Alles hat seine Zeit

Im Jahr 2003 sah ich den Film „Findet Nemo“. Er war nicht grade gut und so bleib mir wenig im Kopf. Einzigst die Adresse vom Zahnarzt blieb wie in Granit gemeißelt:

P. Sherman

42 Wallaby way

Sydney

All die Jahre trug ich dieses verstaubte Wissen mit mir spazieren, genutzt wurde es nie. Ab und an ploppte es hoch, bahnte sich den Weg, vorbei an Stimmenbändern und Lippen und fiel mir aus dem Mund. Sinnlos.

Letzte Woche saß ich im Hort. Ein Mädchen zeichnete einen Fisch, tuschte ihn orange an und sagte zu mir:“Wo wohnt der Zahnarzt bei Nemo?“ Ich muss diesen Moment nicht näher beschreiben, ich war so glücklich!

Was mich diese Geschichte lehrt? Alles hat seine Zeit! Manche Dinge verstehen wir nicht, wenn wir sie tun. Anderen gegenüber verweigern wir uns oder überstürzen es. Viel mehr aber sollten wir uns im Alltag darauf verlassen, dass es schon geht wenn es an der Reihe ist. Wenn man aufhört zu zweifeln und auf sich vertraut, dann ist schon viel geschafft. Denn in jede Situation können wir nur mit dem gehen, was wir selbst dabei haben. Ein Plan, der von Zweifel und Gegenwehr ausgeführt wird, ist zum Scheitern verurteilt. Wir nennen dies eine „selbsterfüllende Prophezeiung“ und sagen gern:“Hab ich doch gleich gesagt!“

In Wirklichkeit sind wir es selbst, die unsere Pläne verwirklichen oder eben torpedieren. Wenn wir selbst nicht an uns glauben, wie sollen es dann andere tun? Manche Dinge müssen reifen; manche sogar sehr lange. So wie der Zahnarzt von „Findet Nemo“. Und am Ende hat sich jeder gewartete Tag gelohnt, allein für die irren Blicke der Kollegen, als ich DAS wusste.

Warten

Wisst ihr was auf der ganzen weiten Welt das ist, was ich am schlechtesten kann? WARTEN! Und trotzdem habe ich immer wieder den strengen Eindruck, dass ich den Großteil meines Lebens nichts anderes tue. Ich warte auf Hörnchen, Freunde, Entscheidungen und alles nur erdenklich andere, auf das man so warten kann.

Warten. Warten macht mich madig, misslaunig und lässt mich stellenweise an meiner blanken Existenz zweifeln. Warten heißt keine Zeit zu haben was sinnvolles anzufangen. Warten heißt ausgeliefert zu sein und darauf zu warten, dass der andere Zeil des Konstruktes den Startschuss gibt endlich loszulegen. Warten ist ätzend!

Als kluger Mensch würde ich jetzt anderen raten, sich etwas kurzweiliges, nettes zu tun zu suchen um die Zeit angenehm zu überbrücken. Das klünge für mich nach einem guten Plan; außer wenn ich schon warte. Denn wenn ich erst mal am warten bin, dann blockiert klug und wird sofort und postwendend durch bockig ersetzt. Und so bleibt am Ende wieder nur das blanke, hässliche, unattraktive warten.