Genau hingesehen

Oh du kleines Männlein! Wie du da sitzt, in deinem PIKAchu-T-Shirt, von dem ich schon weiß, dass es dir eines nicht mehr fernen Tages zu klein sein wird. Fast ehrfürchtig umfassen deine schmuddeligen kleinen Finger einen Donald Duck Comic, aufmerksam und hoch konzentriert inhalierst du Sprechblase für Sprechblase. Erst seit kurzem ergeben die Buchstaben in den Blasen einen Sinn und ich sehe jedem Muskel in deinem Gesichg an, wie beeindruckt du von dieser Tatsache bist.

Dein Gesicht, wie du so in dich gekehrt da sitzt, ist nich hochrot gefärbt, der Schweiß eines verstrichenen Schultages mischt sich auf ihm mit Staub und Sand. Es ist heiß draußen, Reste von Sonnencreme unterstreichen deinen rot-braunen Teints. In der Pause habt ihr eine Höhle gebaut, mit ausgedachten Wänden und einem ausgedachten Dach, und Liam wollte die dann kaputt machen und Noel und Paul haben sie verteidigt und wir waren ganz laut.

Es ist ein zauberhaftes Alter, wenn die Welt nich voller Zauber und Magie ist, alles möglich ist und man in jeder Sekunde mit einem Wunder rechnen darf. Und dann keimt da die Vernunft, Begabung bahnt sich ihren Weg und lässt sich leiten von der Phantasie. Nicht mehr ganz aber dennoch zu großen Teilen lebst du im hier und jetzt, die Tage sind endlos und schaffen es immer wieder, auf wundersame Weise, all deine Bedürfnisse abzudecken. Und doch lebt in dir auch das morgen; an immer mehr Tagen auch das übermorgen.

Denn wenn du noch zwei mal schläfst, dann ist übermorgen. Und übermorgen, da warten ganz neue Abendteuer auf dich, ganz neue Herausforderungen und ganz ganz viele Sprechblasen. Vielleicht, wenn du Glück hast, sogar ein Eis. Oder ein Bonbon. Und wie an jedem Tag, warte ich auf dich! Wie an jedem Morgen werde ich meine Arme ausbreiten, dir einen dicken Kuss geben und dich begrüßen, als hätten wir uns wochenlang nicht gesehen.

(Guckt euch eure Kinder mal genau an! Sie sind wundervoll!!)

#blacklivesmatter

„Was machst du da, Mama?“ fragt vorhin ein vergnügtes C-Hörnchen. Ich saß am Küchentisch und zeichnete auf schwarze Pappe große Buchstaben.

BLACK LIVES MATTER

C-Hörnchen half mir auszuschneiden und wie klebten die Worte ins Küchenfenster.

Warum mache ich das? Irgendwie um kindgerechte Aufmachung bemüht, erklärte ich C- und D-Hörnchen das, was da in Amerika passiert ist – und immer wieder passiert.

Ein Mensch ist umgebracht worden, weil er schwarz ist.

Die Wahrheit ist so absurd, wie sie alltäglich ist. Menschen werden erschossen weil sie joggen, weil Fenster geöffnet sind oder weil sie im Auto nach ihren Papieren greifen. Sie werden getötet weil sie anderen helfen, weil sie leben, existieren, atmen. Menschen werden getötet, weil andere Menschen Rassisten sind, weil sie sich selbst privilegieren, sich als was besseres sehen, als weiß eben. Klingt scheiße? Ist aber so!!

„Aber hier gibt’s das nicht!“ protestierte das D-Hörnchen und führte seinen Freund Simon an, der auch schwarz ist und dessen Mama das auch ist und der Papa auch. „Die werden hier nicht geschlachtet!!“ schrie er mich an und traf den Nagel traurig gut auf den Kopf.

Recht hat er wohl. Hier wird keiner ungebracht, zumindest ist das sehr selten. Dennoch ist Alltagsrassismus auch hier bei uns allgegenwärtig. Er beginnt im Kopf eines jeden, führt sich beim einkaufen, spazieren gehen, arbeiten, tanzen, leben und sterben fort. „Ich bin ja kein Rassist, aber…“ ist nur ein banales Beispiel und durch mein privilegiertes weiß-sein kann ich weitere Beispiele nur aus dem Erleben anderer wiedergeben.

Ich werde nie im Supermarkt unbeholfen in leichter Sprache gefragt, ob ich deutsch spreche, ich wurde, obwohl ich täglich am Hauptbahnhof rumrenne, noch nie von der Polizei kontrolliert. Keiner fragt mich verlegen „wo ich denn in Wirklichkeit herkomme“ und wenn ich etwas gebraucht verkaufen will, zweifelt keiner an, ob ich sorgsam im Umgang war. Meine Nachbarn betiteln meinen Garten zwar ggf. als chaotisch, fügen jedoch nicht die „Ungeübtheit mit der Zivilisation“ als absolut abartigen Grund mit an. Ich kann mich frei bewegen, überall. Ich kenne keine Diskriminierung. Und obwohl ich in mitten einer bunten Großstadt aufgewachsen bin, politisch engagiert und all das, bin ich noch heute seltsam überrascht wenn ich sozusagen „in echt“ von Rassismus im Leben meiner Lieben hört. Gibt es das also echt in echt? Ja – überall!

Um Rassismus loszuwerden, muss er zunächst enttarnt werden. Dann angeprangert und dann muss, Zug um Zug, gegen ihn gekämpft werden. Schreit laut, mischt euch ein und most of all: reflektiert euch selbst! Wir sind alle aus dem selben Holz geschnitzt, alle aus dem selben Ei. Und es ist unser aller aller Pflicht, gegen diesen Wahnsinn aufzustehen, laut zu sein und Schulter an Schulter zubkämpfen! Jeden Tag, in Supermarkt, in der Bahn und abends auf dem Sofa.

Baumarkt, Alter!

Nachdem wir in den vergangenen acht Wochen schick vier Hochbeete zwei mal gebaut haben, den halben Garten saniert und eine 10m Hecke entfernt, einen Zaun bestellt und 1 Kubikmeter Erde verteilt haben, hat das A-Hörnchen nun begonnen, sein Zimmer zu renovieren. Die alten Möbel sind verkauft, die Butze leer. Bei Ikea ist eine Vollausstattung „Teenie-Imperium“ bestellt – Alles macht sich gut an, die Sache flutscht, dennoch wurde eins ganz klar: We need to Baumarkt. Fuck.

Die Horrorgeschichten um diese letzte Bastion der zivilisierten Gesellschaft hatten auch mich längst erreicht. Der geheime Treffpunkt der ganz Verzweifelten, eine Art rechtliche Grauzone, ein Freistaat, ein Moloch. Von florierendem Schwarzmarkt mit Einkaufswagen sprach man da und von kilometerlangen Schlangen, von schreienden Kunden und weinenden Mitarbeitern und und und. Allein der Gedanke dort hin zu gehen kam mir schäbig vor. „Muss das denn sein?“, hätte mein beherrschtes Ich sicherlich zum anderen gesagt, „kann Das nicht warten?“. Nein, kann es nicht. Und so sammeln wir alles was so an den verschiedenen Baustelen aufgelaufen war, schrieben eine akribische, lange Liste und heute früh (ja Samstag, ha ha ha) zogen das D-Hörnchen und ich los.

Ja, ich nahm auch noch eine Vierenschleuder mit zum einkaufen; ein Kind, das in den vergangenen acht Wochen praktisch nie das Grundstück verlassen hat und einfach so gern mal seinen hippen Krabbelkäfer-Mundschutz ausprobieren wollte. So zogen wir also los: Das Kind, meine Schuldgefühle, das schlechte Gewissen und ich.

An der Einfahrt zum Parkplatz standen wir zunächst mal in einer nicht näher definierten Schlange. Stoßstange an Stoßstange, 200 rein, 150 raus. Alles sah nach einem gewaltigem Chaos aus und ich mochte es nicht. Nun ja.. nützt ja nix. Irgendwann war klar, wir stehen in der KFZ-Schlange für den Drive-In des Baumarktes. Ja, sowas vornehmes gibt es hier. Nach gut 10 Minuten gelang es mir den unfreiwilligen Aufenthalt in der Schlange zu beenden und versuchte nun also den Parkplatz als solchen zu benutzen. Dies stellte sich als nicht einfach heraus. Zwar waren an sich viele Plätze frei, jedoch stauten sich überall Autos die werden ein noch aus konnten, durchzogen von einer endlosen Schlage von wartenden Fußgängern.

Wir nahmen den ersten Parkplatz links und stiegen aus. Wagen gibt es nicht, die werden zZt. streng limitiert am Eingang zugewiesen, ach ja. Also ab in die Schlange. Etwa 100-120 Personen standen vor uns. Nach einer langen, langen Phase auf allen Bereichen des Parkplatzes kamen wir nach 30 Minuten in den eigentlichen Wartebereich. Mit Hilfe von Paletten hatten man hier so Freizeitpark-ähnliche Kaskaden abgesperrt und das D-Hörnchen wurde ganz aufgeregt. Ob man da Karussell fahren kann?Langsam aber stetig ging es voran, Meter für Meter. Gleich kommt das Karussell, sagte mein Hirn immer mal wieder und freute sich zunehmend auf die Fahrt im Colossos. Nun ja.

Nach 45 Minuten nahmen wir unsern frisch desinfizierten Gebrauchtwagen in Empfang und ab ging die Fahrt. Das D-Hörnchen nahm auf der Ladefläche Platz und wir begangen zügig und diskret, wie auf den Hinweisschildern gefordert, unseren Einkauf zu absolvieren. Zaunpfosten, Einschlaghülsen, Farbe, Rollen, Pinsel, Abdeckplane… Im Turbo-Gang zogen wir unsere Bahnen durch den immer noch vollen und irgendwie unfreundlichen Laden. Dann kamen die Schrauben. Der Gang war eng und ich eher planlos. Schrauben, viele. Nicht zu dick, nicht zu dünn, eher kurz aber auch nicht zu kurz, für Holz. Ich brauchte einen Moment und einen Anruf zu Hause um dem Rätsel zwischen Senkkopf und Klopfkopf, zwischen Spax und Torx auf die Spur zu kommen. Während ich in dem Gang stand konnte kein anderer rein und so kippte die Stimmung latent. Um nicht loszuheulen kaufte ich dann halt Schrauben; so güldene, hübsche. Damit wird der Zaun sicher halten.

Eins war klar, niemand wollte in diesem Baumarkt sein, am wenigsten ich selbst. Jeder hasste jeden, es hatte etwas von Krieg. Jeder hatte den besten Grund der Welt um da zu sein, und jeder wusste, dass die anderen ihn nicht haben. Es begann zu regnen, laut trommelten dicke Tropfen auf dem Blechdach des Marktes. Ich war froh, nicht mehr draußen zu stehen, die die jetzt rein kamen waren nass. Ihre Laune machte das nicht besser. Mit eigezogenem Kopf packte ich noch ein paar Blumen auf den inzwischen vollen Wagen. Blumen, das Symbol des unnötigen Einkaufes, das geheime Erkennungszeichen der Egoisten und Nichtsnutze der Gesellschaft. Hoffentlich konnte man meine Einschlaghülsen sehen, und die Zaunpfosten; die sind legitim. Mit eingezogenen Kopf schob ich zur Kasse.

An der Kasse machte ich alles falsch, was man so falsch machen konnte. Ich stand an der falschen Stelle, ich kontaminierte die Ablagen an der Kasse mit meinen ekelhaften Waren und zu guter letzt nahm ich mir eins von den bereitgestellten Wattestäbchen zum Geheimzahl-eingeben, obwohl ich eigentlich mit dem Jedermann-Stift unterschreiben sollte. Um diese Untat zu toppen, legte ich das kontaminierte Wattestäbchen zurück in den Behälter für saubere Wattestäbchen, worauf hin die gesamte obere Lage weg musste. WEGEN MIR!!

Menschen dieser Welt! Geht nicht in den Baumarkt. Nichts auf der Welt ist so wichtig, als das man DAS tun sollte. Meidet den Baumarkt, Stay Home!!

Die Einschlaghülsen btw. waren gar keine. Müssen wieder hin, alles Mist. Das aber mache ich nach Corona, 2022, falls ich sie dann noch umtauschen kann. Fuck!

Denn wie man sich bettet..

Seit gut fünf Wochen sind die Hörnchen nun zu Hause, alles ging so seinen gang. Der Menne deckte die ersten fünf von fünf Wochen ab, beschulte vier Kinder, schmiss den Haushalt und hatte gute Laune – fünf Wochen lang. Er fühlte sich wohl in seiner Rolle als Full-Time-Daddy und füllte diese herausragend aus. Ich selbst genoss den riesen Luxus, zur Arbeit gehen zu dürfen. Morgens um neun verließ ich das Haus, tat was zu tun war, und kam gegen vier wieder. Wenn ich das Haus betrat, empfing mich der liebliche Duft von Waschpulver und Frosch Neutralseife, der Menne saß als gutgelaunt herum und die Hörnchen waren ausgeglichen am spielen. Es war himmlisch, fünf Wochen lang.

Am Donnerstag vor Ostern wurde klar, dass ich nach Ostern werde einspringen müssen. ICH!! In meinem Kopf explodierten Horror-Szenarien von schreienden Kindern, Dreck, Homeschooling in der versauten Küche, Schlafmangel und Streit; jeder Menge Streit. Ich schrie, ich heulte. Um keinen Preis wollte ich meine Freiheit – meine Arbeit aufgeben; für keinen Tag. Ohne Haftausgang würde ich dieses Corona nicht überleben, soviel war klar. Gnadenlos steigerte ich mich in das Drama hinein und erreichte am Abend des Ostersonntag, also des dritten schrecklichen Tages zu Hause, das Unvermeidliche: Ich bekam eine Migräne, die sich gewaschen hat. Glückwunsch Mutti!

Ostermontag war ich kaputt, lag jammernd im Bett. Am Dienstag durfte ich noch ein letztes Mal zur Arbeit und verabschiedete mich wortreich, als ob ich Monate lang weg sein würde. Mir blühte Schreckliches, ich werde Zeit zu Hause verbringen müssen.

Mittwoch begann das Endzeit-Szenario. Schlecht gelaunt fuschte ich Frühstück daher, hasst das Homeschooling, grummelte hier und da was ins Diensttelefon und beantwortete zu Tode gequält Emails. Mein Leben war zu Ende. Wir spielten ein doofes Spiel, wir malte ein doofes Bild und am Nachmittag kochte ich eine doofe Suppe. Beinahe hatte ich versehentlich etwas Spaß, als ich am Abend mit dem B-Hörnchen etwas bastelte – aber nur beinahe. Ich benahm mich wie eine pubertäre blöde Kuh und schaffte es erfolgreich, jeden Fokus auf mir selbst und meiner schlechten Laune zu behalten. Unreflektiert wie ein Stuhlbein kackte ich alle an, nicht ahnend, dass die anderen Stuhlbeine auch viel zu tragen haben und, dass Sitzfläche und Lehne ebenfalls leiden. Man kann es nicht anders sagen, ich war ein Arschloch. Ein leidendes, trauriges, jämmerliches – aber ein Arschloch!

Heute begann der Tag anders. Also, prinzipiell ähnlich – ich lag im Bett, es war hell, überall waren Kinder. Aber etwas war anders: Ich hatte gute Laune. Ich machte Porridge zum Frühstück ohne zu jammern und das Homeschooling danach machte sogar Spaß – hopsalla. Und dann, plötzlich beim sortieren der Dreckwäsche, fiel mir etwas ein, das ich bei lauter Drama, Chaos und Panik fast vergessen hatte: Ich liebe es doch Mutter zu sein!!

Mein Frontallappen schrie so verflucht laut nach Struktur und Stagnation, dass ich das zaghafte Klopfen der Amygdala fast überhörte. „Mach´s doch mit´m Herzen!“ sagte sie, erst ganz leise und dann immer deutlicher. Und da hatte sie so recht. Rein logisch mach ich einen verdammt wichtigen Job im Job. Vor allem aber ist es sehr „wie immer“, wenn ich da morgens hin gehe und nachmittags weggehe. Die Kinder machen was anderes, wie immer. Der Mann auch, und der macht es sogar noch schön, er putzt. Rein logisch war es eine gute Lösung, eine ungefährliche und eine harmlose. Keine Veränderungen, kein Corona. Kein Problem.

Seit heute 11:00 löse ich das Problemchen nun mit dem Herzen, nicht mit dem Doofen Verstand. Es gibt Corona, alles ist anders und es gibt ein Problem. Um das Problem zunächst vor der eigenen Haustür bewältigen zu können, tue ich das, was ich am aller besten kann: Ich bin Mama. Das konnte ich viele Jahre lang enorm gut. Ich war der Inbegriff einer Vollzeit- Mama, konnte alles schaffen und beruhigte nicht nur mich selbst sondern auch die Hörnchen immanent. Angst ist ein schlechter Berater, das gilt nicht nur im Krieg sondern auch zu Zeiten von Corona – und auch sonst. Und wenn einen doch mal die Panik überkommt heißt es: Back to basics – was war denn das letzte was mal funktioniert hat. Wenn man das erreicht hat kann man mal gucken was man zur Lösung der anderen Probleme beitragen kann. Und wenn das nichts ist, ist es immer noch ein großer Erfolg in all dem Corona nicht zum dämlichen Arsch mutiert zu sein und einfach nur Mutti (oder Vati oder Schatzi oder Frauchen der,…) zu sein.

Bleibt gesund, und Mensch!

Weitwinkel

Einkaufen ging, keiner rückte mir auf die Pelle und an der Kasse war nix los. Dennoch Zweifel; kaufe ich hier grad überflüssig ein. Frisches Obst, Eis. Beides nun mal wirklich nicht wichtig und am Ende hebt es sich ja auch auf wenn man erst besonders gesund und dann Eis isst und überhaupt. Mache ich mich da verrückt? Ob ich jetzt Laufen gehen soll, weiß ich auch nicht. Einzeln sportlich aktiv werden ist erlaubt. Aber andererseits entscheidet sich doch heute ob die Schotten dicht gemacht werden. Ratze fatze dicht übrigens, dann geht man nicht mal mehr zu Mc Donald und haben die eigentlich noch offen?

Ich bin nicht laufen gegangen. Im nahen Kleingartengebiet patrouilliert ein Polizeiauto und eliminiert Gruppen. Ich habe es selbst gesehen, auf dem Weg zum Einkaufen. Und am See, da steppt der Bär. Alle gehen sie raus, in Kleingruppen versteht sich. Es ist erbärmlich, aber die 1,5m Grenzen zwischen den einzelnen Familien werden so penibel eingehalten, dass man als einzelner Läufer keine andere Wahl hat als zu nahe zu kommen. Ich verzichte und werde fett. Na danke!

Allgemein ist es erstaunlich, was die Einschränkungen für Begehrlichkeiten wecken. Ich habe um Punkt Sofa-Uhr Hunger auf allerlei was man nicht kaufen kann, würde so wahnsinnig gern am Weserufer sitzen und Bier trinken, sehne mich nach Menschen und Kontakt. Was ist man doch für ein soziales Wesen. Bei all dem ist zu erwähnen, dass ich zu denen gehöre, die nach wie vor täglich arbeiten gehen. Ich sehe Kollegen, komme raus, tanke Licht und muss nicht 24/7 vier Kinder versorgen; noch. Aktuell macht das der Menne, der meinen ganzen Respekt verdient. Homeschooling, wer hätte gedacht, dass das seine heimliche Passion ist. Alles läuft friedlich und beschaulich vor sich hin. Auch die Kinder sind nach 8 Tagen insinde Entspannt und schaffen es nach wie vor gut, sich zu beschäftigen. Ein großer Sympathieträger hierbei ist zweifellos unser Garten. 250 Quadratmeter Luxus und neben Seife, Wasser und Klopapier grad unser Lebenselixier.

Anderen geht es da anders. Manchmal genehmige ich es meinem Hirn in die dunklen Abgründe der Corona-Affäre zu blicken. Viele Kinder werden nicht das Glück haben, mit besonnenen, liebevollen Eltern in ihren 55 m2 Wohnung zu sitzen. Fünf Wochen können lang werden und desaströs, wenn man als einzigen Verbündeten den Fernseher hat. Und was ist eigentlich mit den Kindern, die vom Jugendamt 8h am Tag in die Kita geschickt werden? Schnell komme ich an die Grenze dessen, was ich mir vorstellen kann oder möchte. Hilflosigkeit und große Betroffenheit machen sich breit; Hilflosigkeit gewinnt – haushoch.

Im Job sind es die Obdachlosen und Süchtigen, die schwere Kämpfe kämpfen. Weniger Passanten bedeutet weniger Geld bedeutet weniger Stoff – und Essen. Die Hilfseinrichtungen schließen alle nach einander und die Dealer haben zum Teil keinen Nachschub mehr. Und was kommt mit der Ausgangssperre? Werden Substitutionsprogramme aufrechterhalten? Wer süchtig ist hat keine Wahl, von jetzt auch gleich den Konsum einzustellen ist schlicht lebensbedrohlich und stellt allein dadurch keine Option dar. Lösungen gibt es noch keine, allenfalls Ideen. Woher denn auch, sowas hatten wa noch nie.

An den feinsäuberlich abgeriegelten Grenzen sitzen Tausende in Lagern und während wir uns über Familien im Park ärgern, hocken da alle in Zelten, zumindest die, die noch nicht erfroren sind. „Vorerkrankt“ bekommt hier eine neue Dimension, denn nach Monaten in Dreck & Kälte, Mangelernährung und maximalem Stress ist garantiert keine Reserve mehr vorhanden um Corona zu besiegen. Dennoch gibt es Menschen in Deutschland, deren Fokus auf den Spargelfeldern liegt und was für eine Katastrophe das doch ist, wenn ein Stück deutsche Kultur unter den Planen der Agrarwirtschaft verkommt.

Die Gewinnerin in der Sache ist ganz klar die Erde. Keine Kreuzfahrten, kaum Flieger. Die Leute lassen ihre Autos stehen und die großen Fabriken machen mal ne Pause. Einmal durchatmen und bei all dem Gejammer um Wirtschaft und Existenz, die meisten (oder zumindest viele von uns) trifft es zunächst moderat. Ganz automatisch detoxen wir sozial, Entschleunigen maximal und gucken mal ein bisschen nach links und rechts. Ein ganz bisschen zumindest, so weit wir es eben aushalten können. Traut euch Leute, ein bisschen Weitwinkel kann nicht schaden. Einkaufen für die Omi nebenan ist super, den Beitrag der Musikschule weiterzuzahlen, obwohl sie keine Leistungen erhält auch. Sprecht mit euren Mitmenschen und erkundigt euch, wie es den Selbstständigen, den Freiberuflern geht. Was noch? #staytheFuckhome und holt dieLeute aus den Scheiß Lagern und von der Straße. Die Hotels sind leer – also rein da mit den Leuten.

Corona-Ferien

Ja, ich gestehe: Auch für mich ist die aktuelle Situation skurril und befremdlich. Auch ich checke regelmäßig die Nachrichtenticker der verschiedenen Dienste und auch ich habe in den vergangenen Stunden mit Oma und Opa telefoniert um sicher zu gehen, dass es ihnen gut geht. Dennoch bin ich weit weg von Panik; ich möchte es eher einen gesunden Respekt nennen. Mit den Hörnchen bespreche ich die Sache knapp aber ehrlich. Händewaschen wurde geübt (schon vor Corona), Risiken und Gefahren erläutert. Seit wenigen Tagen ist nun klar, dass wir lange lange gemeinsam zu Hause sein werden.

Corona-Ferien, so nennt es das A-Hörnchen. Und ganz so ist es doch nicht. Jedes der Hörnchen hat einen großen Stapel Schulkram mit nach Hause gebracht, so werden wir in den kommenden Wochen das M, F und das G schreiben, schriftlich addieren, den Dreisatz, Bruch- und Prozentrechnung pauken, ein Referat über Brasilien schreiben und vieles vieles mehr. Homeschooling, spannend fand ich das ja schon immer. Vor allem aber werden wir ein großes Abenteuer erleben – ob wir wollen oder nicht.

Für uns Eltern heißt das mit Sicherheit viel Arbeit, Selbstbeherrschung und Disziplin. Letztlich haben wir es in der Hand, die Zeit zu prägen. Wir akzentuieren sie. Sind wir ängstlich und gestresst, werden es die Kinder sein und unsere schützende Nähe suchen. Sind wir abgespannt und genervt, werden sie uns nerven und sind wir entspannt und haben Freude an all dem, dann werden auch unsere Zwerge das so sehen. Was wir brauchen, um diese Entspannung trotz alle dem aufrechtzuerhalten ist vor allem ein gewisses Maß an Struktur und Kontrolle – mehr sogar als Netflix.

Strukturen erlauben es uns (und eben auch den Kindern), den Tag in überschaubare Häppchen zu sortieren. Hierdurch ist die zu füllende Zeit nicht unendlich und man sieht zu jeder Zeit Licht am Ende des Tunnels. Über 5 Wochen die Zeit von 7-20.00 Uhr mit Leben zu füllen klingt dramatisch und eskaliert in der Regel am 2. Tag gegen 9.00 Uhr. Freilauf lässt einen madig werden, wo sind wir und wo wollen wir hin, ganz ohne Grenze ist’s schwer. Häppchen also.

Den Kern der Struktur können gut die drei Hauptmahlzeiten bilden, das bietet sich an. Bei uns wird es außerdem einen Schulblock geben, gleich morgens nach dem Frühstück. Der ist doof und keiner mag ihn, dennoch muss er sein. Weitere Tagesordnungspunkte können “raus gehen”, kochen, basteln, spielen und und und sein. Wichtig ist, den Rahmen zu besprechen und dann auch einzuhalten. Natürlich ist auch Gammeln, Daddeln und Abhängen total wichtig – dennoch kennt es ja nun jeder. Am Ende gammelt es sich auch fünf Wochen lang irgendwie so dahin – nur zufrieden macht das eben nicht.

Unter dem Strich zählt das, was am Ende hängen bleibt: Die Emotionen, die unsere Kinder in 30 Jahren mit diesem Ausnahmezustand verbinden. Ich möchte ihnen etwas geborgenes, angenehmes und möglichst leichtes mitgeben. Eine Episode, die uns näher zusammen bringt und fast wie ein Geschenk daher kommt. In 30 Jahren sollen sie ihren Kindern sagen können, dass das eine verrückte Zeit war, in der wir viel zusammen gemacht haben und sie froh sein konnten, in einer großen Familie zu leben. Von genervten Eltern, langweiligen Tagen oder Streit soll keine Rede sein, und wenn wir es irgendwie vermeiden können auch nicht von kranken Verwandten oder anderen Dramen. Und so tun wir, was getan werden muss:

Keep calm and stay home!

Zwei Papas

„Können wie morgen mal die Eltern sein und ihr seid sie Kinder?“ fragte das A-Hörnchen am vergangenen Freitag. Für mich sprach nix dagegen, die Mädels hatten keine Lust, und so hatten der Menne und ich am Samstag zwei Papas von 6 und fast 13 Jahren. Spannend! Ein paar Kleinigkeiten mussten im Vorfeld geklärt werden, so hatte das D-Hörnchen (also der kleine Papa) Hausaufgaben, die erledigt werden mussten, außerdem musste dringend Wäsche gewaschen werden. Aber sonst, alles frei.

Der Samstag begann geschmeidig. Die Papas hatten uns schlafen lassen und so wurden wir erst um neun geweckt, als Kaffee und Eier gekocht, der Tisch gedeckt und Brötchen geholt waren. Mega!! Wir frühstückten entspannt und ich stellte erfreut fest, dass ich mein Handy so viel benutzen darf wie ich will. Coole Sache!! Da ich für 14:00 geplant hatte mit den Hörnchen essen zu gehen, eröffnete ich dies den Papas und der große Papa stellt kurz und knapp fest: „Nein!“ Alles Bitten, Betteln und entsetzt Glotzen half nichts, A-Hörnchen wollte nicht auswärts essen; „Das traue ich mir mit euch nicht zu!“ und klar, da hat er recht! Mit vier Kindern essen gehen ist mitunter nervig und anstrengend.. und so blieben wir zu meiner großen Enttäuschung zu Hause.

Kind sein ist so scheiße!!

Zum Mittag kochten die Papas Nudeln mit Tomatensauce. Sie gingen einkaufen und erwarben viel gesundes Zeug. Es gab sogar Nachtisch! Der große Papa räumte die Spülmaschine ein und putzte die Küche. Auch die Waschmaschine war an. Läuft hier! Während ich im Garten werkelte relaxte der Menne im Wohnzimmer, was für ein Tag. Nach dem Mittag erlaubten wir zwei Teilzeit-Kinder uns eine Runde auf dem Rad, der große Papa klarierte während dessen die Küche, saugte Staub und bereitete das Abendessen vor.

Zum Abend aßen wir Pfannkuchen mit Käse. Am Tisch übergaben die Papas den Staffelstab zurück an uns. „Und, wie war es?“ fragte das A-Hörnchen und ich lobte ihn sehr. Der kleine Große hat alles bravurös gemeistert, bedingungslos! Auch er war zufrieden, stellte aber dennoch fest, dass das alles ganzschön anstrengend gewesen wäre. Er wisse ja, was ich so alles mache, aber nicht, dass das so anstrengend ist. Tja, das ist es wohl. Dennoch, großartig gemeistert und tapfer durchgehalten. Allein die Tatsache, dass A-Hörnchen um 8:30 das Bett verlassen hat, gehört eigentlich gewürdigt! Nach all dem Lob fügte das A-Hörnchen hinzu: „Mama, ich habe auch einfach richtig gute Vorbilder.“ Was für ein Kind, so viel Liebe, so viel Herz!!

Der Gewinner des Experiments war im Übrigen der kleine Papa. Das D-Hörnchen stand am Morgen vom Esstisch auf und bewegte sich langsam aber sicher zum Süßigkeiten-Fach. Schritt für Schritt, ganz langsam ging er darauf zu und wartete jede Sekunde auf Gegenwind. Dann verstand er, dass wir Ernst machten. ER bestimmte. Um 9:30 saß der kleine Papa mitten in der Küche und aß Süßes. Danach ging er mit den Schwestern an die Nintendo Switch. Nach dem Mittag schnappte er sich das iPad um dann später einen Film zu gucken. Läuft beim Zwergie.

Groß sein ist so Cool!!

Gestatten; ich hasse Menschen!

Sonntag, 8:39 in meinem Bett. Das D-Hörnchen trällert in den schönsten Tönen einen guten Morgen in mein Ohr und der Tag beginnt. Noch fast motiviert verlasse ich Sekunden später das Bett und spurte nach unten. 16 Stufen später treffe ich B- und C-Hörnchen im Kinderzimmer. Sie bauen friedlich Lego, es ist idyllisch. Während draußen das Orkantief Sabine oder Sylvia (Silvana?) aufzieht, schreite ich die nächsten 15 Stufen herab in die Küche. Mich empfangen zwei hungrige, nein was untertreibe ich. Mich empfangen zwei nahezu vollständig verhungerte Katzen (letztes Futter vor 11,5h!!!) und ein D-Hörnchen, das spricht. Auch in meinem Kopf beginnt sich eine Sabine zu formieren. „Ruhe mal!“ sagt der langsam aufziehende Sturm in mir. „Ruhe verdammt!!“

Während ich die Katzen erlöse, beginnt das D-Hörnchen „Das verrückte Labyrinth“ aufzubauen, es fehlt eine Karte. Aus reden wird Jaulen, Jammern, kreischen. „Leck mich, lass das, still Ruhe“ sagt Sabine. Ich tröste und bin gut. Fünf Minuten später, ich habe eine Zahnbürste im Mund, ein erneuter Zusammenbruch des D-Hörnchens. Es fehlt eine Karte, immer noch!! Alter!! Ich bin seit 15 Minuten wach, habe noch nichts im Magen und das ist die dritte (oder 100.) Krise. Sabine wird deutlicher „Soll er doch die restlichen Karten essen!! Sowas unverschämtes..“. Etwas harscher als zuvor tröste ich abermals . Wir finden die Karte bestimmt. Ganz bestimmt. Bald.

Ich gehe zum Bäcker. Die 45 Sekunden Weg durch die echte Sabine sind eine Wohltat. Ruhe. Keiner spricht. Als ich ankomme, betritt grad so ne Mudder mit zwei Zwergen den Laden. Vor der Tür steht ein Fahrrad-Anhänger, in dem eine Bettdecke (!!) liegt und Sabine sagt: „Wie kann man seine Blagen so endlos verziehen, sowas dummes. Dumme Mudder, dumme Kinder, pah!“ Ich betrete den Bäcker und trällere ein freundliches „Moorgen!!“ und keiner Antwortet. Sabine ist der Meinung es wäre klug, gegen den Tresen zu treten, ich lasse es dennoch. Die Mudder mit den Blagen sucht 200 Jahre lang aus und die Blagen können sich nicht entscheiden, ob sie Schokokissen, Schokocroissant oder drei kleine Schokobrötchen nehmen sollen und die Mudder wägt 20x alle Vor- und Nachteile aller drei Optionen mit den Blagen ab. Sabine eskaliert. „Alter!! Komm mal klar, deine verzogenen Bettdecken-Blagen sind grad mal alt genug um Nahtod von Hunger zu unterscheiden. Kauf ihnen was du für gut hältst ung gut. Meine Fresse, hier verhungern auch noch andere!!!“

20 Minuten später verlasse ich den Bäcker, nachdem Sabine noch angedacht hatte, die Bäckereifachverkäuferin mit Kleingeld zu bewerfen, weil sie 3x vergessen hat, wieviele Krosse das jetzt waren und so. Mal im ernst, da bin ich schnell, strukturiert und glasklar und die olle vertüddelt alles und es dauert dann doch lange. Man man man.. Ich habe voll Hunger! Sabine auch.

Zu Haus hat das D-Hörnchne schon begonnen den Tisch zu decken. Ich bedanke mich sehr wertschätzend, Sabine meckert, dass die Brettchen schief liegen. Sie sagt es nur ganz leise, aber das D-Hörnchen hört es wohl trotzdem. Sabine meckert danach mit der Kaffeemaschine, weil die doof ist, und mit dem Kühlschrank. Sabine regt sich auch sehr sehr doll über die Wurst-Dose auf, weil die zu klein ist. Um 9:15 ist das Frühstück endlich fertig. Ich habe voll Hunger. Sabine ist inzwischen zu einem umkalkulierbaren Tornado geworden. Sabine hat keinen Hunger, sie braucht niemals mehr essen. Sie hasst einfach Menschen. So einfach ist das.

Als alle endlich sitzen ist es eine Debatte über vegetarischen Fleischsalat, die Sabine dann das Ruder übernehmen lässt. Ich fahre aus der Haut, renne auf meinen Sessel und trinke heulend meinen Kaffee. Sabine geht weg, Sturm vorbei. Ungefähr drei Jahre alt krieche ich zurück zu meiner Familie. Entschuldigung, machmal sind Mamas richtig doof. Vor allem wenn sie Hunger haben – und zu dumm sind mal eben was zu essen. Man Mama!!

…Eislaufen

Die Hörnchen wollten Eislaufen und so richtig dagegen sprach nichts. Der Menne hatte es gut, der war arbeiten, und so machten wir uns auf den Weg. Zeugnisferien T ag 1; Mittags um halb zwei. Die Laune war gut, sogar bei mir, die latente Angst vor einem Beinbruch begleitete nicht, das gebe ich zu. Denn das würde grad so gar nicht gut passen, aber wann passt das schon. So saßen wir also im Auto, halb zwei und los. Nach nur 60 Min. stop & go, 200x „wann sind wir da“ und 373x „ist das Stau oder Ampel“, erreichten wir die Eislaufhalle im Nachbarstadtteil. Mutmaßlich wären wir zu Fuß schneller gewesen, per Bahn alle male aber der Komfort…

In der Halle angekommen war es erfrischend leer, wir zahlen ein halbes Vermögen an Eintritt und ein weiteres für das Ausleihen von 5 Paar Schlittschuhen. Danach ging es ab in die Umkleide. Kalt-feuchter Fußgeruch empfing uns erwartungsgemäß und A-Hörnchen zog sich schnell seine Schlittschuhe an. Noch bevor ich etwas über den Fußboden sagen konnte, war D-Hörnchen das erste mal sockfuß über den triefenden Gummi-Belag gelaufen und beschwerte sich tränenreich über nasse Füße. Ich selbst hatte dies nicht zu verhindern gewusst – das B-Hörnchen war ebenfalls tränengetränkt. Die Schlittschuhe passten nicht. Wir tauschen unkompliziert Gr. 37 gegen Gr. 36 und Sekunden später waren die zwei großen Hörnchen auf dem Eis. Teilsieg.

Inzwischen hatte ich das nasse D-Hörnchen zurück auf eine Bank kommandiert und bat ih, die Schlittschuhe schon mal anzuziehen wie Inline, das kam mir schlau vor. Danach wendete ich mich dem C-Hörnchen zu. Tränen. Ihre Schlittschuhe in Gr. 35 passten nicht. VIEL ZU GROß!! Also tauschten wir in 34. VIEL ZU KLEIN!! Ich hing inzwischen etwa 15 Minuten fast ununterbrochen in der Hocke gebückt an den Füßen meiner Kinder und kämpfte mit dem Brechreiz. Währen ich verzweifelt versuchte dem C-Hörnchen zu erklären, dass es zwischen 35 und 34 keine andere Schuhgröße gibt, und dass sie sich entscheiden müsse zwischen „zu groß“ und „zu klein“ erklärte die nette Mutter neben mir ihrer Tochter sehr laut, dass man beim Eislaufen IMMER Handschuhe tragen müsse, weil einem die anderen sonst die Finger abfahren. Zack, ganz schnell geht das. Das Höschen lauschte aufmerksam (meins, nicht das der Frau) und sagte dann: „Wie haben keine Handschuhe dabei!“ Der Tonfall machte deutlich, dass mein Kind grad den letzten Glauben an mich verlor. Um die Situation zu retten sagte ich, nach wie vor in Kack-Haltung am Boden der Tatsachen: „Nun, dann sind die Finger halt ab im Handschuh, macht es auch nicht besser.“ Meine Hörnchen nickten verständig, die Frau weniger. Memo an mich: Ich sollte für solche Momente die Nummer des Kinder- und Jugendnotdienstes dabei haben!

Während das C-Hörnchen über die Schlittschuh-Größen-Frage sinnierte, robbte ich auf zwei eingeschlafenen Beinen rüber zum inzwischen gut gelaunten aber Schlittschuh-losem D-Hörnchen. „Viel zu klein!“ und so tauschte ich abermals. 32 gegen 33; erledigt. Minuten später hatte der Kleinste Schlittschuhe an den nassen Füßen, was ihm nichts brachte, da er mich als Stütze braucht…

C-Hörnchen war inzwischen selbst zur Ausgabe gelaufen, hatte jetzt auch nasse Socken, und brachte stolz ein Paar in der Zwischengröße. Sie passten null, waren nämlich viel zu schmal. Ich tauschte als Paar Nummer C-drei gegen Paar Nummer C-vier und nach nun gut 25 Minuten hatten auch C- Hörnchen und ich Schlittschuhe an den Füßen. Noch schnell Pipi weil immer einer muss – und los! Als wir auf unseren Schlittschuhen aus der Toilette taumeln ist das Eis leer, die Eismaschine beginnt ihre Runden zu ziehen. 20 Min. Pause, Ha ha. A- und B- Hörnchen kommen mit roten Köpfen: „Wart ihr noch gar nicht???“

Als wir nach langen 20 Minuten endlich auf´s Eis können, ist es inzwischen recht voll. Bei genauerem hinsehen erschließt sich mir warum. Die Nutzenden der Eislaufhalle gliedern sich in grob 3 Gruppen, von denen zwei durch einen Faktor vereint werden: Bewegungsunfähigkeit vor 15:00:

  1. Eltern von Kleinkindern. Erschreckend viele von denen schleifen 3 jährige im Schneeanzug mit Helm und natürlich Handschuhen über das Eis und versuchen sie irgendwie zum Eislaufen zu bekommen. Während ein Großteil der Kinder wahrscheinlich noch nicht Fahrrad fahren geschweige denn auf einem Bein hüpfen kann, sollen sie hier in voller Kampfausrüstung an ihrer Karriere arbeiten. Es ist ein Jammer! Ach ja, 15:00? Vorher macht man in dem Alter Mittagsschlaf, vor allem die Eltern.
  2. Teenies. Große Horden von 14-15 jährigen Zahnspangen-Trägern, die als weiblich zu identifizierenden von ihnen zumeist bauchfrei und mit Capri Hose, latent blaue Lippen schimmern unter dem gut verspachtelten Make up durch. Die (zukünftigen) Herren der Schöpfung eint ein abartiger Körpergeruch, gemischt aus Hugo Boss, Bruno Banane und 14 Tage altem Schweiß und ultra-hotte LED-Schliitschuhe, mit denen sie enorm hot über das coole Eis sliden. Das Balzverhalten ist beeindruckend und zugleich erschreckend mit anzusehen und hat einen eigenen Beitrag verdient.
  3. Unseresgleichen. Dumme Normalos, die einfach nur da hin gehen und ein bisschen eislaufen wollen..

Nun denn, wir eislaufen also und ich habe tolle Kinder. Die drei großen ziehen super ihre Bahnen, der Kleine übt fleißig, es ist nett. Nach etwa der Runden kommt das C-Hörnchen angelaufen, sie weint abermals: „Maammmaaa! Die Schuhe! Das geht gar nicht. Die knicken immer soooo ein und …“ Wir verlassen also das Eis und tauschen erneut. Das fünfte Paar ist ok, wenn auch hässlich. Wir gehen aufs Eis. Zwei Stunden, drei Packungen Kekse und einen Anschiß vom Personal (falscher Ort zum essen) später verlassen wir glücklich die Halle und ich denke darüber nach, vielleicht doch mal Schlittschuhe anzuschaffen,… die dann immer wenn man mal fahren will, nicht passen. Es ist ein Jammer!

Ein Bein gebrochen habe ich mir übrigens nicht. Da ich die aller aller aller meiste Zeit neben dem D-Hörnchen an der Bande her rutschte, ist dies jedoch nicht weiter verwunderlich. Und ganz am Ende, als das D-Hörnchen schon fertig war, da bin ich ein mal drei mal im Krei gefahren. Was ein Spaß, was eine Freude..!

Ach ja, wie kamen mit 50 festverbauten Fingern und gingen ebenso. Keine Verluste, trotz fehlender Handschuhe. Krass!