschmerzen das, was mir schon vor zwei Jahren beinahe das Genick gebrochen hätte: Ein laaaaaanger Kita-Streik. Denn die Gewerkschaft kann es sich leisten; und der Arbeitgeber erst recht.

Feige und dumm

Zum wiederholten Male wurde die Fatih-Moscheen in Bremen mit Islamfeindlichem Mist beschmiert. Parolen, die den Ausdruck Parole kaum verdient haben, wurden da feige, bei Nacht und Nebel an die Fassade geschmiert und hinterlassen Angst und Unbehagen. Gratis dazu gibt es einen Einblick in die schier endlose Dummheit des Menschen. Was, wozu und wogegen soll es gut sein, Menschen zu bedrohen.

Religionen erfüllen für mich, als nicht religiösen Menschen, alle den selben Zweck. Sie erschaffen eine Gemeinschaft, stellen Regeln des Zusammenlebens auf, bieten Halt, Sicherheit und Orientierung. Daran ist nichts auszusetzen, mit Sicherheit ist es sogar für viele Menschen eine gute Lösung. Ich persönlich brauche keine Religion, respektiere die der anderen und bitte darum, nicht missioniert zu werden. Tatsächlich bin ich mir recht sicher, dass das Parolen-sprühende Volk mir soweit sogar zustimmen würde. Das worum es doch geht, was sie aber nicht begreifen, ist die Radikalisierung, das „über das Ziel hinaus“. Das macht Angst, verfolgt kein unterstützbares Ziel, will einschränken oder bedrohen. Mit Islam, Christen- und Judentum hat dies jedoch nichts zu tun.

Extreme gibt es in jeder Bewegung – und fast immer ist es mir zu doll. Die Grundfesten der RAF konnte ich gut tragen, dann wurde es zu viel. Ich stehe auf gesunde Ernährung und peacige Tierhaltung – Vorträge über militanten Veganismus möchte ich trotzdem nicht hören. Trotzdem, oder gerade deswegen, versuche ich Fremdem und Neuem gegenüber stets offen zu sein. Die Dinge auf dieser Welt, die ich mir rational und ohne Furcht angesehen habe, die kann ich bewerten. Und wenn man sich so eine Moschee und die damit verbundene Gemeinde einfach mal ansieht, mit dem Menschen spricht und einen guten Tee geniest, dann kann man fast nur feststellen, dass es am Ende eben egal ist ob diese Menschen Moslems, Christen, Juden oder Holländer oder Dänen sind. Mensch bleibt Mensch und wer dummes Zeug auf Häuser sprüht, der ist nunmal extrem dumm.

Rosa Luxemburg

Heute wäre der Geburtstag von Rosa Luxemburg gewesen. Ich möchte dies zum Anlass nehmen einen Blick auf ihr Leben und vor allem auf ihren Mut zu werfen.

Rosa Luxemburg lebte von 1871 bis 1919. Heute ist sie ein Sinnbild für linke Politik und revolutionäre Gedanken. Sicherlich nicht falsch, dennoch viel zu wenig. Als Politikerin war sie aktiv, aber auch als Philosophin, Wissenschaftlerin und Autorin. Rosa Luxemburg dachte ganzheitlich, sie hatte Interesse am Menschen, daran ihn zu bilden und teilhaben zu lassen. In Zeitschriften, auf Kongressen und als Rednerin brachte sie ihr Bild von einem menschenwürdigen Leben unter das Volk und versuchte so, die Probleme an der Wurzel zu packen. Der Mensch an sich muss sein Leben anpacken, ihn hierzu zu bilden ist die Aufgabe der Revolution. Denn genau hier harkt es auch heute noch so jämmerlich. Den Menschen ein Sysem vorzusetzen, in das sie sich einsortieren sollen, funktioniert nicht. Identifikation, Würde und Partizipation sind dir Begriffe, auf denen Staatswesen beruhen. Nicht Macht, Angst und Unterdrückung.

Gegen diese drei letzteren versuchte auch Rosa Luxemburg sich immer wieder mutig durchzusetzen. Immer wieder verhaftet, immer wieder entlassen hörte sie nicht auf ihr Gestiges Gut zu verbreiten und für Ihre Ideale einzustehen. Heute bräuchten wir mehr mutige – die auch denken können. Denn leider sind es oft die Denker, die ihr Gut für sich behalten. Laut und mutig sind andere. Lässt uns lauter sein!